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Workshop: Musiker-Business, Teil 17 – Verlagsverträge


… jetzt wird’s ...

Ein Verlagsvertrag regelt die Zusammenarbeit und die Einnahmeverteilung zwischen dir als Urheber und einem Musikverlag. Wichtig ist, dass man eines von vorne herein verinnerlicht: Bei so einem Vertrag geht es grundsätzlich um das geistige Eigentum, nicht um die Tonaufnahmen. Was du sonst noch wissen musst, findest du in dieser Folge.

Als Urheber räumst du einem Verlag ausschließliche Nutzungsrechte an deinen Verwertungsrechten ein. Klingt kompliziert, ist es aber nicht! Im Prinzip erlaubst du alleine diesem Verlag mit den benannten Verwertungsrechten zu arbeiten. Wie schon gesagt, können die Nutzungsrechte zeitlich, räumlich und inhaltlich beschränkt werden.

Du kannst einem Verlag also weltweit alle Verwertungsrechte über die Dauer der gesetzlichen Schutzfrist einräumen (das ist der Normalfall), oder du kannst einem Verlag deine Rechte begrenzt auf eine kürzere Dauer in einem bestimmten Land anvertrauen – die beschränkte Zusammenarbeit wird oft als Administrationsvertrag angelegt. An dieser Stelle musst du selbst entscheiden, ob du bereit bist langfristig mit einem Verlag zu arbeiten, der deine Musik an Redakteure und Produzenten promotet, oder ob du lieber nur einen Administrationspartner für deine GEMA-Angelegenheiten haben möchtest.

Wenn du dich für erstere Methode entscheidest, dann wird der Verlag auch sicherlich das Thema Leistungsschutzrechte ansprechen. Da es schwer ist, das kreative Gut ohne die Tonaufnahme an den Mann zu bringen (stell dir vor, dein Verleger muss dem TV-Produzenten deine Songs jedes Mal vorsingen anstatt eine Aufnahme zu schicken), wird oft vereinbart, dass die Aufnahmen auch vom Verlag direkt lizenziert werden dürfen. Wenn du schon bei einem Label unterschrieben hast, dann muss auch das Label dafür eine Freigabe an den Verlag erteilen.

Bestandteile eines Verlagsvertrages

Ähnlich wie beim Label-Deal kann ein Verlagsvertrag ebenfalls auf den ganzen Künstler und seine Werke innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (Künstlerexklusivvertrag) oder auf einzelne Werke (Titelvertrag) bezogen sein. In beiden Fällen werden die Werke, die unter Vertrag genommen wurden, dem Verlag über die gesamte Dauer der Schutzfrist übergeben. Beim Titelvertrag kannst du beispielsweise nur ein Album in den Verlag geben, während beim Exklusivvertrag alle Songs dem Verlag übergeben werden müssen, die du während der Vertragslaufzeit von meistens drei bis fünf Jahren schreibst.

Grundsätzlich sind die meisten Verlagsverträge sehr ähnlich aufgebaut und enthalten normalerweise die gleichen Rechtsübertragungen. Das hängt damit zusammen, dass die meisten deutschen Verleger GEMA-Mitglied sind und auch mit GEMA-pflichtigen Urhebern zusammenarbeiten wollen. Dementsprechend findest du in deinem Verlagsvertrag die gleichen Rechte, wie sie auch im GEMA-Berechtigungsvertrag vorkommen. Alle Rechte, die du schon als Urheber an die GEMA übertragen hast, werden dann gemeinsam von dir und dem Verlag in die GEMA eingebracht. Der Vorteil ist, dass die entsprechenden Einnahmen direkt von der GEMA zwischen Verlag und Urheber aufgeteilt und getrennt voneinander ausgeschüttet werden. Das erleichtert die Buchhaltung enorm!  

Ein Blick auf die obige Checkbox liefert einen ersten Eindruck, was auf dich zukommt. Die meisten dieser Punkte wurden schon beim Bandübernahmevertrag (Musiker-Business Folge 13) angesprochen. Damit du beim Lesen nicht vom Hocker fällst, stürzen wir uns hier nur auf die Herzstücke Nutzungsrechte, Verwertungsrechte und Abrechnung.

→ Nutzungsrechte

Grundsätzlich wird ein ausschließlicher (exklusiver) Vertrag mit einem Verlag geschlossen. Eine non-exklusive Vereinbarung würde keinen Sinn ergeben, denn dann wäre bei mehreren Verlagen nicht klar, wer für die einzelne Lizenz zuständig ist – das kann insbesondere Stress bedeuten, wenn zwei Verlage sich auf die gleichen Lizenzpartner stürzen.

Unter die Nutzungsrechte fällt auch die Regelung, in welchem Territorium der Verlag mit deiner Musik tätig wird. Dabei wird in den meisten Fällen ein Vertrag für das Gebiet „Welt“ geschlossen, bei machen Verträgen wird auch noch das Universum eingeschlossen. Das scheint erstmal komisch zu klingen, aber wir wissen ja alle nicht, ob wir nicht in 50 Jahren zu deiner Musik auf dem Mond tanzen. Immerhin sind schon Wohnstationen auf dem Mars geplant.

Wenn du einen räumlich weltweit gültigen Vertrag abschließt, dann wird der Verlag wahrscheinlich Subverleger im Ausland damit beauftragen deine Musik vor Ort anzubieten. Damit klärt sich auch, warum der Verlag gerne das Recht haben möchte, deine Musik auch an Dritte weiterzugeben und die übertragenen Rechte auch vollständig oder in Teilen an Dritte zur Auswertung deiner Musik einräumen darf.

Im Absatz der Nutzungsrechte findest du auch die zeitliche Beschränkung. Diese läuft nach deutschem Urheberrecht bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Erst dann darf wieder ein Anderer mit diesen Rechten arbeiten ohne vorher zu fragen (vermutlich wird dir das dann 70 Jahre nach deinem Ableben auch egal sein). Nach dieser Frist sind deine Werke gemeinfrei und jeder darf sie nutzen (Vorsicht: nicht die Tonaufnahmen, nur das kreative Gut). Damit ist nicht gemeint, dass ein anderer Künstler plötzlich behaupten darf, er habe den Song geschrieben, es geht nur um die Nutzung.

Der dritte Bestandteil der Nutzungsrechte ist die inhaltliche Beschränkung. Dabei geht es darum, welche Rechte in den Vertrag aufgenommen werden sollen und schließt damit ohne Umschweife an die Verwertungsrechte an. Dieser Punkt wird eigentlich nie gesondert behandelt, oft findest du in den Verträgen das Territorium und Dauer direkt beim Vertragsgegenstand und die inhaltliche Beschreibung der Nutzungsrechte folgt gesondert bzw. beinhaltet die Verwertungsrechte.

→ Verwertungsrechte

Zunächst beginnt dieser Abschnitt oft damit, dass der Urheber die folgenden Rechte dem Verlag zur gemeinsamen Einbringung in die GEMA überträgt:
-    Die Aufnahme deiner Musik auf Ton-, Tonbild- und Datenträger
-    Die Sendung, Aufführung und öffentliche Zugänglichmachung sowie Wahrnehmbarmachung deiner Songs und Aufnahmen auf jegliche Art zu jeder Zeit
-    Insbesondere die Sendung durch Radios, TV-Sender oder sonstige Einrichtungen, die deine Musik terrestrisch, per Kabelnetz oder Satellit ausstrahlen könnten
-    Das Recht, diese Sendungen dann auch über sämtliche technische Einrichtungen weiterzuleiten/weiterzusenden (ja, das muss extra geklärt werden, denn genau genommen findet hier oft noch mal eine Vervielfältigung statt)
-    Das Recht, deine Musik zu vermieten, verleihen oder auf sonstige Art und Weise zur Verfügung zu stellen, sowohl entgeltlich als auch unentgeltlich
-    Sämtliche Rechte, welche durch zukünftige technische Entwicklungen oder veränderte Markt- oder gesetzliche Bedingungen entstehen können
-    Das Recht, Bearbeitungen, Remixe, Kürzungen oder sonstige Änderungen am musikalischen Werk vorzunehmen oder vornehmen zu lassen, darunter auch Neuvertonungen und Neuvertextungen (Bearbeitungsrecht)
-    Das Recht, deine Musik mit Werken „anderer Gattung“ zu verbinden, z.B. mit Filmwerken und auch wieder aus diesen Verbindungen zu lösen (Synchronisationsrecht, kurz: Sync-Right)
-    Das Recht, deine Musik für Werbezwecke aller Art zu verwenden und dieses Recht auch Dritten einzuräumen (z.B. Musik für Werbespots)
-    Das Recht, Teile deiner Songs mittels Sampling zu verwerten und auch diese Nutzung Dritten erlauben zu dürfen
-    Das Recht, deine Musik in Instrumentalversionen zu wandeln zur individuellen Interpretation (z.B. für Karaoke)

Das ist erst mal ein ganzer Haufen Rechte, den der Verleger von dir haben möchte. Aber auch hier gilt wieder, dass es nach viel aussieht, unterm Strich aber auch notwendig ist. Wenn man bedenkt, dass für eine einfache Radioausstrahlung deiner Songs bereits die ersten vier Rechte benötigt werden, dann wird schnell klar, dass hier viel Text der Formulierung des Gesetzgebers geschuldet ist.

In den meisten Verlagsverträgen findet man auch noch das sogenannte graphische Recht. Hierbei geht’s um den Notendruck, der bei den meisten modernen Musikstilen kaum noch durchgesetzt wird. Wenn der Notendruck vertraglich ausgeschlossen wird, dann wird man dich vermutlich bitten, dies auch noch auf einem gesonderten GEMA-Formular, der Notendruckverzichtserklärung, zu unterschreiben.

→ Abrechnung

Der Kreis schließt sich für die meisten wieder beim Thema Geld! Klar, den ganzen Papierkram tut man sich nicht aus lauter Spaß an der Freude an.
 
Wie schon vorher kurz angesprochen, findet die Verteilung der GEMA-Einnahmen in den meisten Fällen auf der Grundlage des Londoner Verteilungsschlüssels statt. Die meisten Einnahmen, die im ganz normalen Lizenzgeschäft mit TV-Sendern, Radios und Online-Nutzungen generiert werden, werden durch die GEMA direkt abgerechnet und nach dem Schlüssel verteilt. Hierbei handelt es sich um alle Lizenzen, bei denen der TV-Sender, Redakteur oder Produzent ein „Cue Sheet“ an die GEMA sendet und dann auf dessen Basis die Tantiemen entrichtet.

Es gibt aber auch noch den Fall, dass sogenannte „Upfront Fees“ gezahlt werden. Das sind Beträge, die ein Produzent bspw. für die exklusive Nutzung eines Musikstückes in seinem Filmwerk lockermacht. Wenn ein Werbefilm-Produzent einen Song für einen großen Spot haben möchte, kann es vorkommen, dass es gewünscht ist, diesen Song in der Laufzeit in keinem anderen Werbespot zu verwendet. Dieses zusätzliche Geld wird meistens 50/50 zwischen Verlag und Urheber geteilt.

Was du sonst noch wissen solltest ...

Natürlich ist die gesetzliche Schutzfrist eine extrem lange Vertragsdauer, daher solltest du dir gut überlegen, ob du für einen Verlagsdeal schon bereit bist. Viele Urheber sehen das als Einschränkung an, was aber nicht sein muss. Wenn die Qualität der Songs stimmt und der Verlag eine Auswertung vorantreibt, dann kann so eine Kooperation durchaus sinnvoll und erfolgreich sein. Lass dich auch nicht entmutigen, wenn es eine Weile dauert, bis der Verlag deine Songs bei audiovisuellen Projekten untergebracht hat. Wie schon gesagt, es ist immer auch ein Teil Glück dabei, dass die richtigen Filmproduzenten zur richtigen Zeit deine Musik zu hören bekommen.

Ein Vorteil an einer Zusammenarbeit mit einem Verlag ist, dass du dadurch eine zusätzliche Auswertungsmöglichkeit – neben den Verkäufen – schaffst. Das gilt für all jene Bands, die Musik für ihr Publikum schreiben, Konzerte spielen und CDs und/oder Downloads verkaufen.

Eine ganz andere Sparte bilden die reinen Filmmusik-Komponisten, für die eine Zusammenarbeit mit Verlagspartnern eine wichtige Geschäftsgrundlage bilden kann. Diese Musiker verdienen nichts an Konzerten und kaum an Verkäufen (Ausnahmen bilden Filmmusik-Compilations), bei ihnen geht es hauptsächlich um Tantiemen und Upfront Fees.

Du siehst also, es ist ein durchaus interessantes Feld, allerdings setzt das auch eine gewisse Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen voraus. Wer seine Musik nur als Hobby nebenbei betreibt oder nicht weiß, ob er nach dem Studium oder der Ausbildung noch weiter in der Band spielen möchte, der sollte sich auch die Frage stellen, ob er solche professionellen Strukturen um seine Musik herum wirklich aufbauen möchte und den Vertragspflichten tatsächlich nachkommen kann.







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