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Test: SPL Crimson

Alles auf dem Desktop

Marco Sulek am 10.03.2014

Alles auf dem ...

Wenn SPL ein Produkt launcht, dann nur ein perfekt durchdachtest. Mit viel Liebe zum Detail und ordentlich Hirnschmalz beschreitet die deutsche Audio-Equipment-Schmiede nun einen weiteren Weg: die der Desktop-Audio-Interfaces. Wir hatten das Ergebnis dieser Idee, das Crimson, im Test.

SPL ist bei Musikern und Tontechnikern für seine Produkte hoch angesehen. Viele davon stellen Speziallösungen dar, die es in dieser Form von keinem anderen Hersteller gibt. Doch auch relativ konventionelles Equipment bestückt SPL mit exotisch anmutenden Features und Funktionen. So zum Beispiel den neuesten Output: Das Crimson stellt nicht einfach irgendein Audio-Interface dar, es ist darüber hinaus ein umfangreicher Monitor-Controller.

Halt mal! Wie jetzt, SPL macht auch Interfaces? Ja, und das Crimson ist nicht mal das erste: Auf der Musikmesse 2013 stellte der Hersteller zeitgleich das Madison vor. Das 16x16-kanalige, eine Höheneinheit messende MADI-Interface ist bereits seit Herbst 2013 auf dem Markt. Endlich erhältlich, wagt SPL mit dem Crimson nun den Sprung vom Rack auf den Desktop. Der aktuelle Trend verlangt dabei nach Equipment, das möglichst leicht zu bedienen ist und viele Funktionen in einem Gerät vereint. Genau das bietet das Crimson – doch dazu weiter unten mehr.

Versehen mit einem stabilen Gehäuse aus Stahlblech ist die innere Elektronik des Crimson optimal geschützt. Vier Gummifüßchen sorgen an der Unterseite für einen rutschfesten Halt und entkoppeln das Interface gewissermaßen von der Auflagefläche. Etwas ungewöhnlich ist die Größe: Mit 330 mm ist der Crimson ungefähr so breit wie ein 13-Zoll-Laptop. Das macht es jedoch sehr übersichtlich. Vor allem durch seine dunkle Farbgebung sowie dem oben zentrierten SPL-Logo wirkt es schlicht und edel. Dabei hat der Hersteller komplett auf unnötigen Schnickschnack verzichtet.

Besonderes Augenmerk verdienen die insgesamt acht Potis: Sie sind fest mit dem Gehäuse verschraubt und die Drehknöpfe bestehen aus Metall – das verspricht Langlebigkeit. Die schwarzen Potikappen selbst haben zwei Schichten: Für die Hüllen wurde Aluminium verwendet, die Einsätze hingegen sind aus hartem Kunststoff. Weder unter den Potikappen noch durch die vielen Buchsen ist es möglich, in das Innere zu blicken. So gehört es sich auch, denn andernfalls könnte Staub oder Feuchtigkeit eindringen und zu unliebsamen Überraschungen führen.

Das verspricht Langlebigkeit: Die Drehknöpfe der Potis sind mit dem Gehäuse verschraubt und bestehen aus Metall.

Computer im Anhang

Um das Crimson mit einem Rechner zu verbinden, steht auf der Rückseite eine USB-Buchse bereit. Hierrüber sendet und empfängt es bis zu 6x6 Kanäle plus MIDI-Daten gleichzeitig. Die maximale Samplerate beträgt dabei bis zu 192 kHz zu 24 Bit. Da die USB-2.0-Schnittstelle die Daten mit einer Übertragungsrate von maximal 480 Mbit pro Sekunde weitergibt, bietet es mehr als genug Headroom. Es besteht also nicht die Gefahr, Computer oder Interface – bedingt durch hohe Recording-Ansprüche – zu überfordern.

Signale schickt das Crimson von seinen vier analogen Eingangskanälen zum Rechner. Hinzu kommen zwei digitale Signale, die via S/PDIF übertragen werden. Andersherum empfängt es sechs Kanäle, wovon ebenfalls vier als analoge Signale und zwei an der S/PDIF-Schnittstelle anliegen. Über die beiden DAW-Return-Buttons wählt man, ob der Stereo-Kanal „1/2“, „3/4“ oder beide parallel wiedergegeben werden sollen. Demnach muss mindestens einer der beiden Schalter gedrückt sein, um etwas zu hören.

Wurden beide DAW-Return-Schalter gedrückt, ertönen im Fall von zwei anliegenden Stereo-Signalen beide gleichzeitig. Das ist praktisch, um sich Gruppen beim Mixen zu bauen: Liegen etwa auf „1/2“ die Drums und auf „3/4“ die restlichen Instrumente, kann man eine Signalgruppe muten, ohne in der DAW etwas zu verstellen. Gerade für das Mischen des Schlagzeugs ist das interessant. Dafür muss man allerdings die Ausgänge im Sequencer entsprechend zuweisen.

LED-Ampeln sorgen für eine optische Kontrolle. Sobald das Crimson betriebsbereit ist, leuchtet die rote Power-LED. Gleich darunter befindet sich die Host-LED. Diese glimmt orange, wenn das Interface mit einem Computer kommuniziert. Schließlich ist noch eine MIDI-LED angebracht, die beim Empfang von MIDI-Daten über die rückseitige 5-pol-DIN-Buchse grün brennt. Auch für die vier Eingangssignale existieren LED-Ampeln: „Signal“ zeigt ein Pegel von -42 dB an, die mittlere LED -6 dB und „Overload“ das Übersteuern des A/D-Wandlers – letztere sollt für eine verzerrungsfreie Aufnahme nie rot leuchten.

Um die Pegel im Überblick zu behalten, sind als optische Hilfsmittel LEDs in Ampelfarben angebracht.

Signalvielfalt

Vier analoge Eingänge sind mit dem Crimson zeitgleich nutzbar. Insgesamt stehen zwei XLR-, zwei hochohmige Instrument- und vier symmetrische Line-Buchsen bereit. Dabei sind „1“ und „2“ für Mikrofon- sowie „3“ und „4“ für Instrumentensignale vorgesehen. Stattdessen lassen sich auch nur die Line-Eingänge oder eine Mischung daraus belegen. Das Interface erkennt automatisch, was angeschossen wurde und priorisiert die Quellen entsprechend: Line hat vor XLR Vorrang und Instrument wird Line vorgezogen.

Um XLR- und Instrument-Signale auf Arbeitspegel zu kriegen, steht pro Kanal ein Gain-Poti bereit. Allerdings gibt es Unterschiede: Mic-Gain bietet einen Regelbereich von +7 bis +60 dB, wohingegen sich Instrumentensignale von -6 bis +31 dB einpegeln lassen. Den Pegel der Line-Eingänge dagegen kann man nicht beeinflussen; das Crimson wandelt eins zu eins, was anliegt. Damit sich auch Kondensatormikrofone betreiben lassen, bieten die Eingänge „1“ und „2“ je einen Schalter für 48 Volt Phantomspeisung. Außerdem stellen diese einen Lowcut bereit, der bei Bedarf rumpelnde Signale bei 75 Hz mit einer Flankensteilheit von 6 dB pro Oktave abschneidet.

Wie an einem waschechten Monitor-Controller lassen sich am Crimson diverse Quellen anschließen. So bietet es auf der Rückseite zusätzliche Stereo-Eingänge im Line-, Cinch- und Miniklinken-Format. Diese Eingangssignale sind jedoch nur zum Abhören gedacht und werden nicht via USB zum Rechner geschickt. Über vier DIM-Schalter an der Unterseite lassen sich die Signale von Cinch (1/2) und Miniklinke (3/4) anpassen. Standardmäßig ist die Verstärkung von 15 dB aktiviert. Um sie abzuschalten, muss der jeweilige Schalter auf „On“ zeigen. Zudem steht für jeden Input ein sogenannter Sources-Schalter bereit, der die Signale auf Wunsch auf die Speaker- und Kopfhörer-Ausgänge legt.

So lässt sich das Crimson auch ohne Computer nutzen: Einfach mehrere Signalquellen anschließen sowie je nach Bedarf hin- und herschalten. Wozu also noch einen separaten Monitor-Controller anschaffen? Übrigens: Über die USB-Buchse lässt sich nicht nur ein Rechner, sondern sogar ein iPad oder iPhone anschließen. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man das Crimson eben nur als Monitor-Controller oder Kopfhörerverstärker nutzen möchte. Dazu benötigt man zusätzlich das separat erhältliche Camera Connection Kit von Apple – entweder als 25-Pin oder als Lightning-Adapter.

Die praktischen Routing-Schalter leuchten rot, wenn sie gedrückt wurden.

Quellenverwaltung

Auf der Rückseite des Crimson gibt es zwei Anschlüsse für Studiolautsprecher. Das erste Pärchen „Speaker A“ lässt sich über XLR anschließen, wohingegen für „Speaker B“ symmetrische Line-Buchsen bereitstehen. Über den Schalter „A to B“ kann man wählen, über welchen der beiden angeschlossenen Lautsprecher man abhören möchte. Damit beide Abhören auch den gleichen Pegel wiedergeben, lassen sich die Line-Outputs von „Speaker B“ kalibrieren: Neben der jeweiligen Buchse findet sich ein zehnstufiger Trimmer, über den das Signal jeweils um ±5 dB verstellbar ist.

Ein Dim-Schalter sorgt bei Bedarf für die Absenkung des Signals auf den Speaker-Ausgängen. Ist er gedrückt, wird der Pegel um 20 dB reduziert. Neben den DAW-Returns lässt sich auch das S/PDIF-In-Signal abhören. Dazu muss man einfach nur den Digital-In-Schalter drücken – und schon verstummt das Return-Signal und der digitale Eingang erklingt. Diese Funktion lässt sich zum Beispiel dafür nutzen, um den S/PDIF-Input zu kontrollieren oder über eine andere Quelle den eigenen Mix mit einem anderen zu vergleichen.

SPLs Crimson verfügt über zwei Kopfhörerausgänge, die separat regelbar sind. Diese geben normalerweise das gleiche Signal wieder. Im sogenannten Artist-Mode lassen sich auf beide jedoch unterschiedliche Signale legen: „Phones 1“ erhält so das Return-Signal „1/2“ und über die DAW-Return-Buttons bestimmt man, was der Musiker hören soll. Das ist sehr praktisch, denn so kann man als Tonkutscher in Seelenruhe in der DAW rumschrauben, ohne den Künstler in seiner Performance zu stören. Um das zu ermöglichen, ist es jedoch nötig, in der DAW einen Pre-Fader-Mix zu erstellen und diesen über das Output-Routing „3/4“ zu verschicken.

Der Monitor-Mix-Regler erlaubt das stufenlose Hin- und Herschalten von den analogen Eingängen zu DAW, Source und S/PDIF. Dadurch ist Direct-Monitoring möglich, wenn etwa rechnerbedingte Latenzen das Einspielen in Echtzeit erschweren. Im Artist-Mode verwaltet das Monitor-Mix-Poti allerdings nur die Signale von „Phones 2“ und „Speaker B“. Bei letzterem macht das Sinn, wenn daran beispielsweise ein Kopfhörerverstärker hängt, um mehrere Musiker mit dem Direktsignal zu versorgen. Entsprechend sollte dann in der DAW die Spur, auf der gerade aufgezeichnet wird, für den Musiker stumm geschaltet werden.

Vier DIP-Schalter an der Unterseite ermöglichen es, den Eingangspegel der Cinch-Ins und der Miniklinkenbuchse anzupassen.

Professionell arbeiten

Als wäre das alles nicht genug, bietet das Crimson noch eine Talkback-Funktion. Allerdings ist weder ein Mikrofon integriert noch ein separater XLR-Eingang vorzufinden. Um ein Talkback-Mikro anzuschließen, wird also entweder ein externer Vorverstärker benötigt oder man muss tricksen (mehr dazu in unserer Bilderstrecke weiter unten). Über den linken Source-Line-Eingang, auch mit „Talk“ beschriftet, lässt sich das vorverstärkte Signal einführen. Damit der Musiker etwas hört, muss der Artist-Mode aktiviert sein. Nun kann man über den Talk-Schalter das Signal auf „Phones 2“ und „Speaker B“ schicken. Parallel dimmt das Crimson „Speaker A“ um 20 dB.

SPL hat beim Crimson aber auch bewusst auf einige Dinge verzichtet, wodurch es zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten werden kann. Dazu gehören unter anderem, dass dem Interface kein USB-Kabel beiliegt, es über kein internes Netzteil verfügt sowie kein Netzschalter angebracht ist. Und mal Hand aufs Herz: Braucht es das alles unbedingt? USB-Kabel haben die meisten sowieso irgendwo rumliegen und auf einen Power-Switch kann man verzichten, wenn man sein Audio-Equipment über eine Steckerleiste mit Netzschalter betreibt.

Das Crimson ist mit diversem Equipment erweiterbar und zu ergänzen. Beispielsweise lässt sich die S/PDIF-Schnittstelle nutzen, um Mikrofonvorverstärker anzuschließen. Etwa ein Channel One mit A/D-Converter. Oder doch lieber gleich zwei? Außerdem kann man den Artist-Mode zweckentfremden, um Hardware zu insertieren. Da sich über die symmetrischen Line-Ausgänge die Signale „3“ und „4“ ausgeben lassen, kann man hieran beispielsweise einen Charisma oder Tube Vitalizer anschließen und die „sterile DAW-Mischung“ mit Röhrensound aufpeppen – und das alles, ohne die Pegel am Crimson anpassen zu müssen. Allerdings sollte man dabei auf die Latenz von Aus- zu Eingang achten.

Mit dem Crimson lässt sich die von SPL gewohnte hohe Audioqualität direkt auf den Rechner bannen; der Sound ist nicht von schlechten Eltern. Besonders bei den XLR-Eingängen hat der Hersteller auf diskret aufgebaute Mikrofonvorverstärker Wert gelegt, die für hochwertige Signale sorgen. Auch anderweitig ist das Crimson beispielhaft: Nichts knackst, nichts kratzt, nichts rauscht. Im Verbund mit der tadellosen Verarbeitung bedeutet das: Jahrelang bester Klang.

An der Rückseite des SPL Crimson befinden sich alle Anschlüsse – bis auf die beiden Kopfhörer- und Instrumenten-Buchsen.

Technische Daten

Eingänge

2x XLR, 4x TRS, 2x Instrument, 2x Source-Line, 2x Stereo-Cinch, Stereo-Miniklinke, MIDI & S/PDIF

Ausgänge Speaker A & B (XLR, stereo), MIDI, S/PDIF & 2x Phones
Weitere Anschlüsse USB 2.0 & 12-V-Netzbuchse
Regler 4x Gain, 2x Phone, Monitor-Mix & Volume
Sample-Rate 44,1 bis 192 kHz bei 24 Bit
Mikrofonvorverstärkung

52 dB (0,003 % THD bei 1 kHz, 30 dB Gain)

Highpass

80 Hz, 6 dB/Okt.

Frequenzgang 10 Hz bis 200 kHz
Maße (HxBxT)

60 x 330 x 207 mm

Gewicht 2,7 kg


Wertung:
+ optisch ansprechend
+ hochwertige Verarbeitung
+ gute Vorverstärker
+ praktische Signalverwaltung
+ viele Anschlussmöglichkeiten
+ zwei Kopfhörerausgänge mit separater Regelung
+ Talkback-Funktion

Preis (UVP): 549 Euro

Weitere Infos unter: www.spl.info

Vertrieb: SPL







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