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Workshop: MusicBiz-Madness – Teil 2: CD-Herstellung und GEMA

Ab ins Presswerk – die erste eigene CD

Julian Angel am 02.12.2013

Ab ins Presswerk ...

Im ersten Teil des Workshops ging es um den urheberrechtlichen Schutz deiner Werke. Ist der gesichert, möchte man gerne auch seine Musik auf CD packen – für Promo und Verkauf. Doch auch dabei gibt es einiges zu beachten.

Nachdem du im ersten Teil von MusicBiz Madness erfahren hast, wie du dich und deine Songs vor Ideenklau schützen kannst, und dies hoffentlich auch getan hast, bist du nun bereit für den nächsten Schritt in Richtung einer professionellen Veröffentlichung: Du lässt deine eigene CD pressen. Wenn das alles so einfach ginge, bräuchte es diesen Artikel nicht, aber ein bisschen Bürokratie steckt leider auch im Rock and Roll...
 

Stellt sich die Frage: Braucht man heutzutage wirklich noch CDs?  

Die Antwort lautet eindeutig „ja“. Zwar wird viel darüber diskutiert, vor allem aber spekuliert, welchen Stellenwert physische Tonträger heute gegenüber digitalen Formaten haben und in zehn Jahren noch haben werden. Doch solange ein Medium nicht gänzlich ausgestorben ist, solltest du es auf keinen Fall ignorieren. Der Download hat die CD bei weitem noch nicht abgelöst, in bestimmten Stilistiken fristet er gar ein Nischendasein, wie zum Beispiel im Bereich Rock und Metal, wo digitale Verkäufe gerade einmal mit 10 bis maximal 20% zu Buche schlagen. Viele audiophile Fans schwören sogar auf Vinylplatten.  

Einen solchen Lizenzantrag braucht die GEMA, wenn ihr eure Musik auf CD pressen wollt. Auch wenn ihr kein GEMA-Mitglied seid.

Musik für echte Fans und Sammler

Und hier wären wir schon beim Thema: Fans. Die Tatsache, dass viele gute Musiker keinen Plattenvertrag haben, liegt meistens darin begründet, dass sie keine massentaugliche Musik spielen, also nichts, was so klingt wie das, was im Radio gespielt wird und in den Charts vertreten ist. Jene ungesignte Musiker spielen eben lieber die Musik, die ihnen persönlich gefällt, ganz egal ob es sich um Blues, Jazz, Minimal House, Black Metal oder Oldschool Rap handelt.

Die Menschen, die genau solche, sagen wir, Spartenmusik hören, sind im Vergleich zu den „ich-höre-alles-was-gerade-angesagt-ist“ Konsumenten richtige Musikliebhaber. Menschen, die einen eigenen Musikgeschmack entwickelt haben, unabhängig davon, wie groß die Akzeptanz ist. Solche Musikliebhaber sind in der Regel auch Sammler, zumindest aber Menschen, die sich tiefgründiger mit der Musik beschäftigen, die sie hören. Und genau solche Menschen greifen bevorzugt nach einem physischen Tonträger mitsamt Texten, Bildern und Linernotes – also zusätzlichen Infos im Booklet.

Wenn du nicht gerade darauf abzielst, die aktuellen Chartproduktionen zu kopieren, bewegst auch du dich sicherlich in irgendeiner musikalischen Nische, in der das Kaufverhalten stets individuell geprägt und selten mit dem üblichen Massenkonsum zu vergleichen ist.

Keine Sorge, Du darfst Deine Musik natürlich auch in digitaler Form anbieten. CD bzw. Vinyl und Download sollten sich aber ideal ergänzen, damit keiner Deiner Fans zu kurz kommt. Es ist aber unumstritten, dass Musiker und Bands mit einer richtigen CD im Gepäck ernstzunehmender, professioneller wirken. Von dieser Ernsthaftigkeit zeugt alleine schon der Gedanke, dass eine Band, die 500 oder 700 Euro in eine CD Pressung investiert, mehr an sich zu glauben scheint als eine Band, die sich diese Investition lieber spart.

Viele Medien, speziell die großen Magazine, legen diese Ernsthaftigkeit ebenso in die Waagschale und behandeln Zusendungen mit CDs vorrangig. Auch die Betreiber kleiner Musikwebsites, die dies als reine Freizeitbeschäftigung aus Liebe zur Musik tun, freuen sich über die Zusendung richtiger CDs für Reviews und Interviews, ist so ein Tonträger doch der einzige Lohn, den sie für ihre Arbeit erhalten. Mehr dazu aber später in einem anderen Artikel.

Auch wenn viele Musiker ihr gegenüber skeptisch sind. Hat man Erfolg. lohnt sich die GEMA definitiv.

Was hat die GEMA damit zu tun?

Die GEMA hat das Recht, jeder Tonträgerherstellung eine Genehmigung zu erteilen. Die Hersteller von Tonträgern – bei einer Eigenpressung bist du das – müssen nämlich Lizenzgebühren bezahlen, um das Recht zur mechanischen Vervielfältigung zu erlangen. Solange diese Angelegenheit nicht geklärt ist, darf das Presswerk deine CD nicht herstellen. Auch für die Herstellung von Tonträgern mit GEMA-freier Musik bedarf es einer Freigabe durch die GEMA, Gebühren fallen hier aber keine an. Das Presswerk kann dir die Abwicklung mit der GEMA gegen eine gewisse Gebühr (meist 25 bis 50 €) abnehmen, da das Ganze aber nicht allzu kompliziert ist, kannst du das auch selbst erledigen. Vorab aber noch eine der häufigsten Fragen überhaupt:

Lohnt sich die GEMA für dich?

Eine Mitgliedschaft bei der GEMA lohnt sich, wenn du ernsthaft mit deiner Musik Geld verdienen willst: Du trittst viel live auf, deine Songs werden gelegentlich im Radio gespielt oder sogar in Fernsehbeiträgen oder Werbespots verwendet. Wenn du auch noch Songs für andere Interpreten schreibst, ist die GEMA-Mitgliedschaft im Grunde unumgänglich. Besonders lohnt es sich, wenn du einen Plattenvertrag hast und das Label CDs mit deiner Musik herstellen lässt und du Tantiemen für die mechanische Vervielfältigung bekommst. Verpflichtend ist die Mitgliedschaft bei der GEMA übrigens nicht.

An dieser Stelle möchte ich noch die Behauptung „die GEMA zahlt doch eh nichts“ entkräften. Die GEMA zahlt vielleicht nicht immer automatisch, aber wenn du rechtzeitig sämtliche Einsätze deiner Musik, ob live oder im Radio, dokumentierst, belegst und einreichst, hat die GEMA keine andere Möglichkeit, als dir das auszuzahlen, was dir zusteht. Wie in vielen Bereichen des Musikbusiness ist hier etwas Hartnäckigkeit von großem Nutzen.  

Julian Angel macht mit MusicBiz Madness nicht nur diesen Workshop sondern einiges mehr um Underground-Künstler zu unterstützen.

Sparen dank Sondertarif

Ganz vereinfacht kannst du die GEMA-Gebühren pro gepresster CD mit 10 % des Abgabepreises an den Handel, bei Longplay-CDs aber mit mindestens 0,78 € ansetzen. Bei einer Auflage von 500 CDs kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen. Die GEMA hat aber einen Sondertarif für Mitglieder eingeführt, die ausschließlich ihre eigenen selbst komponierten Songs vervielfältigen lassen. Der Tarif beträgt dann 70 € zzgl. 7 % MwSt., also insgesamt 74,90 €. Die Voraussetzungen, um in den Genuss dieses Sondertarifes zu kommen, sind folgende:

- Du bist GEMA-Mitglied und zugleich Auftraggeber der Herstellung (also du bezahlst das Presswerk – alternativ ist die komplette Band Auftraggeber und alle Musiker sind bei der GEMA gemeldet)
- Du hast die Songs auf der CD allesamt selbst komponiert (bzw. die bei der GEMA gemeldeten Mitmusiker)
- Bei der Pressung handelt es sich um die Erstauflage dieser bestimmten CD (also keine Nachpressung)
- Die Erstauflage ist nicht größer als 500.

Als erstes füllst du den Antrag aus, den die GEMA zur Freigabe deiner Produktion gegenüber dem Presswerk benötigt. Das dafür benötigte Formular heißt „Lizenzantrag Mitglieder Eigenrepertoire“, du kannst es auf der GEMA-Website finden. Sobald du deinen Lizenzantrag gestellt hast, erteilt die GEMA dem Presswerk die Freigabe, deine CDs herzustellen. Die Freigabe erhält das Presswerk direkt, meist innerhalb von zwei oder drei Tagen. Die Rechnung der GEMA flattert in manchen Fällen erst ein Jahr später ins Haus.

Abschließend empfehle ich noch, mit dem Presswerk einen Auslieferungstermin zu vereinbaren. Anderenfalls kann es mit der Herstellung auch einmal ein paar Tage länger dauern. Viel Erfolg und bis zum nächsten Mal, wenn wir mit der Vermarktung deiner Musik beginnen.

 

Was ist eigentlich MusicBiz Madness?

Julian Angel ist Rockmusiker und Organisator der Musikbusiness Konferenz MusicBiz Madness. Dort geben Musiker und Brancheninsider ihre Erfahrungen und Erfolgsrezepte speziell an ungesignte, sich selbst vermarktende Musiker weiter. Auf der begleitenden Website findest Du weitere Tipps rund um das Musikbusiness: www.musicbizmadness.de


Dieser Artikel stellt keinerlei Beratung, insbesondere keine juristische Beratung dar. Alle Angaben sind ohne Gewähr und beziehen sich auf den Zeitpunkt, an dem der Artikel verfasst wurde.







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