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Workshop: Field-Recording

Auf der Suche nach DEM Sound

Marco Sulek am 07.10.2016

Auf der Suche nach ...

Egal, ob mit Pocket-Recorder oder Smartphone: unterwegs lässt sich mittlerweile jedes Schallereignis in bester Audioqualität einfangen. Dadurch bleiben spontane musikalische Einfälle und Fußgängerzonenkonzerte ebenso konserviert wie besondere Klänge aus der Umwelt. Wir verraten dir, wie und womit du unterwegs ins Ungewisse die besten Ergebnisse auf der Suche nach dem gewünschten Sound erzielst.

Pink Floyd schaffen mit Schafsgeblöke in ihrem Stück „Sheep“ eine genauso zur Musik passende Atmosphäre wie Black Sabbath mit dem Gewitter am Anfang ihres gleichnamigen Songs. Dabei fühlt sich der Hörer schon bei den ersten Geräuschen in die entsprechende Szenerie versetzt. Dazugehörige Bilder im Kopf intensivieren zusätzlich das Gefühlte. Jeder kennt das. Und genau das kannst du dir auch in deiner Musik zunutze machen. Nur ein Beispiel: Soll der Song ein noch heitereres Ambiente vermitteln, setzt du am besten auf frühlingshaften Vogelgesang; eine düsterere Stimmung erzeugst du mit den nächtlichen Rufen einer Eule. Hierbei gibt es unzählige Möglichkeiten – und ebenso Gegensätzliches funktioniert wunderbar.

Doch warum lassen wir Menschen uns so sehr von solchen Sounds beeinflussen? Dieser psychoakustische Effekt hängt mit sogenannten auditiven Mustern zusammen. Darunter sind uns bekannte Töne zu verstehen, die mit gewissen Bildern, Gefühlen oder sogar Instinkten verbunden werden. Solche Reize gibt es massenweise. Je nach Erfahrung kann diese Verknüpfung allerdings individuell ausfallen. Jemand, der beispielsweise ein negatives Erlebnis mit Wasser hatte, wird dessen Geplätscher nicht als so beruhigend empfinden wie jemand ohne schlechte Erfahrungen dahingehend. Manche Laute werden in einigen Regionen sogar völlig anders interpretiert und wahrgenommen als es für uns hierzulande selbstverständlich ist.

Vor über hundert Jahren fing man damit an, alle möglichen Klänge aus den verschiedensten Gegenden der Erde zu sammeln. Mit der Zeit entwickelten sich aus diesem Vorhaben ganze Genres: Sogenannte Soundscapes sind wesentlicher Bestandteil des Ambient, New Age und Industrial. Vor allem für letzteren Stil wurden ursprünglich mitunter Samples von Maschinen und Industrieanlagen genutzt – wobei heute die meisten Sounds tatsächlich von Synthesizern ausgespuckt werden. Einen musikalischen Mehrwert bieten Soundscapes aber für jede Musikrichtung. An das gewünschte Klangbild zu kommen, das ist jedoch die eigentliche Herausforderung.

Freilich, Sample-Libraries gibt es zuhauf. Doch oft finden sich darin nicht die erhofften Klänge mit der benötigten Länge und in annehmbarer Qualität. Vor allem Webseiten mit kostenlosen Angeboten halten nur selten etwas Passendes bereit. Außerdem kommt es vor, dass schon im Song einer anderen Band ein bestimmtes Sample verwendet wurde. Mit künstlerischer Individualität hat das wenig gemein. Also: selbst aufnehmen ist die Devise. Das Einfangen von Tönen in freier Wildbahn oder im Großstadtdschungel bereitet sogar richtig Freude. Aber wie geht das? Und was braucht man, um gute Ergebnisse zu erzielen?

Gerade wenn es weiter raus geht, solltest du optimal vorbereitet sein und das benötigte Equipment – wie etwa Kopfhörer – dabei haben.

Taschenstudio

Überall und zu jeder Zeit in astreiner Studioqualität aufnehmen: dank modernster Technik ist das längst kein Problem mehr – selbst für die kleine Geldbörse. Wofür in den Anfängen des Field-Recordings noch kiloschweres, unhandliches und hochempfindliches Equipment nötig war, das passt heute alles in eine Tasche. In eine Hosentasche, wohlgemerkt. Das erleichtert es dir als Klangabenteurer natürlich ungemein, dein Tonstudio auch unterwegs ständig einsatzbereit vorzufinden. Und nichts anderes sind Pocket-Recorder: mobile, handliche Studios. Denn zusätzlich zu den für gewöhnlich integrierten Mikrofonen stellen viele dieser Wundergeräte ebenso diverse Editing-Optionen, einfache Mischfunktionen und sogar authentische Gitarren-Amp-Simulationen zur Verfügung.

Einige Hersteller gingen noch einen Schritt weiter und entwickelten aufsteckbare Stereo-Mikrofone für Smartphones. Dadurch wird das Handy selbst zum Pocket-Recorder – schließlich eignen sich die standardmäßig eingebauten Mikros desselben nicht für den audiophilen Gebrauch. Allerdings hängt die Performance hierbei stark von der Leistungsfähigkeit und der Akkulaufzeit des Mobiltelefons ab. In Sachen mobiles Recording hält der Markt noch eine andere Option bereit: die klassischen Field-Recorder. Bei diesen handelt es sich um relativ kompakte Mehrspur-Aufnahmegeräte. In der Regel kommen diese aber ohne eingebaute Mikrofone aus und sind eher am Filmset vorzufinden als im Rucksack eines Musikers.

Informier dich vorab, wo du überhaupt Aufnahmen machen kannst und darfst – und wo nicht.

Voraussetzungen

Neben dem passenden Pocket-Recorder gibt es noch weitere Dinge zu beachten. Ganz vorne wäre da die Speicherkarte zu nennen. Möchtest du beispielsweise zwei Stunden am Stück Grillenzirpen mit 96 kHz zu 24 Bit aufnehmen, wirst du mit einer 1-GB-SD-Karte nicht weit kommen. Zudem unterstützt nicht jedes Aufnahmegerät alle erhältlichen Speichermedien. Informiere dich deswegen unbedingt vor dem Kauf einer Karte, welches Modell sich eignet und wie viel Speicherplatz du mindestens für dein Vorhaben benötigst. Aufschluss hierüber gibt entweder die Bedienungsanleitung deines Geräts oder die Homepage des Herstellers.

Ordentliche Aufnahmen verlangen ein geeignetes Stativ. Klar, der Recorder lässt sich auf einem Stein genauso gut platzieren wie auf einem Ast. Doch auf wackligen, runden oder sich bewegenden Untergründen droht das Gerät schnell herunterzufallen oder Störgeräusche einzufangen. Des Weiteren sind provisorische Stellflächen unflexibel. Sprich, sie können nur schwer in ihrer Höhe oder in ihrer Position an die jeweiligen Erfordernisse angepasst werden. Praktischerweise halten die meisten Pocket-Recorder ein ¼-Zoll-Gewinde an ihrer Rückseite bereit. Dadurch lassen sie sich an Kamera- oder – mit entsprechendem Adapter – Mikrofonstative festschrauben. Die Investition in ein professionelles Gestell lohnt sich immer.

Heutige Aufnahmegeräte besitzen fast immer einen integrierten Lautsprecher. Auf freiem Felde ist es jedoch schwierig, darüber die mitgeschnittenen Signale zu beurteilen. Darum empfiehlt es sich, stets einen guten Kopfhörer dabeizuhaben. Apropos: Bevor du nach einer Odyssee durch die Botanik deinen Pocket-Recorder vor einem abgelegenen Tümpel platzierst und ihn stundenlang laufen lässt, nimm doch erst nur ein paar Minuten auf. Auf diese Weise kannst du noch einmal kontrollhören, ob du den Aufnahmepegel richtig gewählt hast und ob dir der Sound überhaupt gefällt. Solltest du deinen Mitschnitt nicht kontrollieren, kann das später zu bösen Überraschungen führen.

Und vergiss nicht: draußen kann es nass werden. Da Aufnahmegeräte in der Regel nicht wasserdicht sind, braucht es eine Unterstellmöglichkeit. Diese bietet sich in Form eines Regenschirms an. Doch hier gilt: auf den Schirm prasselnder Regen kann ziemlich laut sein und somit als störend empfunden werden. Sollte es in der Nähe lautloseren Schutz geben, bist du damit allemal besser beraten. Hierfür eignen sich zum Beispiel Brücken, Vordächer oder Häuschen an Bushaltestellen.

Kam für dieses Special zum Einsatz: Der Zoom H4n Pro.

Perfekte Bedingungen

Nicht jede Location eignet sich fürs Field-Recording. Möchtest du etwa Vogelgesang in einem Waldstück aufnehmen, das sich neben einer vielbefahrenen Straße oder unter der Einflugschneise eines Flughafens befindet, musst du mit einem erheblichen Störgeräuschanteil rechnen. Ähnlich verhält es sich mit Fußgängern, Wanderern oder Bauarbeitern: Wenn du nicht willst, dass Trittlaute und Stimmen im Hintergrund zu hören sind, bleibt dir oft nichts anderes übrig, als Zeitpunkte zu wählen, an denen möglichst wenig los ist. Das ist etwa nachts oder werktags der Fall – und dann, wenn keine Schulferien sind. Meist lohnt sich ein gewisser Mehraufwand, um möglichst störgeräuschfrei aufnehmen zu können.

Ebenso sollten zu windige Stellen vermieden werden. Andernfalls kommt es zu sogenannten Windgeräuschen, die sich als Rauschen oder Dröhnen äußern und die Aufnahmen oft unbrauchbar machen. Zwar gibt es für die kompakten Recorder aufsteckbare Windschutze, jedoch sind diese nicht immer im Lieferumfang enthalten. Außerdem hängt der Wirkungsgrad von der Qualität und der Beschaffenheit des Schutzes ab. Etwas anderes ist es natürlich, wenn du brausende, heulende oder pfeifende Windlaute gezielt aufnehmen möchtest. Und genau hierin liegt die Schwierigkeit: das Aufnahmegeräte steht für diesen Zweck idealerweise an einem windstillen Platz, von dem aus die gewünschten Töne gut wahrnehmbar sind – ansonsten kommt es zu besagten Windgeräuschen.

Eine potenzielle Störschallquelle ist jedoch schwer zu vermeiden: du selbst. Besonders bei leisen Klängen und somit hohen Gain-Werten kann es passieren, dass Atem- oder Trittgeräusche, die von dir stammen, hörbar auf den Aufnahmen verewigt werden. Selbst wenn du hinter dem Pocket-Recorder stehst, musst du mit ungewünschten Signalanteilen rechnen. Da hilft es nur, sich zurückzuziehen – und seien es nur wenige Schritte. Pass bei einer größeren Distanz aber darauf auf, dass sich niemand deinem Recorder nähert, er umzufallen droht oder er plötzlich einem Traktor den Weg versperrt. Behalte dein Aufnahmegerät also immer in Sichtweite. Übrigens. Für manche Modelle gibt es auch Fernbedienungen. Damit kannst du dich weit genug vom Aufnahmeort entfernen und erst dann die Aufnahme starten.

Wo du einerseits Störgeräusche auslöst, kannst du andererseits für einen bewussten Mehrwert sorgen. Sollen auf der Aufnahme zum Beispiel schwerfällige Trittgeräusche, ein keuchender Atem oder das Rasseln eines Schlüsselbunds zu hören sein, spricht nichts dagegen, wenn du dich ungeniert als Foley-Artist austobst.

Je nach Bedarf und Budget bietet der Markt reichlich Auswahl von günstig (wie etwa dem Olympus LS-P2) bis professionell (wie etwa dem Tascam DR-100 MkIII).

Zurück in den eigenen vier Wänden

Eine kurzzeitig ertönende Stimme, ein vorbeifahrendes Motorrad oder eine Niesattacke bedeutet keineswegs, dass dein Mitschnitt nutzlos ist. Als vorausschauender Klangtüftler hast du nämlich weit mehr Material aufgenommen als du wirklich benötigst. So brauchst du in der DAW lediglich die Stellen mit den Störgeräuschen herausschneiden, einen großzügigen Cross-Fade setzen – und kein Mensch merkt etwas. Wie bei jedem Signal empfiehlt sich eine Feinjustage mittels Equalizer, Kompressor oder anderen Effekten. Diese dient nicht zuletzt dazu, deine Soundscapes an dein musikalisches Material anzupassen.

Klingt das Signal trotz intensiver Nachbearbeitung nicht so fett wie gewollt, gibt es einen weiteren Trick: Layering. Durch das Übereinanderlegen mehrerer Aufnahmen erhältst du einen ziemlich dichten Klangteppich. Dafür ist es jedoch notwendig, verschiedene Mitschnitte zu verwenden. Denn: Legst du ein und dieselbe Aufnahme nur zeitlich etwas versetzt übereinander, wiederholen sich bestimmte Schallereignisse – und das kann ziemlich nervig klingen. Auch gegen die Kombination mehrerer verschiedener Aufnahmen mit unterschiedlichen Panoramaeinstellungen spricht nichts. Mittig ausgerichteter Vogelgesang etwa verschmilzt wunderbar mit einem Wasserfallrauschen links im Hintergrund und einem leicht rechts gepannten Froschteich. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Wer sowieso mit externen Mikrofonen arbeiten will, der kann sich auch einen Field Recorder wie den Zoom F4 holen.

Grenzen des Klangs

Ehe du dich nun auf den Weg ins Ungewisse begibst, erkundige dich unbedingt, ob du dort überhaupt hin darfst, wo du den gewünschten Sound zu finden erhoffst. Vogelbrutgebiete, Höhlen und Lost Places dürfen ohne sachkundigen Begleiter genauso wenig betreten werden wie Industrieanlagen, Baustellen und Kraftwerke ohne die Erlaubnis des jeweiligen Betreibers. Ebenso tabu sind Naturschutzgebiete außerhalb der gekennzeichneten Wege. Frag also im Zweifelsfall lieber freundlich nach oder schau dich nach einer Alternative um, bevor du dich oder andere unnötig in Gefahr bringst.

Unser Equipment für das Special:

1. Zoom H4n Pro

Mit dem H4n Pro hat Zoom einen Pocket-Recorder im Programm, der sich bestens für jegliche Recordings unterwegs eignet. Neben den eingebauten XY-Mikrofonen hält das robuste Aufnahmegerät die Möglichkeit bereit, über zwei Kombi-Buchsen externe Schallwandler anzuschließen und somit auch vierspurig aufzuzeichnen. Dank seines gummierten Gehäuses und seines weiten Gain-Bereichs ist der H4n Pro besonders für den Außeneinsatz prädestiniert – egal, ob leises Geraschel oder lauter Industrielärm auf SD-Karte gebannt werden soll.

Unseren Testbericht zum Zoom H4n Pro findest du hier: www.musicnstuff.de/-recording/article/test-zoom-h4n-pro

2. König & Meyer 199 und 19695

König & Meyer bietet mit dem 199 ein lediglich 1,5 kg leichtes und zugleich stabiles Mikrofonstativ an. Das zweifach von 625 bis 1.480 mm ausziehbare Stativ lässt sich zusammengeklappt etwa am Rucksack befestigen, ohne dem Träger zur Last zu fallen. Um auch Pocket-Recorder oder Kameras befestigen zu können, gibt’s aus Wertheim zusätzlich den Adapter 19695 mit ¼-Zoll-Außengewinde. Dieses lässt sich etwa auf das 199 aufschrauben und erlaubt es durch sein flexibles Kugelgelenk, das Aufnahmegerät schnell und einfach entsprechend der jeweiligen Anforderungen auszurichten.

Nähere Infos zum 199 und 19695 von König & Meyer findest du unter: www.k-m.de

 

 







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