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Test: Softube Console 1

SSL für Jedermann

Felix Haala am 16.07.2014

SSL für Jedermann

Musiker sowie Tontechniker träumen vom großen Studio mit einer riesigen Analog-Konsole und dem dazugehörigen charakteristischen Klang. Softube bringt nun mit der Console 1 sowohl den Workflow als auch den Sound einer SSL in kleinere Studios – und das zum unschlagbaren Preis. Wie die Console 1 funktioniert und was sie leistet, erfährst du im folgenden Test.

Es klingt wie der Traum eines jeden Tontechnikers: die eigene SSL im eigenen Studio. In Anbetracht des Preises, der Betriebs- und Wartungskosten sowie der Größe eines solchen Mischpults bleibt es für die meisten Soundtüftler allerdings nur ein Traum. Softube möchte das jetzt mit der Console 1 ändern – auf digitalem Wege. Und genau hierbei hat die Plug-In-Schmiede auch schon reichlich Erfahrung: Hochwertige Simulationen von analogem Audioequipment und sogar virtuelle Gitarrenamps gehen auf das Konto der Schweden.

Der Ansatz ist denkbar einfach: Man nimmt den Channel einer SSL 4000 E und baut ihn als natives Plug-In nach – inklusive Filter, EQs, Dynamics, verschiedene Schaltungsmöglichkeiten und natürlich charakteristischem Klang. Dazu würzt man das Ganze mit ein paar eigenen Features wie dem Transient-Shaper oder einer Wet/Dry-Regelung am Kompressor. Schon lässt sich innerhalb der DAW eine SSL mit beliebig vielen Kanälen nachbauen – bis der Rechner an seine Leistungsgrenze stößt. Nur am direkten Zugriff auf die einzelnen Parameter, wie man das von einer Analogkonsole gewohnt ist, hakt es noch.

Hier kommt der Plug-In-Controller der Console 1 ins Spiel. Auch dieser ist in Aufbau und Anordnung einem SSL-4000-E-Kanalzug nachempfunden – aber horizontal umgesetzt. Um direkten Zugriff auf die einzelnen Kanäle zu bekommen, hat der Hersteller 20 Schnellwahlknöpfe vorgesehen. Die Kanäle 21 bis 40 erreicht man so über gedrückte Shift-Taste fast genauso schnell. Wer mit mehr als 40 Spuren arbeiten möchte, kann mittels Page-Down und Page-Up jeweils 20 Kanäle weiterspringen.

Doch woher weiß man, welche Einstellungen im jeweiligen Channel vorgenommen wurden und welcher Kanal gerade angewählt ist? Zum einen beherbergt die Oberfläche der Console 1 diverse LEDs, die Aufschluss über In- und Out-Pegel, Encoderstellung und gewählten Kanal beziehungsweise Funktionen geben. Zum anderen steht ein On-Screen-Display für die Workstation bereit. Idealerweise auf einem eigenen Bildschirm abgelegt, gibt dieses detailliert Auskunft über sämtliche Plug-In-Einstellungen, zeigt die Kanalbeschriftungen und informiert über die aktuellen Pegel.

Schaltzentrale: Die Bedienelemente der Console 1 geben direkten Zugriff auf alle Parameter des Plug-Ins.

In der Praxis

Gut gepolstert mit Schaumstoff kommt die Console 1 im einfachen Karton. Außerdem liegen im Lieferumfang ein etwa 80 cm langes USB-Kabel und eine Schnellstartanleitung samt Code bei. Die Software gibt es, wie mittlerweile oftmals üblich, nur über die Website des Herstellers. Dort kann man sich auch die nötige Lizenz zu seinem iLok-Account transferieren lassen. Das heißt: Internetverbindung und Registrierung bei Softube beziehungsweise iLok sind Pflicht. Einen Dongle benötigt man allerdings nicht zwingend, da sich die iLok-Lizenzen mittlerweile auch auf USB-Sticks oder den Rechner schreiben lassen.

Auf dem Tisch macht sich die Console 1 recht schick und erinnert durch das massive, grau lackierte Metallgehäuse und die gelben beziehungsweise roten Lämpchen an das britische Idol. Die restliche Oberfläche sowie sämtliche Bedienelemente bestehen aus hochwertigem Kunststoff. Die 26 ungerasteten Encoder sitzen fest und bieten ordentlich Zug beim Drehen. Auch die 40 Taster sitzen bombenfest und haben einen angenehmen Druckpunkt. Das alles lässt auf eine lange Lebenszeit der Console 1 schließen – super!

Wir packen also die nötige Software auf unseren Rechner, übertragen die Lizenz auf unseren iLok und verbinden die Console 1 per USB mit der Workstation. Anschließend starten wir die DAW und müssen uns um nichts weiter kümmern. Da die Console 1 kein DAW- oder MIDI-Controller ist, sondern direkt mit dem Plug-In kommuniziert, entfällt eine weitere Konfiguration. Jetzt muss man etwas mitdenken und es braucht auch einige Versuche, um einen optimalen Workflow zu finden.

Nach etwas Tüfteln stellt sich heraus, dass es sinnvoll ist, das Plug-In in jeden Kanal der Session zu insertieren. Nach anschließender Beschriftung hat man am On-Screen-Display ein perfekt beschriftetes „Mischpult“ vor sich und muss gar nicht mehr in die DAW schauen. Dabei sind aber einige Dinge zu beachten: Hat man innerhalb einer Session nur gleichartige Tracks (mono oder stereo), kann man die Plug-Ins in Pro Tools bequem per „Alt-Click“ automatisch in jeden Kanal einfügen lassen. Bei verschiedenartigen Tracks klappt das nicht und man findet sich schnell im Chaos wieder. Dann heißt es, jeden Kanal von Hand der Reihe nach mit dem Plug-In versehen.

Durchblick: Auf dem On-Screen-Display sind alle wichtigen Informationen sofort ersichtlich – die Parameter lassen sich hier allerdings nicht beeinflussen.

Das Handling

Auch die Beschriftung nimmt einige Zeit in Anspruch. Kurz gesagt: DAW-Kanal beschriften, Plug-In öffnen, auf den Namen klicken und das sich öffnende Beschriftungsfeld anwählen – erst jetzt kann man per Tastatur den Namen vergeben. Das nimmt bei größeren Sessions einige Zeit in Anspruch. Am Ende wird man aber mit einem quasi beliebig skalierbaren „Pult“ mit analogem Sound und Total-Recall belohnt. Für eine schnelle Arbeitsweise empfiehlt es sich daher, eine feste Preset-Session anzulegen. Alternativ kann man sich auch fertig konfigurierte Aux-Kanäle für den Mix vorbereiten, in die die Kanäle aus dem Recording geroutet werden.

Im Idealfall begrenzt man sich übrigens auf die Verwendung des Stereo-Plug-Ins – auch bei Mono-Tracks. Aus einem einfachen Grund: Das Panorama an der Control 1 funktioniert logischerweise nur, wenn das Plug-In in der Stereo-Variante läuft. Anschließend ist es wirklich nicht mehr nötig, ein Poti oder einen Fader in der DAW mit der Maus zu bedienen, da sich alle Parameter mittels Console 1 steuern lassen. Übrigens: Sämtliche Parameter der Plug-Ins lassen sich direkt über die Encoder automatisieren, ohne frickelige Mausarbeit.

Am On-Screen-Display findet man alle Einstellungsmöglichkeiten noch einmal visuell aufbereitet – deutlich detaillierter als auf der Console 1 selbst. So lässt sich ein optimales Gain-Staging mit den In- und Output-Reglern sowie den zugehörigen Metern realisieren. Dazwischen findet man bei der Console 1 alles, was man von der SSL 4000 E kennt und lieben gelernt hat: Filter, Gate, EQ, Kompressor und Drive/Character-Regelung. Letztere prägt den Sound maßgeblich, da sie die Sättigung der Originalkonsole simuliert.

Einige Abwandlungen hat Softube aber dann doch vorgenommen: So gibt es beim Gate kein Attack, dafür aber ein Transient-Shaper. Dieser beeinflusst gerade bei perkussiven Signalen den Punch und das Ausklingverhalten. Mit „Gate Hard“ lässt sich wählen, ob das Gate komplett schließt oder das leise Signal nur abgeschwächt wird. Die LF- und HF-EQs lassen sich zusätzlich als Filter verwenden. In die Dynamikbearbeitung wurde auch noch ein Parallel-Regler integriert. Dieser erlaubt umfangreiche Dynamik- und Klangeingriffe mittels Parallelkompression, ohne umständliches Duplizieren von Kanälen.

Parallelkompression: Mit dem Regler „Parallel“ lässt sich das komprimierte Signal dem unkomprimierten hinzumischen.

Möglichkeiten über Möglichkeiten

Natürlich lassen sich die Prozessoreinheiten auch in ihrer Reihenfolge vertauschen, wie man das vom Original kennt. Zusätzlich bietet das Plug-In die Option, ein externes Signal in den Steuerweg einzuschleifen, was bei vielen anderen Herstellern oft wünschenswert ist. Die Solo- und Mute-Tasten funktionieren übrigens auch Plug-In-intern und verändern nichts an den DAW-Einstellungen. Ein Solo-Safe-Schalten sowie die Parametersteuerung über die Maus lassen sich ebenso über die Plug-In-Oberfläche realisieren. Bei der minimalistischen und kleinen Darstellung sollte man davon allerdings weitestgehend absehen.

Um beim Arbeiten mit der Console 1 effizient voranzukommen und nicht den Überblick zu verlieren, sollte man sich eines immer wieder vor Augen führen: Das Konzept besteht aus drei Komponenten – dem Plug-In für die Kanalzuweisung und die eigentliche Klangbearbeitung beziehungsweise das Processing, dem On-Screen-Display, um ein detailliertes visuelles Feedback zu den Einstellungen zu erhalten, und dem Hardwarecontroller, der die einfache Bedienung der Parameter ermöglicht.

Sollten die Encoder einmal nicht hoch genug auflösen, lässt sich bei gedrückter Shift-Taste auch ein Fine-Tuning des jeweiligen Parameters durchführen. Neben allen diesen Funktionen gibt es noch die Möglichkeit, einzelne Plug-In-Presets abzuspeichern oder auf andere Kanäle zu übertragen. Interessanterweise lassen sich als EQ und Kompressor auch andere Plug-Ins von Softube einbinden. Über kurz oder lang wird es wohl auch noch weitere Channel-Strips für die Console 1 geben – wobei abzuwarten bleibt, wie gut sich diese in das Bedienkonzept integrieren lassen.

Unterm Strich kann man sagen, dass die Console 1 unüberschaubar viele Features bietet und man nicht jedem einzelnen in solch einem Test gerecht werden kann. Beim Probehören und Vergleich spielte die SSL-Simulation soundmäßig auf alle Fälle in der hohen Liga der Konkurrenz, war aber durch Extrafeatures flexibler. Auch wenn sich der Überblick zwischen den einzelnen Elementen der Console 1 nur mit einer Portion Organisationsgeschick wahren lässt: Den Workflow, so nah an einer Analogkonsole sowie die zusätzlichen Bearbeitungsmöglichkeiten findet man zu diesem Preis nirgends.

Show-Knobs: Die editierbare Version des Plug-Ins ist nur für schnelle Eingriffe zu empfehlen.

Technische Daten

Bauweise   DAW-Controller mit Software und Extras
Anschlüsse

USB

Regler & Schalter

26 Encoder & 40 Buttons

Besonderheit analoger Workflow im SSL-Style
Software SSL Channel Strip & On-Screen-Display
Lieferumfang

Console 1, USB Kabel & Schnellstartanleitung


Wertung:
+ solide Verarbeitung
+ hervorragender Sound
+ analoger Workflow
+ für Erweiterungen gerüstet
- Organisation des Plug-Ins stellenweise umständlich
- völliger Verzicht auf den Bildschirm nicht möglich

Preis (UVP): 839 Euro

Weitere Infos unter: www.softube.com

Vertrieb: Audiowerk







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