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Test: Tascam DR-40

Ausgerichtet auf alles

Marco Sulek am 02.06.2014

Ausgerichtet auf ...

Tascam ist einer der Namen, wenn es um die Aufzeichnung von Audiomaterial geht – egal ob Harddisk-, Pocket- oder Tape-Recorder. Als vielversprechendes Gerät aus dem umfangreichen Produktportfolio präsentiert sich der DR-40. Wir nahmen ihn genauer unter die Lupe.

Pocket-Recorder bieten heutzutage umfangreiche Features, die bis vor einigen Jahren in dieser Kompaktheit kaum denkbar waren. So integrieren die Jackentaschen-freundlichen Geräte allerlei Funktionen, für die eigentlich eine halbe Studioausrüstung notwendig wäre – angefangen bei den Mikrofonen über die Vorverstärker und A/D-Wandler bis hin zu Effekten. Zu den handlichen Wunderkisten mit vielen Gimmicks gehört der Tascam DR-40.

Eine Eigenschaft macht den DR-40 sehr attraktiv: Die beiden Kleinmembrankondensatormikrofone mit Nierencharakteristik lassen sich einzeln um jeweils 90° schwenken. Das heißt, sie nehmen das Signal entweder in AB- (Mikros zeigen nach außen) oder in XY-Anordnung (Mikros zeigen nach innen) auf. Praktisch ist das vor allem, wenn es darum geht, den DR-40 an die jeweilige Aufnahmesituation flexibel anzupassen. Interessant dabei: Damit beim Ausrichten der rechte Kanal nicht zum linken wird und umgekehrt, fragt das Gerät, ob es beide Kanäle vertauschen soll.

Die AB-Mikrofonierungstechnik empfiehlt sich bei weiter entfernten Schallquellen. Durch den Aufnahmewinkel von 90° und einem Kapsel-zu-Kapsel-Abstand von 7 cm präsentiert sich hier eine relativ breite Stereo-Basis. Sprich: Umgebungsgeräusche beispielsweise tönen über Kopfhörer oder Lautsprecher abgehört in einem sehr räumlichen Klangbild. Ein Nachteil dieser Methode bei nahen Signalen ist – aufgrund von Laufzeitunterschieden – eine Phasendifferenz, die zu Auslöschungen gewisser Frequenzen und einer geringen Monokompatibilität führen kann.

Soll beispielsweise eine Akustikgitarre aus geringer Distanz aufgenommen werden, eignet sich das XY-Verfahren. Damit umgeht man nicht nur Phasenprobleme, sondern verhindert zusätzlich ein Loch in der Stereo-Mitte, das unter Umständen bei naher Besprechung auftritt. Auch wenn es Haarspalterei ist: Hierbei handelt es sich weder um eine echte AB- noch um eine astreine XY-Technik. Doch das ist irrelevant, schließlich zählt das Ergebnis – und das klingt.

Wechselt man die Ausrichtung der Mikrofone, fragt der DR-40 einen, ob man die beiden Aufnahmekanäle tauschen möchte.

Hart im Nehmen

Am DR-40 fällt sofort eines auf: die zwei metallenen Bügel an der Gehäuseoberseite. Diese schützen die beiden Kleinmembraner effektiv vor Stößen und anderen äußeren Einwirkungen. Zumindest gilt das, wenn die Mikros in XY-Anordnung ausgerichtet sind. Zwar sehen auch die Mikrofonkapseln so aus, als bestünden sie aus Metall, doch hier handelt es sich um Kunststoff. Dennoch machen sie einen recht stabilen Eindruck. Das Gehäuse selbst wurde ebenfalls aus Kunststoff gefertigt und liegt gut in der Hand.

Über ein grafisches Display mit einer Auflösung von 128 x 64 Pixel hat man immer alles im Blick – natürlich hintergrundbeleuchtet. Direkt daneben finden sich vier LEDs. Die linken drei zeigen an, in welchem Modus aufgenommen wird – „Dual“, „4 Channel“ oder „Overdub“. Die rechte hingegen deutet darauf hin, ob es wegen eines zu hohen Eingangspegels zu Übersteuerungen kommt. Übrigens: Energie bezieht der „Linear-PCM-Recorder“ über drei AA-Batterien oder über die USB-B-Buchse.

Mit insgesamt 17 Tastern und zwei Schaltern lässt sich der Tascam DR-40 intuitiv bedienen. Von herkömmlichen Pocket-Recordern unterscheidet er sich jedoch in der Wahl des Inputs: Den Pegel bestimmt man über die beiden Taster an der linken Seite – und nicht über ein Gain-Poti. Die Wiedergabelautstärke hingegen ist über die Plus- und Minus-Taster einzustellen. Sehr praktisch: Schaltet man das Gerät aus und wieder an, merkt es sich die letzte Abspielposition. So kann man dort weitermachen, wo man aufgehört hat.

Die Wiedergabe selbst lässt sich in der Geschwindigkeit variieren, ohne dass der DR-40 die Tonhöhe verändert. So sind maximal das 0,5- und 1,5-fache möglich. Eine bestimmte Stelle oder eine ganze Datei soll in Schleife laufen? Kein Problem, dank der praktischen Loop-Funktion. Einen internen Speicher besitzt der Recorder nicht. Dafür hat Tascam eine 2-GB-SD-Karte beigelegt. Etwas friemelig ist es jedoch, die Abdeckkappe zum SD-Slot zu öffnen. Alternativ lässt sich der DR-40 via USB mit dem Computer verbinden und als Card-Reader zweckentfremden. 

Via USB gelangen die Aufnahmen in den Computer.

Voll aufgenommen

Ganz flexibel bietet der DR-40 neben den eingebauten Mikrofonen die Option, externe Klangquellen anzustecken. Dank der Kombi-Buchsen an der Unterseite lassen sich dadurch sowohl Mikrofone als auch Instrumente anschließen und aufzeichnen. Über einen Schalter an der linken Gehäuseseite konfiguriert man entsprechend den Eingangspegel: Line, Mic oder Mic inklusive Phantomspeisung – für Kondenser. Im Menü kann man dabei einstellen, ob die Versorgungsspannung 24 oder 48 Volt betragen soll.  

Der Pocket-Recorder zeichnet das Signal entweder über die internen Mikrofone oder über die zusätzlichen Eingangsbuchsen auf. Doch das war nicht alles, denn auch alle vier Quellen lassen sich gleichzeitig nutzen. Nützlich ist das beispielsweise, wenn man einen Singer-Songwriter mit hoher Kanaltrennung aufnehmen möchte: Die Mikrofone des DR-40 sind für das Publikum und die Räumlichkeit zuständig, während je ein externer Schallwandler für Gesang und Gitarre dient. Zusätzlich bietet das Gerät eine Overdub-Funktion.

Ein weiteres praktisches Feature sorgt für viel Sicherheit: Eine Aufnahme mit zwei unterschiedlichen Files ist möglich – eine mit geringem, eine mit hohem Pegel. Weiß man nicht, wie laut die Schallquelle wirklich ist, hat man so immer ein übersteuerungsfreies Backup. Auch Bandmaschinen hat sich Tascam zum Vorbild genommen: Über das sogenannte Sound-on-Sound-Verfahren lassen sich bestimmte Stellen gezielt überschreiben. Außerdem nimmt der DR-40 dank eines Zwischenspeichers Signal bereits zwei Sekunden vor dem eigentlichen Recording auf –abgeschnittene Einsätze adé.

Entweder manuell oder automatisch kann ab einer bestimmten Länge während der Aufnahme eine neue Datei generiert werden. Voreinstellungen im Menü machen es möglich, das File nach 64 MB, 128 MB, 265 MB, 512 MB, 1 GB oder 2 GB abzuschließen und ein neues zu generieren. Der DR-40 zeichnet gleichzeitig weiter auf, ohne dass es zu Verlusten kommt. Aber auch nach dem Recording lassen sich WAV-Dateien beliebig trennen. Das ist nützlich, wenn die SD-Karte wieder einmal voll ist: Einfach die Takes anhören, die überflüssigen löschen und weiter nach bestem Klang suchen.

Ein Bügel aus Metall schützt die beiden Mikrofone vor Beschädigungen durch Stöße.

Viele Features

Eine Reihe weiterer Funktionen sorgt beim Tascam DR-40 für Erleichterung – vor allem was das Mitschleppen von Equipment anbelangt. Soll beispielsweise eine Akustikgitarre recordet werden, bietet sich das eingebaute Stimmgerät an. An anderer Stelle spart man mit dem integrierten Mixer: Der kompakte Pocket-Recorder bietet nicht nur obligatorische Lautstärke- und Panorama-Parameter, sondern auch für jeden Kanal einen Send. Dieses Signal gelangt zum integrierten Hallgerät, das sechs Algorithmen bereithält. Für die Wiedergabe gibt es zudem einen Drei-Band-EQ.

Ebenso fürs Aufnehmen bietet der DR-40 einige essenzielle Tools für die Klangbearbeitung. So existieren neben Lowcut (40, 80 und 120 Hz) sowie Limiter noch – ganz exotisch für Pocket-Recorder – ein MS-Decoder sowie ein Tool für die Laufzeitentzerrung. Letzteres sorgt in Millisekunden für eine Kompensation zwischen internen und externen Mikrofonen, wenn es, wie in der oben beschriebenen Singer-Songwriter-Situation, zu Laufzeitunterschieden zwischen Pocket-Recorder und externen Mikrofonen kommt.

Der Klang des DR-40 ist vor allem eines: ausgewogen. Die Aufnahmen klingen so, als hätte man sich ein Pärchen hochwertiger Kleinmembraner geschnappt, diese an guten Wandlern angeschlossen und vor die Schallquelle gestellt. Ebenso gut klingt das Signal über die Kombi-Eingänge. Wenn man hier etwas zu meckern hat, dann nur das relativ geringe Eigenrauschen, das sich bei niedrigen Pegeln bemerkbar macht. Nimmt man jedoch mit hohen Gain-Einstellungen auf, ist davon nichts mehr zu hören – Stichwort: Close-Miking.

Tascam bietet mit dem DR-40 ein rundum gelungenes Aufnahmegerät für Musiker, das viele Herausforderungen meistert. Durch seine Funktions- und Anschlussvielfalt begleitet es jeden Künstler durch den kreativen Alltag. Und sollte der Nutzer das Recording erst etwas später starten wollen, ohne dass eine weitere Person anwesend ist, die ihm dabei helfen könnte: Mittels Selbstauslöser nimmt der DR-40 Signale erst auf, wenn ein gewisser Eingangspegel überschritten wird und der Timer entsprechend gesetzt wurde.

Verstimmt? Kein Problem: Der DR-40 bietet einen praktischen Tuner.

Technische Daten

Gehäuse   Kunststoff, schwarz
Mikrofone

2x Kleinmembraner, einzeln schwenkbar

Anschlüsse

2x Kombi-In, Phones, Remote & USB 2.0

Externer Speicher SD (64 MB - 2 GB) & SDHC (4 GB - 32 GB)
Aufnahmezeit max. 20 h 30 min (bei 44,1 kHz zu 16 Bit, eingebaute Mikrofone)
Kompatibilität

Windows & Mac

Aufnahmemodi

PCM (WAV) & MP3, Vierspur-Recording

Frequenzgang

20 Hz - 21 kHz (@ 44,1 kHz)

Auflösung

max. 24 Bit zu 96 kHz

Zubehör

2 GB SD-Karte, USB-Kabel & Bedienungsanleitung

Maße (HxBxT) 155  x 90 x 35 mm
Gewicht

213 g (ohne Batterien)


Wertung:
+ viele praktische Features
+ guter Sound
+ intuitiv bedienbar
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- leichtes Rauschen bei niedrigen Pegeln
- SD-Kartenfach lässt sich schwer öffnen

Preis (UVP): 269 Euro

Weitere Infos unter: www.tascam.eu

Vertrieb: TEAC







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