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Workshop: Musiker-Business, Teil 23 – GVL – Basiswissen

GVL? Was hat das mit mir zu tun?


GVL? Was hat das ...

Im letzten Workshop ging es um die GEMA und deine Rechte als Urheber. Jetzt möchten wir dich über die zweite Möglichkeit aufklären, wie du deine Rechte als Musiker zu Geld machen kannst. Wenn du nämlich deine Songs nicht nur selbst geschrieben hast, sondern sie auch selbst im Studio einspielst und auf der Bühne performst, hast du sogenannte Leistungsschutzrechte. Du bist der Interpret der Musik (oder auch ausübender Künstler genannt) und verdienst eine Entlohnung für deine „handwerkliche Leistung“. Die GVL kann dir dabei helfen, diese Arbeit in Bares zu verwandeln.

Die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH) ist die Verwertungsgesellschaft, die sich mit den Rechten von ausübenden Künstlern und Record Labels befasst. Neben der Musikbranche ist die GVL auch für Schauspieler, Veranstalter und Videoclip-Produzenten zuständig. Sie tritt als Vermittler zwischen den Musikern/Labels (Rechteinhabern) und den Radio- und Fernsehsendern sowie Gaststätten und Diskotheken (Rechtenutzern) auf.

Würde die GVL diese Vermittlungsaufgabe nicht übernehmen, müsstest du mit jeder einzelnen Instanz verhandeln, die Interesse daran hat, deine Musik zu spielen. Das mag sich erst mal nach einer Menge Macht auf Seiten des Musikers anhören. Allerdings sieht es in der Praxis so aus, dass ein Rechtenutzer bei zu viel Aufwand und Stress mit der Lizenzierung einfach einen anderen Song nimmt, der einfacher erhältlich ist. Traurig, aber wahr – insofern liegt die Verhandlungsmacht in der Realität doch eher auf der Seite der Rechtenutzer. Das gilt zumindest in Bezug auf die Musiker, die noch nicht unbedingt Welthits hervorgebracht haben.

Wenn die GVL zwischengeschaltet ist, kann der Rechtenutzer recht unkompliziert die gewünschte Lizenz von der Verwertungsgesellschaft lizenzieren. Das ist das Prinzip der kollektiven Rechtewahrnehmung. Es hat also Vorteile für dich, wenn du Mitglied einer solchen Gesellschaft bist. Bitte verwechsle das an dieser Stelle nicht mit der GEMA. Von der GEMA werden Nutzungen an der kreativen Schöpfung (Urheberrecht) lizenziert, von der GVL werden die Nutzungen der Interpretation und der Aufnahme (Leistungsschutzrecht) lizenziert. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, die zwar oft untrennbar miteinander verbunden sind, aber in unserem Rechtssystem zwei Bereiche berühren. Du solltest sowohl bei einer Organisation wie der GEMA als auch bei einer Organisation wie der GVL über eine Mitgliedschaft nachdenken, wenn du deine Songs selbst schreibst und auch selbst die Aufnahmen einspielst.

Die GVL wird, genau wie die GEMA, natürlich auch kontrolliert. In diesem Fall wird das vom DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) übernommen, welches als Aufsichtsbehörde agiert und deren Vertreter auch an den Gesellschafter- und Berechtigten-Versammlungen teilnehmen (genauere Infos: siehe www.gvl.de/gvl/ueber-uns/rechtliche-grundlagen).

Und was macht die GVL mit meiner Musik?

Wichtig zu wissen ist, dass du als Künstler die Erstverwertung deiner Aufnahmen selbst regelst. Das heißt, dass du direkt mit dem Plattenlabel die Konditionen der ersten Veröffentlichung aushandelst, darauf nimmt die GVL keinen Einfluss. Die GVL kommt bei der Zweitverwertung ins Spiel, wenn beispielsweise ein Radiosender die Tonaufnahme abspielen und senden möchte. Die meisten Künstler, deren Musik regelmäßig im Radio gespielt wird, haben dies mithilfe einer Plattenfirma geschafft. Wenn das der Fall ist, hat sich das Plattenlabel normalerweise Rechte an den Aufnahmen vertraglich gesichert – und schließlich auch dafür gearbeitet, wenn die Musik am Ende im Radio oder TV läuft. Dabei nimmt dir das Label nicht deine Rechte als Künstler weg, sondern erwirbt lediglich die Rechte eines Record Labels, das sich um die Veröffentlichung, Verbreitung und Promotion deiner Musik kümmert. Wenn die Musik dann im Radio gesendet wird, sind deine Rechte als ausübender Künstler und auch die Rechte des Plattenlabels betroffen, das deine Aufnahmen veröffentlicht hat. Daher können nicht nur die Interpreten, sondern auch die Plattenlabels (oder Tonträgerhersteller, wie die GVL sie nennt) Mitglied sein.

Der Radiosender meldet in einer Sendemeldung die verwendeten Musikstücke an die GVL und die GVL rechnet mit dem Sender ab. Da sich die Abrechnungsparameter jedes Jahr leicht verändern, mitunter auch weil die Höhe der Werbeeinnahmen der Privatsender eine Rolle spielen, variiert der Vergütungssatz jährlich. Für den Künstler wirklich wichtig ist die Anzahl der Sendeminuten und die tatsächliche Nutzungsdauer der Songs. Dazu kommt die Kategorie des Senders, auf dem die Musik ausgestrahlt wird. Hat ein Sender einen höheren Kulturfaktor, führt das in der Regel zu höheren Tantiemen. In den letzten Jahren lag der allgemeine Abrechnungssatz im Bereich von 1,50 Euro pro Sendeminute – das soll an dieser Stelle aber nur der groben Orientierung dienen und ist keinesfalls ein verlässlicher Betrag. Die genauen Tarife für die Sender findest du hier: https://www.gvl.de/tarifuebersicht

Die Sendemeldungen kommen meistens jährlich von den Rechtenutzern. Wenn deine Musik im Jahr 2015 im Radio gespielt wurde, dann meldet der Sender das oft erst abschließend mit allen Musiknutzungen am Anfang des darauffolgenden Jahres 2016. Die GVL sammelt im Jahr 2016 das Geld für die Sendungen des Jahres 2015 ein und schüttet diese Sendetantiemen im Dezember 2016 an die berechtigten Mitglieder aus. Dabei übernimmt die GVL aber nicht direkt das Inkasso gegenüber den Sendern, sondern wird dabei von der GEMA unterstützt.

Der Nachteil ist leider, dass die GVL nicht von allen Radio- und TV-Sendern in Deutschland Tantiemen einsammelt, sondern nur von den verteilungsrelevanten Sendern. Eine Liste dieser Sender findest du im Verteilungsplan. Den Verteilungsplan kannst du online einsehen (https://www.gvl.de/rechteinhaber/kuenstler/verteilung/verteilungsrechnung).

Trotzdem können die Einnahmen, die du über die GVL bekommen kannst, nicht unerheblich sein. Generell hängen deine persönlichen Einnahmen natürlich davon ab, wie oft und wie lange deine Musik gesendet wurde. Wenn man das Ganze aber in einem größeren Zusammenhang betrachtet, dann kann man sehen, dass die GVL-Tantiemen sogar noch einen größeren Anteil des Gesamtumsatzes der Musikindustrie in Deutschland ausmachen als die Synchronisationsrechte (Rechte für die Verwertung von Musik z.B. in Filmen und Werbung). Das ist beachtlich und zeigt, dass die Auswertung der Leistungsschutzrechte nach wie vor ein wichtiger Eckpfeiler der Musikindustrie ist.







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