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Workshop: Gesang für Einsteiger

Jeder kann singen

Aller Anfang ist schwer. Aber mit unseren Tipps kommst du schnell voran auf dem Weg zum Sänger.


Jeder kann singen

Die Idee für eine Melodie und die Lyrics schwirren bereits in deinem Kopf herum. Die Band groovt und das Feeling ist fantastisch. Jetzt geht es darum, alles gekonnt einzusingen oder im Live Club zu performen. Aber wie gehst du das an?

Der Klang einer jeden Stimme ist einzigartig. Deine Freunde erkennen dich daran und hören vielleicht sogar heraus, ob es dir gut oder schlecht geht. Nahezu 38 Prozent unserer Wirkung auf andere Menschen werden vom Klang unserer Stimme beeinflusst. Nur ein kleiner Teil von 7 Prozent sind auf den Inhalt unserer Worte zurückzuführen und die übrigen 55 Prozent nimmt unsere Körpersprache ein.

Vom Sprechen zum Singen ist es nur ein kleiner Schritt. Es ergeben sich allein durch unseren Sprachfluss schon sehr viele verschiedene Klangfarben und Tonhöhen. Probier es einfach aus und sprich oder besser rufe mit überschwänglicher Freude den Satz: „Hey, du bist ja schon da!“, danach sagst du völlig enttäuscht: „Jan hat für Morgen abgesagt.“ Als letztes, fügst du mit leiser Stimme aber nicht flüsternd hinzu: „Ich habe gehört, er hat eine andere Band.“
 
Du bemerkst sofort, dass der erste Satz viel höher klingt als der zweite. Die dritte Aussage ist noch tiefer. Der tonale Abstand zwischen den Sätzen kann durchaus von einer Quarte (vier Töne) bis zu einer Quinte (fünf Töne) reichen. Wenn du diese beiden Abstände, in der Musik heißen sie Intervalle, zusammenfasst, steht dir bereits mindestens eine Oktave zur Verfügung. Mit diesem Stimmumfang kannst du eigentlich schon „Oft gefragt“ von AnnenMayKantereit, „Valerie“ in der Fassung von Amy Winehouse oder „I Shot The Sheriff“ von Altmeister Bob Marley bewältigen. Wenn da nicht dieses Wörtchen „eigentlich“ im letzten Satz stehen würde...! Ein bisschen Üben solltest du schon. Vor allem, um Vertrauen, Selbstbewusstsein und Routine im Umgang mit dem ältesten Musikinstrument der Welt, deiner Stimme, zu erlangen.

Der Kraftstoff für die Stimme ist natürlich die Atemluft, noch genauer die Ausatemluft. Da haben wir erst einmal Glück! Atmen können wir alle und das seit dem ersten Blick in das Gesicht unserer Hebamme. Genau diese Atmung von damals, aus der Zeit als Baby, musst du wieder aktivieren. Aber wie? Am effektivsten ist es, die Lunge so weit wie möglich nach unten auszudehnen. Diese Ausdehnungsrichtung ergibt sich aus der Beschaffenheit des Brustkorbes. Oben sind die Schultern. Deine Schultern beim Atmen anzuheben sieht nicht gut aus und bringt für die sängerische Atmung nicht viel. Rund um den Brustkorb kannst du deine Rippen ertasten. Auch bei ihnen hält sich die Möglichkeit der Ausdehnung in Grenzen. Nur die unteren Rippen kannst du etwas nach außen dehnen. Wie Oma immer sagte: „Nun atme erst einmal tief durch“! Genau das kannst du jetzt mit der folgenden Übung ausprobieren.

Atemübung:

1.    Nimm auf einem Stuhl entspannt Platz und lehn dich an. Die Schultern lässt du locker hängen und deine Hände liegen auf deinen Oberschenkeln. Jetzt denkst du an Omas Worte. Atme ruhig und gleichmäßig und spüre, wo sich die Luft in deinem Körper ausbreitet. Was dehnt sich beim Einatmen und wo entspannt es sich beim Ausatmen?

2.    Bemühe dich, ganz leicht durch die Nase oder den Mund einzuatmen. Die Schultern hängen dabei immer noch locker nach unten. Du spürst wie sich deine Bauchdecke beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt. Genau diese Art der Atmung brauchst du.

3.    Probiere genau diese Atmung stehend, gern auch mal mit einer umgehängten Gitarre.

4.    Atme gleichmäßig, ruhig und tief ein. Das Ausatmen soll nun so lange wie möglich in bequemer Stimmlage auf einem stimmhaften „S“ erfolgen. Der Konsonant darf nicht zittrig klingen oder flattern. Setze die oberen Schneidezähne auf die Unterlippe und wiederhole diese Übung auf dem Konsonanten „w“.



Der Gesang muss raus – mach ihm also Platz.

Auf den Atem kommt es an

Das Zwerchfell oder Diaphragma ist der für die Einatmung zuständige Muskel. Du kannst diesen Muskel nicht bewusst trainieren. Das Zwerchfell kann nur durch eine tiefe Atmung aktiviert werden und genau das soll dein Ziel sein. Lässt du die Atemluft gleichmäßig, ruhig und so tief wie möglich in deinen Körper fließen, dann bemerkst du nicht nur wie sich deine Bauchdecke beim Einatmen hebt, sondern sogar wie sich zusätzlich deine Seiten weiten (Das reimt sich sogar!) Beim Ausatmen entspannt sich wieder alles. Es ist also ein ständiger Wechsel zwischen Spannung und Entspannung. Wenn du deine Stimme effektiv einsetzen möchtest ist diese Art des Atmens die beste Wahl.


Um den Schritt vom Sprechen zum Singen zu verkürzen, möchte ich dir gern vier Sprechübungen aus meinem Programm vorstellen:

1.    Sprich bitte die Vokale „o - u -  a -  e -  i“  in genau dieser Reihenfolge und hänge sie dann an die Silbe „bam“ an. So bastelst du folgende Zeile:

bamo - bamu -bama - bame - bami

Bitte wiederhole diese Zeile einmal in überschwänglicher Freude, einmal völlig enttäuscht und einmal so leise es geht, aber ohne zu flüstern.

2.    Nimm noch einmal die Vokale „o - u -  a -  e -  i“ und füge sie an die Silbe „bamaw“ an. Es entsteht die Zeile: bamawo – bamawu – bamawa – bamawe – bamawi, auch diese Zeile sollst du in verschiedenen Lautstärken und Tonlagen sprechen.

3.    Damit es nicht langweilig wird, erweiterst du die Silbe noch einmal. Jetzt heißt es „bamawago - bamawagu - bamawaga - bamawage –bamawagi“ bitte probiere auch bei dieser Übung verschiedene Tonlagen und Lautstärken, lass deiner Fantasie freien Lauf.

4.    Atme wieder ruhig und tief ein. Jetzt kombiniere die Silben folgendermaßen und bemühe dich alle fünf Dreiergruppen hinter einander weg auf einem Ausatemstrom zu sprechen.

bamo  - bamawo  - bamawago ,
bamu -  bamawu  - bamawagu,
bama -  bamawa  - bamawaga,
bame  - bamawe   - bamawage,
bami  -  bamawi   - bamawagi


Diese Übungen eignen sich hervorragend dazu, deine Stimme in Schwung zu bringen. Du kannst sie überall üben und nach kurzer Zeit wahrscheinlich auswendig. Wenn es dich interessiert, kannst du gern auf unserer Site zusätzliche Übungen als „Nachschub“ holen. Vielleicht hast du auch noch ein Gedicht oder einen Prosatext auf Lager. Benutze es ebenfalls in verschiedenen Tonlagen und Lautstärken zum Trainieren deiner Stimme. Deine eigenen Lyrics sind dafür natürlich besonders gut geeignet. Durch das bewusste Sprechen in verschiedenen Tonlagen und mit unterschiedlichem Ausdruck werden sich ungeahnte Möglichkeiten für deine zukünftige Performance ergeben.

Du kannst nur das singen, was du dir vorstellen kannst. Damit meine ich, dass jeder Ton zuerst im Kopf entsteht bevor er den Mund verlässt. Beim Sprechen ist es übrigens genau so. Selbst bei ungewollten Äußerungen.  Also nix mit „Das ist mir so rausgerutscht!“

Auch deine Stimmung beeinflusst deinen Gesang massiv.

Auf zum ersten Ton

Es wäre auf jeden Fall gut, wenn du ein Instrument wie Klavier oder Gitarre spielst. Spiel nun bitte den Ton „E“.


1. Höre bitte intensiv auf den Ton „E“, solange du ihn spielst. Dann hör auf und denk an diesen Ton. Stelle ihn dir ganz genau vor. Versuche bitte, diesen Ton auf der Silbe „ba“ zu singen. Spiele ihn nun wieder ... und? Ist es der gleiche Ton? Na siehst du, sehr gut. Falls er es nicht ist, auch gut. Denn dadurch weißt du jetzt immerhin, wie es nicht sein soll. Also nochmal. Wiederhole es so lange, bis es klappt. Selbstverständlich kannst du auch weitere Töne hinzunehmen.


2. Spiel wieder den Ton „E“ und sing auf der Silbe „na“ den Anfang des Kinderliedes „Kuckuck, Kuckuck ruft´s aus dem Wald“ oder die erste Zeile des Bob Dylan Klassikers „Blowing in the Wind“ Die Melodie muss mit dem Worten „Wald“  bzw. „down“ genau auf dem Ton „A“ unter dem „E“ enden. Alles klar, oder?  Falls du dir nicht sicher bist, ob es schon richtig ist, dann nimm diese Gesangsübungen einfach mal mit dem Handy auf und hör sie dir hinterher an.

Erinnerst du dich an die Sprechübungen von vorhin? Kannst du sie dir schon vorstellen oder vielleicht sogar auswendig? Wenn nicht, ist es auch kein Problem, wir benötigen jetzt erst einmal die Silben aus der ersten Übung.

1. Gesangsübung
Sicher hast du es dir gedacht: Du sollst diese Übung natürlich in verschiedenen Tonlagen und Lautstärken singen. Auch beim Variieren des Tempos hast du viele Möglichkeiten.

Auf der Gitarre kannst du gern deinen Kapodaster Bund für Bund nach oben schieben. Als Keyboarder und App User schaust du bitte nach dem Transpose – Button, falls du nicht in verschiedenen Tonarten spielen kannst.

Spielst du bereits ein Instrument, so kannst du gleich die von mir darüber notierten Akkorde benutzen. Wer nicht so gut nach Noten spielen kann, sollte darauf achten, dass die Töne der Silbe „bama“ auf der schwarzen Taste zwischen D und C und zwar auf dem C# (Cis) gespielt werden. Falls du das verpasst, klingt die Melodie automatisch in Moll. Das singt sich allerdings auch sehr schön. Für die notenunkundigen Freunde der Gitarre befindet sich der Anfangston „E“ im II. Bund auf der D- Saite.

2.    Gesangsübung
Diese Übung basiert auf der Sprechübung 2 und ist schon etwas umfangreicher.
Bitte sing auch diese Übung in verschiedenen Lautstärken und natürlich auch in verschiedenen Tonlagen:

3.    Gesangsübung
Jetzt kommt das i – Tüpfelchen, basierend auf Sprechübung 3:

Erstmal nen leckeren Kaugummi einschieben. :)

Übung macht den Meister – aber nicht übertreiben ;)

Gesangsübungen gibt es wahrscheinlich mehr als Apps für das iPhone. Ich halte es für den besten Weg, sich musikalisch und textlich am Anfang auf einige wenige Übungen zu beschränken. Allein durch die verschiedenen Ausdrucksformen, die verschiedenen Tonlagen und das Verändern des Tempos kommst du mit den von mir vorgeschlagenen Übungen locker auf    15 Minuten Stimmtraining. Lass deine Stimme klingen wie beim Sprechen und versuche nicht sie zu verstellen.

Diese 15 Minuten sollten anfangs zweimal am Tag Einzug in deinen musikalischen Stundenplan halten. Damit meine ich nicht das Trällern unter der Dusche oder im Auto. Versuche eine Umgebung für das Singen zu schaffen, die sich nicht allzu sehr von den späteren Gigs unterscheidet. Das heißt, dass dabei die einzig erlaubte „Nebentätigkeit“ das Spielen deines Instrumentes ist. Im günstigsten Fall bist du 40 Minuten vor den anderen Bandmitgliedern im Proberaum, um mit den neuen Übungen zu arbeiten. Den ersten Teil kannst du ruhig im Sitzen sprechen und singen. Nach einer fünf-minütigen Pause stellst du dich für die zweiten 15 Minuten an dein Mikrofon und übst alles unter Live- Bedingungen.  So, wie du dich selbst durch Mikro und den Speaker hörst, so hören dich auch alle anderen. Schneide einmal alles mit, wozu ein Handy meistens schon ausreicht. Schau und hör dir alles in Ruhe an.

Der größte Anfängerfehler ist ... nicht zu üben.

Das Ziel von Stimmübungen ist es, einen ausgiebigen Training- und Erkenntniseffekt zu erzielen. Durch die Aufgabe, alle Übungen in verschiedenen Varianten zu sprechen und zu singen, lernst du, die richtige Lage deiner Stimme zu finden. Es geht nicht darum, immer alles perfekt zu machen. Nobody is... bla, bla bla... (die Silbe „bla“ eignet sich übrigens unter Zuhilfenahme der oben notierten Melodien und mit wechselnden Vokalen auch sehr gut als warming up). Du lernst durch das Variieren der Übungen verschiedene Sounds deiner Stimme kennen um sie später bewusst einzusetzen. Fang an mit Tonarten zu experimentieren! Es ist nicht zwingend die Tonart richtig, in der du einen Song kennst, ihn gerade im Netz oder in einem Songbook gefunden hast. Die Tonart des Liedes muss zu deiner Stimme passen.

Singen darf anstrengen, schließlich ist es ja auch eine besondere Leistung deines Körpers. Aber es soll eine schöne, dich zufrieden stellende Anstrengung sein. Du kannst bei bester Gesundheit und bei einem ausgeglichenen Wechsel zwischen Spannung und Entspannung ohne Probleme viele Stunden am Tag singen.

Die besten Songs für den Anfang sind natürlich Songs, die du schon auf dem Schirm hast. Es wäre gut, wenn sie den Umfang einer Oktave nicht überschreiten, dir rhythmisch keine Probleme bereiten und genug Pausen für die ruhige, tiefe Atmung beinhalten.

Ich habe zu Beginn des Workshops schon drei solcher Songs genannt. Gut machen sich auch „Stand by me“ vom guten alten Ben. E. King , „ Too Close“ von Alex Clare und „Don´t stop believin´“ von Journey. Auch hier gilt wieder, dass die originale Tonart für dich nicht die beste Tonlage sein muss.

Gesangspädagoginnen und Pädagogen haben an einer Hochschule oder Universität genau das studiert, was du lernen möchtest. Sie tragen Titel wie „Bachelor of Arts“, „Master of Arts“ oder „Diplom Musikpädagoge“, das kommt darauf an, wo und wann das Studium absolviert wurde. Den Kontakt zu einer professionellen Gesangslehrerin oder zu einem Gesangslehrer solltest du auf jeden Fall suchen. Vor allem, wenn du planst regelmäßig und viel zu singen. Viele Gesangspädagoginnen und -pädagogen sind parallel auch „on stage“ aktiv und bieten dir sicher gern eine kostenlose Probestunde an. Im Unterrichtsraum des 21. Jahrhunderts sollten ein Klavier oder ein Flügel und eine gute Gesangsanlage stehen. Ein großer Spiegel, eine Kamera, ein PC oder Mac mit Recordingsoftware, gehören ebenfalls dazu. Deine zukünftige Lehrerin oder dein Lehrer kann das alles problemlos bedienen und mindestens ein Instrument spielen um dich im Unterricht oder bei kleinen Konzerten zu begleiten.

Über den Gesangsunterricht lernst du in der Regel sehr schnell viele weitere Sängerinnen und Sänger kennen. Ihr könnt über eure Erfahrungen sprechen, gemeinsam singen und euch gegenseitig im Background unterstützen. Wenn das alles passt, wirst du schnell Erfolg und viel Spaß beim Sprechen und Singen haben.




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