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Workshop: Musiker-Business, Teil 18 – Vertrieb – die wichtigsten Codes

Metadaten – Wozu die ganzen Codes?


Metadaten – Wozu ...

Wie kommt die Musik zum Fan? Du spielst ein Konzert, nimmst deine CD mit und verkaufst diese an die Fans. Ganz einfach, oder? Das ist es leider nicht, wenn man in den großen Plattenläden und Online-Shops seine Musik verkaufen möchte. Hier bekommst du einen Einblick in die Musikindustrie und erfährst, wofür man eigentlich die vielen Codes braucht.

Eine grobe Aufzählung der Meilensteine im Verlauf einer physischen oder digitalen Veröffentlichung findet man an nahezu jeder Ecke im Internet. Wo die meisten Erklärungen aber zum Ende kommen, da fangen wir an, die kleinen Geheimnisse der Industrie in verständliche Worte zu fassen! Auch wenn du so eine Darstellung vielleicht schon mal im Netz gefunden hast, haben wir uns noch mal die Mühe gemacht eine kleine Grafik für dich zu erstellen.

Dass ein Album zunächst beim Urheber (oftmals gleichzeitig der Interpret) entsteht und seine Roh-Form bekommt, im Tonstudio produziert wird, vom Label und Musikverlag gesigned wird und dann über den Vertrieb in den Handel kommt, das ist kein großes Geheimnis. Auch der wichtige Stellenwert der Presse in der Wertschöpfungskette und ihr direkter Einfluss auf den Fan lässt einen nach den vorhergehenden Artikeln nicht mehr ehrfürchtig erstarren. Wie Label und Musikverlag in Beziehung zu dir als Künstler stehen können, hast du bereits in den letzten Artikeln erfahren. Wie aber der Vertrieb und die Marketing-Aktionen auf dieser Ebene ablaufen, das wissen die wenigsten Künstler. Nachdem das Label die CDs oder das digitale Release an den Vertrieb angeliefert hat, geht es noch mal richtig zur Sache!

Deine Songs liegen jetzt – nach erfolgreicher Abnahme durch das Label – beim Vertrieb und warten darauf den musikhungrigen Massen präsentiert zu werden. Der Digitalvertrieb liefert die Soundfiles und die zugehörigen Metadaten an die Shops, nachdem die Daten in die vom Shop geforderte Form gebracht wurden.
 
Soundfiles – klar! Metadaten – what? Metadaten sind die Daten, die deine Musik weltweit in den verschiedensten Situationen identifizieren und eine Abrechnung möglich machen. Hier liegt auch der Schnittpunkt zwischen Vertrieb und Marketing begründet. Schauen wir uns die Codes mal etwas genauer an.

Labelcode

Der Labelcode (kurz LC) ist eine fünfstellige Nummer, die von der GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) an die Labels vergeben werden. Diesen Code muss ein Label bei der GVL für den eigenen Labelnamen beantragen. Der LC wird dann vom Label bei allen Presse- und Vertriebs-Aktionen mit angegeben.

Würde ein Label diesen Code nicht kommunizieren, dann könnte im Zweifel die Zuordnung der Aufnahmen zu den Rechteinhabern nicht gelingen und eine korrekte Abrechnung der Radiotantiemen für Interpret und Label wäre gefährdet. Da die GVL mitunter die Tantiemen für Musiksendungen im Radio einsammelt, muss der Code jedes Mal, wenn ein Radiosender bemustert wird, mit angegeben werden, damit der Redakteur den LC in seinen Sendelisten vermerken und die GVL die Tantiemen für gesendete Songs an Label und Künstler verteilen kann.

Für das Beispiel Radiotantiemen gibt es noch einen zweiten wichtigen Code, den ISRC.

ISRC

Der ISRC (International Standard Recording Code) wird in Deutschland vom BVMI (Bundesverband Musikindustrie) vergeben. Jedes Label oder jeder Vertrieb sollte seinen eigenen ISRC-Stammcode beantragen, der den Länderschlüssel und die Unternehmenskennung enthält. Jeder einzelne Song erhält einen eigenen ISRC.

Beispiel: DE-UD5-15-00203

Der ISRC ist ein zwölfstelliger Code, der sich in verschiedene Bereiche gliedern lässt. Die ersten beiden Buchstaben bilden den Ländercode (DE), in dem das Label/der Vertrieb ansässig ist. Die nächsten drei Stellen bilden die Unternehmenskennung (hier: UD5). Danach folgt mit zwei Ziffern das Jahr, in dem die Aufnahme veröffentlicht (15) wurde. Die letzten fünf Stellen kann das Label frei nach belieben wählen und für jeden Song individuell vergeben. Meistens wird fortlaufend nummeriert, in unserem Beispiel wäre es die zweihundertdritte Veröffentlichung, die das Label im Jahr 2015 auf den Markt bringt. Im besten Fall wird der ISRC schon beim Mastering des Albums in den Subcode integriert. Das hat den Vorteil, dass dieser Code immer im Hintergrund einer Aufnahme unhörbar mitläuft, aber von den Radiosendern ausgelesen werden kann und damit ein unverwechselbares Erkennungsmerkmal darstellt. Denn dieser Code wird ebenfalls in den Sendelisten vermerkt und der GVL übermittelt. Ist der Code nicht vorhanden, dann wird nach LC zugeordnet und abgerechnet.

Aber der ISRC hat noch einen zweiten Sinn. Er wird vom Vertrieb als digitaler Fingerabdruck verwendet und den Online Shops übermittelt. Wenn die Shops dann die Verkäufe an den Vertrieb abrechnen, dann geschieht die Zuordnung hauptsächlich durch den ISRC. Songnamen und Künstlernamen können durchaus auch mal verwechselt oder falsch geschrieben werden, insbesondere, wenn man sich vor Augen hält wie viele Songs das Wörtchen „Love“ im Titel enthalten. Ja, wir haben uns eben alle furchtbar lieb in dieser Branche!

Da der ISRC vollkommen individuell nur einmal pro Song auf der ganzen Welt existiert, ist er auch für den Vertrieb ein unglaublich wichtiges Zuordnungsmerkmal für Abrechnungen.

EAN

Hast du davon schon gehört? Dieser Code wird von den Vertrieben zur Kennzeichnung eines Produktes, also zum Beispiel eines ganzen Albums oder einer Compilation, verwendet. Der EAN (European Article Number) zeigt sich oft als Barcode oder Strichcode auf einer CD. In Deutschland wird dieser Code von GS1 vergeben und besteht aus dreizehn Ziffern. Die ersten sieben Ziffern sind der Basisnummernteil und bilden die GLN (Global Location Number). Dahinter verstecken sich die Länderkennzahl (400 oder 440 für Deutschland) und die Herstellerkennzahl des Labels oder Vertriebs (Betriebsnummer 4-stellig). Darauf folgt eine 5-stellige Artikelnummer, die wieder individuell vergeben werden kann. Zum Schluss folgt eine Prüfziffer. Wenn man jeweils abwechselnd die einzelnen Stellen des Codes mit 1 und 3 multipliziert und addiert und dann das Endergebnis zum nächsten Vielfachen von 10 aufrundet, ergibt sich die Prüfziffer als Rundungsbetrag, um zum nächsten Zehnerschritt zu gelangen. Puhh! Diese Info musst du für deinen Erfolg nicht auswendig lernen, sie macht aber deutlich, dass auch hier wieder ein in sich schlüssiges Identifikationssystem ausgeklügelt wurde.

Beispiel: EAN-3614594641661

3+(6x3)+1+(4x3)+5+(9x3)+4+(6x3)+4+(1x3)+6+(6x3)=119
à Prüfziffer 1 (Restbetrag zum nächsten Zehnerschritt auf 120)

Anders als der ISRC markiert der Barcode ein „Gebinde“, also das Gesamtprodukt mit einer bestimmten Anordnung. Der Barcode muss also bei einer Veränderung der Songzusammenstellung erneuert werden.

GEMA-Werknummer

Wenn du schon GEMA-Mitglied bist, dann solltest du akribisch genau darauf achten, dass diese Nummer immer angegeben wird. Auch für digitale Downloads, Streaming und vor allem Radioairplays gibt es Geld von der GEMA! Wird die GEMA-Werknummer (neben der Nennung in den Veranstaltungslisten) auch an Label und Vertrieb weitergegeben, dann können diese Tantiemen an dich abgerechnet werden. Wenn beispielsweise ein Song bei iTunes runter geladen wird, dann entspricht das einer Vervielfältigung (das Soundfile wird vom Shop-Server auf das Endgerät des Kunden überliefert). Diese Vervielfältigung ist GEMA-pflichtig und dafür muss vom Shop an die GEMA ein Lizenzbetrag gezahlt werden. Die GEMA rechnet dann, nach Abzug der Verwaltungsgebühr, die Lizenzbeträge an dich ab.

Ok, manchmal fragt man sich wirklich, ob das nicht auch einfacher gegangen wäre ... Bestimmt! Ist aber gar nicht schlimm, jetzt weißt du ja, womit du es zu tun hast. Keine Panik, diese ganzen Zahlen und Codes sind in erster Linie für die Unternehmen wichtig, weniger für deine persönliche künstlerische Nachtruhe.







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