Kontakt -  Heft -  Impressum -  Termine -  Newsletter 

Besuche unsere Facebook-Seite Folge uns auf Twitter Videos von MusicnStuff auf Youtube Folge uns auf G+ MusicnStuff auf myspace Besuche unsere Instagram-Seite

Vergleichstest: Kompakte Audio-Interfaces

Perfekt aufnehmen und wiedergeben

Marco Sulek am 22.01.2015

Perfekt aufnehmen ...

Jeder Musiker benötigt sie, um sein Schaffen auf Festplatte bannen zu können: Audio-Interfaces. Wie findet man jedoch im schier grenzenlosen Angebot die richtige Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt? Um Bedürftigen entgegenzukommen, sahen wir uns im folgenden Vergleichstest drei aktuell angesagte Kandidaten an.

„Die Line-In-Buchse direkt an der integrierten Soundkarte des Computers tut’s doch auch“, so der berechtigte Gedanke vieler Musikschaffender. Klar, ein Audio-Interface ist nicht unbedingt vonnöten, um analoge Signale auf die digitale Ebene zu bannen. Jedoch: Jeder, der einmal den Unterschied zwischen einer herkömmlichen Soundkarte und einem professionellen Audio-Interface geschmeckt hat, investiert gerne in ordentliche Wandler. Schließlich ist nicht nur der Sound um einiges besser und die Latenz geringer, hier sind auch die gängigen Buchsenformate und weitere hilfreiche Features vorzufinden.

Besonders Einsteiger in die Recording-Welt haben es schwer, sich in dem verwirrenden Markt für Audio-Interfaces zurechtzufinden. Wer nicht genau weiß, worauf es ankommt und welche Möglichkeiten es gibt, vergreift sich unter Umständen. Damit das nicht passiert, schauen wir uns in unserem Test drei völlig verschiedene Klangschnittstellen an, die sich an unterschiedliche Bedürfnisse und Zielgruppen richten. Mit von der Partie sind dabei das Apogee ONE, das PreSonus AudioBox 44VSL und das Tascam US-2x2.

Bereits das Design der einzelnen Probanden verrät, dass sie offensichtlich für unterschiedliche Einsatzgebiete konstruiert wurden: Wo das ONE eher der Form einer Fernbedienung gleicht und ebenso gut in der Hand liegt, sind das 44VLS und das US-2x2 in erster Linie für den Desktop geschaffen. Selbst das ONE ist für Tische gedacht, da es an seiner Unterseite eine Schicht Anti-Rutschschaumstoff besitzt. Das 44 VLS sowie das US-2x2 eignen sich hingegen sogar für das Platzieren in Racks.

Von der Verarbeitungsqualität her gibt es bei keinem Interface Grund zu meckern: Alle Gehäuse bestehen aus Metall und machen einen soliden sowie robusten Eindruck. Bei genauerem Hinsehen findet sich das einzige Gehäuseteil aus Kunststoff auf der Unterseite des ONE. Das ist jedoch mit der bereits erwähnten Schaumstoffschicht überzogen. Besonderes Lob verdient hierbei jedoch das 44VLS, da sogar seine Poti-Drehknöpfe aus Metall bestehen – und nicht aus Kunststoff.

Direkt am Apogee One findet sich ein eingebautes Kleinmembrankondensatormikrofon.

Einer für alle

Das kleinste und zugleich von den Hardwarefeatures am besten ausgestattete Audio-Interface in unserem Test ist das Apogee ONE. Direkt am Gehäuse findet sich jedoch keine Möglichkeit, das Signal via XLR- oder Klinkenstecker anzuschließen. Aber der Hersteller hat aus Platzgründen großformatige Stecker outgesourct und sie am Ende einer kleinen Kabelpeitsche platziert. Die von Apogee „Breakout“ genannte Schnittstelle erlaubt dabei den Anschluss eines Mikrofons und eines Instruments gleichzeitig.

Optisch am auffälligsten am ONE ist sein einziges Bedienelement: ein metallener, gerasteter Encoder mit Tasterfunktion in der Mitte des Gehäuses. Hierüber lassen sich unter anderem der Input-Gain und die Wiedergabelautstärke bestimmen. Ein Stückchen weiter oben findet sich ein bisher wohl einzigartiges Features: Ein eingebautes Kleinmembrankondensatormikrofon, das aus dem Interface einen Schallwandler macht. Um es auch gleich auf einem Stativ vor die jeweilige Schallquelle zu bekommen, ist im Lieferumfang praktischerweise eine Stativklemme enthalten.

Auch wenn das kompakte Gerät den Namen „ONE“ trägt, kann es gleichzeitig zwei Kanäle übertragen. Allerdings zeichnet es entweder das interne Mikrofon plus Instrument-In oder das Signal, das an der XLR-Buchse anliegt, plus Instrument-In auf. Damit auch externe Kondensatormikrofone hieran betrieben werden können, bietet es eine zuschaltbare Phantomspeisung von 48 Volt. Allerdings ist diese, so wie viele andere Funktionen, nur über die kostenlos erhältliche Software Maestro aktivierbar.

Wer mit Windows arbeitet, wird enttäuscht werden: Apogee-Interfaces laufen ausnahmslos nur an Apple-Produkten. Dafür beschränkt sich das ONE nicht nur auf Macs, sondern fühlt sich auch an iPhones und iPads wohl. Da jedoch die mobilen Endgeräte nicht genug Versorgungsspannung aufbringen können, ist hier eine weitere Spannungsquelle nötig: Entweder über das mitgelieferte Netzteil oder, unterwegs ganz praktisch, mittels Batterien. Apogee empfiehlt hierbei übrigens wiederaufladbare NiMH-Batterien.

Outgesourct: Der Netzschalter am PreSonus AudioBox 44VSL befindet sich am mitgelieferten Netzkabel.

Vierfach aufgenommen

Vier Signale gleichzeitig ein- wie ausgangsseitig kann das PreSonus AudioBox 44VSL verarbeiten. Alle vier Inputs sind hier in Form von Kombi-Buchsen direkt an der Front angebracht – die beiden linken sind für Mikrofon- und Instrumentensignale ausgelegt, die beiden rechten für Mikrofon- und Line-Signale. Die Ausgänge des Interfaces finden sich allesamt an der Rückseite. Dazu zählt leider auch der Kopfhörerausgang, der unserer Meinung nach vorne besser platziert gewesen wäre. Für das Ausgeben und Weiterleiten von Steuersignalen bietet das 44VSL zusätzlich noch MIDI-Buchsen.

Sehr angenehm an der vierkanaligen AudioBox sind die Potis: Sie sind, wie bereits erwähnt, nicht nur sehr stabil, sondern auch noch gerastert – das erleichtert es beispielsweise, Stereosignale auf den gleichen Wert einzupegeln. Über den vier Input-Reglern gibt es noch weitere drei, je einen für Input-Computer-Mix, Main-Level und Kopfhörerlautstärke. 48 Volt Phantomspeisung lassen sich hier global für alle vier Kombi-Eingänge über einen Schalter aktivieren. Bis auf eine LED, die anzeigt, ob das Interface mit einem Rechner verbunden ist, gibt es am Gerät selbst nicht mehr viel zu entdecken.

Viel Potenzial bietet die mitgelieferte Steuersoftware AudioBox VSL. Hierüber lässt sich ein Monitormix mit allen Finessen wie Lautstärkeverhältnisse, Panorama und Zumischeffekte erstellen. Das wirklich interessante ist hier jedoch der sogenannte FAT-Channel, der auch in den Digitalpulten der StudioLive-Serie zu finden ist: Pro Eingang bietet die Software allerlei Bearbeitungstools wie Equalizer, Kompressor und Noise-Gate. Zudem gibt es einen Haufen Presets, die sich einfach per Drag-and-Drop aus der Liste auf den gewünschten Kanal zuweisen lassen – praktisch.

Im Gegensatz zu den beiden anderen Probanden ist das 44VSL nicht für mobile Endgeräte entwickelt worden. PC- und Mac-Enthusiasten mit stationärem Arbeitsplatz jedoch kommen hier voll auf ihre Kosten. Allerdings benötigt das Audio-Interface eine externe Versorgungsspannung über die Netzbuchse. Dazu hat PreSonus gleich das passende Kabel beigelegt. Das praktische dabei ist, dass es einen Power-Switch besitzt, der sozusagen outgesourct wurde.

Es kann so einfach sein: Das Tascam US-2x2 verzichtet gänzlich auf überflüssigen Schnickschnack.

Einfach recorden

Der schlichteste unserer Probanden ist das Tascam US-2x2, das quasi als traditionelles Audio-Interface im modernen Look und mit neuester Technologie kommt. Hier gibt es zwei identische Eingänge mit je einer Kombi-Buchse, einen Gain-Regler und einen Mic-/Line-Schalter. Liegt ein Signal von mindestens -32 dB (FS) an, leuchtet die Signal-LED, bei -1 dB (FS) warnt die Peak-LED vor Übersteuerungen. Zentral für beide Eingänge lässt sich eine Phantomspeisung von 48 Volt schalten. Was das möglichst gleiche Einstellen von Stereoquellen etwas erschwert, ist die hier leider fehlende Rasterung der Potis.

Frontseitig bietet es neben einem Kopfhörerausgang auch den dazu passenden Lautstärkeregler. Line-Out-Buchsen für den Anschluss von Monitorlautsprechern finden sich an der Rückseite. Der Pegel hierfür lässt sich über den Line-Out-Poti an der Front bestimmen. Des Weiteren gibt es einen Drehgeber, mit dem sich stufenlos zwischen Input- und Computer-Signal regeln lässt. So ist es unter anderem möglich, Direct-Monitoring mit nur einem einzigen Handgriff zu realisieren.

Wie es sich für klassische Audio-Interfaces gehört, bietet das US-2x2 an seiner Rückseite In- und Out-Buchsen für MIDI-Steuerbefehle. Schließlich finden sich rückseitig noch eine USB-Schnittstelle für die Datenübertragung sowie eine Netzbuchse. In der Regel bezieht der Tascam-Wandler die benötigte Stromversorgung über die USB-Buchse. Ist er jedoch an ein mobiles Endgerät angeschlossen, wird eine zusätzliche Spannungsquelle benötigt. Um ihn an iOS-Geräten nutzen zu können, sind jedoch das separat erhältliche Netzteil sowie der Lightning-auf-USB-Kamera-Adapter notwendig.

Auch eine Software bietet der Herstelle für das US-2x2. Das sogenannte Tascam US-2x2 & US-4x4 Settings Panel zeigt dabei an, welches Gerät angeschlossen ist, welche Version installiert ist und welche Sample-Rate eingestellt wurde. Zusätzlich kann man die einzelnen Inputs deaktivieren und das Direct-Monitoring von Mono auf Stereo umschalten. Außerdem lässt sich der Line-Out von „Computer 1-2“ auf „Monitor“ umschalten.

Maestro, die Software zu Apogees Audio-Interfaces, bietet praktisches Echtzeit-Metering.

Performanten

Bei Audio-Interfaces ist es am interessantesten, zu erfahren, wie gut sie analoge in digitale Signale umwandeln und wie stark sie sich voneinander unterscheiden. Zugegeben, modernste Technik erlaubt es, auch günstigere Modelle mit hervorragendem Sound zu segnen. Dennoch: Es lassen sich auch hier feinste Nuancen feststellen. Besonders der Mittenbereich ist mal stärker mal schwächer vertreten. Das AudioBox 44VSL beispielsweise ist hier etwas präsenter. Apogees ONE hingegen scheint in den Bässen leicht betonter zu sein. Das US-2x2 hingegen befindet sich so ziemlich zwischen beiden Wandlern und hat einen eher leicht abgesenkten Mittenbereich. Aber wie bereits erwähnt: Hierbei handelt es sich um kleinste Unterschiede, die nur im A/B-Vergleich hörbar sind.

Von der Handhabung her gefiel uns das US-2x2 am besten: Die Regler sind nicht zu nah zusammen, sodass man nicht versehentlich andere Werte mitverändert, und das Konzept ist sehr übersichtlich sowie einfach. Dafür bietet es weniger Möglichkeiten. An Features – vor allem softwareseitig ¬– weiß das AudioBox 44VSL zu überzeugen. Hier lassen sich quasi „in the box“ alle sinnvollen Klangparameter ändern, bevor die bis zu vier Signale auf Festplatte gebannt werden.

Das ONE erlaubt es im Gegensatz zu den beiden anderen, völlig mobil und flexibel aufzunehmen. Allerdings zu dem Preis, dass nur Apple-User in den vollen Genuss kommen. Außerdem geht ohne Software kaum etwas. Interessant ist hier aber auch das eingebaute Kleinmembrankondensatormikrofon: Es ist nicht nötig, unterwegs einen zusätzlichen Schallwandler mitzuführen – Interface vor die Schallquelle stellen und dann einfach nach Lust und Laune aufnehmen.

Jeder der drei von uns getesteten Probanden weiß mit seinem eigenen Konzept zu überzeugen. Klanglich nehmen sie sich prinzipiell kaum etwas – dafür gibt es große Unterschiede in Ausstattung, Bedienung und Flexibilität. Da jeder Musiker andere Ansprüche an sein Equipment stellt und jede andere Aussage unsererseits einfach falsch wäre, eignen sich das Apogee ONE wie das PreSonus AudioBox 44VSL als auch das Tascam US-2x2 für Bedürftige. Wer unter diesen Audio-Interfaces einen potenziellen Kandidat findet, dem sei empfohlen: Antesten und selbst überzeugen.

Genau wie bei der Hardware verzichtet Tascam auch bei der zugehörigen Software auf komplizierte Konfigurationsmöglichkeiten.

Technische Daten

  Apogee One PreSonus AudioBox 44VSL Tascam US-2x2
Kanäle

2 in & 2 out

4 in & 4 out 2 in & 2 out
Eingänge

XLR & Instrument

4x Kombi 2x Kombi
Ausgänge Mini-Klinke 4x Line, 2x Main & Phones 2x Line & Phones
Weitere Anschlüsse

USB & Breakout

USB & MIDI USB & MIDI
Stromversorgung

USB, Batterie & Netz

Netz USB & Netz
Kompatibilität

Mac, iPad, iPhone & iPod

PC & Mac PC, Mac & iOS 7
Max. Auflösung

24 Bit zu 96 kHz

24 Bit zu 96 kHz 24 Bit zu 96 kHz
Gewicht

ca. 180 g

ca. 1.100 g ca. 330 g
Besonderheit

sehr flexibel und eingebautes Mikrofon

umfangreiche Software und robust einfach bedienbar und flexibel
Preis (UVP) 415 Euro 339 Euro 179 Euro
Weitere Infos

www.apogeedigital.com

www.presonus.com www.tascam.de
Vertrieb www.sound-service.eu www.hyperactive.de www.tascam.de









layout-domain.tmpl