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Test: Warm Audio WA12

Kleiner Preamp, großer Sound

Felix Haala am 27.11.2013

Kleiner Preamp, ...

Orangefarbenes Equipment im Audiobereich ist keine Neuheit. Meist bringt man sie mit hochwertigen britischen Gitarrenamps in Verbindung. Qualität schreibt auch der junge Hersteller Warm Audio groß, vermeidet jedoch exorbitante Preise. Mit dem Mikrofonvorverstärker WA12 bietet der Texaner großen Sound fürs kleine Studio – wir hatten ihn im Test.

Wenn man in unseren Breitengraden an Texas denkt, fallen uns Rinderherden, leckeres BBQ und fragwürdige Waffengesetze ein. Für waffenscheinpflichtige Audiotechnik ist der US-amerikanische Staat bisher weniger bekannt. Dies will die noch relativ unbekannte Studioequipmentschmiede Warm Audio ändern – und das zu fairen Preisen. Wir haben den texanischen Preamp WA12 für dich auf Herz und Nieren geprüft.

Ausgeliefert wird der Warm Audio WA12 in einer recht unauffälligen Verpackung. Der Hersteller verzichtet hier auf aufwändige Designs und beschränkt sich aufs Wesentliche: Firmenname, Produktbezeichnung und eine stilisierte Version des Preamps sind auf dem Karton abgebildet. Darunter ist noch der Hinweis zu finden, dass der WA12 ausschließlich mit in den USA gefertigten CineMag-Transformern bestückt ist – diese sind schon aus anderen hochwertigen Outboard-Geräten bekannt.

Auch der Inhalt präsentiert sich überschaubar. Im Karton befinden sich, gut verstaut, der Mikrofonpreamp WA12, das Netzteil, vier Schrauben sowie eine englisch- und eine deutschsprachige Bedienungsanleitung. Das Manual ist übersichtlich gestaltet und erklärt auf lediglich zwei Seiten, für welche Signale der Preamp geeignet ist, welche Einstellungen was bewirken und wie er sich in einer Produktion einsetzen lässt. Was es allerdings mit dem Plastiktäschchen und den darin enthaltenen vier Schrauben auf sich hat, können wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht erklären.

Kurz zusammengefasst ist der WA12 für jede gängige Mikrofonbauart geeignet: Tauchspule, Kondensator und Bändchen. Gerade bei letzteren ist ein hoher Gain am Preamp entscheidend. Dieser wird mit 71 dB bereitgestellt. Ein weiteres Feature, das schon sofort positiv auffällt, ist der Tone-Switch. Er verringert die Eingangsimpedanz und erhöht somit den Gain. Was es damit auf sich hat und welche weiteren Funktionen der WA12 mit sich bringt, erklären wir dir im Folgenden.

Der WA12 bietet einen hohen Gain-Regelbereich – bei gedrücktem Tone-Taster sind es ganze 71 dB.

Unter der Lupe

Nach kurzer Recherche stellen wir fest, dass sich der WA12 auch in einem Rack verbauen lässt. Dazu hat man also dem Gerät die bereits erwähnten Schrauben beigelegt. Jedoch bietet Warm Audio speziell vorgesehene Rack-Halterung an; man muss also auf universale Rack-Wannen zurückgreifen. Damit man auch schnell eine passende findet, sind vom Hersteller verschiedenste Bohrungen an der Seite und unten am Gerät vorgesehen. So können jeweils zwei WA12 auf einer Höheneinheit verstaut werden – sehr praktisch.

Auf der Vorderseite finden sich alle Schalter des Warm Audio WA12. Mit dem linken aktiviert man den Hi-Z-Eingang, der für Instrumentensignale – wie das eines E-Basses – geeignet ist. Daneben befinden sich die Schalter für 48 Volt Phantomspeisung, -20-dB-Pad, Phasendreher, Tone und Power. Dazwischen prangt der große, gerasterte Gain-Poti, der weder wackelt noch zu leichtgängig ist. So gehört sich’s.

Der Preamp ist recht massiv gebaut und kommt ohne jeglichen Schnickschnack aus. Die Front präsentiert sich dabei mit einer orangefarbenen Blende (passend zur CI des Herstellers). Auf dieser ist neben den Konfigurationsmöglichkeiten auch die Klinkenbuchse des Hi-Z-Eingangs zu finden. Auf der Rückseite kann man eingangsseitig zusätzlich auf eine Kombibuchse für Line- und Mikrofonsignale zurückgreifen. Voneinander getrennt wird das vorverstärkte Signal über eine XLR- und TRS-Buchse ausgegeben. Alle Anschlüsse sitzen recht stramm – einige davon sind sogar mit dem Gehäuse verschraubt. Das ist vorbildlich und nicht unbedingt üblich in dieser Preisklasse.

Abschließend sei noch die 24-Volt-AC-Buchse genannt. Hierüber wird der WA12 mit der benötigten Betriebsspannung versorgt, wobei auf ein integriertes Netzteil direkt im Preamp verzichtet wurde. Dies hat mehrere Vorteile: Zum einen beugt man Störgeräuschen und Wärmeproblemen im Gerät vor. Diese können durch das Heruntertransformieren der Spannung entstehen. Zum anderen spart man Platz und kann den Micpre sehr kompakt bauen. Somit lassen sich große Recording-Racks problemlos mit beispielsweise sechzehn Warm Audio WA12 füllen.

Beim WA12 setzt der Hersteller ausschließlich auf professionelle und – bis auf den Hi-Z-In – symmetrische Anschlüsse.

Im Betrieb

Wie aber macht sich der WA12 im Studio? Zunächst testen wir, wie sich der Preamp am Hi-Z-Eingang verhält. Hierfür schließen wir einen Bass an, aktivieren den Eingang und stellen eine DAW-Spur scharf. Bis hier funktioniert alles, wie erwartet, und ein schwaches Signal macht sich in der Software bemerkbar. Beim anschließenden Einpegeln müssen wir uns allerdings auf das Meter am Interface verlassen, da der WA12 keines bietet – schade, aber kein Beinbruch, da Audio-Interfaces in der Regel eine Meteringlösung an Bord haben.

Bestens vorbereitet rocken wir nun ein paar Takte in unsere Software. Der Sound gefällt uns jetzt schon sehr gut, druckvoll in den Bässen und etwas zurückhaltend in den Höhen. Natürlich wollen wir wissen, welche Auswirkungen der Tone-Switch auf das Signal hat: Dieser ändert die Eingangsimpedanz und somit den Sound – nicht drastisch, aber deutlich hörbar. Es fällt auf, dass die Höhen noch mehr weichen und der obere Bassbereich etwas zulegt. An dieser Stelle darf man aber nicht vergessen, dass durch die Impedanzverringerung der Gain steigt und die neue Aufnahme somit quasi auf Anhieb „fetter“ klingt.

Wir versorgen den WA12 nun mit dem Signal einer Sängerin. Als Schallwandler dient uns ein Neumann TLM103. Auch hier stellen wir fest, dass die Höhen nicht so präsent und klar wie beim Recording über die Micpres unsers Interfaces sind. Außerdem zeigt sich der Bassbereich wieder etwas druckvoller. Leider ist es schwierig, den Preamp wirklich „heiß“ zu fahren und damit das Signal anzuzerren beziehungsweise einen Kompressionseffekt hinzubekommen. Da sich der Pegel nach der Verstärkung nicht mehr absenken lässt, würde es schnell zum Übersteuern des Eingangs am Interface führen.

Der Warm Audio WA12 ist jedem zu empfehlen, der die Wärme und den Druck aus der Analogwelt in seinem Studio-Setup integrieren möchte – und das zu einem fairen Preis. Am besten macht sich der Preamp auf der Stimme, kann aber auch Instrumentensignale aufwerten. Mit dem richtigen Zubehör lässt sich sogar eine ganze Armada an WA12 in ein Studiorack schrauben und in großen Multitrack-Recording-Sessions nutzen. Für Besitzer von 500er Lunchboxen ist der Preamp übrigens auch als passendes Modul erhältlich – und wer auf Output-Regler und Meter nicht verzichten kann, greift einfach zum Warm Audio TB12 Tone Beast.

Auf der Vorderseite des Warm Audio WA12 befinden sich die umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten und der Hi-Z-Anschluss.

Technische Daten

Bauweise

einkanaliger Mikrofonpreamp

Anschlüsse Kombibuchse-In, Hi-Z-In, XLR-Out & TRS-Out
Regler & Schalter Hi-Z-Switch, Phantomspeisung, 20-dB-Pad, Polarisationsumkehrer, Tone-Taster, Gain & Power-Taster
Besonderheit Tone-Taster, um die Impedanz zu verändern
Lieferumfang Preamp, Netzteil, Rackschrauben & Bedienungsanleitung

Wertung:

+ einfache Handhabung
+ solide Verarbeitung
+ guter Klang
+ Klangfärbung durch Tone-Taster
- kein Meter
- Signallautstärke am Ausgang nicht regelbar

Preis (UVP): 534,31 €

www.warmaudio.com

Vertrieb: Mega Audio







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