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Workshop: Bühnendesign – Teil 1

Das Auge hört mit

Jan Hoffmann am 26.09.2014

Das Auge hört mit

In unserem Special zum Thema Bühnendesign haben wir dir hoffentlich Lust darauf gemacht, dich mit dem Thema Licht & Co. für deine Band zu beschäftigen. Doch während dort alles noch recht theorielastig war, wollen wir mit diesem Workshop direkt in die Praxis einsteigen und dir einige Tipps geben, wie auch deine Band demnächst im Scheinwerferlicht glänzen kann.

Der erste Schritt ist getan, die Entscheidung gefallen: Deine Band will eine eigene Lightshow. Einfach um die Musik optisch optimal zu unterstützen und dadurch ihre Wirkung auf den Konzertbesucher noch zu verstärken. Ein bisschen vielleicht auch, um sich von der Konkurrenz abzusetzen, klar. Das sind auch alles richtige und wichtige Erkentnisse. Doch wer bislang „nur“ mit Musik zu tun hatte, der sieht sich plötzlich einem komplett neuen Aufgabenbereich gegenüber – man muss also von 0 anfangen und sich Fähigkeiten und Equipment erst Schritt für Schritt zulegen.

Doch die gute Nachricht gleich zum Start: Das Thema Licht ist mittlerweile dank neuer Techniken und Fertigung in Fernost prinzipiell im Mainstream angekommen. Denn wer es mit seiner Band ernst meint und zumindest ein gewisses Budget hat, der kann sich eine richtig schicke kleine Lightshow für seine Konzerte zusammenstellen – und dann später nach und nach erweitern. Auch das funktioniert gut, da es mit DMX einen Standard zur Steuerung gibt, auf den sich quasi alle Hersteller geeinigt haben. So kann man mit einem Lichtmischpult oder dem Rechner mit dem entsprechenden Interface verschiedenste Geräte gemeinsam bedienen.

Auch in Sachen Preis hat sich einiges getan. Günstige Nebelmaschinen beispielsweise gibt es schon für weit unter 100 Euro, und auch einzelne LED-Scheinwerfer oder gar komplette Sets bekommt man sehr günstig. Selbst mit einem Gesamtbudget von 500 bis 1.000 Euro ist da schon einiges möglich. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass moderne LED-Leuchten – verglichen mit früher üblichem Bühnenlicht – nur den Bruchteil des Stroms verbrauchen, und deshalb auch über das normale Stromnetz mitversorgt werden können. Ein Punkt weniger, über den man sich Gedanken machen muss.

Planung ist die halbe Miete

Apropos Gedanken machen. Ist die Entscheidung gefallen, dass man Bühnenlicht haben möchte stellt sich natürlich direkt die Frage, welche Wirkung man überhaupt erreichen möchte und was man dafür benötigt. In unserem Beispielfall geht es um eine vierköpfige Band die modernen Metal mit reichlich Electronic-Anteil macht und diesen auch live mit Backing Tracks umsetzt. Nun hat sie sich dazu entschlossen, die akustische Vollbedienung mit optischen Hilfsmitteln aufs nächste Level zu heben. Da die Backing Tracks sowieso schon vom Rechner aus abgespielt werden, bietet es sich natürlich an, diesen auch zur Steuerung des Lichtequipments zu nutzen.

Erfreulicherweise gibt es mittlerweile auch entsprechende Software und dazugehörige USB-to-DMX-Interfaces, um seine Lightshow mit der Musik zu synchronisieren und auf Knopfdruck abzurufen. Wir arbeiten in diesem Workshop mit der Madrix-3-Lichtsteuersoftware sowie dem Madrix-Neo-USB-DMX-Interface, mit dessen Hilfe die Signale der Software in DMX-Signale umgewandelt werden, die die Leuchten verstehen. Das Ganze kostet natürlich schon ein bisschen Geld, ist aber doch deutlich günstiger und kompakter als ein Lichtsteuerpult – und man kann seine Show komplett am Rechner vorbereiten. Aktuell ist die Software allerdings nur für Windows verfügbar.

Fragt sich natürlich noch, welche Leuchten bzw. Geräte man damit später bedienen soll. Wie schon erwähnt machen es neue Technologien wie LED-Bestückung und günstige Fertigung in Fernost mittlerweile auch für semiprofessionelle Acts möglich, über eigenes Lichtequipment nachzudenken. Zudem gibt es immer mehr Hersteller – die Konkurrenz belebt tatsächlich das Geschäft. Und der Sprung der Hersteller aus der Kleinstnische hat zu höheren Stückzahlen und damit ebenfalls zu sinkenden Preisen geführt. Trotz der immer günstigeren Möglichkeiten stellt sich die Frage, was genau man sich für sein wahrscheinlich immer noch knappes Budget holen soll. Übrigens: Solltest du Probleme mit den Grundbegriffen des Bühnenlichts und den unterschiedlichen Gerätebezeichnungen haben, empfehle ich dir dieses Lichtspecial in dem die Grundlagen und unterschiedlichen Scheinwerfertypen gut erklärt werden.

Der Wandler zwischenn Rechner und den Leuchten: Das Madrix-Neo-USB-DMX-Interface

Die Bühne räumlich machen

Auch wenn es natürlich nicht so ist: Nutzt man keinerlei besonderes Bühnenlicht, wirkt die Band auf der Bühne flach und farblos – zudem ist auch der Hintergrund bei den meisten kleineren Clubs nicht gerade attraktiv. Das gilt es zu ändern, wir wollen Tiefe und Struktur auf die Bühne bringen. Eines der Probleme die bei vielen Locations auffallen, ist, dass zwar irgendwelche Bühnenlichter aufgehängt bzw. verteilt sind, diese aber so Leuchten, dass zumindest die Musiker vorne auf der Bühne einen Großteil der Zeit im Dunklen stehen – eher suboptimal. Deshalb kommen in unser Setup von vorne vier LED-Stufenlinsen, die Weißlicht liefern um die Akteure zu beleuchten. Man könnte hier auch überlegen, mehrfarbige Scheinwerfer zu nehmen, aber das weiße Licht ist dann nicht so überzeugend. Dieses sogenannte Frontlicht ist deshalb wichtig, weil zwar sonst die Bühne hinten hell erleuchtet ist, aber niemand mehr die Gesichter der Band sehen kann.
 
Um Struktur und Räumlichkeit auf die Bühne zu bringen, sollen Banner auf freistehenden Stativen zum Einsatz kommen, wie man sie mittlerweile für erstaunlich kleines Geld bei diversen Druckereien beziehungsweise Anbietern von Merchandise bekommen kann. Die Banner werden von unten mit jeweils einem LED-Scheinwerfer beleuchtet. Insgesamt werden acht Scheinwerfer dafür da sein, schöne Farbspielereien  auf der Bühne zu machen. Hierbei wird ein weiterer Vorteil der neuen Geräte offensichtlich. Die LED-Scheinwerfer brauchen deutlich weniger Platz als ihre früheren Verwandten. So kann man sie leichter und flexibler auf der Bühne positionieren.
 
Um auch die komplette Bühne selbst schön hell zu bekommen werden auf der Bühne zudem acht runde, sehr flache Scheinwerfer mit je zwölf Hochleistungs-LEDs auf Mikrofontellerstativen montiert, wild verteilt und auf verschiedenen Höhen. Das Besonderheit hier soll sein, dass jede LED einzeln angesteuert werden kann, also jeder Scheinwerfer für sich schon eine kleine Lightshow machen kann – was im Gesamtbild ein sehr schönes Ergebnis erzeugen sollte.
 
Damit all diese Lichter optimal zur Geltung kommen, wird die Band dezent mit Nebel arbeiten. Der eignet sich auch bestens, um mit Lichtstrahlen Highlights zu setzen. Hier beschränken wir uns auf ganz enge, weiße LED-Strahlen, ähnlich den ACL-Bars auf großen Bühnen. Hier sind nochmals vier Scheinwerfer mit jeweils fünf einzeln ansteuerbaren Strahlen auf der Bühne verteilt.

Moderne LED-Scheinwerfer wie der Eurolite LED PAR-56 TCL sind günstig, robust und kompakt – und entwickeln dennoch beeindruckende Leuchtkraft.

Eins nach dem Anderen

Puh, das ist ja jetzt schon mal ne ganze Menge Holz. Aber keine Sorge. Wie bereits angedeutet ist das komplette Setup modular. Das heißt, man kann erst mal mit wenigen Elementen anfangen und sein Bühnenlicht – passend zu den hoffentlich größer werdenden Locations – nach und nach erweitern. An der grundsätzlichen Bedienung ändert sich nichts, die Programmierung wird nur mit zunehmendem Equipment umfangreicher. Aber da wächst man ja auch hinein.

Was man allerdings nicht außer Acht lassen sollte, ist, dass mit zunehmendem Equipment auch der Transport- und Auf- beziehungsweise Abbauaufwand steigt. Wer sich also bisher mit Equipment und Band gerade noch so in einen Kombi gezwängt hat, sollte ab sofort eher Richtung VW Bus & Co denken – oder muss eben mit zwei Autos fahren. Und wenn man – wie viele Bands – nur wenig Zeit für den Changeover von der vorher spielenden Band zum eigenen Auftritt hat, dann ist perfekte Planung gefragt – und alle müssen mit anpacken. Aber das Ergebnis entschädigt dann für den zusätzlichen Aufwand. Übrigens: Es empfiehlt sich, dass einer aus der Band quasi der Projektleiter für das Lichtsetup ist, der alles im Griff hat und den Überblick behält. Denn dafür, dass jeder nur so bisschen mit rummacht, ist das Thema doch zu komplex. Also: Freiwillige vor!

Soviel erst mal für diese Folge, ihr könnt ja schon mal Ideen für euer erstes Lichtsetup sammeln und durchs Internet streifen, was es so an Equipment gibt. In der nächsten Folge befassen wir uns dann mit der grundsätzlichen Programmierung mit der Madrix-Software. Auch was der verwendeten Rechner mitbringen muss, wird erklärt. Dazu gibt es eine kleine Einführung in die Grundbegriffe des Bühnenlichts. Man muss ja auch wissen, was man da am Rechner programmiert. Bis zum nächsten Mal.







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