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Test: Warm Audio EQP-WA

Audioale Erwärmung

Marco Sulek am 30.06.2015

Audioale Erwärmung

Und es gibt sie doch noch: Junge Hersteller, die sich auf traditionell-analoges Equipment spezialisieren. In letzter Zeit dürfte vor allem Warm Audio mit seinen preiswerten Studiotools auf sich aufmerksam gemacht haben. Jüngst ließ die US-amerikanische Tool-Schmiede seinen Mono-Röhren-EQ EQP-WA auf die Audiobranche los. Wir nahmen ihn im Test unter die Lupe.

Von wegen, rein analoges Röhrenequipment findet keinen Anklang mehr. Zugegeben, in der größtenteils digitalen Studioumgebung lassen sich nur noch selten waschechte Analoggeräte blicken. Das mag primär daran liegen, dass Plug-Ins günstiger, vielfach anwendbar und flexibler sind – und sich niemand mehr teure Hardware leisten möchte, die auch noch gewartet werden muss. Dennoch schwören viele namhafte sowie erfahrene Engineers auf das nicht gänzlich reproduzierbare Klangverhalten analoger Idole.

Besonders Studiobetreiber mit begrenztem Budget demotiviert ein Blick auf den Gebrauchtmarkt: Für heißbegehrtes Vintage-Equipment werden zum Teil Preise aufgerufen, die denen neuer Kleinwagen gleichkommen – und das nur für ein Gerät. Doch glücklicherweise gibt es noch Hersteller, die sich preiswerten, aber zugleich qualitativ hochwertigen Tools verschrieben haben. Ganz weit vorne dabei ist Warm Audio aus den USA. In deren Portfolio finden sich Mikrofonvorverstärker und Kompressoren, die legendären Vorbildern nachempfunden sind.

Der neueste Out aus dem Hause Warm Audio hört auf den Namen EQP-WA und ist ein analoger Röhrenequalizer. Doch das Konzept kommt nicht von ungefähr: Er ist dem Pultec EQP-1A nachempfunden – einem der Tube-EQs überhaupt. Den einen oder anderen mag das jetzt nicht besonders beeindrucken, schließlich haben es sich bereits Dutzend Firmen zur Aufgabe gemacht, den EQP-1A nachzubauen. Was ist denn nun das Besondere an der Version von Warm Audio? Ganz einfach: Sein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis – aber dazu später mehr.

Der Warm Audio EQP-WA ist dem Pultec EQP-1A sehr ähnlich: Die Front ist silber-blau, alle Regler sowie Schalter schauen authentisch aus und selbst die fette rote LED, die Betriebsbereitschaft signalisiert, ist am richtigen Platz. Dennoch sind einige Veränderungen zu vermerken. An erster Stelle sei erwähnt, dass der EQP-WA nur noch zwei Höheneinheiten misst anstatt drei – dementsprechend sind die Bedienelemente näher aneinandergerückt. Auch der Netzschalter ist nun zum Kippen, und nicht mehr zum Drehen. Aber genug des Vergleichs, wir wollen schließlich wissen, was der EQP-WA kann.

Durch eine deutlich leuchtend rote LED signalisiert der EQP-WA Betriebsbereitschaft.

Boosten, cutten und bypassen

Der Warm Audio EQP-WA besitzt zwei Bänder: ein tiefes für Frequenzen zwischen 20 Hz und 800 Hz und ein hohes für Frequenzen zwischen 3 kHz und 16 kHz. Außerdem ist ein Highcut vorzufinden, der das Signal zwischen 20 kHz (kein Eingriff) und 3 kHz beschneidet. Beide Frequenzbänder besitzen je einen Regler für Boost, Cut und Centerfrequenz. Dem Höhen-Band ist zusätzlich ein Poti für die Bandbreite zugeordnet, womit sich entweder eine breite oder schmale Flankensteilheit einstellen lässt.

Erst ein Blick ins Manual gibt dem Anwender zu verstehen, um wie viel Dezibel man eine Frequenz verstärken und abschwächen kann. Dabei variieren die Parameter für beide Frequenzbänder: In den Tiefen lässt sich eine Frequenz um maximal 12 dB boosten und um 18 dB cutten, in den Höhen sind ein Boost von 18 dB und ein Cut von 14 dB möglich. Was sehr angenehm auffällt, ist, dass die Regler in 40 Stufen gerastet sind – das erleichtert einen Recall. Apropos Recall: Im hinteren Teil des Manuals findet sich ein Recall-Sheet, das sich kopieren und somit vielfach nutzen lässt.

Ein interessantes Merkmal bei diesem EQ-Konzept ist, dass sich eine Frequenz sowohl boosten als auch cutten lässt. Das Ergebnis dabei ist jedoch kein linearer Frequenzgang, sondern eine Akzentuierung dieses Bereichs, die bei jedem Signal anders ausfällt und dieses mit einem besonderen Etwas versehen kann. Doch Vorsicht hierbei: Die Boost- und Cut-Regler entsprechen bei Vollanschlag nicht dem gleichen dB-Wert.

Um das unbearbeitete Signal vom bearbeiteten unterscheiden zu können, ist ganz links am EQP-WA ein Bypass-Schalter angebracht. Interessant hieran ist, dass das Signal selbst in der Bypass-Stellung den Eingangs- sowie Ausgangstransformator sowie die Vakuumröhrenvorverstärkerstufe durchläuft. Dadurch ist es möglich, beispielsweise die Vocals oder den E-Bass mit einem gewissen Röhrencharakter zu bereichern. Doch keine Sorge: Der EQP-WA arbeitet ausgesprochen linear – um eine Verfälschung des Signals muss man nicht fürchten.

Über den Bandwidth-Regler ist der Q-Faktor für die Höhen regelbar.

Monologie

Die Eingangs- und Ausgangstransformatoren des EQP-WA von Warm Audio kommen aus dem Hause Cinemag – so ziemlich der Hersteller für Transformatoren in Audio-Geräten. Anschlussseitig ist dabei sowohl eine Klinken- als auch eine XLR-Buchse zu finden – beide symmetrisch ausgeführt, versteht sich. Zwar empfiehlt der Hersteller nicht, beide Ein- oder Ausgangsbuchsen gleichzeitig zu nutzen, dennoch ist es möglich, beispielsweise das Signal via XLR in den EQ einzuspeisen und über die Klinken-Buchse an das nächste Gerät weiterzuleiten.

Was darf bei einem professionellen Studio-Tool nicht fehlen? Genau, ein Ground-Anschluss. Dieser ermöglicht es, die elektrische Masse getrennt vom Kaltgerätenetzanschluss zu führen. Abhängig vom Aufbau des Studios lassen sich also Brummschleifen ohne gefährliche Improvisationen effektiv eliminieren. Um den EQP-WA sowohl in europäischen als auch in amerikanischen Studios nutzen zu können, lässt er sich über einen Schalter auf der Rückseite von 230 Volt auf 115 Volt umstellen.

Nicht nur für monophone Signale lässt sich der EQP-WA nutzen: Dekodiert man das Stereo- zu einem MS-Signal, versieht der Jüngling entweder das Mitten- oder Seiten-Signal mit etwas Wärme – vor allem die Mitte profitiert mithilfe des Tiefenbandes durch mehr Druck und des Highcuts durch weniger Schärfe. Selbst für Mastering-Anwendungen eignet sich also der EQP-WA, ohne gleich zwei der Geräte zu brauchen.

Macht heutzutage ein Mono-EQ überhaupt noch Sinn? Selbstverständlich ist der Warm Audio EQP-WA nicht für jede Aufgabe ideal geeignet. Vor allem für den rein technischen Eingriff empfehlen wir, auf mehrbandige, vollparametrische Equalizer zurückzugreifen. Allerdings ist der EQP-WA Spezialist auf einem Gebiet, das andere Entzerrer nur bedingt können: möglichst musikalisch in ein Audio-Signal eingreifen, es ausschöpfen und das Beste herausholen. Das alles gibt es dann zu einem Bruchteil des Originalgeräts – eben ein ideales Preis-Leistungs-Verhältnis, auch für kleine Studios.

Die Rückseite des EQP-WA kommt ohne jeglichen Schnickschnack aus.

Technische Daten

Frequenzgang 20 Hz bis 50 kHz (±1 dB)
Eigenrauschen > –75 dB
Eingangsimpedanz 600 Ω
Anschlüsse XLR-In, TRS-In, XLR-Out, TRS-Out & Kaltgerätenetzbuchse
Röhren 12AX7 & 12AU7
Rack-Einbaugröße 2 HE zu 19″


Wertung:
+ gelungener Pultec-Nachbau
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ authentischer Sound

Preis (UVP): 891 Euro

Weitere Infos unter: www.warmaudio.com

Vertrieb: Mega Audio







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