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Workshop: Drumrecording

Die Kunst des Klangs

Jan Hoffmann am 25.11.2015

Die Kunst des Klangs

Ein akustisches Schlagzeug im Studio perfekt aufzunehmen ist eine der größten Herausforderungen für Tontechniker. Man muss schließlich diverse Einzelkomponenten unter einen Hut bekommen. Um dir den Einstieg zu erleichtern, sprachen wir mit einem erfahrenen Sound Engineer über die Schwierigkeiten beim Drumrecording – und mit welchen Tricks man sie umgehen kann.

Wer schon mal Drumaufnahmen im Studio beiwohnen durfte, der weiß, dass es ausführlicher Vorbereitung, jeder Menge guter Mikros und reichlich Erfahrung bedarf, um ein akustisches Drumset gut auf die Festplatte zu bringen. Doch selbstverständlich kann man sich auch in dieses schwierige Thema einarbeiten. Doch wie fängt man an – und welche Fehler sollte man vermeiden?

Um das herauszufinden, besuchten wir die Wellen­werkstatt in München, ein kleines aber feines Tonstudio, in dem Tontechniker Matthias „Wommel“ Wimmer seit gut zehn Jahren an der perfekten Aufnahme arbeitet. Und er legt ganz besonderen Wert darauf, dass die Drums noch „richtig“ aufgenommen werden, ganz klassisch mit akustischem Schlagzeug, Mikros und reichlich Know-how. Wer wäre ein besserer Gesprächspartner, um Tipps und Tricks zum Einstieg in dieses Thema zu bekommen?

Eins noch vorab: Natürlich hängt das Ergebnis stark vom akustischen Klang der Drums ab. Es sollte also klar sein – auch wenn es hier nicht darum geht – dass der Schlagzeuger und sein Instrument optimal vorbereitet sind, wenn sie ins Studio gehen. Denn was nützt die beste Drumabnahme, wenn man damit nur schlechte Sounds aufnimmt – denn das kann man nicht im Mix reparieren.  

Speziell bei Overheads & Co., aber auch insgesamt: Der Raum ist einer der entscheidenden Faktoren beim Drumrecording.

Wo soll man nur anfangen?

Music nStuff: Was sind die größten Fehler, die Einsteiger in Sachen Drumrecording machen?
Wommel:
Was schwierig ist, ist, im falschen Raum aufzunehmen. Wenn du keinen akustisch optimierten Raum hast, wird es schwierig einen richtig coolen Sound hinzubekommen. Aber dann funktioniert Close Miking am besten. Also alles sehr direkt abzumikrofonieren, dann hast du nicht so viele Einstreuungen über den Raum. Und wenn du dann noch Overheads im XY-Verfahren dazupackst, grenzt du die negativen Aspekte ganz gut aus.

Aber um den Sound des Drumkits richtig einzufangen, funktioniert das nicht. Wenn du zum Beispiel ein Tom ganz nah abmikrofonierst, klingt das nie so, wie das Tom für deine Ohren im Raum klingt. Du nimmst ja dann nur diesen einen kleinen Punkt am Fell ab. Den richtig fetten Drumsound bekommt man eben nur mit Overheads und Raummik­rofonen. Deswegen ist es schwierig, das in einem schlechten Raum hinzubekommen. Aber wenn es nicht anders geht, versuch es mit Close Miking, dazu eine nahe Overhead-Mikrofonierung, dann ist ein ganz brauchbares Ergebnis möglich.

MnS: Wie definierst du einen guten Raum?
Wommel:
Ich persönlich steh unheimlich darauf, wenn der Raum schon eine gewisse Färbung hat. Einfach nur tot gefällt mir nicht. Das Schwierigste ist, ohne Bassfallen zu arbeiten. Mit einem wabernden, wummernden Bass bekommst du nie einen coolen, sauberen Sound hin. Und Bassfallen zu bauen ist megaeasy. Einfach Mineralwolle aus dem Baumarkt holen, fette Pakete mit Malerfolie umwickeln und zutapen, damit das Zeug nicht in der Luft rumfliegt und nicht schimmelt, in die Ecken stellen, Molton drübertackern – das ist supergünstig und man hat Breitbandabsorber und Bassfallen in einem – und schon ist der Raum ein ganzes Stück geiler.

MnS: Was wäre die geringste Zahl an Mikros fürs komplette Set, mit der du arbeiten würdest?
Wommel:
Bassdrum und Snare nehme ich immer einzeln ab, dann habe ich die Chance, da noch mehr rauszukitzeln. Meine Minimalmikrofonierung wären vier Stück: zwei Overheads, Bassdrum und Snare. Einfach damit ich die beiden noch hochziehen kann, falls sie untergehen. Den Rest bekommt man eigentlich ganz cool abgebildet, gerade wenn es um Vintage Rock, Blues oder Jazz geht, tut es das teilweise schon, weil die Toms sonst zu voll, zu punchy werden. Da finde ich es eher geil, wenn es fast nur über die Overheads kommt.

MnS: Und wie sieht es aus, wenn du aus dem Vollen schöpfen kannst?
Wommel:
Manchmal steigere ich mich schon etwas rein. Manchmal hau ich noch ein Trash Mike in den anderen Raum gegenüber, dann wird der Sound sehr hallig. Manchmal nehme ich auch noch die Toms von unten ab, wenn mir der Druck nicht ausreicht, den die bringen. Je nach Stilistik auch mehr Mikros in der Bassdrum – oder sogar nur davor. Aber es gibt auch Möglichkeiten, mit wenigen Mikros einen guten Sound zu machen. Wenn du beispielsweise nur ein Mikrofon für die Snare hast, lass es nicht ins Fell „zeigen“, sondern ein bisschen weiter über den Kesselrand hinaus. Dadurch bekommst du den Snareteppich als Reflexion vom Boden noch mit auf das Mikro. Und schon kannst du dir das Mikro am Kesselboden sparen.

Bassdrummikro plus Grenzfläche am Boden: So kann man zwei Sounds zu einem perfekten Gesamtklang mischen.

Mikros optimal ausrichten

Abgesehen davon achte ich darauf, die Mikros so zu positionieren, dass sie möglichs gut gegen die anderen Instrumente abgeschirmt sind. Also: Snaremikro von der Hi-Hat weg, dafür das Hi-Hat-Mikro nicht auf die Seite der Snare, sondern lieber auf der anderen Seite ein bisschen nach außen zeigend.

MnS: Was sind deine Favoriten in Sachen Mikros? Oder hängt das vom gewünschten Sound ab?
Wommel:
Naja, es gibt Modelle, die in 95 % der Fälle einfach funktionieren. Das Shure SM57 an der Snare zum Beispiel, das ist der Killer und passt eigentlich fast immer. Für Toms ist für mich der allergeilste Allrounder – zwar teuer, aber für professionelle Ambitionen genau das Richtige – das Sennheiser MD421. Das genialste Tom-Mike überhaupt. Für Bassdrum immer cool ist das AKG D112 oder das Shure Beta 52, kennt man ja. Für Metal & Co. ist das Audix D6 richtig geil. Bei Overheads hab ich keinen speziellen Tipp. Aber wenn es günstig sein soll, sind die Sachen von Rode echt klasse, das NT5 etwa. Die kosten nicht viel, machen aber richtig geilen Sound.

MnS: Hast du Tipps zur Aufstellung der Mikros?
Wommel:
Klar, es gibt natürlich einige Standards. Beim Bassdrum-Mikro bekommt der Sound umso mehr Attack, je näher du ans Schlagfell kommst – dafür verlierst du etwas an Bauch und Subbass. Und je weiter du aus der Bassdrum rausgehst, desto mehr Bass bekommst du. Als Ausgangspunkt zum Start mag ich das Mike etwa zu 1/3tel in der Bassdrum und auf den Schlägel zeigend, mit einem Kickpad auf dem Schlagfell. Wenn man dann noch etwas mit dem EQ rangeht, hat man schnell einen sehr leicht kontrollierbaren, kickigen Sound.

MnS: Nimmst du die Bassdrum normalerweise „nur“ mit einem Mikro ab?
Wommel:
Meistens packe ich noch eine Grenzfläche dazu. Dann kann ich mir bei Bedarf etwas mehr Knack holen. Ist auch praktisch, weil man kein Stativ braucht, sondern es einfach in die Bassdrum reinlegt.

Für die Toms gilt: Wenn du das Mikro komplett auf die Mitte zeigen lässt, bekommst du einen bauchigeren, druckvollen Sound. Wenn du Richtung Metal gehen willst, würde ich es steiler und mehr auf den Rand des Kessels ausrichten, dann bekommst du einen spitzeren Attack und mehr Fellsound. Kurz gesagt: Mehr Punch und Bauch in der Mitte, je weiter du Richtung Rand gehst, desto harter und kälter wird der Klang. Bei den Becken ist das ähnlich. Je weiter du in die Mitte gehst, desto mehr Blech bekommst du. Und je weiter du an den Rand gehst, desto mehr Höhen fängst du ein. Für eine Metal-Hi-Hat beispielsweise würde ich schon ziemlich auf die Mitte gehen. Soll es dagegen eher Disco- oder Funk-mäßig klingen, gehe ich lieber auf den Rand. Dann bekomme ich etwas seidigere Höhen und der Sound macht mehr auf. Wenn man da das Mikro an die richtige Stelle packt, muss man später nicht mehr groß am EQ herumschrauben – und alles was man nicht nachregeln muss, ist geil.

Da die verschiedenen Mikros unterschiedlich weit von der gleichen Klangquelle entfernt sind, können unschöne Soundeffekte wie Phasing entstehen.

Probleme geschickt umgehen

MnS: Was ist das größte Problem für jemanden, der zum ersten Mal ein Drumset mikrofoniert?
Wommel:
Die Phasen im Auge zu behalten (also unerwünschte Klangeffekte zu vermeiden, die entstehen, wenn zwei oder mehr Mikrofone unterschiedlich weit weg von einer Klangquelle sind; Anm. d Red.). Beim Close Miking ist das weniger schwierig, aber bei den Overheads hat man hier schnell das erste Problem. Man merkt vielleicht gar nicht direkt, dass es ein Problem gibt, sondern nur, dass es irgendwie komisch dünn klingt. Es dauert einige Zeit, bis man dafür ein Ohr entwickelt. Wenn man sich nicht ganz sicher ist, kann man aber im Aufnahmeprogramm extrem weit in die Spuren hineinzoomen, und dann schauen, wie die einzelnen Wellenformen zueinander laufen. Wenn dann zwei Wellen nahezu gegensätzlich laufen, sieht man das gleich, und dürfte einen schlimmen Sound habe.

Was auch hilft, ist die 3:1-Regel. Wenn ein Overhead-Mikro rund 50 cm von einem Becken entfernt ist, sollten die beiden Mikrofone etwa 150 cm von einander entfernt sein. Ich würde jetzt nicht mit einem Metermaß die Mikrofone ausrichten. Das hab ich zwar auch schon gesehen, das finde ich aber doch etwas too much. Da sollen die Leute ihren Ohren vertrauen. Und wenn sie sich nicht sicher sind, lieber im Sequencer reinzoomen und die Wellenformen checken, da sieht man, wenn etwas total aus dem Ruder läuft. Und da hilft dann meist der Phasendreher.

MnS: Wo siehst du sonst noch Knackpunkte für Einsteiger?
Wommel:
Es hat sauviel mit Erfahrung zu tun und ein bisschen mit dem Equipment. Die Mikros sind weniger das Problem, es gibt ja Sets, die sind nicht allzu teuer. Was man oft nicht auf dem Schirm hat, und ich kenne das auch noch von meinen ersten Schritten, ist, dass man denkt „Na ich hab mir doch jetzt tolle Mikros gekauft und auch Absorber aufgehängt – wo ist denn jetzt das Problem?“. Aber es spielen auch die Preamps und die Wandler eine große Rolle für den Gesamtsound. Und teure Mikros machen schon noch echt viel am Sound. Da haben wir uns leider einfach ein richtig teures Betätigungsfeld ausgesucht.

Das Schwierige bei der Schlagzeugaufnahme ist eben, dass du so viele Mikes hast, die diverse Phasen zusammenschmeißen. Da darf man aber auch nicht zu viel Angst haben. Wenn es gut klingt, klingt es gut. Einen coolen Tipp habe ich noch: Die Mittelachse eines Drumsets ist nicht, wenn man davor steht, einfach gerade durch die Mitte der Bassdrum – denn die Snare steht ja meist nicht direkt hinter der Bassdrum, sondern immer versetzt. Aber die Snare willst du bei einer Stereomikrofonierung ja in der Mitte haben. Also geht die Mittelachse von oben betrachtet schräg durch die Bassdrum. Wenn man sich da von vorne an der Bassdrum orientiert, zermatscht es einem das Klangbild schon etwas.

MnS: Hast du noch ein paar grundsätzliche Tipps für die EQ-Einstellungen bei den verschiedenen Trommeln?
Wommel:
Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Was aber hilft, ist, bei den Overheads und den Raummikros – zumindest bei modernen Rock- oder Popproduktionen und bei Metal – untenrum ordentlich aufzuräumen. Einfach die tiefen Frequenzen radikal abschneiden. Das hilft unglaublich viel, weil man sonst ewig bei der Snare oder der Bassdrum die Frequenzen sucht, die einen stören, obwohl es die da gar nicht gibt. Da kann man von 200 bis hinauf zu 600 Hz mit einem Low Cut aufräumen, damit man den warmen, fetten Sound direkt von den Kesseln bekommt. Ansonsten wird man sicher in den einzelnen Trommeln immer mal eine Frequenz haben, die man absenken muss. Meist gibt es irgendwo zwischen 100 und 300 Hz Probleme. Das kann mal schmalbandig, mal breitbandig sein, da muss man einfach hinhören. Die Ohren trainieren, den Ohren vertrauen – Rock ’n’ Roll.

Über Stereomikrofonierung kann man verschiedene Probleme – etwa mit dem Raum – minimieren und ein schön räumliches Bild des Drumsets auf die Festplatte bannen.

Weitere Tipps

Stereomikrofonierung – die wichtigsten Verfahren

In Sachen Stereomikrofonierung – also dem Zusammenspiel zweier Schallwandler – haben sich mit der Zeit einige Verfahren als besonders gut einsetzbar herausgestellt. Auch hier erzählt uns Wommel von seinen Erfahrungen mit XY-, ORTF-, AB- und M/S-Mikrofonierung.

„Für jazzige und bluesige Sounds und Vintage-Rock finde ich das XY-Verfahren megageil. Ist nicht so breit, aber dafür letzen Endes auch monotauglich. Das ist gut, wenn du die Musik zum Beispiel auf YouTube stellen willst. Und man kann damit einen nicht optimalen Raum ganz gut ausgrenzen, weil man ja einen 90°-Winkel hat, in dem man alles aufnimmt. ORTF ist dann schon etwas breiter, damit bekommt man dann 120° rein und kann auch näher rangehen. Für Rock und Metal ist die AB-Mikrofonierung am beliebtesten, weil man da Beckensound sonst nie so breit bekommt. Im Extremfall verschwindet da dann sogar die Mitte auf den Overheads etwas, was einem wieder einen aufgeräumteren Bereich für die Snare oder die Bassdrum, die sich da ja befinden. Wenn es darum geht, den Raum abzubilden geht für mich nichts über M/S. Du hörst perfekt, was wo hinläuft, Tom-Läufe, die Becken, damit bekommt man das gesamte Set am allerschönsten abgebildet.“

Es lohnt sich also auch hier, verschiedene Varianten auszuprobieren und herauszufinden, was für die eigenen Ohren am besten klingt.

Die unterschätzten Helfer: Stative

Nach allem, worüber du hier schon gelesen hast, wollen wir es nicht versäumen, auf das Thema Stative hinzuweisen. Denn kaum etwas ist ärgerlicher, als wenn die penibel eingestellten Mikrofonpositionen sich im Verlaufe der Aufnahmen nur deshalb ändern, weil die Stative die Last der Mikrofone nicht wirklich dauerhaft halten können. Und auch wenn der Rest des Studioausstattung schon teuer war: hier zu sparen ist ein Fehler, der einem die kompletten Aufnahmen versauen kann. Und mal ganz ehrlich: Über die Jahre gerechnet, die ein richtig guter Mikrofonständer hält, sind die Mehrkosten für hochwertiges Material zu vernachlässigen.

Da es bei der Mikrofonierung auf jeden Millimeter ankommt, sollte man bei den Stativen nicht sparen.

Studiotipp: Wellenwerkstatt München

Mit der Wellenwerkstatt hat sich Matthias „Wommel“ Wimmer ein kleines aber feines Tonstudio im Münchner Westen aufgebaut. Hier kann man nicht nur erstklassige Aufnahmen mit dem besten aus analoger und digitaler Recording-Technik durchführen lassen, sondern auch seine Aufnahmen Mischen und aufpolieren lassen. Dazu kommt die immer entspannte Stimmung die zu einem gelungenen Endergebnis ihren Teil beiträgt.

Weitere Infos: info@wellenwerkstatt.de
Wellenwerkstatt auf Facebook







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