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Workshop: Producing Basics (Teil 2)

Grund zum Tanzen

Octavian Rasinariu am 13.08.2014

Grund zum Tanzen

In der ersten Episode zeigten wir dir, welches Equipment du benötigst, um in deinem eigenen Home-Studio voll durchstarten zu können. Jetzt fängt die kreative Arbeit an: Wir beginnen mit der Beat-Programmierung unseres House-Songs.

Das Schlagzeug liefert gerade in der elektronischen Musik das Grundgerüst eines jeden Songs. Viele Einsteiger wissen aber nicht, wie sie ihrem Stück den richtigen Beat verpassen können, da sie meist selbst nicht Schlagzeug spielen und so die Grundlagen nicht kennen. Deshalb behandeln wir zuerst kurz die Basics, damit du dir auch in Zukunft selbst helfen kannst. Im Anschluss gehen wir näher auf unseren Mustertrack „Dirty Bitch“ ein.

Zunächst einmal musst du dir überlegen, aus welchen Einzelteilen ein typisches Schlagzeug besteht und was deren jeweilige Funktion im Song ist. Im Einzelnen sind dies: die Bassdrum – oder auch Kick genannt – als Fundament, die Snare als Gegenpol dazu, unterschiedliche Trommeln für Fill-Ins, diverse Becken – darunter die Hi-Hat – zum Auffüllen und als Special noch verschiedene perkussive Elemente, um kreativ zu sein.

Das Programmieren der Trommeln ist für jede Musikrichtung sinnvoll, denn damit kommst du günstiger weg und erzielst gerade als Einsteiger mittlerweile schnell sehr gute Ergebnisse. Die Plug-Ins aus Native Instruments Komplete 9 liefern dir hierfür exzellente Samples, die auch viele Profis verwenden. In der House-Musik bleibt dir sowieso nichts anderes übrig, denn Discodrums erzeugen aggressivere Sounds als ihre akustischen Geschwister und lassen sich relativ schwer nachbauen.

Wie viele Gliedmaßen hat ein Drummer? Genau: Vier. Grundsätzlich bedeutet das für Pop, Rock, Jazz und andere Musik mit echtem Schlagzeug: Platziere maximal vier Elemente übereinander, wenn du ein Drumpattern programmieren willst. Diese Regel gilt, da das Programmierte sonst kein echter Drummer nachspielen könnte. Bei Clubmusik erwartet zwar keiner einen lebendigen Schlagzeuger, trotzdem solltest du auch hier dein Arrangement nicht zu arg überladen.

Gerade im Genre House ist es wichtig, das Arrangement nicht zu arg zu überladen.

Dein erstes Drumpattern

Der einfachste Groove, den du kennen solltest, ist der kontinuierliche Wechsel zwischen Bassdrum und Snare im Viervierteltakt – auch bekannt als „Gustav“. Dabei programmierst du auf der „Eins“ und der „Drei“ die Kick und auf der „Zwei“ und der „Vier“ die Snare. Als Vervollständigung platzierst du auf jede Achtelnote einen Hi-Hat-Schlag und fertig ist dein erster Beat.

Damit kannst du jetzt herumspielen. Schiebe beispielsweise einen zusätzlichen Snare-Schlag auf „Drei-und“ – und schon klingt dein Groove ziemlich rockig. Im Club läuft das allerdings etwas anders. Hier wird die Snare zur Nebensache, die Bass dafür umso wichtiger. Ganz plump setzen wir die Kick auf jede Viertelnote. Ob du die Snare auf der „Zwei“ und der „Vier“ lässt oder löschst, bleibt dir überlassen. Schau einfach, dass es gut klingt.

Das gesamte perkussive Instrumentarium im House – außer der Bassdrum – ist eine optionale Geschichte und unterscheidet sich von Produktion zu Produktion. Dabei gilt: Ein individuelles Arrangement gibt jedem Song einen ganz besonderen Charakter. Während bei dreckigem Dutch Electro wie beispielsweise im Drop von Chainsmokers „Selfie“ die Kick fast alleine dasteht und nur von Claps gelayert wurde, hat Avicii seinen Four-on-the-Floor-Beat bei „Wake me up“ mit Geklatsche in den Offs erfrischt.

Der einfachste Groove ist der sogenannte „Gustav“, bei dem sich Kick und Snare im Vierteltakt abwechseln.

Klangfindung

Verbringe im Idealfall viel Zeit mit dem Durchstöbern deiner Soundlibraries, um deinen Wunschklang zu finden. Je besser die Samples von Grund auf sind, desto weniger musst du nachbearbeiten. Native Instruments Drumsampler Battery erlaubt es dir beispielsweise, ein individuelles Drumkit anzufertigen, auf das du nach dem Abspeichern immer zurückgreifen kannst.

Schaue dich für das von uns behandelte Genre zusätzlich zu den Kick, Snare, Hi-Hat, Becken und Toms unbedingt nach geeigneten Claps um. Diese sind unerlässlich für die Hands-up-Parts. Für spezielle Fälle, bei denen das Sample noch um ein Haar vom gewünschten Klang entfernt ist, kannst du es mit Layering probieren. Das heißt, du fügst ein zweites Instrument zum Sound des ersten hinzu.

Martin Garrix hat beispielsweise die tiefe, sustainreiche Bassdrum seines Breakthrough „Animals“ mit einer höheren, aggressiveren Kick kombiniert und so auch gleichzeitig ein völlig neues Sample kreiert. Aus Battery verwende ich persönlich am liebsten ein selbst zusammengestelltes Kit aus ausgewählten Klangsamples, die mir für unseren Song am besten zugesagt haben.

Für optimale Ergebnisse splitten wir das Schlagzeug in vier Spuren: Kick, Toms, Becken und Claps. Jetzt können wir die unterschiedlichen Klangkörper individuell bearbeiten. Bei der Kick beispielsweise besteht meine Effektkette aus EQ, Transient-Master, dem Plug-In „Maserati DRM Stereo“, einem weiteren Transient-Master und abschließend dem Cubase-eigenen Exciter „LoudMax“. Experimentiere am besten mit allen verfügbaren Effekten herum, bis du zufrieden bist.

Durch lauter werdende, aneinandergehängte Sechszehntel-Samples kannst du Spannung aufbauen.

„Dirty Bitch“ Drums

Zur Wiederauffrischung hörst du hier nochmal unseren Mustertrack:



Die Grundidee von Elektro ist ja, dass sie zum Tanzen anregt. Jedes Mittel, mit dem du das erreichst, ist dafür recht. Für unseren Drop belassen wir die Snare auf „Zwei“ und „Vier“, platzieren die Kick auf jede Viertelnote und kleiden den Beat on top mit Achtel-Hi-Hats aus, wobei ich hier zwei verschiedene Becken im Wechsel verwende. Um etwas Frische in das Programming zu packen, addieren wir auf jede vierte Sechzehntel einen zusätzlichen Hi-Hat-Schlag.

Strophe und Prechorus sind dem Drop ähnlich, wurden aber ein wenig kreativ umgestaltet. Es soll dich nicht stören, dass ich immer wieder mal die Samples variiere. Das ist eine rein klangliche Geschmackssache. Interessant für dich sind vor allem die rhythmische Positionierung einzelner Samples sowie die gezeigten Möglichkeiten zur kreativen Ausschmückung einzelner Parts. Fills sind auch in der elektronischen Musik sehr wichtig.

Dem Chorus verpassen wir anheizende Claps auf jede Zählzeit und spielerische Percussions im tanzenden Rhythmus. Der Unterschied zwischen einem klassischen Refrain und dem Chorus im House ist, dass letzterer zwar ebenfalls die Wiedererkennungsmelodie – die Hook – beinhaltet, aber gleichzeitig Spannung für den darauffolgenden Synthy-Part aufbauen soll. Durch dezent platzierte Percussion-Sounds erhält dieser Part einen treibenden Charakter.

In den unten angehängten Screenshots findest du unseren Song in zwei Teile aufgesplittet. Das erste Bild präsentiert das Drumprogramming des Drops und des Verses, während auf Bild zwei der Prechorus sowie der Chorus selbst zu sehen sind. Die Kick ist das einzige Sample, das hier der Übersicht halber nicht notiert ist. Die Bassdrum marschiert – außer im Refrain – plump auf jeder Viertel durch. Auch wenn ich Hi-Hat, Snare und Claps gerade alle in einen Editor gepackt habe, empfehle ich dir dennoch – wie oben bereits erwähnt – die einzelnen Drum-Bestandteile in separaten Spuren zu bearbeiten. Im nächsten Teil zeigen wir dir übrigens, wie man Syhties richtig programmiert.







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