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Test: Tracktion 5 Aufnahme-Software

Recording für alle

Jan Hoffmann am 22.02.2014

Recording für alle

Das Team von Tracktion hat es sich zum Ziel gesetzt, eine bezahlbare und vor allem auch für Einsteiger leicht bedienbare Aufnahme-Software anzubieten. Jetzt liegt mit Tracktion 5 eine komplett überarbeitete Version vor, die einige neue Funktionen bietet, die die Bedienung weiter erleichtern. Wir nahmen die Sequencer-Software genau unter die Lupe.

Mittlerweile finden nahezu sämtliche Musikaufnahmen digital statt – davon die meisten direkt über den Rechner. Dazu benötigt man unter anderem eine leistungsstarke Recording-Software. Wer die Sache einfach halten möchte, und auch nur ein begrenztes Budget zur Verfügung hat, der sollte sich das neue Tracktion 5 genauer ansehen.

Wenn man sich kurz vor Augen hält, wie noch vor zehn oder 20 Jahren in Studios gearbeitet wurde, ist es schon erstaunlich, was man heutzutage mit vergleichsweise minimalsten Mitteln und geringstem Platzbedarf erreichen kann. Es ist keine Fantasterei mehr, zu Hause im eigenen Wohnzimmer ein professionelles Album aufzunehmen. Alles was man dazu an Equipment – ganz grob zusammengefasst – benötigt, sind ein leistungsstarker Rechner, Instrumente, ein gutes Interface, Kabel, Mikrofone und Abhörmöglichkeiten – und natürlich eine Software, mit der man alle Signale aufnehmen, bearbeiten und mischen kann.

Gerade bei letzterem hat man mittlerweile fast mehr Auswahl, als einem lieb ist. Für den Laien sehen die Programme recht ähnlich aus und haben sowieso mehr Funktionen, als die große Mehrheit der User je nutzen werden. Wie findet man also das passende Produkt für die eigenen Bedürfnisse? Die Macher der Music-Production-Software Tracktion betonen bei ihrem Programm vor allem einen Punkt, der gerade Einsteiger hellhörig machen sollte: die Einfachheit der Bedienung. Das wollen wir uns doch mal genauer ansehen.

Noch kurz vorab: Auch das neue Tracktion 5 ist sowohl mit Windows- (7 oder 8) wie auch Apple- und sogar Linux-Rechnern kompatibel, läuft laut Hersteller schon auf Rechnern mit Dual-Core-Prozessor und lediglich zwei Gigabyte Arbeitsspeicher (empfohlen werden mindestens 4 GB) und ist mit 59,99 $ recht günstig (das Update von Vorgängerversionen kostet sogar nur 29.99 $). Man hat also aller Voraussicht nach noch genug Budget, um sich ein ordentliches Interface und wenn möglich auch noch gutes Outboard-Equipment zuzulegen.

Einer der großen Vorteile von Tracktion 5 ist, dass man alles immer auf einen Blick sehen kann.

Ab in virtuelle Welten

Dann wollen wir das Programm gleich mal installieren. In unserem Fall dient als Rechner ein recht neues MacBook Pro mit 2,6 GHz Intel Core i5-Prozessor und 8 Gigabyte Arbeitsspeicher – da sollte also in Sachen Spurenanzahl und Effekte einiges möglich sein. Das Programm selbst benötigt mit rund 20 MB nur wenig Platz auf dem Rechner – gut so. Auch die Installation läuft schnell und reibungslos – das wird die angepeilten Einsteiger freuen. Es gibt ja kaum etwas Frustrierenderes als wenn der Rechner nicht so will wie man möchte, und man einfach nicht weiß, woran es liegt.

Als Interface kommen im Test übrigens das Focusrite Scarlett 6i6 und das Scarlett 18i8 zum Einsatz, die für Einsätze in Projektstudio und Proberaum tolle Ergebnisse zum kleinen Preis liefern. Wer schon mit Recording-Software gearbeitet hat, weiß, wo die erste Hürde liegt: In der richtigen Einstellung der Ein- und Ausgänge beziehungsweise der Zuordnung des Interfaces. Erfreulicherweise ist Tracktion 5 so übersichtlich und quasi selbsterklärend aufgebaut, dass jeder, der schon mal ein bisschen mit Aufnahmeprogrammen gearbeitet hat, sich hier schnell einarbeiten kann.

Dann legen wir doch gleich mal mit einem neuen Projekt – also einem Song – los. Das Gute bei Tracktion ist, dass man sich recht intuitiv die einzelnen Funktionen und Schritte erarbeiten kann. Klar, angesichts der Fülle an Features benötigt auch diese Software eine gewisse Einarbeitungszeit, aber die ersten Schritte kriegt man durchaus auch so hin. Darüber hinaus ist die Software auch so voreingestellt, dass einem bei jedem Feld oder Regler angezeigt wird, was man damit machen kann. Gerade am Anfang sehr praktisch. Die Funktion kann man aber selbstverständlich auch deaktivieren, wenn man sich genug Routine erarbeitet hat.

Zum Start nehmen wir erstmal ein paar Spuren Gitarre auf. Also, die gewünschte Spur anwählen, einpegeln und fürs Recording scharf schalten. Dann auf den Record-Button, und los geht es. Auch einen Click als Helferlein kann man aktivieren, die gewünschte BPM-Zahl kann man direkt auf der Oberfläche eingeben. Sehr praktisch. Neben den vorgewählten Klick-Sounds kann man auch eigene reinladen, wenn einem die besser gefallen. Etwas schade: Der Klick lässt sich nur in drei Stufen (Low/Mid/High) in der Lautstärke regeln, besonders feinfühlig ist das nicht. Sehr gut dagegen ist, das unser Recording-Setup nur minimale Latenzen im niedrigen einstelligen Millisekundenbereich aufweist. So kann man schön tight aufnehmen und auch Gitarren fühlen sich beim Spielen gewohnt gut an. Auch der Puffer und die gewünschte Sample Rate sind mit wenigen Klicks an die eigenen Bedürfnisse angepasst.

Über die zentrale Steuerung unter den einzelnen Spuren kann man die wichtigsten Funktionen bequem bedienen.

Fix It In The Mix

Hat man die Spur aufgenommen, kann man diese auch direkt bearbeiten. Standards wie die Spurlautstärke, das Panning usw. findet man direkt auf der Standardoberfläche. Auch kann man die Aufnahmen pitchen, also in der Tonhöhe anpassen, langsamer oder schneller machen, was besonders praktisch ist, wenn man Audiofiles ins Programm lädt und diese an seinen Song anpassen möchte. Man sollte es allerdings nicht übertreiben, sonst hört man schon deutliche Artefakte.

Auch das Schneiden, Ein- und Ausfaden einzelner Parts oder das Verknüpfen verschiedener Takes läuft schön unproblematisch und intuitiv. So kann man mehrere Spuren schnell soweit editieren, damit man weiter aufnehmen kann und vergeudet hier nicht unnötig Zeit. Auch die Arbeit mit Effekten gestaltet sich sehr einfach. Die Liste der integrierten Effekte anwählen, den gewünschten einfach an die Stelle im Signalverlauf der jeweiligen Spur ziehen, wo man ihn haben möchte, und wenn man dann auf das Icon klickt, erscheint unten in der Mitte des Projektfensters die Bedienoberfläche – sehr praktisch. Das funktioniert übrigens grundsätzlich so. Wenn man auf die Spur klickt, findet man an dieser Stelle die jeweiligen Bearbeitungsmöglichkeiten, wählt man das Level Meter an, kann man dieses hier zentral bearbeiten.

Ein weiteres wichtiges Thema für viele Nutzer ist das Programmieren von Schlagzeugbeats. Auch das funktioniert mit Tracktion 5 ganz easy. Man zieht einfach ein Step-Sequence-Fenster auf die gewünschte Spur, gibt dann die benötigte Länge des jeweiligen Beats ein und kann dann die Schläge, die man braucht, direkt anwählen bis man seine Drumfigur zusammen hat. Man lädt dann nur noch das gewünschte VST-Plug-In dazu und stellt ein, welcher Schlag welche Trommel auslosen soll. Coole Sache bei Tracktion: Man kann auch mehrere Plug-Ins in ein Step-Sequence-Fenster packen, könnte also beispielsweise die Bassdrum aus einem nehmen und die Snare aus einem anderen. So ist man noch flexibler.

Auch das Programmieren von Drums funktioniert sehr intuitiv

Alles auf einen Blick

Die komplette Drum-Programmierung findet übrigens wie alles bei Tracktion im Hauptfenster statt. Es ist also nicht wie bei vielen Konkurrenzprogrammen, dass sich Plug-Ins, Mischerkanäle oder die Drums in neuen Fenstern öffnen und man irgendwann den Überblick verliert. Hier wird neben den Hauptfunktionen immer das angezeigt, was eben gerade aktiv ist beziehungsweise bearbeitet wird. Ich zumindest finde das sehr praktisch – und gerade für Recording-Einsteiger ist es schon besser, wenn alles klar und auf einen Blick ersichtlich ist.

In Sachen Effekte wird bereits ab Werk einiges mitgeliefert, was einem die Arbeit erleichtert und vor allem das Ergebnis besser klingen lässt. Doch wer länger mit dem Programm arbeitet, wird sich sicher auch noch externe Plug-Ins holen wollen. Das stellt selbstverständlich auch kein Problem dar, denn  Tracktion arbeitet mit dem weit verbreiteten VST-Protokoll zusammen. So kann man auf eine große Auswahl vielfältigster Produkte vom Hall-Effekt über den virtuellen Drummer bis hin zu Synth-Modelings zurückgreifen.

Übrigens: Wer bereits Tracktion 4 benutzt hat, wird sich nicht nur auf Anhieb in der Neuauflage zurechtfinden, er bekommt die neueste Version des Software-Sequencers auch schon für knapp 30 Dollar (rund 22 Euro). Neu ist in Version 5 unter anderem, dass man mehrere Projekte gleichzeitig öffnen und bearbeiten kann – man kennt das ja beispielsweise von Internet-Browsern, wo man einfach mehrere Tabs aufmacht. Sehr praktisch.  

Gerade für den Einstieg sind die aufpoppenden Hilfe-Fenster sehr praktisch.

Der Workflow muss stimmen

Auch neu bei Tracktion 5 ist unter anderem die Funktion Edit Clips, mit deren Hilfe man aus einer Session mit all ihren Spuren, Effekten, Automationen usw. schnell mal eine Stereo-Audiospurmachen kann. Das ist beispielsweise dann hilfreich, wenn man zum Beispiel den Refrain, Strophe und Bridge aufgenommen hat, und dann mit der Songstruktur experimentieren möchte. Einfach ein neues Projekt öffnen, die einzelnen Parts in einzelne Spuren ziehen, und schon kann man sie ganz bequem hin- und herschieben, kopieren und vieles mehr, ohne den Überblick zu verlieren oder den Rechner zu überlasten.  

Übrigens kann man in Tracktion auch Videodateien laden bzw. diese parallel zur Software ablaufen lassen, um den Sound zum Video in dem Audioprogramm zu schneiden und zu optimieren. Am besten funktioniert das mit zwei Bildschirmen: Der Videocontent läuft im einen, Tracktion 5 im anderen, gesteuert wird alles über den Sequencer. Gerade in diesen Zeiten, wo man ohne coole Videos – gerne auch mal selbst gedreht und geschnitten – als Musiker kaum noch auskommt.  

Das Audiomaterial kann man dann übrigens ganz bequem in verschiedensten Dateiformaten exportieren, ganz nach Bedarf. Ob als mp3-Datei für den schnellen Upload ins Internet, als WAV-, AIFF- oder als MIDI-Datei für den Austausch mit anderen – es läuft schnell und in wenigen Schritten, so wünscht man sich das. Ebenso kann man selbstverständlich auch verschiedenste Dateien und Samples importieren, um sie zu bearbeiten oder in seinen Song einzubauen. Tracktion ist hier gut gerüstet.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die Entwickler mit der neuen Version ihrer Recording-Software ganze Arbeit geleistet haben. Gerade Einsteiger oder Hobbyrecorder werden sich nicht nur über den geringen Preis des Programms sondern vor allem über die intuitive und übersichtliche Bedienbarkeit freuen. Dabei ist Tracktion 5 keineswegs ein Spielzeug sondern bietet mehr Features, als die meisten Benutzer je brauchen werden. Wer jetzt neugierig geworden ist: Unter www.tracktion.com/downloads kann man sich gratis die Software herunterladen und sie in Ruhe ausprobieren.

Auch aufwändigere Effekte sind bereits integriert.

Technische Daten & Wertung

Systemvoraussetzungen  

Windows XP (oder höher)
Mac OSX 10.6.8 (und höher)
Linux Ubuntu 12

Arbeitsspeicher 2 GB RAM mindestens, 4 GB RAM oder mehr empfohlen
benötigter Speicherplatz  

rund 20 MB

Plug-In-Schnittstellen VST, AU
max. Audio-Tracks Unendlich
max. MIDI-Tracks Unendlich
max. Busse Unendlich
max. phys. Ein-/Ausgänge Unendlich (hardwareabhängig)


Wertung

+ Günstiger Preis
+ Übersichtliche, intuitive Bedienung
+ Plattformunabhängig (Windows, Mac OS X, Linux)
+ Praktische Features zur Arbeitserleichterung

Preise (UVP):
Tracktion 5                     59,99 US-Dollar
Upgrade (von T4)          2
9,99 US-Dollar

 

Info: www.tracktion.com







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