Kontakt -  Heft -  Impressum -  Termine -  Newsletter 

Besuche unsere Facebook-Seite Folge uns auf Twitter Videos von MusicnStuff auf Youtube Folge uns auf G+ MusicnStuff auf myspace Besuche unsere Instagram-Seite

Workshop: Musiker-Business, Teil 22 – GEMA – Richtig Geld verdienen


Selbst ist der ...

Als Mitglied räumt man der GEMA das Recht ein weltweit die Tantiemen für Musiknutzungen einzusammeln und viermal im Jahr das Geld an einen selbst weiter zu reichen. Was du dafür alles machen musst und wann das Geld dann schließlich auf dem Konto ist, erfährst du hier.

Die GEMA ist ein Verein, man wird also Mitglied. Wenn du dich darauf einlässt, dich als Mitglied und nicht als Kunde eines solchen Vereins zu sehen, wird auch schnell klar, dass du durchaus ein Mitspracherecht bei der Vollversammlung hast und deine Meinung einbringen kannst. Man vergleiche dieses Vorgehen mit einem Stammtisch-Treffen: Wenn ich da bin, kann ich mitreden, wenn nicht, kann ich auch nicht erwarten, dass man mir den Maßkrug nach Hause trägt und nach meiner Meinung fragt.

Von über 65.000 Mitgliedern erscheint aber nur ein Bruchteil bei solchen Veranstaltungen und meistens glänzen diejenigen mit Abwesenheit, die dann am lautesten protestieren nachdem Entscheidungen gefällt wurden zu deren Abstimmung man sie eingeladen hat.

Als Mitglied räumt man der GEMA das Recht ein weltweit die Tantiemen für Musiknutzungen einzusammeln und viermal im Jahr das Geld an einen selbst weiter zu reichen, natürlich nach Abzug eines kleinen Prozentsatzes für die Bearbeitung und Administration. Immerhin muss irgendwer in der Kette auch mal einen Stift und ein Telefonhörer schwingen, damit das Geld von A nach B kommt. Im Übrigen bezahlen Urheber wie Dieter Bohlen dafür in absoluten Zahlen auch weitaus mehr als die Studentenband, die in gleicher Weise von dieser Arbeit profitiert. Das ist der Vorteil an Prozentrechnung, sie scheint am Ende des Tage doch fair zu sein!

Um heraus zu bekommen wofür man eigentlich Geld bekommt, werden die Einnahmen in sogenannte Sparten eingeteilt. Beispielsweise kennzeichnet die Sparte „U“ mitunter Live-Konzerte, während die Sparte „MOD“ Downloads (Music-On-Demand) abrechnet und die Sparte „R“ u.a. die Radio-Airplays beinhaltet. Zugegeben, hier kommt man schon mal ins Schwitzen, nicht zuletzt durch die vielen Kürzel und oftmals auch etwas umständliche Beschreibungen in den Abrechnungserklärungen der GEMA. Jede einzelne Sparte wird einmal im Jahr abgerechnet, insgesamt gibt es vier Abrechnungen pro Jahr, auf die sich die Sparten verteilen. Für fleißige Live-Musiker dürfte nach diesem Abrechnungsrhythmus wohl der April ein sehr erfreulicher Monat sein.

Tantiemenfluss am Beispiel der GEMA: In welchem Umfang dich eine Verwertungsgesellschaft vertritt, entscheidest du selbst. Beispielsweise kannst du Mitgliederverträge auch nur über einzelne Gebiete, sog. Territorien, abschließen.

Punkte, die du bei der GEMA-Meldung beachten solltest

Um aber auch tatsächlich davon profitieren zu können und sich ein saftiges Osternest zu bescheren, muss man einige Schritte beachten, damit das Geld am Ende ohne große Umwege fließen kann:

Schritt 1 – korrekte Anmeldung bei der GEMA (oder einer vergleichbaren VG)
→ achte darauf, dass du nur mit deinem zivilen Namen gemeldet sein kannst und jeder Urheber eine eigene Mitgliedschaft braucht – ein „Gemeinschaftskonto“ als Band gibt es nicht! Man kann zusätzlich zu seinem bürgerlichen Namen auch noch ein Pseudonym angeben, falls du einen Künstlernamen hast. Zudem landet das Geld dann auch direkt von der GEMA gesplittet anteilig bei jedem einzelnen Musiker, der am Songwriting mitgewirkt hat – wie die Anteile an den einzelnen Songs aussehen kannst du auch selbst bestimmen, womit wir schon bei Schritt 2 wären.

Schritt 2 – korrekte Werkanmeldung
→ eure Songs – so grenzgenial und non-konform sie auch sein mögen – werden bei der GEMA schlichtweg unter dem wenig sexy klingenden Begriff „Werk“ in einer Datenbank geführt. Hier ist es wichtig, dass die folgenden Infos eingegeben werden um eine möglichst genaue Zuordnung zu gewährleisten (denn diejenigen, die für eine Musiknutzung bezahlen, machen ebenfalls Angaben zu euren Stücken, die dann mit euren abgeglichen werden):
•    Songtitel (tu dir selbst einen Gefallen und ändere den nicht mehr nachträglich)
•    Gattung (Genre) und Dauer des Songs
•    ISRC (International Standard Recording Code – der wird z.B. auch von Radiosendern angegeben und macht eine Zuordnung um einiges einfacher)
•    Schöpfungs-/Erstveröffentlichungsjahr
•    Urheber von Text und Musik, hierfür gibt es auch eine Online-Funktion durch die man mit dem Abgleich seiner eigenen Mitgliedernummer garantiert die richtigen Daten einträgt
•    Instrumentierung/Besetzung (bei normalen Bands ist das meist die sogenannte „kleine Besetzung“, welche in der Regel Bass, Drums, Gitarre und Gesang beinhaltet – mach dir nicht den Kopf heiß, wenn mal zusätzlich ein Stagepiano dabei ist, oder man auf der Produktion ein paar Streicher hört solange es kein vollkommen klassisches Stück ist)

Diese Werkanmeldung kann man auf der GEMA-Homepage auch online machen. Der Anmeldungsprozess geht dann so schnell, dass man für ein normales Album keine fünf Minuten braucht. Wenn du damit fertig bist, schickt dir die GEMA ein paar Tage später eine „Werkmeldebestätigung“ worin du deine Werknummern findet. Diese Werknummern sind sozusagen die Song-ID’s. Nenne diese Nummer immer bei der Promotionsendung an Radiosender und bei Gigs/Konzert-Meldungen, das ist für die korrekte Zuordnung der Gelder sehr wichtig.

Schritt 3 – Meldung der Konzerte
Hier versackt das meiste Geld, da der Erfolg nun davon abhängt, dass der Künstler das Formular richtig ausfüllt, dem Veranstalter zum Konzert mitbringt und der Veranstalter dieses dann bei der GEMA einreicht. Klingt einfach, ist aber leider manchmal ein kleiner Papierkrieg, der unter Kaffeetassen, Bierflaschen, Fastfood-Tüten und Setlisten ein schleichendes Ende findet.

Wenn du diesen Schritt ernst nimmst, kann dabei eine Menge für dich rausspringen. Zunächst musst du auf einem Formular, meistens ist das die „Musikfolge Einzelveranstaltung/Eine Einzelveranstaltung mit Live-Musik“, allgemeine Adress- und Kontaktangaben zur Location und deiner Band machen. Der zweite Teil des Formulars ist im Prinzip nichts anderes als deine Setliste mit Urheberangaben und den Werknummern, die dir in Schritt zwei von der GEMA mitgeteilt wurden. Nachdem du dann deine Unterschrift darauf gesetzt hast, gibst du das Formular dem Veranstalter, der ebenfalls nach Signatur das Formular an die GEMA schickt.

Wer hundertprozentig sichergehen will, kann auch noch mal eine Kopie dieses Formulars direkt an die GEMA schicken. An dieser Stelle ein kleiner Hinweis für alle Musiker, die sich betrogen fühlen, wenn sie selbst veranstalten: das Geld bekommst du wieder (zwar mit einem kleinen prozentualen Abzug, aber das macht keinen arm), zudem kannst du unter dem folgenden Link vorab berechnen was dich der Spaß denn kosten würde:
https://online.gema.de/aidaos/tarif_ermitteln.faces

Als Veranstalter sind dies sicherlich Ausgaben, die noch zusätzlich zu einer Gage den Gewinn eines Konzertabends mindern, allerdings muss man auch an dieser Stelle sagen, dass es aus Sicht eines Veranstalters auch weitaus teurere Verwertungsgesellschaften auf der Welt gibt. In England werden bspw. nicht nur das Eintrittsgeld, die Quadratmeterzahl und die Dauer und Menge des zu lizenzierenden Repertoires zur Berechnung der Tantiemen herangezogen, sondern auch noch die Getränke- und Garderoben-Einnahmen. Daher bekommt man als Musiker in UK kaum Gage vom Veranstalter, wenn man nicht gerade große Konzerthallen füllt und sich der Abend für alle richtig lohnt.

Insgesamt betrachtet kann dieser Blickwinkel einer jungen Band aber vielleicht auch verständlich machen, warum Veranstalter sich auf der anderen Seite auch darauf verlassen müssen, dass eine Band viel Publikum anzieht. Dafür werden dann gerne Facebook-Likes und Giglisten des vergangenen Jahres als Messinstrument herangezogen – über den Sinn oder Unsinn dieser Methoden kann man sicherlich streiten. Wenn die Band sich bemüht möglichst viele Leute vor der Bühne zu haben und den Veranstalter bei der Promo unterstützt, dann kann so ein Konzertabend tatsächlich allen Parteien Spaß machen – obwohl Urheber-Tantiemen gezahlt werden müssen.

Eine Erläuterung was welche Sparte bedeutet, findest du auch in deinen Abrechnungsunterlagen. Hier gibt es ein alphabetisches Glossar wie hier dargestellt ist.

Wann kommt das Geld?

Ja, diese Frage quält viele Musiker jedes Quartal. Grundsätzlich solltest du dir als Newcomer bewusst machen, dass es so etwas wie ein monatliches Gehalt in dieser Szene kaum gibt und man gut kalkulieren sollte, wenn man sein Leben komplett auf die Musik stützen möchte.

Wie schon angedeutet, kommt das Geld quartalsweise, wobei jede Sparte einmal pro Jahr abgerechnet wird. Daher empfiehlt es sich nicht nur auf ein einziges Pferd zu setzen, sondern dafür Sorge zu tragen, dass du sowohl im Radio stattfindest, als auch CD-Pressungen gemacht werden, als auch Downloads erfolgen, als auch Konzerte gespielt werden, usw.

Daneben solltest du beachten, dass die GEMA im aktuellen Jahr immer die Einnahmen aus dem Vorjahr ausschüttet (in 2016 werden bspw. die Konzerttantiemen von 2015 ausgezahlt). Wenn Einnahmen im Ausland generiert wurden, dann dauert es noch viel länger. Das liegt daran, dass die GEMA mit ihren Schwestergesellschaften im Ausland Gegenseitigkeitsverträge hat.

Wenn in den USA ein Song im Radio gespielt wird, dauert es mindestens ein Jahr, bis das durch die dortige Gesellschaft von den Sendern abgerechnet wurde und an die GEMA gemeldet wird. Dann dauert es noch mal ein weiteres Jahr bis die GEMA die Tantiemen bekommt und an ihre Urheber ausschütten kann. Manchmal muss die GEMA auch noch bei ihren Schwestergesellschaften nachhaken, oder auch der Musiknutzer lässt sich viel Zeit mit der Meldung. In diesem Fall verschiebt sich die Ausschüttung noch mal um ein Jahr, da die Meldefristen für die einzelnen Spartenabrechnung nicht eingehalten werden konnten.

Die genauen Abrechnungstermine findest du unter dem folgenden Link:
https://www.gema.de/musikurheber/mein-mitgliedskonto/zahlungstermine/

Und zum Schluss noch ein kleiner Tipp...

Wer mit der GEMA nichts anfangen kann, muss nicht zwangsweise bei ihr Mitglied werden. Es gibt auch Alternativen im In- und Ausland, die alle ihre Vor- und Nachteile haben – ebenso wie die GEMA. Bei der GEMA kann der eigene Administrationsaufwand recht groß sein, wenn man alles korrekt im Griff haben möchte.

Wenn man aber für verschiedene Länder die verschiedenen Vorteile der dort ansässigen Verwertungsgesellschaften nutzen möchte, kann man solche Mitgliederverträge auch nur über einzelne Gebiete, sog. Territorien abschließen. Mann kann auch einzelne „Rechtegruppen“ aus dem Vertrag ausschließen und von einer anderen Verwertungsgesellschaft im Ausland wahrnehmen lassen.

Aber diese speziellen Fälle bedürfen einiger Kenntnisse über das Urheberrecht und die wirtschaftlichen Zusammenhänge von den internationalen Unterschieden im Rechtsystem der einzelnen Länder. Aus diesem Grund empfehlen wir dir für solche Aktionen professionelle Berater wie beispielsweise Musikmanager oder auch Musikverlage, denn Verlage können ebenfalls als Mitglieder bei Verwertungsgesellschaften auftreten. 







layout-domain.tmpl