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Test: Focusrite Scarlett 6i6 & Scarlett 18i8

Zwei Interfaces in Scharlachrot

Marco Sulek am 13.11.2013

Zwei Interfaces in ...

Die Scarlett-Produktfamilie von Focusrite zeigt sich mittlerweile so umfangreich, dass für fast jede Recording-Anforderung ein passendes Audio-Interface vorhanden ist. Wir hatten die beiden Jünglinge Scarlett 6i6 und Scarlett 18i8 im Test.

Mit der Scarlett-Serie offeriert uns Focusrite eine große Auswahl an verschiedenen Audio-Interfaces – hier sind vom zweikanaligen Scarlett 2i2 bis zum zwanzigkanaligen Scarlett 18i20 alle sinnvollen Zwischengrößen zu finden. Darunter weist jedes Gerät eine USB-2.0-Schnittstelle für die Verbindung zum Rechner auf, egal ob es sich um ein Mac- oder Windows-System handelt. Die Zielgruppe lässt sich dadurch klar definieren: anspruchsvolle Homerecorder und Musiker sowie Tontechniker.

Die zwei neuesten Zugänge scheinen nun die Produktfamilie zu komplettieren, weswegen wir uns das Scarlett 6i6 und das Scarlett 18i6 etwas genauer ansahen. Beide Interfaces kommen, wie mit dem Scarlett 2i2 vor gut zwei Jahren eingeführt, in einem roten Unibody-Aluminiumgehäuse. Auf der Gehäuseoberseite ist ein schwarzes Focusrite-Logo aufgedruckt, wodurch ein edler und hochwertiger Eindruck entsteht. An Vorder- und Rückseiten sind schwarze Blenden angebracht, worauf sich alle Bedienelemente sowie Anschlüsse befinden.

Je vier Gummifüßchen sind auf den Unterseiten der Scarlett-Interfaces zu finden. Im Zusammenspiel mit dem relativ hohen Eigengewicht ist dadurch garantiert, dass sie rutschfest an ihrem Platz stehen. Auch die Verarbeitung kann sich sehen lassen: Alles ist sauber zusammengesetzt und nichts wackelt oder scheppert. Nur die etwas scharfen Kanten des roten Aluminiumgehäuses hätten noch etwas abgerundet werden können – aber da meckern wir auf hohem Niveau.

Ganz nach dem Prinzip „Plug and Play“ hat Focusrite seine Scarlett-Serie ausgestattet: Zum Interface ist ein Kärtchen mit der jeweiligen Seriennummer beigelegt. Registriert man sein Produkt auf der Focusrite-Hompage, kann man dort diese Nummer eingeben und sich Ableton Live Lite 8, die Scarlett-Plug-In-Suite, den Software-Synthesizer Novation Bass Station und die Loopmasters Samples herunterladen. Das zeigt sich vor allem für die User praktisch, die noch keinen passenden Sequencer besitzen, aber gleich loslegen möchten.

LEDs in den Eingangskanälen zeigen, ob ein Pad geschaltet oder die Anpassung der Eingangsempfindlichkeit von „Line“ auf „Instrument“ aktiviert ist.

Gemeinsamkeiten

Bevor wir auf Focusrites Scarlett 6i6 und Scarlett 18i8 einzeln eingehen, schauen wir uns zunächst an, welche Gemeinsamkeiten sie aufweisen: Neben einer ähnlichen Optik zeigen sie fast die gleichen Bedienelemente. So sind vorne rechts die Lautstärkenregler für Abhöre und Kopfhörer sowie vorne links die Kombibuchsen angebracht. Für jeden Eingang gibt es einen eigenen Gain-Regler mit farbigem LED-Kranz: Grünes Leuchten bedeutet, dass das Signal -24 dBFS überschritten hat, orangenes Leuchten, dass gleich 0 dBFS erreicht werden, und rotes Leuchten, dass die Clipping-Grenze von 0 dBFS überschritten wurde.

Interessant bei den Scarlett-Brüdern ist, dass zwei Kopfhörerbuchsen mit separaten Reglern vorhanden sind – das findet man bei so kompakten Audio-Interfaces relativ selten. Hier hat man jedenfalls nicht nur an Künstler gedacht, die sich selbst aufnehmen, sondern auch an die Situation, dass sich ein Musiker von jemandem aufnehmen lässt oder zwei Instrumentalisten gleichzeitig etwas einspielen möchten. Wem zwei Kopfhörerausgänge nicht genügen, der kann an die Line-Outs einen externen Kopfhörerverstärker anstecken. Ein- und ausschalten lassen sie sich beide über einen Schalter auf der Rückseite.

Gewisse Bedienelemente lassen sich nur über die Software Scarlett MixControl steuern. Diese ist kostenlos über die Focusrite-Homepage erhältlich und benötigt nur knapp 5 MB Speicherplatz. Installieren lässt sich die Software schnell und unkompliziert. Beim erstmaligen Anschließen der Interfaces an den Rechner weist das Programm darauf hin, dass neue Treiber installiert werden müssen – auch das geht fix.

Das MixControl-Fenster zeigt sich ähnlich wie das Mischpult einer DAW. Daher fanden wir relativ schnell heraus, wie was funktioniert und wie wir uns beispielsweise einen Direct-Monitoring-Mix basteln konnten. Focusrite hat auch gleich ein paar nützliche Routing-Presets für Einsteiger eingebaut. Zudem ist es möglich, seine individuelle Mix- und Routing-Einstellung zu speichern. Nebst der internen Signalverwaltung lassen sich für die einzelnen Kanäle Pads schalten und der Vorverstärkungspegel von „Line“ auf „Instrument“ umstellen. Übrigens: Ob es sich um ein Mikrofon- oder Line-Signal handelt, erkennen die Scarlett-Interfaces automatisch daran, ob ein XLR- oder Klinkenkabel eingesteckt wurde.

Beide Scarlett-Audio-Interfaces sehen sich auf den ersten Blick sehr ähnlich – sowohl die rote Hülle als auch die Anordnung der Regler.

Individualität

Neben den zwei Kombibuchsen an der Vorderseite bietet das Scarlett 6i6 noch zwei Line-Inputs auf der Rückseite. An analogen Ausgängen sind rückseitig vier Line-Outs zu finden. Das Scarlett 18i8 bietet hingegen eingangsseitig an der Front vier Kombi- und nochmals vier Line-Eingänge auf der Rückseite. Dafür sind allerdings nur zwei analoge Line-Ausgänge angebracht – hier ist es daher beispielsweise nicht möglich, einen externen Zumischeffekt nur auf analogem Weg einzuholen, ohne auf die Abhöre zu verzichten.

Im Gegensatz zum Scarlett 6i6 besitzt das Scarlett 18i8 einen Mute-Schalter. Dieser wäre auch am 6i6 nicht fehl am Platze, denn: Sogar wenn der Monitor-Regler auf Linksanschlag zeigt, ist ganz leise Signal wahrzunehmen – das darf nicht sein. Etwas nachteilig zeigt es sich auch, wenn man die Lautstärke langsam aufdreht: Erst ist die rechte Abhöre lauter zu hören und nur langsam holt die linke auf – kurz vor Erreichen der Zimmerlautstärke sind beide Monitore wieder auf dem gleichen Niveau. Ähnlich sieht es bei den Kopfhörerausgängen aus. Zwar ist am 6i6 bei Linksanschlag der Regler nichts zu hören, dafür aber beim 18i8 bei niedriger Lautstärke.

Um an den Focusrite-Interfaces Kondensatormikrofone mit 48 Volt Phantomspeisung versorgen zu können, gibt es für je zwei Kombi-Eingänge einen Schalter – beim 6i6 für „1+2“ und beim 18i8 für „1+2“ und „3+4“. Pads lassen sich, wie schon erwähnt, für jeden Input via Scarlett MixControl schalten, wobei nach Betätigung eine rote LED unter beziehungsweise neben dem Gain-Regler des jeweiligen Kanals aufleuchtet. Beim softwareseitigen Umschalten von „Line“ auf „Instrument“ macht sich der Wechsel durch das Aufleuchten einer grünen LED bemerkbar – allerdings ist das bei beiden Interfaces nur für die ersten beiden Kanäle möglich, denn mehr als zwei Instrumentensignale wird man selten gleichzeitig aufnehmen.

Focusrite hat seine Interfaces sogar mit digitalen Schnittstellen ausgestattet. So besitzen diese MIDI- und S/PDIF-Buchsen. Dank der MIDI-Anbindung lassen sich nicht nur Audio-Signale verwalten, sondern auch Keyboards und externe Klangerzeuger anschließen. Praktisch ist zudem die Möglichkeit, beispielsweise Effektgeräte über S/PDIF zu integrieren. Möchte man zum Beispiel ein externes Digitalhallgerät nutzen, kann es über diese Schnittstelle mit dem Interface verbunden werden, ohne durch vierfache Wandlung die Klangqualität zu beeinflussen. Das Scarlett 18i8 besitzt zudem eine Toslink-Buchse, über die ein weiterer Mikrofonvorverstärker angeschlossen und so das Aufnahmesystem um acht zusätzliche Eingangskanäle erweitert werden kann.

Leuchtet der LED-Kranz grün, liegt ein Signalpegel von mindestens -18 dB FS an, leuchtet er rot, wurde die Clipping-Grenze von 0 dB FS erreich.

Gesteigertes Rot

Die Focusrite-Wandler können sich hören lassen. Über die Kombi-Eingänge erhielten wir einen sauberen Sound, der in dieser Preisklasse sehr selten anzutreffen ist. Auch Rauschen war nicht zu vernehmen. Der Hersteller gibt immerhin einen Dynamikbereich von 103 dB an – und das ist mehr als eine CD hergibt. Auflösungen sind hier von bis zu 24 Bit zu 96 kHz möglich. Das alles reicht allemal aus, um auch höheren Klangansprüchen gerecht zu werden.

Aufgenommen haben wir eine Akustikgitarre über ein Kleinmembrankondensatormikrofon und eine E-Gitarre, die wir direkt an die Interfaces angestöpselt haben, um eine Ampsimulator-Software anzusteuern. Dafür verwendeten wir ein MacBook Pro (OS X 10.8.5) und Pro Tools 10. Das Setup war fix eingerichtet, und so legten wir nach kürzester Zeit los. Dabei konnten wir einen klaren Sound von der Akustikgitarre übertragen, ohne gleichzeitig nerviges Knacksen oder Zischeln zu ernten. Gute Ergebnisse erzielten wir ebenso mit dem Gitarrensignal und der Software – störende Latenzen waren nicht wahrzunehmen.

Neben den guten Wandlermerkmalen ist auch die Haptik der Focusrite-Interfaces vorbildlich: Alle Regler sind für einen schnellen Zugriff konzipiert und weisen einen leichten Widerstand auf, der einen hochwertigen Eindruck vermittelt. Zudem sind die Gain-Potis gummiert und der Monitor-Regler ist angenehm groß gehalten. Trotz der benötigten 12 Volt Netzspannung sind die roten Interfaces sowohl für den stationären als auch für den mobilen Einsatz geeignet.

Die beiden Scarlett-Interfaces von Focusrite empfehlen sich nicht nur für Musiker, die in Homerecording-Manier produzieren wollen, sondern auch für Techniker, die unterwegs oder an ihrem Arbeitsplatz eine geeignete Schnittstelle zwischen DAW und ihren Monitorlautsprechern beziehungsweise Kopfhörern brauchen. Konzipiert sind beide Modelle für unterschiedliche Zwecke: das Scarlett 6i6 mit mehr Line-Outputs und das Scarlett 18i8 mit zusätzlichen acht ADAT-Eingängen. Wer weniger oder mehr Ansprüche hat, dem sei gesagt, dass die Scarlett-Produktfamilie sowohl kleinere als auch größere Audio-Interfaces bietet – alle in gleich guter Qualität und Verarbeitung, versteht sich.

An den neuen Scarlett-Brüdern sind sowohl analoge als auch digitale Schnittstellen zu finden – das Scarlett 18i8 besitzt sogar eine Toslink-Buchse.

Technische Daten

  Scarlett 6i6 Scarlett 18i8
Analoge Eingänge 2 x Kombi & 2 x Line 4 x Kombi & 4 x Line
Analoge Ausgänge 4 x Line & 2 x Phones 2 x Line & 2 x Phones
Digitale Schnittstellen MIDI, S/PDIF & USB MIDI, S/PDIF, Toslink & USB
Regler & Schalter Monitor, 2 x Phones, 2 x Gain, Phantompower, Mute & Powerswitch Monitor, 2 x Phones, 4 x Gain, 2 x Phantompower, Mute & Powerswitch
Auflösung bis zu 24 Bit zu 96 kHz
Systemanforderungen Mac (OS X 10.7 und 10.8) & PC (Windows 7 und 8)
Maße (BxTxH) 210 x 180 x 50 mm 227 x 180 x 66 mm
Gewicht 1,18 kg 1,64 kg


Wertung:

+ ansprechende Optik
+ guter Klang
+ zwei Kopfhörerausgänge
+ solide Verarbeitung
+ LED-Kränze um die Gain-Regler
- Ausgänge nicht richtig kalibriert
- kein Mute-Schalter (Scarlett 6i6)

Preise (UVP):
Scarlett 6i6    279 Euro
Scarlett 18i8  399 Euro

www.focusrite.de

Vertrieb: Focusrite







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