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Workshop: Musiker-Business, Teil 13 – Labelvertrag und ihre Formen

Labeldeal – Wie genau sieht der aus?


Labeldeal – Wie ...

Nachdem du dir deiner Rechte als Musiker bewusst bist und ein geeignetes Label gefunden hast, geht’s ans Eingemachte – genau, dem Vertrag. Sei dir bewusst, dass es in allererster Linie beim Labeldeal darum geht, dem Label Nutzungsrechte einzuräumen, damit es die Berechtigung hat, deine Musik zu verkaufen und zu promoten. Dabei gibt es zwei grundlegende Möglichkeiten: den Exklusivvertrag und den Bandübernahmevertrag.

Beim Exklusivvertrag bietet dir das Label in der Regel eine Finanzierung deiner Aufnahmen. Das hört sich erst mal gut an. Im Gegenzug wird aber jeder Song, an dem du innerhalb der Vertragslaufzeit Leistungsschutzrechte erlangst, automatisch Bestandteil des Vertrages. Du bist also für eine bestimmte Zeit exklusiv an dein Label gebunden und musst alles in diese Partnerschaft einfließen lassen, was du musikalisch auf die Beine stellst. Endet der Vertrag nach (meistens) drei oder fünf Jahren, dann hat das Label trotzdem noch eine ganze Weile die Rechte an den Aufnahmen, die während der Vertragslaufzeit entstanden sind. Das nennt man Titelexklusivität und diese dauert meistens fünf bis zehn Jahre.

Das heißt im Klartext: Für die Dauer des Vertrages darfst du mit keinem anderen Label zusammenarbeiten und danach sind die entsprechenden Songs noch für die Dauer der Titelexklusivität an das Label gebunden. Du kannst nach Vertragsende lediglich mit neuen Songs zu einem anderen Label gehen.

Der Vorteil für dich: Das Label trägt das finanzielle Risiko. Der Nachteil: Wenn dein Label und du irgendwann nicht mehr eine gemeinsame Linie fahren solltet, dann können drei bis fünf Jahre verdammt lang und zäh werden.

Früher war es üblich bei Exklusivverträgen auch über Vorschüsse zu sprechen. Das ist heute nicht immer der Fall und hängt ganz von den Konditionen ab. Wichtig ist, dass ein Vorschuss verrechenbar, aber nicht rückzahlbar sein sollte. Das bedeutet, dass der Vorschuss vom Label mit den Einnahmen verrechnet wird. Erst wenn das Label seine Kohle wieder reingeholt hat, wird geteilt. An diesem Punkt sieht man auch schon, warum das heute immer weniger gemacht wird. In einer Zeit der Casting-Shows und kurzfristigen Erfolge ist das Risiko extrem groß, dass ein Label seinen Vorschuss nicht recoupen kann und damit auf einem Haufen Kosten sitzen bleibt.

Bandübernahmevertrag

Beim Bandübernahmevertrag sieht die Sache etwas lockerer aus. Achtung übrigens: Es handelt sich hier um ein Band (sprich „Band“ und nicht „Bänd“), da es um das Masterband geht – ein Begriff, der aus der Zeit der Tonbandgeräte stammt und das einzig wahre Tonband beschreibt, dass am Ende einer nervenaufreibenden Studio-Session steht. Dieses Tonband ist Grundlage für sämtliche Vervielfältigungen gewesen. Heute ist es eine Master-CD oder sind es Master-Files, trotzdem ist der Begriff geblieben.

Beim Bandübernahvertrag finanzierst du die Aufnahmen meistens selbst und überträgst die notwendigen Leistungsschutzrechte und Nutzungsrechte für die Veröffentlichung und Verbreitung auf das Label. Dein Vorteil: Du bist meist flexibler und solltest du mit dem Label nicht klar kommen, kannst du direkt mit der nächsten Platte woanders hingehen. Es ist nur das Masterband an das Label gebunden, nicht du selbst.

Die meisten Labels machen mit Newcomern heutzutage Bandübernahmeverträge. Das ist damit plausibel zu erklären, dass man sich als Label nicht in eine jahrelange Verpflichtung stürzen will, wenn der Künstler vielleicht nach zwei Wochen die Entscheidung trifft, nun doch zu studieren oder Vollzeit zu arbeiten. Das Label müsste dann für ein halbherziges Hobby eine Menge Geld in die Hand nehmen. Spätestens in der Verhandlung mit einem Label wird dir dann klar, dass es hier um eine knallharte Wirtschaftsbranche geht, die zwar mit emotionalen Produkten handelt, aber am Ende auch jeder Teilnehmer in diesem Geschäft schauen muss, dass er seine Brötchen bezahlen kann. Das gilt nicht nur für das Label, auch Künstler können starke Verhandlungspartner sein und das ist auch gut so! Nur wenn man einen gemeinsamen Konsens mit wirtschaftlicher Perspektive für beide Seiten findet, kann so eine Kooperation friedlich verlaufen.  

Wenn ihr euch geeinigt habt, dann können nach Vertragsabschluss Lizenzen vergeben werden. Je nachdem was vereinbart wurde, übernimmt das Label die Lizenzvergabe an Dritte.

Lizenzvergabe

Die Lizenz kennt man ja von 007, oder? Sicher, aber hier hast du eine andere – und der Geheimagent hat sicherlich auch kein Interesse daran seine Lizenz gegen Geld rauszurücken. Du schon! Immerhin willst du ja was verdienen mit deiner Musik. Wenn du es geschickt anstellst, kannst du durch deine Lizenz aber auf lange Sicht hin ähnliche Annehmlichkeiten wie der Geheimagent genießen, zumindest auf Groupies und Martinis bezogen.

Wichtig: Für jede Art der Musiknutzung wird eine Lizenz vergeben!

Lizenzen kann man stark vereinfacht mit Bus-Fahrscheinen vergleichen, nur eben mit Bezug zu deiner Musik. Ein Interessent/Musiknutzer kann sich einen Fahrschein bei dir (oder deinem Label) lösen und muss dafür Geld bezahlen. Mit dem Fahrschein kann der Nutzer eine bestimmte Zeit lang in einem bestimmten Gebiet deine Musik für den vorher abgesprochenen Zweck verwenden. Danach findet der Fahrschein oder die Lizenz nur noch in der Buchhaltung für das Finanzamt eine Daseinsberechtigung.

Das Besondere ist: Du kannst deinen Fahrschein an nur einen Musiknutzer verkaufen (exklusive Lizenz) oder du kannst deinen Party-Bus mit haufenweise Musiknutzern vollstopfen, die alle zur gleichen Zeit deine Songs verwenden (non-exklusive Lizenz). Im Großen und Ganzen geht es darum zu bestimmen, wann, wo und wie lange die Musik non-exklusiv oder exklusiv vom Lizenzpartner verwendet werden darf.

Beispielsweise überträgst du deinem Label das Recht, die Lizenzen für den Musikvertrieb an Vertriebspartner zu vergeben. Für die Promo-Arbeit werden Sendelizenzen an Radiosender vergeben, damit diese die Musik ausstrahlen dürfen. Wenn die Musik dann im Radio läuft, kommen über die GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten) wiederum Tantiemen beim Label und beim Interpreten an. Die großen Radio- und TV-Sender in Deutschland haben Verträge mit dieser Verwertungsgesellschaft, wodurch die Sender zu einem von der GVL vorgegebenen Preis die Musik ausstrahlen dürfen. Die GVL sammelt von den Sendern das Geld für die Musiknutzungen eines gesamten Jahres ein und schüttet diese Gelder am Ende des Folgejahres an die Labels und Künstler aus. Wie das genau funktioniert erfährst du in einem späteren Artikel. Auch kann ein Label Lizenzen für die Nutzung der Aufnahmen im Film oder in der Werbung vergeben.

Läuft deine Musik also häufig im Radio, wird gut verkauft und ab und zu mal für Werbe- oder TV-Zwecke verwendet, dann schließt sich der Kreis zum Anfang dieses Absatzes und du erlangst Ruhm, Glanz und Gloria – ganz wie der Geheimagent!  

Jetzt wollen wir uns mal genauer anschauen, was für ein Vertrag dich diesem prunkvollen Lebensstil ein Stückchen näher bringen kann. Im der nächsten Folge erfährst du, wie solch ein Vertrag aussehen kann und welche Punkte in der Regel enthalten sind.







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