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Workshop: Mehrstimmiger Gesang (Teil 1)

Die vertikale Komponente der Musik

Ob Backings oder Chor: Mit mehrstimmigem Gesang holst du aus jedem Song nochmal einiges heraus. Wir zeigen dir wie.


Die vertikale ...

Der Gesang ist die wohl älteste musikalische Ausdrucksform des Menschen. Er weckt in unserem Gehirn Emotionen, wie kein anderes Instrument. Wir schauen uns im Folgenden an, wie mehrere Sänger optimal miteinander harmonieren.

Heutzutage finden sich Backing-Vocals in quasi jedem Popsong. Die Beatles beispielsweise sind ohne mehrstimmigen Gesang gar nicht vorstellbar und Rockgrößen wie Bon Jovi klingen gerade dank des ausgeklügelten Arrangements so bombastisch. Die Anfänge der abendländischen Mehrstimmigkeit reichen dabei zurück ins 9. Jahrhundert. Damals versuchte man mit mächtigen Chören Gott so nahe wie möglich zu kommen. Passend zum menschlichen Stimmumfang haben sich mit der Zeit vier Tonlagen herauskristallisiert: Sopran, Alt, Tenor und Bass.

Sopran ist das höchste menschliche Register. Sänger mit diesem Stimmumfang übernehmen in einem Chor meist die Melodie. Das menschliche Ohr nimmt aufgrund seiner Beschaffenheit hohe Töne lauter wahr. Dadurch wirken Sopranisten sehr durchsetzungsfähig. Dicht hinter der Melodiestimme folgt der Altgesang, der die höhere Lage meistens mit einer tieferen Harmonie unterstützt. Diese beiden Register werden von Frauen- und Knabenchören gesungen.

Wenn Jungs in den Stimmbruch kommen, verändert sich deren Tonlage und sie fangen an, deutlich tiefer zu sprechen und zu singen. Für Männer gibt es dann die beiden Register Tenor und Bass. In einer reinen Herrenformation fungiert der Tenor als Hauptstimme. Bei gemischten Chören dient er als Füllstimme, bildet aber manchmal auch einen Gegenpol zum Sopran und übernimmt einzelne Melodieparts. Der Bass hingegen stellt immer das tiefe Fundament dar.

Heute finden sich neben klassischen Chören in der modernen Musik vermehrt A-capella-Gruppierungen und Bands mit mehrstimmigem Gesang. Auch Einzelkünstler hinterlegen ihre Stimme im Studio gerne selbst mit Harmonien, um auf der Aufnahme fetter zu klingen. Die Frage ist nur: Welches Voicing ist für meine Musikrichtung das richtige und wie komme ich selber auf die Gesangslinie einer zweiten oder dritten Stimme?


Im 9. Jahrhundert versuchte man erstmals mit mächtigen Chören Gott näher zu kommen.

Grundlagen

Das Wissen, wie man einen klassischen Chorgesang arrangiert, vermitteln wir dir in diesem Workshop nicht. Hierfür existieren schließlich unzählige Regeln, die von den Meistern der damaligen Zeit festgelegt wurden und auch heute noch von Musikhochschulen strikt eingehalten werden. Prinzipiell aber bilden Sopran und Bass den musikalischen Rahmen, in dem die Kompositionsgesetze den Registern Alt und Tenor vorschreiben, welche Töne sie zu singen haben.

Kurz erklärt läuft die Erstellung einer homophonen Chorkomposition so ab, dass der Bass die Melodie mit tiefen Grundtönen fundamentiert. Anhand der Kombination aus Bass sowie Sopran werden dann die beiden anderen Stimmen festgelegt. Viel Spielraum bleibt da nicht und ein Regelbruch wurde früher sogar stark verurteilt. Heute ist das alles lockerer. Musik soll schließlich gut klingen. Deswegen orientiert man sich zwar an der Harmonik, aber mehr noch am Gefühl.

Jetzt stellt sich die Frage: Welche Harmonien klingen gut und wie finde ich das heraus? Wenn wir experimentelle Gehversuche außen vor lassen, beschränkt sich das moderne Voicing nur auf die Töne, mit denen du einen Dreiklang um die Hauptstimme bilden kannst. Darunter fallen die Terz, die Quinte und die Oktave. Das ist auch schon das ganze Geheimnis. Damit hast du ein Schema, nach dem du immer vorgehen kannst.

Die Oktave ist die einfachste Zweitstimme, auch wenn sie genaugenommen keine neue Harmonie einführt. Versuche deine Vocals entweder mit der gleichen Melodie acht Töne höher oder acht Töne tiefer zu unterstützen. Dadurch erzielst du interessante Effekte. Popsängerin Pink zum Beispiel doppelt ihre eigene Stimme ganz gerne mit einer tieferen Oktave und verleiht ihr dadurch mehr Ausdruck. Im Hair Metal setzt hingegen die hohe Acht das i-Tüpfelchen auf einen mehrstimmigen Chorus und schiebt so die Hook in schwindelerregende Höhe. Eine Info für Fortgeschrittene: Wir reden in diesem Workshop ausschließlich von diatonischen Tonleitern.

Sopran und Alt sind die beiden höchsten Tonlagen. Sie werden meist von Frauenchören gesungen.

Das richtige Voicing

Ein interessantes Voicing, das die Wirkung deines Songs von Grund auf verändert, erreichst du mit Quinten und Terzen. Quinten dürften jedem E-Gitarristen bekannt sein: Aus Grundton plus Quinte ergibt sich ein Powerchord. Prinzipiell passt über jede Melodie eine zweite im Abstand von fünf Ganztönen. Wenn du das aber jetzt ausprobierst, klingt das möglicherweise ein wenig neben der Spur, ja sogar etwas fernöstlich. Das liegt daran, dass bei Quinten zwischen Dur und Moll kein Unterschied gemacht wird. Dadurch lässt sich kein Tongeschlecht ermitteln, was wiederum unsere europäischen Ohren irritiert.

Anders ist es bei Terzen: Wie du vielleicht weißt, differenzieren sich Dur und Moll in der dritten Stufe. Backings im Terzbereich sind deshalb am kompliziertesten zu hinterlegen, klingen dafür aber am schönsten. Die Aufgabe ist es, herauszufinden, wann du große und wann du kleine Terzen auf deine Hauptstimme singen musst. Das machst du am besten nach Gefühl. Klingt es schlecht, ist es auch falsch. Wenn du wissen willst, wie das mit Terzen in der Melodie funktioniert, dann freue dich auf unseren zweiten Teil dieser Workshop-Reihe.

Sofern eine Zweitstimme im Terzbereich den Gesang unterstützt, lohnt es sich, auszuprobieren, wie die Quinten darüber klingen. Denn da wir nun wissen, in welcher Tonart wir uns bewegen, wirkt die Quinte nicht mehr deplatziert, sondern füllt das Gesamtbild wohlklingend auf. Nun noch eine dezent beigemischte Oktavierung – und dein Track hat mächtig an Fülle gewonnen.

Das Mischverhältnis der einzelnen Stimmen ist sehr entscheidend. Dadurch lässt sich bestimmen, ob es sich bei deiner Mehrstimmigkeit um Backing-Vocals oder um einen Chorgesang handelt. Achte vor allem live darauf. Auch passt nicht jede Harmonie zu jeder Musikrichtung. Mehr dazu und tiefergreifendere Einblicke in die Welt des Voicings erhältst du im zweiten Teil der Workshop-Reihe. Viel Spaß beim Ausprobieren!



Leser-Kommentare:
Jost, 18-12-14 14:13
Prima erst Einführung: Kurz, prägnant, aber trotzdem nicht trivial.
Vielen Dank! :o)

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