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Test: Steinberg Cubase 7.5

Mehr Features für mehr Übersicht

Octavian Rasinariu am 15.04.2014

Mehr Features für ...

Seit dem 4. Dezember ist das Update zum Steinberg-Schützling Cubase 7 erhältlich. Neben einer Aufwertung in Sachen Workflow bietet Cubase 7.5 zusätzlich eine Handvoll neuer Plug-Ins und andere nützliche Funktionen.

Zugegeben: Mehr Features für mehr Übersicht klingt ein wenig paradox. Dahinter verbirgt sich jedoch das unterschwellige Lob an Steinbergs Entwicklerteam für die intuitive Lösung eines altbekannten Problems der Musikproduktion: das Chaos auf dem Bildschirm. Abertausend Möglichkeiten in einer DAW sorgen schnell dafür, dass man im Laufe einer Session zwangsweise den Überblick verliert. Bereits Cubase 7 kam im Vergleich zum Vorgänger mit einer besser gestalteten Benutzeroberfläche.

Auch wenn mir Steinbergs Design schon immer gefiel, so wirkte noch Cubase 6.5 wie ein Regenbogen, der bei zu hoher Kontrasteinstellung des Monitors schnell für eine Reizüberflutung sorgte. Farben wurden in Version 7.5 deutlich sparsamer verwendet – sie dienen nun vor allem als Orientierungshilfe denn als Verzierung. Das Schneiden und Bearbeiten einzelner Events wird durch die neue automatische Transientenberechnung erleichtert. Aber auch der neue REVelation-Hall, das DJ-Tool Loop Mash FX, der wiedergeborene Magneto und viele weitere Werkzeuge lassen das aktuelle Cubase glänzen.

Spätestens an dem Punkt, an dem du dich in deinem werdenden Meisterwerk verlierst, musst du trotz übersichtlicher Oberflächenstruktur aufräumen. Cubase 7.5 bietet mit der neuen Spurenverwaltung sowie den Track-Versions eine interessante Reinemachoption. Diese durchdachte Funktion begeistert mich persönlich auch am meisten. Neue Synthies entwickeln ist Standard, eine Optimierung des Workflows durch solch eine einfache Möglichkeit war mir bis jetzt jedoch neu.

Dank Steinbergs innovativer Spurenverwaltung ist es mit nur einem Klick möglich, alle unnötigen Tracks unsichtbar zu machen. So kannst du dich genau auf die Bereiche konzentrieren, die du bearbeiten möchtest, ohne in der Zeile zu verrutschen. Auch Track-Version hat seine Vorzüge: Nimm mit diesem Gimmick in ein und derselben Spur schier unendlich viele Versionen deiner Vocals auf und vergleiche sie so miteinander. Klar, das ging vorher auch mit den Unterspuren, jedoch erleichtert Track-Version den Umgang nochmal ein Stückchen.

Der neue algorithmische REVelation Reverb findet sich auch in der Artist-Version.

Neue kreative Plug-Ins

Sie sind der Grund, wieso es sich eigentlich nicht einfach nur um ein Update handelt: REVelation Reverb, Loop Mash FX, Magneto 2 und Groove Agent SE 4. Diese vier Plug-Ins hauchen dem bereits bekannten Repertoire neues Leben ein. Besonders gut gefällt mir die Tatsache, dass der neue algorithmische Hall auch in der Artist-Version enthalten ist und so dessen Nutzern ebenfalls ein amtlicher Reverb zur Verfügung steht. Der RoomWorks SE, den es bisher immer als einzigen Hall-Effekt gab, war mir stets etwas zu schwach.

Loop Mash FX ist avantgardistisch konzipiert – über Read-and-Write ließ es sich bislang programmieren. Es sind Spielereien, die man oft in Dance-Musik hört, Cubase-Nutzer aber bisher umständlich umsetzen mussten: Loopen, Triggern, Reversen und viele Modulationen sind nun sowohl mit Audio als auch mit MIDI so simpel wie noch nie. Einfach die Automation einschalten, die gewünschten Tasten drücken und der Effekt ist im Kasten. Magneto 2 hingegen stellt die nostalgische Auferstehung der analogen Bandsättigung dar. So schlicht wie wirkungsvoll beherbergt dieser Effekt einen authentischen Tape-Sound – die Aufnahmen klingen regelrecht heißgepresst.

Zusätzlich zum Sampler Groove Agent One stellt dir Steinberg jetzt auch den umfangreicheren Groove Agent SE4 zur Verfügung. Dadurch erhältst du neben mehr Bearbeitungsmöglichkeiten auch groovende, vorprogrammierte Drumpatterns. Ich muss zwar gestehen, dass ich normalerweise mit Schlagzeug-Softwares von Drittanbietern arbeite, da diese für meinen Geschmack mehr auf die Zwölf gehen, bin jedoch vor allem von den kreativen Patterns mitsamt ihren Sounds angetan – die werden sich wohl ab jetzt häufiger in meinen Produktionen finden.

Der Halion Sonic SE wurde mit einer hübschen Zwei am Ende versehen und liefert dir frische Sounds für die Klangerzeugung. Bei mir ist der Synthie allerdings nur selten im Einsatz. Aber für den musikalischen Anfang und auch zur netten Ausschmückung diverser Arrangements ist der SE 2, wie auch sein Vorgänger, bestens geeignet.

Die DJ-Effekte des LoopMash FX programmrierst du über Read & Write.

Kleine Updates sind feine Updates

Wieder an Bord ist Instrument (T)Rack– diesmal in Version 2.0. Angenommen es befinden sich in deinem Projekt fünf Synthies, bei denen du jeweils die Attack-Zeit verkürzen möchtest: Anstatt jeden der Klangerzeuger einzeln zu öffnen, kannst du im Instrument (T)Rack ausgewählte Quick-Controlls direkt untereinander bearbeiten. Während du im oberen Bereich die Instrumentenspuren kontrollierst, kannst du darunter alle MIDI-Spuren verwalten. Ein nettes Gimmick, das viel Zeit spart.

Die neue automatische Transientenberechnung erlaubt es dir, noch einfacher mit Hitpoints zu arbeiten, da Cubase 7.5 diese sofort nach Erstellung der Audiodatei erzeugt. Der Threshold wird dabei automatisch eingestellt, sodass du sofort Events erzeugen beziehungsweise zwischen den Punkten skippen kannst. Für Freunde der klassischen Notation hat Steinberg im Noten-Editor zusätzliche MIDI-Bearbeitungstools integriert. Nun kannst du Transposition, Quantisierung, Längenbearbeitung und dergleichen direkt auf dem virtuellen Notenblatt vollziehen und musst nicht mehr zwischen den Editoren wechseln.

Für eine Workflow-Optimierung bis zum äußersten Limit sorgt die neuartige Re-Record-Funktion, die sofort erneut aufnimmt, sollten sich Fehler einschleichen. Anstatt die Aufnahme abzubrechen und von Neuem zu starten, klickst du einfach auf den Record-Button, der nun ein wenig anders aussehen sollte, und gelangst sofort zurück zur gleichen Startposition mit dem gleichen Vorzähler und den gleichen Metronomeinstellungen.

Die große Innovation der siebten Cubase-Ausgabe hieß VST Connect SE. Über das Internet eine Studiosession in der DAW durchzuführen machte eine globale Zusammenarbeit sehr attraktiv. Das Upgrade in der Version 7.5 ermöglicht nun auch den Transfer von MIDI-Daten, sodass keine Wünsche mehr offen bleiben. Nimm dir allerdings für diese Funktion ausreichend Zeit: Es gibt viele Werkseinstellungen, die vorher durchgeführt werden müssen, bevor die Verbindung problemlos funktioniert.

VST Connect SE ermöglicht seit Cubase 7.5 auch MIDI-Datentransfer.

Rund ums Programm

Leider war die Auflösung des fast sechshundert Euro teuren Programms zu niedrig für ein Retina-Display. Man gewöhnt sich mit der Zeit an die dezente Unschärfe, trotzdem hätte hier eine angepasste Auflösung nicht geschadet. Gerade beim neu designten Mischpult seit Cubase 7 sind die teils sowieso schon klein geratenen Regler samt ihrer Aufschrift schwer zu erkennen. Auf weniger hochauflösenden Bildschirmen besteht diese Gefahr nicht.

Ein wenig nervig ist die nicht nachvollziehbare verzögerte Reaktion auf den Mauszeiger. Gerade beim Skalieren des Projektes über die Timeline greift das Programm mal sofort, mal erst nachdem ich mit meinem Cursor ein gutes Stück zurückgelegt habe ein. Ebenso reagieren bestimmte Buttons mal zu sensibel, mal erst beim zweiten oder dritten Klick. Ein Fehler, der sich glücklicherweise nur selten einschleicht.

Zusätzlich sollte dein Bildschirm die Mindestmaße 1.280 x 800 Pixel aufweisen, da ansonsten gewisse Features abgeschnitten werden. Hier wäre beispielsweise eine Scroll-Funktion sinnvoll. Sollte dein Display trotzdem zu klein sein, kannst du oben in der Navigationsleiste einfach via Rechtsklick die platzraubenden Elemente ein- und ausblenden.

Magneto II bringt die analoge Bandsättigung in deine DAW.

Upgraden pur

Die unverbindliche Preisempfehlung bleibt auch bei Cubase 7.5 unverändert. Während du dir die Vollversion mit allen obengenannten neuen Features für anständige 599 Euro zulegen kannst, bekommst du die Artist-Version bereits für 299 Euro und den kleinen Bruder, Cubase Elements, sogar schon für 99 Euro. Beachte bitte, gerade wenn du Schüler oder Student bist, den Preisnachlass für die Education-Varianten von satten 50 %. Das erleichtert den Einstieg in die Musikproduktion deutlich.

Steinbergs Upgrade von Cubase 7 und Cubase Artist 7 auf die aktuelle Version kostet jeweils nur 49,99 Euro. Elements hingegen wurde nicht aufgerüstet. Das, wie ich finde, für Songwriter mehr als ausreichende Artist-Paket bietet alleine schon sehr viele der neuen Features. In den umfassenden Genuss der DAW kommst du aber nur mit der Vollversion.

Ein Hinweis für Einsteiger: Jeder Produzent hat seine Lieblings-DAW. Das ist meist das Produkt, für das man sich als erstes entscheidet. Ein Vergleich mit Mitbewerbern fällt deshalb so gut wie immer subjektiv aus, da jedes Programm seine Vor- und Nachteile hat. Cubase für seinen Teil ist inzwischen so komplex, dass gerade Beginner nicht gleich den vollen Überblick haben. In diesem Test konnte ich daher auch nur einige neue Features anschneiden – der Rest liegt bei dir. Starte vielleicht am besten simpel mit der Elements-Version und arbeite dich dann langsam hoch. So ist garantiert, dass du schrittweise immer tiefer in die Materie eintauchen kannst.

Gerade in puncto Übersichtlichkeit hat Steinberg in der Version 7.5 ordentlich zugelegt, aber auch die vielen wertvollen Plug-Ins rüsten das Musikprogramm wesentlich auf. Im Bereich der Klangqualität der integrierten Synthesizer würde ich mir noch Verbesserungen wünschen, jedoch ist das Gesamtpaket für den Preis auch so schon mehr als nur lohnenswert. Vielleicht bringt das Hamburger Unternehmen ja noch einen Bugfixer raus, mit dem sich die oben erwähnten Versionsprobleme beseitigen lassen.

Der Groove Agent SE4 bietet dir noch mehr Bearbeitungsmöglichkeiten.

Technische Daten

Arbeitsspeicher   2 GB RAM
benötigter Speicherplatz   8 GB
Betriebssysteme

Mac OS X (10.8 und 10.9, Intel Core Duo) & Windows (7 und 8, Intel oder AMD Dual Core)

Plug-In-Schnittstellen VST 3, VST 2.4 & Rewire (32/64 Bit)
max. Audio-Tracks
max. MIDI-Tracks

max. Instrumenten-Tracks

max. Gruppenspuren   

256

max. physikalischer I/O

256

max. Video-Tracks

1


Wertung:
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ übersichtlich
+ optimierter Workflow
+ neue wirkungsvolle Plug-Ins
+ REVelation-Hall nun auch für die Artist-Version
- vereinzelte Softwarefehler

Preis (UVP): 599 Euro

Weitere Infos unter: www.steinberg.net

Vertrieb: Steinberg







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