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Workshop: Remixing – eine Kunstform unter der Lupe (Folge 1)

Von wegen fantasielos

Markus Limmer am 07.10.2013

Von wegen ...

Nicht selten ist ein Remix erfolgreicher als der Original-Song. Doch was hat es mit dieser speziellen Kunstform auf sich, was brauchst du für einen Remix und wie gehst du diesen an? In der ersten Folge unserer Remix-Workshop-Reihe widmen wir uns diesen Fragen.

Remixe sind kein neuartiges Phänomen, die aus Hip Hop und moderner Club-Musik heraus entstanden sind. Bereits Mitte der 1970er Jahre etablierte sich die bis heute gängige Praxis, populäre Titel durch den Remix etwas schneller, tanzbarer und dadurch clubtauglicher zu machen. Die Anfänge des Remix-Zeitalters gehen sogar zurück auf Reggae-Produktionen der späten 1960er Jahre. Instrumentalversionen von Reggae-Songs wurden damals mit Effekten wie Reverb und Delay versetzt und neu gemischt – das Reggae-Subgenre Dub war geboren und somit der Grundstein für die heutige Remix-Kultur gelegt.

Eine der vielfältigen Möglichkeiten, die ein Remix bietet, ist, einen Track von einem Genre in ein anderes zu übertragen und eine neue Zielgruppe anzusprechen. Dies hat erst einmal nicht zwingend etwas mit einer Optimierung für die Tanzfläche zu tun. Denn auch eine Verlangsamung des Tempos ist denkbar, wie beispielsweise bei einem Chillout-Remix einer Electro-Nummer. Neben seiner Funktion als Vermarktungswerkzeug ist der Remix aber vor allem eins: eine eigene Kunstform. Dies bestätigt auch die 1998 eingeführte Kategorie „Best Remix Recording, Non Classical“ bei den Grammy Awards –  der höchsten internationalen Musikauszeichnung.

Wenn die Ausgangsmaterialen von Songs etwas umarrangiert oder Lautstärke- und geringfügig Effektanteile verändert werden, spricht man in der Regel noch von einem anderen Mix oder von Edit. Ein Beispiel dafür ist der Radio-Mix eines Songs, bei dem das ursprüngliche Stück auf die im Radio typische Spieldauer von ungefähr drei bis vier Minuten geschnitten und meist auf die Sendekette hin entsprechend gemastert wird. Eine weitere Möglichkeit ist der Extended-Mix – eine längere Version des Original-Mixes. Der Duden erklärt die Bedeutung des Wortes Remix übrigens als „das erneute Mischen einer bereits veröffentlichten Tonaufnahme“. Das scheint insofern plausibel, als dass man davon ausgehen kann, dass spezielle Mixe, wie Radio-Edit oder Extended Version, noch vor der Erstveröffentlichung erstellt werden.

Bei einem Remix mischt man in der Regel aber nicht nur die Spuren zueinander neu, sondern lässt auch Teile des Ausgangsmaterials weg oder ersetzt diese durch neue Elemente. Legt ein DJ beispielsweise eine A-Capella-Version einer Platte über das Instrumental einer anderen, dann ist das bereits ein Remix. Diese Art zu remixen nennt man übrigens Mashup oder Bastard Pop. Mischt ein DJ jedoch einfach zwei Platten übereinander, ist das „nur“ ein DJ-Mix – nicht zu verwechseln mit einem Remix.

Beim Remixen gibt es keine festen Regeln. Ob du nun die vorhandene Drumspur gegen eine selbst eingespielte oder programmierte tauschst, die Synthesizer gegen eine Gitarrenwand ersetzt, tiefgreifendere Eingriffe an Tempo, Arrangement oder Effekteinsatz vornimmst: alles ist möglich. Allerdings sollte das Ausgangslied noch in irgendeiner Art erkennbar sein, beispielsweise an prägnanten Teilen des Originals wie Refrain oder einer markante Melodielinie.

Eine beliebte Software für Remix, Live-Performance und Musikproduktion: Ableton Live.

Eigene Produktion?

Doch wo hört ein Remix auf und wo fängt ein eigenes Werk an? Eine klare Abgrenzung wird erst richtig schwierig, wenn man die gängige Produktionstechnik Sampling näher betrachtet. Hierbei isoliert man mehr oder weniger lange Audiofragmente, sogenannte Samples, aus bestehenden Produktionen und setzt diese in der eigenen ein. Von ganzen Teilen aus dem Refrain bis hin zu kleinsten Schnipseln wie einzelnen Noten oder beispielsweise einem Bassdrum-Schlag – alles lässt sich samplen.

Viele international erfolgreiche Songs, vor allem in den Bereichen Hip Hop und elektronischer Tanzmusik, beinhalten Samples eines oder mehrerer anderer Songs, die zusammen mit eigenem Material zu einem neuen Song werden und somit nicht mehr als Remix gelten. Eine Abgrenzung könnte man einerseits am Wiedererkennungswert des Originals, aber auch am Veröffentlichungszeitpunkt festmachen, da Remixe zeitnah nach der Veröffentlichung erstellt werden. Zusätzlich gelten ältere Produktionen als begehrtes Ausgangsmaterial für Samples. Eine klare Grenze gibt es hier allerdings nicht.

Ob nun ein kurzes Sample oder eine lange Melodielinie im Remix: Generell gilt zu beachten, dass jedes musikalische Werk urheberrechtlich geschützt ist. Das Urheberrecht eines Werkes erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Komponisten (nach deutschem Recht). Sofern der Komponist kein ausübender Künstler und Produzent ist, unterliegt das Werk weiteren Leistungsschutzrechten. Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit dem Rechteinhaber und das Klären der Rechte – das sogenannte Sample Clearing. Dies ist in den meisten Fällen leider nicht einfach. Nebenbei bemerkt: Der weit verbreitete Irrglaube, dass ein Sample erst ab drei Sekunden geschützt ist, ist schlicht und ergreifend falsch.

Der beste Weg, um rechtliche Probleme wegen des Ausgangsmaterials zu vermeiden, ist, Remix-Aufträge von Künstlern zu erhalten, die dir ihr Rohmaterial für einen Remix zur Verfügung stellen. Dazu musst du dir aber erst einen Namen machen. Das schaffst du, indem du selbst als Künstler tätig wirst und deine eigene Musik produzierst, dich mit unbekannten Bands zusammentust und deren Songs remixt oder bei einem der vielen Remix-Wettbewerbe teilnimmst und gewinnst. So oder so: Remixen macht unglaublich Spaß. Mit unserer Workshop-Reihe wollen wir dir eine Hilfe an die Hand geben, wie du einen Remix angehst.

Sampler zählen zu den wichtigsten Remix-Werkzeugen – wie hier der auf Drums spezialisierte Spampler Battery 4 von Native Instruments.

Basis Setup

Um einen Remix zu produzieren, brauchst du neben geeignetem Ausgangsmaterial und Kreativität auch ein wenig Equipment. Zur Grundausstattung gehört in erster Linie ein einigermaßen zeitgemäßer und leistungsstarker Computer. Ob du hier auf PC oder Mac setzt, ist Geschmackssache und sicherlich auch eine Geldfrage. Wir verzichten deswegen
auf eine Computer-Kaufberatung und eine damit verbundenen Mac/PC-Diskussion und gehen von einem vorhandenen Rechner aus.   

Eine geeignete Software ist das Basiselement für deine Arbeit. Prinzipiell eignet sich jede aktuelle Musikproduktionssoftware, um einen Remix zu erstellen. Führende Produkte sind unter anderem Ableton Live, Apple Logic, Avid Pro Tools, Cakewalk Sonar, Magix Samplitude, MOTU Digital Performer, Propellerhead Reason, Sony Sound Forge und Steinberg Cubase. Für den Anfang eignen sich auch die kleineren, in Funktionsumfang und Spurenanzahl beschränkten Einstiegsversionen der eben genannten Programme.

Obwohl du mit allen gängigen Sequencern an einem Remix arbeiten kannst, greift ein Großteil der renommierteren Künstler auf Ableton Live zurück. Gründe dafür sind vor allem die einfache Tempoanpassung von Audiomaterial und die komfortable Art, mit Audio- und MIDI-Spuren zu improvisieren. Der Hersteller Bitwig, der sich mit seiner Software Bitwig Studio noch in der Beta-Testing-Phase befindet, bietet einen sehr ähnlichen Ansatz wie Ableton, weswegen Bitwig Studio in Zukunft im Bereich Remix eine wichtige Rolle spielen könnte.

Alle derzeit erhältlichen Sequencer integrieren eine mehr oder weniger große Auswahl an On-Bord-Klangerzeugern und -Effekten, die für die Arbeit an einem Remix essenziell sind. Sollten dir die mitgelieferten Tools nicht ausreichen, bieten viele Drittanbieter Software-Instrumente und -Effekte an, die du als Plug-Ins in deinem Sequencer nutzen kannst.  Herausgreifen wollen wir hier noch den Sampler, der mitunter zu den wichtigsten Software-Tools für das Remixen zählt. Der Sampler lässt sich übrigens nicht nur mit Sound-Fragmenten aus dem Ausgangsmaterial des Remix-Titels füttern: Viele Hersteller haben eigens erstellte Sample-CDs und -DVDs mit Sounds von und für unterschiedliche Musikrichtungen im Programm, die du jederzeit für deinen Remix oder eigene Musikproduktionen verwenden kannst.

Ein guter Kopfhörer gehört ebenfalls zur Grundausstattung. Obwohl es sehr viele gute Kopfhörer am Markt gibt, die dir als Referenz dienen können – eine gewisse Einhörzeit vorausgesetzt –, ersetzen Kopfhörer auf Dauer keine Lautsprecher zum Mischen. Denke also dringend über die Anschaffung eines geeigneten Studiolautsprecher-Paares nach, wenn du dich tiefer mit dem Thema Remixing und Musikproduktion beschäftigen willst.

Ableton Push ist ein maßgeschneiderter Controller für Ableton Live: Neben umfangreichen Steuerungsfunktionen ermöglicht Push unter anderem das Einspielen von MIDI-Noten.

Peripherie

Ein MIDI-Keyboard oder ein anderer MIDI-Controller ist zwar nicht zwingend notwendig, um einen Remix zu erstellen, dennoch erleichtert er dir die Arbeit an vielen Stellen und der Spaßfaktor steigt erheblich. Vor allem, wenn du eigene Spuren – beispielsweise eine Melodie mit einem Software-Synthesizer – einspielen willst. Selbstverständlich kannst du die Noten auch mit der Maus setzen oder in einigen Programmen mit der Rechnertastatur einspielen, dennoch ist ein MIDI-Keyboard in diesem Fall wesentlich komfortabler.

Die meisten erhältlichen MIDI-Keyboards, die sich über USB an den Computer anschließen lassen, bieten neben der Klaviatur noch weitere Drehregler, Fader oder Taster, um sämtliche Parameter der Software fernzusteuern. Einige Hersteller wie Steinberg und Ableton haben sogar speziell auf ihre Software abgestimmte Controller im Sortiment, die wichtige Parameter bereits vorkonfiguriert haben.
    
Sofern du auch eigene Audio-Aufnahmen machen möchtest, kommst du um die Anschaffung eines Audio-Interfaces nicht herum. Audio-Interfaces gibt es in verschiedenen Ausführungen – von PCIe-Steckkarten, über USB- und Firewire-Geräten bis hin zu kompletten Mischpulten mit eingebauter Schnittstelle. Über das Interface kannst du, je nach verfügbaren Eingängen, beispielsweise Mikrofone oder Instrumente anschließen und deren Signale mit der Software aufnehmen. Die Ausgänge des Interfaces ermöglichen dir, Kopfhörer und je nach Ausführung auch ein Lautsprecher-Setup anzuschließen.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Sofern du schon über Studiolautsprecher verfügst, solltest du unbedingt über eine akustische Optimierung deines Abhörraumes nachdenken. Wir reden hier jedoch nicht von den berühmten Eierkartons an den Wänden, die sich im Übrigen sehr nachteilig auf die Abhörbedingungen im Raum auswirken, sondern von professionellen Akustikmodulen, wie sie Firmen wie Universal Acoustics, Vicoustic oder Jocavi anbieten. Nur wenn du eine optimale Abhörsituation hast, kannst du die Mischung deines Remixes erst richtig beurteilen. Doch bevor wir uns an die Mischung eines Remixes machen, wollen wir dir zunächst unter anderem einige konkrete Beispiele zur Erstellung von Samples und deren Anwendung im Remix geben.







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