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Test: Sugar Bytes WOW2

Filterbox der Träume

Markus Limmer am 18.10.2013

Filterbox der ...

21 Filter-Typen, sieben Drive-Effekte, ein Vowel-Mode, vier Modulationssektionen und umfangreiche Routing-Möglichkeiten – der WOW2 von Sugar Bytes trumpft mit interessanten Eckdaten auf. Wir sahen uns das Kreativ-Filter-Plug-In genauer an.

Filter-Plug-Ins zählen nicht gerade zu den Produktneuheiten, die lang gehegte Produzententräume erfüllen. Jede DAW bietet heutzutage qualitativ hochwertige Filter und EQs in diversen Ausführungen. In dieser Kategorie mitzuhalten scheint aber gar nicht der Anspruch von Sugar Bytes zu sein – schließlich ist das WOW nicht als klassischer Filter zu verstehen. Aufgrund der eingebauten Modulationssektion, die aus vier verschiedenen Einheiten besteht, lassen sich sämtliche Parameter dynamisch steuern. Dies macht WOW vielmehr zu einem All-in-One-Kreativwerkzeug, mit dem komplex klingende Filterverläufe möglich sind, ohne wüste Effektketten und aufwendige Automationen in der DAW erstellen zu müssen.

Das Sugar Bytes WOW2 funktioniert sowohl standalone als auch als Plug-In. Kompatibel ist das Filter mit den Schnittstellen VST, AU, RTAS und AAX und lässt sich auf PC und Mac installieren. Abhängig von Betriebssystem und DAW steht WOW2 als 32- oder 64-Bit-Version zur Verfügung. Für diesen Test installierten wir WOW2 auf einem Notebook (Win 7, Intel Core i7 3630QM, 2,4 Ghz, 16 GB RAM) und verwendeten es sowohl standalone als auch im Verbund mit Ableton Live 9 und Steinberg Cubase. Da sich die volle Bandbreite von WOW2 erst zusammen mit einer DAW ausschöpfen lässt, beziehen sich die Beschreibungen in diesem Artikel auf den Einsatz als Plug-In.

Nach der unkomplizierten Installation fiel uns sofort das ansprechende Design auf, das im Vergleich zur spartanisch gestalteten Benutzeroberfläche der ersten Version deutlich überarbeitet wurde. Auf den ersten Blick sieht das Plug-In relativ übersichtlich und wenig komplex aus. Neben der umfangreichen Preset-Liste am linken äußeren Rand findest du vier große Drehknöpfe, mit denen sich die grundlegenden Parameter einstellen lassen: das Verhältnis zwischen Original und bearbeitetem Signal (Dry/Wet), die Lautstärke (Volume), die Resonanz der Filtergrenzfrequenz (Reso) und eine stark klangfärbende Übersteuerungssektion (Drive – der Regler passt hier seine Beschriftung an den gewählten Drive-Typ an).

Sugar Bytes WOW2 bietet 21 Filter-Typen zur Auswahl. Im unteren Bildabschnitt ist die Modulationsansicht des Envelope Follower zu sehen.

Grundlegende Parameter

Das kleine Dreieck über dem Drive-Regler führt dich zum Drive-Menü, über das du aus sieben verfügbaren Verzerrungstypen („Parabolic“, „Hyperbolic“, „Diabolic“, „Sine“, „1 Bit“, „Crush“ und „Digitize“) wählen sowie die Position der Drive-Sektion festlegen kannst. Diese greift entweder vor oder nach der Filtereinheit in das Signal ein. Der gewählte Typ hat mitunter drastischen Einfluss auf den Klang. Willst du beispielsweise den Klangcharakter eines Atari-Games nachahmen, eignet sich der Drive-Typ „Digitize“ sehr gut.

Der große Drehknopf in der Mitte des WOW2-Fensters ist der Cutoff-Regler. Hier kannst du die Einsatzfrequenz des gewählten Filters stufenlos verändern. Wie kaum ein anderer Regler hat der Cutoff erheblichen Einfluss auf den Basis-Sound, weswegen dieser Parameter für eine Modulation prädestiniert ist.

Kommen wir nun zu dem kleinen Fenster in der oberen Mitte. Ein Klick darauf genügt, um aus 21 Filter-Typen wählen zu können. Diese sind in die Bereiche High Pass, Band Pass, Low Pass und Special unterteilt. Hier findest du unter anderem Emulationen aus bekannten Moog- (Ladder MG) und Korg-Geräten (Diode MS). Diese sehr umfangreiche Auswahl erlaubt es dir, gezielt deine Klangvorstellungen umzusetzen oder spielerisch die Unterschiede der verschiedenen Filter-Typen herauszufinden.

Bleibt noch das Lippensymbol im Zentrum des Plug-Ins. Hier wechselst du in den Vowel-Modus, mit dem du Vocoder-ähnliche Sounds formen kannst. Rechts („Vowel A“) und links („Vowel B“) vom Lippensymbol sind die Wahlflächen für die gewünschten Vokale, die den Klang des Audiomaterials formen. Der Cutoff-Regler, der im Nicht-Vowel-Mode die Filtergrenzfrequenz verändert, dient im Vowel-Mode dazu, zwischen rechtem und linkem Vokal stufenlos überzublenden. Je stärker du den Reso-Regler nach rechts drehst, desto deutlicher wird der Vowel-Sound hörbar.

Sobald man auf Höhe eines Parameters die rechte Maustaste drückt, öffnet sich das Modulationsmenü, in dem man Modulationsquelle und MIDI-Fernsteuerung einstellen kann. Unten zu sehen: die Modulationseinheit des LFO.

LFO-Sektion

Wie bereits erwähnt, bietet WOW2 vier verschiedene Möglichkeiten, sämtliche Parameter dynamisch zu steuern: pegelbasiert (mit dem Envelope Follower), mittels LFO, per Step-Sequencer und im Wobble-Modus. Am Fuß der jeweiligen Modulationseinheit findest du eine Parameter-Leiste, über die du das Ziel der Modulation einstellen kannst, also die Parameter, die in Abhängigkeit der Einheit gesteuert werden sollen. Die Einheit ganz links ist der Envelope Follower. Dieser Modulator steuert zugewiesene Parameter in Abhängigkeit des Audiopegels.

Über den SRC-Knopf kannst du wählen, ob das Eingangs- oder das mit allen Prozessen bearbeitete Ausgangssignal von WOW2 die Modulation steuern soll. Mit dem Gain-Level, der auf der linken Seite der sichtbaren Wellenform positioniert ist, kannst du nach Bedarf den Pegel, der die Einheit erreicht, erhöhen oder verringern. Die zeitabhängigen Parameter Attack und Decay legen fest, wie schnell der Envelope-Follower mit seiner Arbeit beginnt beziehungsweise wie lange die Modulationseinheit nach Abklingen des Pegels noch arbeitet. Über „FRQ RNG“ kannst du wählen, ob alle Frequenzen oder nur ein bestimmter Frequenzbereich dem Envelope Follower zugeführt werden. Damit lässt sich selektiv arbeiten, beispielsweise kann so bei einer kompletten Drum-Spur nur die Bassdrum als Trigger des Modulators bestimmt werden.

Die LFO-Einheit verfügt über vier Grundwellenformen (Sinus, Sägezahn, Rechteck und Dreieck) sowie diverse Zwischenformen und eine Random-Einstellung. Die gewünschte Wellenform kannst du über den kleinen Pfeil an der linken Seite wählen. Der LFO lässt sich frei nutzen und mit dem Songtempo oder einer Songposition synchronisieren. Bei der freien Nutzung und der Songtempo-Synchronisation steht dir zudem ein Audio-Trigger zur Verfügung. Aktivierst du diesen, kannst du mit der „Trig Sens“ seine Empfindlichkeit einstellen. Diese regelt, wie stark der Trigger auf das Audiomaterial reagiert. Selbstverständlich ist auch die LFO-Geschwindigkeit einstellbar (von 4 bis 1/192 Takte beziehungsweise von 0 bis 100 Hz, abhängig vom gewählten Sync-Modus). Der Button „Trigger“ ermöglicht zudem die manuelle Betätigung des Triggers.

Bei Klick auf die Lippen aktiviert man den Vowel-Modus. Schön zeigt sich unten der Step-Sequenzer-Bereich.

Modulationen satt


Der erste Blick auf die Bedienungsoberfläche täuscht ein wenig über das Potential, aber auch über die Komplexität der Filterbox hinweg, die weit mehr bietet, als nur die grundlegenden Parameter mit einer der vier Modulationsquellen zu steuern. Jeder Modulationseinheit stehen in der Leiste unterhalb der eigenen Parameter folgende Ziele zur Verfügung: Cutoff, Reso, Drive, Dry/Wet und Volume.

Über einen Drehregler kannst du ausgehend von einer Mittelstellung die Intensität der Modulation einstellen – sowohl positive als auch negative Werte sind hier möglich. Dies hat abhängig von der Stellung des Zielparameters eine mehr oder weniger drastische Auswirkung auf den Klang. Über die kleinen Pfeiltasten ganz rechts lassen sich aber auch die Parameter der anderen drei Modulationseinheiten anwählen, die ebenfalls Ziel der ausgehenden Modulation sein können. Dadurch lassen sich sehr komplexe Modulationsketten erzeugen.

Eine andere Art der Zuweisung von Modulationsquelle zu -ziel ist, mit der Maus auf den gewünschten Zielparameter zu gehen und durch Drücken der rechten Maustaste das Modulationsmenü zu öffnen. In der oberen Reihe dieses Menüs findest du die verfügbaren Modulationsquellen, in der unteren Reihe eine MIDI-Fernsteuerungsoption sowie einen Knopf (links), der alle Modulationseinstellungen des Parameters auf null setzt.

Über eine zusätzliche MIDI-Spur in deiner DAW (ein entsprechendes Routing vorausgesetzt) kannst du, sofern das MIDI-Stecker-Symbol gedrückt ist, mit einem MIDI-Controller deiner Wahl den angewählten Parameter fernsteuern. Diese sehr unkomplizierte Art der Controller-Zuweisung erweist sich im Praxiseinsatz als sehr komfortabel.

Der Wobbler (unten im Bild) hat mit zwölf LFO-Geschwindigkeiten und 16 verschiedenen Wellenformen ein umfangreiches Modulationspotential.

Alles Wobble?

Eine weitere Einheit stellt der Step-Sequenzer mit 16 Positionen dar. Für jeden Step kannst du anhand der Höhe des roten Balkens beinahe rasterfrei definieren, wie stark die Modulation ausfallen soll. Neben einem abrupten Übergang der Steps kannst du mit aktiviertem Glide-Knopf einen stufenlosen Wechsel der Schritte erzwingen. Ein Klick auf den Würfel genügt, um den Modulationsverlauf dem Zufall zu überlassen. Wie schnell die Steps wechseln beziehungsweise wie lange eine Position gehalten wird, stellst du über den Parameter Tempo ein (von 4 bis 1/192 Takte pro Step). Zu guter Letzt kannst du noch wählen, in welche Richtung die Steps ausgelesen werden: in Leserichtung, rückwärts, abwechselnd vor- und rückwärts oder zufällig.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt die vierte Einheit: der Wobble-Knob. Dieser Knopf, der einigen vom Sugar Bytes Synthie Cyclop bekannt sein dürfte, kann auf zwölf Positionen eingestellt werden, womit gleichzeitig die Geschwindigkeit festgelegt wird (2 bis 1/48 Takte). In jeder Position ist eine korrespondierende Wellenform zu wählen, die, wie auch bei der LFO-Einheit, die Grundformen Sinus, Dreieck, Rechteck, Sägezahn und viele Zwischen- und Sonderformen einnehmen kann. Hervorzuheben ist die Schneeflocke, da hier der zuvor gewählte Wert eingefroren wird. Über das Wahlfenster links außen kannst du für alle Felder eine gemeinsame Wellenform bestimmen. Mit dem Phase-Regler stellst du letztendlich ein, an welcher Position der Verlauf der Welle starten soll. Auch hier kann der Zufall als Kreativfaktor miteinbezogen werden: ein Klick auf den Würfel und ein zufälliger Mix aus Wellenformen liegt vor.

Wir haben mit WOW2 ausgiebig gespielt und können sagen: WOW2 macht unglaublich Spaß. Nicht nur, dass aufgrund der umfangreichen Modulationssektion im Handumdrehen Klänge möglich werden, die manuell erstellt sehr viel Zeit kosten würden, auch das Zusammenspiel von Filter-Typen, Vowel-Mode und den verschiedenen Modulationsquellen sorgt schnell für neuartige Sounds, die sicherlich einige Produktionen in Zukunft prägen werden. Allerdings braucht es ein wenig Zeit und produktionstechnisches Verständnis, um den vollen Funktionsumfang der Software auszuschöpfen. Wer sofort loslegen und keine Einarbeitungszeit investieren will, wird dennoch seine Freude an WOW2 haben. Dank der üppigen Presets, die Sugar Bytes mitliefert, bekommt man schnell einen Eindruck, was hier möglich ist. Und ist die Spielfreude geweckt, lassen kreative Ergebnisse nicht lange auf sich warten.

Alles in allem ist WOW2 ein optisch ansprechendes und technisch ausgereiftes Tool für Musikproduktion und Sounddesign, das zudem durch hervorragende Audioqualität glänzt. Auch ohne konkreter Vorstellung vom finalen Klangergebnis lassen sich dank Spielfreude und Random-Funktionen beeindruckende Filterverläufe und neue, ungehörte Sounds realisieren. Der Kaufpreis von 99 Euro ist angesichts der umfangreichen Möglichkeiten durchaus gerechtfertigt. Und wer abseits seiner Produktionsumgebung nicht auf WOW2 verzichten will, kann sich ab sofort für 13,99 Euro auch die App für sein iPad holen.

Über die linke Leiste lassen sich im WOW2 verschiedene Presets anwählen.

Technische Daten

Windows XP oder neuer, 1 GHz, 512 MB RAM
Mac 10.4 oder neuer, 1 GHz, 512 MB RAM (Intel & PPC)
Bit-Architektur 32 & 64
Schnittstellen VST, AU, RTAS & AAX (ab Pro Tools 10.3.5)
Effekte 21 Filtertypen


Wertung:

+ tolle Klanginspiration
+ guter Sound
+ umfangreiche Modulationsmöglichkeiten
- erfordert tontechnisches Know-how

Klangbeispiele:

Drum-Loop Original:



Drum-Loop mit dem Preset „Backwards Filter Seq“:



Drum-Loop mit dem Preset „Bubblemaker“:



Drum-Loop mit dem Preset „Drums-Diablo“:



Drum-Loop mit dem Preset „Feed Me Breaks Comb Mod 1“:



Drum-Loop mit dem Preset „Redline“:



Drum-Loop mit dem Preset „Wobble Filter Special“:



Synth-Sample Original:



Synth-Sample mit dem Preset „Bass Sequence“:



Synth-Sample mit dem Preset „Dreamchamber“:



Synth-Sample mit dem Preset „Triggered Stutter ButtKick“:




Preis (UVP): 99 Euro

www.sugar-bytes.de

Vertrieb: Sugar Bytes







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