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Workshop: Musiker-Business, Teil 14 – Bandübernahmevertrag im Detail


Auf den Punkt

Jetzt ist es endlich soweit! Du hast einen Vertrag von einem Label vor dir und verstehst ... Bahnhof! Damit dir das nicht wirklich passiert, haben wir hier die grundsätzlichen Bestandteile eines Bandübernahmevertrages für dich zusammengetragen und mit kurzen Erklärungen versehen. Bitte sieh das keinesfalls als Rechtsrat oder Anwaltsersatz – diesen Berufszweig kann man nicht ersetzen, wenn man auf Nummer sicher gehen möchte!

So ein Vertrag kann sehr viel ausgedehnter als unser Beispiel sein, aber hier geht es jetzt erst mal darum, die Kernbausteine zu verstehen und eine kleine Navigationshilfe zu liefern. Allem voran sei gesagt, dass Verträge verhandelbar sind und es in den meisten Fällen für den Vertragspartner spricht, wenn er bereit ist auf deine Wünsche einzugehen. Das heißt nicht, dass du als Künstler den kleinen Tyrannen spielen darfst, wichtig ist immer einen gemeinsamen Konsens zu finden. Dabei gehen beide Seiten aufeinander zu, denn man braucht sich gegenseitig.

1.    Präambel

Los geht’s meistens mit dem Vorwort oder auch Präambel genannt. Hier steht etwas in dieser Richtung: „Der Vertrag wird zwischen den beiden Parteien LABEL und KÜNSTLER geschlossen. Sinn und Zweck dieses Bandübernahmevertrags ist die exklusive Einräumung aller relevanten Rechte zur umfassenden Auswertung der vertragsgegenständlichen Musikaufnahmen durch LABEL. Vertragsgegenstand ist das Musikalbum ‚ALBUMNAME’ von KÜNSTLER.“
Die Präambel wird zumeist auf das Wesentliche reduziert und beschreibt in aller Kürze den Vertragszweck.

2.    Vertragspartner

Das ist noch recht einfach zu verstehen. Auf die Präambel folgen die Vertragspartner mit Adressen und aktuellen Kontaktdaten. Gegebenenfalls steht hier auch noch der Name deines Künstlermanagers drin, wenn du diesem eine Vertretungsvollmacht gegeben hast.

Vertragsaufnahmen und -laufzeit

3.    Vertragsaufnahmen

Natürlich muss auch irgendwo ganz konkret genannt werden, welche Aufnahmen im Speziellen gemeint sind. Auch dazu gibt es im Vertrag einen extra Punkt, in dem auch geklärt wird, ob noch zusätzliche Singles und/oder Musikvideos dazugehören.

4.    Vertragslaufzeit


Auch noch verständlich. Hier werden die folgenden Fragen geklärt: Wie lange besteht der Vertrag und wie lange darüber hinaus gilt die Titelexklusivität? Endet der Vertrag automatisch, oder bedarf es einer schriftlichen Kündigung?

Oftmals gibt es auch sogenannte Optionen. Das bedeutet, dass nach beispielsweise drei Jahren das Label die Möglichkeit hat eine Option auf das nächste Album zu ziehen. Das Label kann dann anhand eines Demos oder eines fertigen Masters entscheiden, ob es dieses nächste Album auch noch veröffentlichen möchte. Keine Panik, wenn die Zusammenarbeit miserabel gelaufen ist, dann hat auch das Label kein Interesse Geld in ein neues Projekt zu pumpen, mit dem man keine Gewinne erzielen kann. Üblicherweise können hier zwischen einer und drei Optionen vereinbart werden. Willst du das auf gar keinen Fall, dann solltest du diesen Punkt einfach mit dem Label verhandeln.

Beim Thema Kündigung findest du höchstwahrscheinlich den Verweis auf die „Kündigung aus wichtigem Grund“. Die Kündigung ohne wichtigen Grund wird meistens ausgeschlossen, denn sonst könnten beide Vertragsparteien, salopp ausgedrückt, den Vertrag einfach beenden, je nachdem wie das Frühstück geschmeckt hat. Die Kündigung aus wichtigem Grund kann nicht ausgeschlossen werden. Ein wichtiger Grund wäre z.B., wenn der Künstler oder das Label massiv gegen den Vertrag verstoßen und/oder durch „Nichtleistung“ auffallen (wenn ein Vertragspartner eine bestimmte Vertragspflicht gar nicht ausübt, obwohl es schwarz auf weiß vereinbart wurde).

Rechteübertragung

5.    Übertragung der Rechte und Exklusivität

Hier wird es spannend! Jetzt findest du wahrscheinlich in deinem Vertrag eine nicht enden wollende Auflistung aller möglichen Rechte: Das Veröffentlichungs- und Vervielfältigungsrecht, das Verbreitungsrecht, das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung, das Senderecht, das Wiedergaberecht, das Bearbeitungsrecht, das Synchronisationsrecht und Rechte an sonstigen oder zukünftigen Nutzungsarten.  

Puh – sieht brutal aus ... ist aber eigentlich nur das, was auch im Gesetzestext steht. Damit soll ganz klar und deutlich der Bezug zum Gesetz hergestellt werden, damit man im Streitfall nicht anfängt Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Da das Gesetz für jede Kleinigkeit eine gesonderte Bezeichnung findet, sieht es nach einer Menge Rechten aus und man ist sich als Künstler plötzlich nicht mehr so sicher, ob man das wirklich will.

Wenn man sich das Ganze aber in der Praxis vorstellt, ist es halb so wild. Wenn du möchtest, dass dein Label deine Musik bei iTunes zum Verkauf anbietet, dann braucht das Label dafür das Vervielfältigungsrecht, das Verbreitungsrecht, das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung und gegebenenfalls auch das Bearbeitungsrecht (zum Beispiel wenn Vorhör-Snippets im Shop erscheinen sollen) und vielleicht auch das Senderecht (wenn deine Musik bei Apple Music oder iTunes Radio gestreamt werden soll). Für eine einzige Handlung braucht das Label also schon fünf von acht essentiellen Rechten.

Das Synchronisationsrecht meint übrigens das Recht, die Musik z.B. als Hintergrundmusik in einem Film oder einem Werbespot zu verwenden. Synchronisation bedeutet in diesem Zusammenhang die Verbindung von zwei Werken, also einem Filmwerk und einem Musikwerk.

Natürlich wird in diesem Vertragspunkt ganz genau und über mehrere Seiten erklärt, was alles zu den einzelnen Rechte zählt. Dafür kann es hilfreich sein sich mal den Gesetzestext mit Kommentar daneben zu legen und zu vergleichen, was genau gemeint ist.

Bitte versuche aber nicht aus gefährlichem Halbwissen heraus mit Paragraphen um dich zu werfen – dafür gibt es nach wie vor Juristen, die dann tatsächlich auch noch auf den zweiten und dritten Satz so einer Diskussion eine Antwort haben.  

Aus diesen Rechten ergeben sich wiederum die Lizenzen, die vergeben werden können (siehe letzte Folge).
 
Der Vertragspunkt „Exklusivität“ greift hier meistens noch mal ganz genau auf, ob sich die Exklusivität dieser Rechte auf die Aufnahmen oder den Künstler beziehen und wie lange genau diese Exklusivität andauert.


6.    Werbung

Dies ist ein sehr wichtiger Punkt in so einem Vertrag, denn hier trennt sich oft die Spreu vom Weizen. Heutzutage gibt es immer mehr Labels, die ihren Künstlern eher Vertriebsdeals anbieten, wobei die Promotionsmaßnahmen wegfallen. Wichtig ist wie immer einen guten Konsens zu finden. Wenn das Label dir anbietet Promo zu betreiben und diese auch im Vertrag benennt, heißt das nicht, dass du dich zurücklehnen kannst und nur noch abwarten brauchst, was passiert. Es ist enorm wichtig, dass Werbung sowohl vom Label als auch vom Künstler ausgeht. In diesem Vertragspunkt wird darüber hinaus auch geklärt, dass Bilder, Namen, Websites und Artworks sowie sonstige Kennzeichen des Künstlers für die Werbung benutzt werden dürfen. Diese Erwähnung mag überflüssig scheinen, ist sie rein rechtlich aber nicht, da hier oft Persönlichkeitsrechte des Künstlers berührt werden und diese sind vom Gesetz besonders geschützt – daher die klärenden Worte.

Lizenzsätze/Vergütung

7.    Lizenzsätze/Vergütung

Das ist der Punkt, der meistens die größte Beachtung findet – denn hier geht’s um die Moneten! Die Lizenzsätze und Vergütungsvereinbarungen können dabei variieren, je nachdem was inhaltlich im Vertrag an Leistung vereinbart wurde. Dieser Vertragspunkt darf also niemals isoliert gesehen werden. Im Normalfall pendeln sich die Shares bei den digitalen Verkäufen im Bereich von 50% ein, das dürfte ein wichtiger Anhaltspunkt sein. Bei den physischen Tonträgern kommt es ganz darauf an, ob das Label die Pressung bezahlt hat oder nicht.

Abhängig davon sind die Sätze höher oder geringer für den Künstler. Die Verhandlungsstärke hat in dem Fall derjenige, der die Kosten getragen hat – aber Vorsicht: Wenn das Label viel Arbeitszeit und auch Geld in Promotionmaßnahmen investiert, dann hat auch diese Partei ein berechtigtes Interesse einen angemessenen Prozentsatz zu fordern. In so einer Verhandlung macht passenderweise der Ton die Musik! Sei nicht schockiert, wenn du erstmal eine lange Liste von Abzügen bei den physischen Verkäufen liest. Das ist ganz normal und sogar positiv, wenn diese Abzüge transparent diskutiert werden.

Wenn eine CD im Laden verkauft wird, dann gibt es erstmal eine Menge Abzüge von Seiten des Handels (ca. 20-25%), danach von Seiten des Vertriebs (bis zu 30%) und die Mehrwertsteuer ist mit 19% auch nicht zu vernachlässigen. Hier ist schon mal gut und gerne mehr als der halbe Verkaufspreis weg, bevor das Geld überhaupt beim Label ankommt. Dann erst wird mit dem Künstler und den anderen Beteiligten geteilt. Auch die GEMA muss berücksichtigt werden, denn immerhin dient der Verkaufspreis zur Kostendeckung und erst anschließend dazu Gewinne zu erzielen.

Wenn das Label deine Musik auf Compilations bringt, dann begegnet dir vermutlich der Begriff „pro rata titulus“. Das bedeutet „titelanteilig“ und meint, dass nur dein einzelnes Musikstück auf der Compilation in die Auswertung einfließt und das Label aus den Gesamteinnahmen der Compilation errechnet, wie viel davon auf deinen Song entfällt. Bei physischen Compilations bekommt jeder Song meistens den gleichen prozentualen Anteil zugewiesen, bei digitalen Compilations fällt das weg, denn die Onlineshops bieten ja auch die Möglichkeit, die Titel einzeln zu kaufen – da gibt es dann wieder eine nachvollziehbare normale Abrechnung (meistens mit einer detaillierten Auflistung der einzelnen Verkäufe).

Abrechnung & Steuern

8.    Abrechnung

Als Musiker und als Label muss man auf seine Ausgaben achten, denn die Auszahlungsrhythmen sind meistens viertel-, halb- oder jährlich. Das liegt schon bei den Läden und Onlineshops begründet, denn auch diese zahlen in solch großen, teils unterschiedlichen Zeitabständen die Einnahmen an die Vertriebe aus. Die Vertriebe verrechnen das dann weiter an die Labels und die Labels schließlich an die Künstler. An jeder Station, die das Geld passieren muss, geht auch immer ein wenig Zeit verloren.

Wenn du also einen Song z.B. bei Beatport verkauft hast, dann ist dieses Geld erst im nächsten Quartalsabschluss in der Auszahlung an den Vertrieb. Danach vergehen im günstigsten Fall nur ein bis zwei Monate, bis das Geld beim Label ankommt und hier erst hast du dann deinen direkten Ansprechpartner für die Auszahlung. Diesbezüglich kannst du auch noch mal in den vorherigen Workshop zum Thema Businessplan schauen, in dem das Thema Kalkulation aufgegriffen wurde.

Das Label schickt dir zum Abrechnungstermin eine Auflistung der Einnahmen, das sogenannte Statement, woraufhin du dann eine ordentliche Rechnung an das Label stellst – und schon sollte das Geld auf deinem Konto landen.

9.    Steuern und Urheberrechtsabgaben

Wenn du als Künstler schon mehrwertsteuerpflichtig bist, dann zahlt dir das Label diese natürlich aus, wenn du als Kleinunternehmer ohne Vorsteuerabzug unterwegs bist, dann wird es sich um eine Netto-Abrechnung handeln.

Mit Urheberrechtsabgaben sind im Allgemeinen Abgaben für GEMA und KSK gemeint. Dass GEMA-Gebühren bei der CD-Pressung anfallen, dürfte klar sein (ansonsten gibt es hierzu noch einen gesonderten Artikel in den kommenden Monaten). Die Gebühr für die KSK (Künstlersozialkasse) muss vom Label getragen werden.

Hinweis: Das Künstlersozialversicherungsgesetz besagt, vereinfacht ausgedrückt, dass derjenige, der die künstlerische Leistung für kommerzielle Zwecke verwendet, einen gewissen Prozentsatz an die KSK abführen muss. Aktuell im Jahr 2015 sind das 5,2 %. Wenn das Label dir 1.000 Euro auszahlt, muss es noch mal 52 Euro obendrauf an die KSK abführen. Genauere Infos zur KSK findest du hier: http://www.kuenstlersozialkasse.de

Sonstiges

10.    Garantie (oder Freistellung)

In diesem Vertragspunkt geht es darum zu verdeutlichen, dass du auch als Künstler in der Pflicht bist keinen Mist zu bauen! Sowohl das Label als auch der Künstler müssen für grobe Schnitzer selbst die Verantwortung tragen. Sollte der Künstler beispielsweise einen Song klauen, dann wird das rechtliche Problem auch gnadenlos an den Künstler weitergereicht. So etwas passiert leider öfter als man denkt, nicht nur aus diesem Grund ist es für einen Künstler enorm wichtig zu wissen, mit welchen Rechten er eigentlich arbeitet – um solche Vorfälle zu vermeiden!


11.    Salvatorische Klausel

Der letzte Part im Vertrag wird oft von der sogenannten „salvatorischen Klausel“ bestimmt – und diese gibt dir über den Inhalt hinaus einen weiteren Hinweis. Sie beginnt meistens in der Art: „Sollte eine Bestimmung aus diesem Vertrag unwirksam sein oder werden, wird sie durch eine ersetzt, die dem Vertragszweck am nächsten kommt, der übrige Vertrag bleibt davon unberührt ...“ Die salvatorische Klausel steht auch im Gesetz und muss daher in Musterverträgen, die immer wieder verwendet werden, nicht zwingend eingebaut sein. In einem individuellen Vertrag aber muss die Klausel drinstehen.

12.    Ort/Datum/Unterschrift


Gut, das ist selbsterklärend, oder?

Wenn du nun endlich deinen lang ersehnten Deal vor Augen und in den Händen hast, solltest du trotz dieser Tipps noch mal bei einem Anwalt vorbei schauen, der sich mit Urheber- und Leistungsschutzrechten auskennt – idealerweise ist derjenige auch mit der Praxis des Musikbusiness vertraut. Dann dürfte nichts mehr schiefgehen!

Im nächsten Artikel nehmen wir uns die Urheberrechte vor und erklären, was dir eine Partnerschaft mit einem Musikverlag bringen kann. Denn so wie das Label mit den Leistungsschutzrechten und den Interpreten arbeitet, so arbeitet der Verlag auf anderer Seite mit den Urheberrechten und Songwritern.







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