Kontakt -  Heft -  Impressum -  Termine -  Newsletter 

Besuche unsere Facebook-Seite Folge uns auf Twitter Videos von MusicnStuff auf Youtube Folge uns auf G+ MusicnStuff auf myspace Besuche unsere Instagram-Seite

Workshop: Musiker-Business, Teil 8 – Label oder Selbstvermarktung?


So findest du den ...

Der große Traum vom Labeldeal ... oder doch lieber alles selbst in die Hand nehmen? Wir zeigen dir, wann eine Zusammenarbeit mit einem Label tatsächlich Sinn macht oder ob es am Anfang vielleicht besser mit einer Selbstvermarktungsplattform laufen könnte.

Jede Band kann ihre Musik heutzutage in den gängigen Online-Shops zum Kauf oder Streaming anbieten. Das passiert über sogenannte Selbstvermarktungsplattformen bzw. Aggregatoren (meistens digitale Musikvertriebsfirmen), über die man seine Musik gebündelt an Download- oder Streaming-Portale wie iTunes, Amazon, Spotify und Co. anliefern kann. Das hört sich erstmal alles ganz toll an, denn hierzu braucht man ja kein Label. Dennoch solltest du dir auch über die Hintergründe dieser Vertriebsstruktur Gedanken machen und genau beleuchten, warum dieser Weg so einfach ist und was vielleicht mit einem Label anders laufen würde.

Grundsätzlich ist der Handel mit Musik immer auch ein Handel mit Rechten. Vorneweg sei gesagt: Es gehört in jedem Fall in dieser Branche dazu, Rechte abzugeben und/oder durch andere Parteien auswerten zu lassen – das ist die Musikbranche! Wer alles alleine machen möchte, hat einzig und allein die Möglichkeit seine CDs auf Konzerten zu verkaufen oder einen eigenen Onlineshop zu konstruieren (nebenbei bemerkt: Es gibt keine Beispiele, bei denen diese Vorgehensweise einen Newcomer ohne Umwege auf den Chart-Olymp gehoben hätte, ab einem gewissen Zeitpunkt braucht man einfach Partner, die einem helfen). Zudem braucht man für einen ordentlichen Online-Shop mit vernünftigen Bezahl-Systemen auch ein gewisses Know-how in Sachen IT und am Ende hat man dann iTunes und Amazon zur Konkurrenz. Wichtig ist, dass einem klar wird, was der Käufer möchte. Dein potenzieller Fan möchte einen Account bei seinem Lieblingsmusikshop und dort mit einem Klick deine Musik kaufen! Daher ist es wichtig auf diesen gängigen Portalen vertreten zu sein, sodass man auch eine Chance hat, mehr als nur seine engsten Freunde mit der eigenen Musik zu erreichen.  

Schau dir ruhig mal die Vertriebsportale an, über die du deine Musik selbst in diese Shops bringen kannst, eine einfache Suche im Internet wird dir schnell viele Anbieter dieser Art eröffnen. Der Markt ist also voll davon. Das hat zur Folge, dass die einzelnen Vertriebsanbieter um jede neue Musikquelle konkurrieren, also auch um dich! Die Angebote lauten dann meist, dass 90% der Einnahmen an den Künstler gehen und man selbst alles über einen Online-Account kontrollieren kann. Verführerisch! Oftmals geht damit aber auch einher, dass es dich Geld kostet deine Musik dort überhaupt hochzuladen. Die Beträge variieren meistens, je nachdem ob du eine Single, eine EP oder ein Album anliefern möchtest. Andernfalls variiert der Prozentsatz, wenn bspw. Upload-Kosten entfallen. Soweit so gut, denn Anteile am Umsatz möchte auch ein Label haben, das ist insofern nicht ungewöhnlich. Wenn man sich dann für eine Plattform entschieden hat, wird es interessant: Das große Fragezeichen kommt spätestens beim Vertrag bzw. den Nutzungsbestimmungen und/oder AGB’s.

Unterschreibe niemals einfach irgendwas! Frag im Zweifel immer einen Anwalt.

Obacht! Hier geht’s ums Recht ...

Selbstverständlich muss jeder seriöse Vertriebsanbieter von euch die notwendigen Rechte zum Verkauf der Musik einholen. Denn die urheberrechtlich geschützte Vervielfältigung passiert schon an der Stelle, wenn der Vertrieb eure Musik an die Shops anliefert! Das mag kleinkariert klingen, aber dieses Wissen hilft euch den passenden Anbieter zu finden. Gibt es keinen Vertrag dazu, dann solltest du lieber noch mal genau über deine Vertriebswahl nachdenken.

Habt ihr einen Vertrag bekommen, hapert es oft am Verständnis der vielen rechtlich korrekten Ausdrucksweisen im Vertrag. Die goldene Regel dafür lautet: Unterschreibe niemals einfach irgendwas! Frag im Zweifel einen Anwalt, das kann für dich auf lange Sicht hin günstiger sein, als wenn im schlimmsten Fall deine Rechte weg sind und du auch in Zukunft nichts mehr an deiner Musik verdienen kannst!

Der Vertrag ist der nächste Schritt, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Ist er fair, spricht nichts dagegen die Plattform als Newcomer mal auszuprobieren. Möchte der Plattformbetreiber Rechte haben, die er nicht richtig auswerten kann, solltest du besser noch mal nach Alternativen suchen. Hier lohnt es sich auch eine Beratungsstunde beim Musikmanager oder beim Fachanwalt für Urheber- und Leistungsschutzrechte zu buchen, denn diese Leute wissen ganz genau, welche Rechte wofür eingeräumt werden sollten und wo der Spaß ein Ende hat. Ein kleiner Ausblick sei an dieser Stelle schon erlaubt, denn im nächsten Themenblock unserer Workshop-Reihe widmen wir uns ausführlich den verschiedenen Verträgen, die euch im Laufe eurer Musikerkarriere begegnen können.

Bei einem Labeldeal räumt man einem Label Rechte dafür ein, dass es die Musik zum Verkauf anbietet und auch bei der Promotion behilflich ist.

Immer wieder die Sache mit der Promotion ...

Wenn man nun eine Plattform gefunden hat, die faire Bedingungen bietet und nur die Rechte einholt, die tatsächlich für den Zweck notwendig sind, folgt der nächste organisatorische Gedankensprung. Bei einem Labeldeal räumt man einem Label Rechte dafür ein, dass es die Musik zum Verkauf anbietet und auch bei der Promotion behilflich ist. Aus den früheren Artikeln zum Thema Businessplan und USP ist ja schon bekannt, dass für eine gute Promotion auch gute Kontakte und vor allem Arbeitszeit und finanzielle Ressourcen notwendig sind.

Bei einem Labeldeal bekommt der Künstler in genau diesen Punkten Unterstützung vom Label, insbesondere was das Know-how und die Arbeitszeit für die Promotion angeht. Bei einer Selbstvermarktungsplattform musst du dies selbst leisten. Dabei solltest du bedenken, dass du sowohl die Kontakte als auch Geld und vor allem viel Arbeitszeit brauchst, um eine erfolgreiche Promo-Kampagne auf die Beine zu stellen.

Für einen erfolgreichen Kontakt, der deine Musik hinterher im Radio spielen soll, musst du eine Menge Leute bemustern, von denen ein hoher Prozentsatz deine Musik nicht annimmt – das alleine kostet schon viel Zeit. Bei fast allen (denn der Großteil der bemusterten Kontakte reagiert einfach gar nicht, wenn du kein internationales Produkt am Start hast) musst du dann noch nachhaken, ob deine Musik angekommen ist und gehört wurde – auch hier wieder ein großer Zeitfaktor. Wenn du dann die kleine Menge von Leuten aussortiert hast, die tatsächlich Interesse daran haben einen eher unbekannten Newcomer in ihrer Sendung vorzustellen, musst du mit diesen in Kontakt bleiben und sie immer wieder mit relevanten Neuigkeiten versorgen.

Diese Neuigkeiten müssen natürlich auch erst entstehen können, was wiederum Zeit, Kreativität und mitunter auch Geld kostet (bspw. ein neues Album, eine neue Tour, Specials etc.)! Kannst du das wirklich alles alleine leisten? Für Bands, die einfach nur ihre Musik auf iTunes und Co. sehen wollen, ist das natürlich nicht der zentrale Punkt. Wer aber ein ernsthaftes Interesse daran hat, dass seine Musik auch wahrgenommen und gekauft wird, sollte dem Thema Promotion einen wichtigen Stellenwert zuschreiben!

Spätestens hier ist der Punkt gekommen, an dem man sich überlegen muss, wo die Reise langfristig hingehen soll und über welche Partner die Musik auf dem Markt erscheinen soll. Das heißt keineswegs, dass Selbstvermarktungsplattformen nicht gut sind. Für viele Bands ist es sogar sehr lehrreich so eine Plattform genutzt zu haben, bevor man sich an einen Labeldeal wagt. Denn man lernt ja nicht nur die Arbeit zu schätzen und den Aufwand zu würdigen, sondern man kann erkennen, wie viel Promotion notwendig ist, um einen bestimmten „Return on Investment“ zu erreichen, also wie viel Zeitaufwand und Geldeinsatz in der Promotion kalkuliert werden muss, um die Produktionskosten der Musik wieder einzuspielen und im nächsten Schritt Gewinne zu generieren. Anhand dieser Rechnung kann man zudem erkennen, ab wann man tatsächlich für die Musikindustrie wirtschaftlich interessant sein kann – auch mit dem Hintergedanken, wie viel Geld am Ende bei der Band ankommt!

Nun stellt sich die Frage: Bist du bereit für einen Labeldeal? Die nächste Folge wird es dir zeigen.







layout-domain.tmpl