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Im Fokus: Mikrofon-Basics für Sänger

Stimmwandler

Mikrofone sind nicht einfach nur Werkzeuge, sondern ein essenzieller Teil des Gesangssounds. Hier die wichtigsten Basics.


Stimmwandler

Mikrofone dienen eben nicht nur einfach dazu, Gesang zu verstärken oder aufzunehmen. Sie gehören zu den essenziellsten Werkzeugen eines jeden Vokalisten. Aus diesem Grund ist es unumgänglich, ein solides Grundwissen zu den kompakten Schallwandlern zu besitzen. Sonst kann man nicht das Maximum aus ihnen herausholen bzw. den optimalen Partner für seine Stimme finden.

Eines sollte im Umgang mit Mikrofonen gleich von Anfang an klar sein: Sie wandeln akustische Signale nie völlig neutral in elektrische Spannung um. Selbst mit modernster Technologie lässt sich eine klangliche Verfärbung und somit ein eigener Charakter nicht vermeiden. Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil wirkt, entpuppt sich in Wirklichkeit als großer Vorteil, ja, ist in vielen Fällen sogar so gewollt. Je nach Wandlerprinzip und Funktionsumfang geschieht dies auf unterschiedliche Art und Weise – dazu gleich mehr.

Jedes Mikrofonmodell eignet sich mit seinen Eigenheiten für gewisse Tonlagen und Gesangstechniken besonders gut. Ein Schallwandler etwa, der tiefe Signalanteile unterdrückt und seidig schimmernde Höhen liefert, empfiehlt sich eher für filigrane Frauenstimmen als für tiefen Männergesang. Hinzu kommen Hörgewohnheiten und unverwechselbare Stilelemente, die kaum wegzudenken sind. In der Regel heißt das unter anderem: Wo bei Rock ein rauer und bei Rap ein direkter Stimmklang erwartet wird, ist es bei Soul ein luftiger und bei Klassik ein möglichst natürlicher. Zugegeben, die Grenzen sind hier nicht klar auszumachen und es ist nicht unüblich, dass eine Band bewusst ganz andere Ziele verfolgt. Aber wie funktioniert ein Mikrofon überhaupt?


Je nach verwendeter Technologie haben verschiedene Mikrofone unterschiedliche EIgenschaften – und müssen unterschiedlich gehandhabt werden.

Bauweisen

Das Grundprinzip aller gängigen Bauweisen ist erst einmal das gleiche: Schall trifft auf eine Membran, wodurch diese entsprechend zum Schwingen angeregt wird. Diese Schwingungen wandelt das Mikrofon in ein elektrisches Signal um. Das für musikalische Zwecke am weitesten verbreitete Wandlerprinzip ist dabei die Tauchspule. Hier ist direkt an der Rückseite der Membran eine Spule befestigt, die um einen Magneten platziert ist. Beginnt die Spule zu schwingen, bewegt sie sich in diesem Magnetfeld – es wird Spannung induziert.

Tauchspulenmikrofone besitzen eine verhältnismäßig dicke Membran. Das macht sie mechanisch unempfindlich gegenüber Stößen und Schlägen, geht aber auch mit einer gewissen Trägheit einher. Vor allem in den hohen Frequenzlagen ist hier im Vergleich zu Mikrofonen in Kondensatorbauweise weniger los. Was Tauchspulen jedoch gut vertragen, ohne schnell den Dienst zu quittieren, sind hohe Schalldruckpegel. Zudem brauchen sie keine Phantomspeisung (also eine externe Stromversorgung), können aber auch grundsätzlich mit Spannungsversorgung betrieben werden ohne Schaden zu nehmen. Unterm Strich: Tauchspulen sind im Vergleich einfach handzuhaben, unempfindlich und günstig.

Im Gegensatz zu Tauchspulen kommen Kondensatormikrofone gänzlich ohne Spulen und Magnete aus. Hier besteht die Membran aus einer hauchdünnen Folie. Diese ist entweder aus Metall oder metallisiertem Kunststoff gefertigt und dadurch elektrisch leitfähig. Dicht dahinter sitzt eine Metallplatte – die Gegenelektrode. Wird nun eine Versorgungsspannung angelegt, entsteht zwischen Membran und Gegenelektrode ein elektrisches Feld. Durch die von Schall angeregte Auslenkung der Membran kommt es schließlich zu Kapazitäts- bzw. Spannungsänderungen. Das Ergebnis: das heißbegehrte Signal.

Durch die dünne Membran sind Kondenser mechanisch recht empfindlich. Zugleich bilden sie Signale impulsgenauer ab und punkten vor allem in hohen Frequenzbereichen. Allerdings vertragen Kondensatormikrofone nicht allzu heftige Schalldruckpegel ohne zu clippen. Außerdem benötigen sie in der Regel eine Phantomspeisung, um überhaupt ein Signal liefern zu können. Soll der Gesang also mit einem Kondenser übertragen werden, empfiehlt es sich sich zu vergewissern, ob das Mischpult, der Preamp oder das Audio-Interface eine Phantomspannung (von meist 48 Volt) liefern kann. Bei Kondensatormikrofonen wird des Weiteren zwischen Großmembran und Kleinmembran unterschieden: Membrane mit einem Zoll Durchmesser und darüber gelten als Großmembraner, solche unter einem Zoll als Kleinmembraner.

Wie das Tauchspulenmikrofon zählt auch das Bändchenmikrofon zu den Vertretern der dynamischen Bauart. Die dünne, meist zackig-gefaltete Aluminiummembran befindet sich hierbei zwischen zwei Magneten. Beginnt die Membran zu schwingen, wird Spannung induziert. Da an der dünnen Membran – anders als bei Tauchspulen – unter anderem keine Spule befestigt ist, besitzen Bändchenmikrofone eine hohe Impulstreue. Außerdem weisen sie im Gegensatz zu anderen Mikrofonen einen von Grund auf sehr linearen Frequenzgang auf. Leider sind sie tieferen Frequenzen nicht gewachsen, was für den Gesang jedoch eher unerheblich ist.

Durch ihre dünne Membran sind Bändchenmikrofone anfällig für Plosivlaute, Windgeräusche und Erschütterungen. Dies äußert sich in ungewollten Störgeräuschen im Signal. Zudem besitzen sie meist die Richtcharakteristik Acht, da sie baubedingt von beiden Seiten gleichermaßen besprochen werden können. Nichtsdestotrotz liefern sie einen unverwechselbaren seidigen, natürlichen Klang. Hierfür gibt es jedoch eine Voraussetzung: einen geeigneten Vorverstärker. Immer wieder ist zu lesen, wie sich Laien über einen grauenhaften Klang ihrer Bändchenmikrofone beschweren. Ein Blick ins Datenblatt oder eine freundliche Mail an den Hersteller verschafft hier Klarheit. Eine Faustregel besagt hierbei: Die Eingangsimpedanz des Vorverstärkers sollte mindesten 1.500 Ohm betragen.

Die Richtcharakteristik ist eine der entscheidenden Eigenschaften eines Mikros – hier der Bühnenklassiker „Niere“.

Eigenheiten

Weit über die Bauart hinaus gibt es Eigenschaften, die Mikrofone voneinander unterscheiden. Gleich zu Beginn ist hier die Richtcharakteristik zu nennen. Diese sagt aus, wie pegelempfindlich das Mikrofon aus unterschiedlichen Richtungen ist. Die wichtigsten Charakteristiken hierbei sind: Kugel, Niere, Superniere, Hyperniere und Acht. Als Referenz wird dabei die Haupteinsprechrichtung genommen – die sogenannte „On-Axis“. Ein Mikrofon mit Nieren-Richtcharakteristik etwa ist an der On-Axis am empfindlichsten und 180° dazu (also von hinten besprochen) am unempfindlichsten.

Doch wozu dient nun die Richtcharakteristik eines Mikrofons? Je gerichteter ein Mikrofon, desto weniger ungewollter Schall wird übertragen. Das gilt etwa für die Reflektionen, die bei Gesangsaufnahmen in einem Raum zwangsläufig entstehen – schließlich lässt sich mit einem trockenen Signal besser arbeiten als mit einem, das völlig verhallt ist. Auf der Bühne sieht es allerdings anders aus: Hier hat das Vermeiden von Rückkopplungen höchste Priorität.

Feedback entsteht vor allem dann, wenn sich das Mikrofon zu nahe an der Monitorbox oder der PA befindet und das wiedergegebene Signal abermals überträgt. Es entsteht eine Schleife, wobei sich abhängig vom Abstand, dem Raum sowie anderen akustischen Gegebenheiten gewisse Frequenzen aufschaukeln. Es entsteht ein nerviges Pfeifen, das schon das eine oder andere Konzert erfolgreich ruiniert hat. Genau deswegen ist es sinnvoll, Richtcharakteristik und Monitorposition so zu wählen, dass das Mikrofon mit seiner unempfindlichsten Seite auf die Lautsprecher zeigt.

Wo wir schon beim Thema Feedbackvermeidung auf der Bühne sind: Mikrofone sind entsprechend handzuhaben, um Feedback zu vermeiden. Jedwede Richtwirkung verliert an Bedeutung, sobald ein Sänger das Mikro korbumschließend greift. Aber warum eigentlich? Ganz einfach: Um eine Richtwirkung technisch umsetzen zu können, werden Schalleinlässe benötigt, die meist im hinteren Teil des Mikrofonkorbs angesiedelt sind. Durch eine spezielle Schallführung trifft dadurch rückwärtig einfallender Schall phasenverkehrt auf die Rückseite der Membran – das Signal löscht sich bis zu einem gewissen Grad aus. Werden diese Öffnungen verdeckt, kommt Schall von allen Richtungen an der Membran an, wodurch sich die Richtcharakteristik einer Kugel ergibt.

Oft ist im Zusammenhang mit Mikrofonen die Rede vom Nahbesprechungseffekt. Doch: Was macht dieser eigentlich mit dem Signal und wann tritt er auf? Je näher ein Mikrofon besprochen wird und je mehr Richtwirkung dieses aufweist, desto mehr macht sich eine Anhebung tiefer Frequenzen bemerkbar. Das kann – je nach Genre und Stimme – ungewollt, aber auch gewollt sein. Allerdings gilt das nicht für alle Mikrofontypen: Vom Nahbesprechungseffekt sind nur Druckgradientenempfänger betroffen, also Mikrofonkapseln, die nach hinten hin offen sind.

Im Studio lässt sich einfach mit dem Nahbesprechungseffekt spielen: Abhängig davon, ob er gewollt ist oder nicht, kann der Mikrofonabstand entsprechend gewählt werden. Auf der Bühne ist das nicht ganz so einfach. Schließlich erfordert hier ein größerer Abstand zum Mikrofon auch mehr Gain am Vorverstärker – die Feedbackgefahr steigt. Kleben die Lippen am Korb, ist jedoch mit pegelstarken Plosivlauten, Windgeräuschen und anderen Störsignalen zu rechnen. Gute Anhaltspunkte für den Abstand zwischen Mikrofon und Mund sind eine gespreizte Hand für Aufnahmen im Studio und etwa drei Finger für Live-Zwecke. Übrigens: Da sich bei der menschlichen Stimme unterhalb von 80 Hz kaum etwas tut, empfiehlt es sich eigentlich immer, einen Lowcut-Filter zu nutzen. Dadurch werden etwa Trittschall im Studio oder Griffgeräusche bei handgehaltenen Mikrofonen auf der Bühne unterdrückt.

Auch wenn viele Mikrofone ähnlich aussehen – klanglich unterscheiden sie sich oft heftig. Da hilft nur persönliches Antesten.

Fokus auf dem Mikro

Wie eingangs bereits erwähnt: Nicht jedes Mikrofon passt zu jeder Stimme – und umgekehrt. Aus diesem Grund kann man nur empfehlen, mehrere Modelle anzutesten und diese so miteinander zu vergleichen. Nur dadurch lässt sich herausfinden, welcher Schallwandler am besten mit der eigenen Stimme harmoniert. Die meisten Musikgeschäfte halten speziell für diesen Zweck eine kleine Beschallungsanlage bereit. In den meisten Fällen ist es jedoch sinnvoll, die Mikrofone der engeren Wahl auch mit in den Proberaum oder ins Home-Recording-Studio zu nehmen und diese direkt unter bekannten Bedingungen auszuprobieren. Nicht zuletzt wirken sich schließlich auch das benutzte Equipment, der Raum und selbst die Kabel auf den Sound aus.

Gesangsmikrofone sind – wie eigentlich alle Mikrofone – Allrounder. Das heißt, sie lassen sich nicht nur für die Stimme verwenden, sondern genauso für Instrumente und andere Schallquellen. Allerdings ist nicht immer garantiert, dass ein speziell auf Gesang abgestimmtes Mikro etwa vor einer Akustikgitarre zufriedenstellende Ergebnisse liefert. Andererseits kann es durchaus auch Überraschungen beim Herumexperimentieren geben – das gilt sowohl für dynamische Mikrofone als auch für Kondenser.

Leider von vielen Sängern völlig vernachlässigt, aber eigentlich absolut essenziell für eine möglichst lange Lebensdauer: die Pflege des geliebten Schallwandlers. Hierzu zählt eben nicht nur das oberflächliche Staubwischen, sondern ebenso das Reinigen des Mikrofonkorbs. Spucke kann besonders aggressiv wirken, weswegen bei Live-Mikrofonen nach jedem Gig der Korb zumindest abgewischt werden sollte. Das Mikrofon fängt nach einer gewissen Zeit zu stinken an? Kein Wunder, denn im Innenschaumstoff sammeln sich neben Spucke auch andere organische Partikel an, die irgendwann zu faulen beginnen. Darum sollte in regelmäßigen Abständen der Korb abgeschraubt und der Schaumstoff gewaschen oder ersetzt werden. Denn erst mit der richtigen Pflege bleibt alles länger so, wie es sein sollte.

Hier unsere Kandidaten für die Bühne: Shure SM58 (dynamisch), Røde M2 (Kondensator) & beyerdynamic TG V90r (Bändchen).

Drei für Bühne und Proberaum

Hier drei Mikrofone, die sich optimal für den Live-Einsatz eignen (aber der Markt bietet natürlich noch viele mehr):


•    Shure SM58: Das wohl weltweit bekannteste Gesangsmikrofon kommt in Form einer Tauchspule. Shures SM58 ist nicht nur extrem hart im Nehmen, sondern weiß vor allem durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten unter nahezu jeder Bedingung zu überzeugen.


•    Røde M2: Im Gegensatz zu anderen Kondensatormikrofonen empfiehlt sich das M2 selbst für den Einsatz in akustisch schwierigen Situationen. Aufgrund seiner feinen Auflösung in hören Frequenzbereichen schmeichelt es besonders nuancenreichen Stimmen.


•    beyerdynamic TG V90r: Der Heilbronner Hersteller hat es geschafft, den unverwechselbaren Klang von Bändchenmikrofonen auf die Bühne zu bringen. Dank seiner Nieren-Richtcharakteristik ist das TG V90r dabei erstaunlich unempfindlich und rückkopplungsresistent.

Drei empfehlenswerte Kndidaten fürs (Home-)Studio: Das Electro-Voice RE320 (dynamisch), das Sennheiser MK 4 digital (Kondensator) und das sE Electronics X1r (Bändchen)

Drei fürs Studio

Hier findest du drei Mikrofone, die sich optimal für Recording-Zwecke eignen (aber der Markt bietet natürlich noch viele mehr):

•    Electro-Voice RE320: Als mächtiger Allrounder konzipiert, spielt das RE320 seine Stärken insbesondere bei gesprochenen Passagen aus. Doch das Tauchspulenmikrofon kann auch anders, denn harscher und rauer Gesang kommt hier ebenso gut zur Geltung.


•    Sennheiser MK 4 (Digital): Wegen seines kraftvollen, warmen Klangs eignet sich das MK 4 für Stimmen aller Couleur. Besonders dann, wenn alle Details und Nuancen verbunden mit einem lebhaften Gesang im Vordergrund stehen sollen, weiß der Großmembraner zu überzeugen. Demnächst als MK 4 Digital auch mit integriertem Interface (powered by Apogee) erhältlich.


•    sE Electronics X1r: Angesichts der Richtcharakteristik Acht eignet sich das Bändchenmikrofon sowohl für einstimmige als auch für mehrstimmige Gesangsaufnahmen. Dabei überträgt das X1r die Stimme mit einem natürlichen und transparenten Klang.



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