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Test: Shure SM27

Multifunktionell

Octavian Rasinariu am 17.04.2014

Multifunktionell

Großmembrankondenser gelten als relativ sensibel. Aus der Reihe tanzt jedoch Shures SM27: Es liefert den präzisen Sound eines hochwertigen Studiomikrofons, ist aber zugleich solide genug für die Bühne. Wir hatten es im Test.

Seit 2010 befindet sich das Shure SM27 auf dem Markt. Der Großmembraner in Schwarz-Metallic kommt in einem großzügigen Kunstleder-Softbag mit Schaumstoff-Innenfutter. Er bietet zwei Schalter auf der Rückseite: Rechts ist eine 15-dB-Vordämpfung integriert. Damit gehst du gegen hohe Schalldruckpegel vor, die zum Beispiel durch zu laute Schallquellen vor dem Mikrofon entstehen und das Interface oder das Mischpult übersteuern können.

Der rechte Switch ist dreistufig und steuert unterschiedliche Hochpassschaltungen an: In linearer Stellung – symbolisiert durch einen horizontalen Strich – bleibt der Frequenzgang unberührt. Auf Mittelstellung schreitet ein steilflankiger Lowcut bei 80 Hz um 18 dB pro Oktave ein. Er dient vor allem dazu, tieffrequente Störgeräusche auszublenden. Möchtest du die Bässe nicht gänzlich abschneiden, obwohl sie dir zu präsent sind, schalte einfach ganz nach rechts – der Rolloff unterdrückt dann Frequenzen unterhalb von 115 Hz um 6 dB pro Oktave.

Mit dem Rolloff kannst du beispielsweise auch einer ungewollten Bassanhebung (hervorgerufen durch den Nahbesprechungseffekt) entgegenwirken oder aber jene tiefen Frequenzen im Zaum halten, die Instrumente dumpf oder unsauber klingen lassen. Der Mikrofonkorb besteht aus drei separaten Schichten. Dadurch verringert das SM27 von selbst zu einem gewissen Grad störende Atem- und Windgeräusche. Allerdings solltest du trotzdem nicht auf einen Popschutz verzichten – gerade wenn du einen Sänger aufnehmen möchtest.

Um im Studio oder auf der Bühne nicht Schall von allen Seiten einzufangen, kommt das Shure SM27 mit der Richtcharakteristik Niere. Vor Störgeräuschen, die beispielsweise als Vibration vom Bühnenboden über das Stativ an das Mikrofon gelangen, schützt ein eingebauter Erschütterungsabsorber. Unterhalb von 17 Hz eliminiert zusätzlich ein Rumpelfilter mechanische Vibrationen. Wie jedes handelsübliche Großmembranmikrofon benötigt auch das Shure SM27 für den Betrieb eine Phantomspeisung von 48 Volt.

Auf der Rückseite des SM27 befinden sich zwei Schalter – ein Pad und ein Lowcut.

Studioeinsatz

Das Shure SM27 klingt sehr warm und angenehm. Prinzipiell liefert es einen ausgewogenen Klang, wirkt aber tendenziell etwas basslastig und abgerundet. Schrille Ausschläge in den hohen Frequenzen sind jedoch nicht wahrzunehmen, was gerade in puncto Gitarrenrecording positiv zu nennen ist. Beim Schrammeln beispielsweise schleichen sich normalerweise gerne störende Geräusche ein, die so gleich vorab vermieden werden.

Beginnen wir aber mit der Stimme: In unseren Ohren eignet sich das SM27 mehr für Männer als für Frauen. Und das aus einem einfachen Grund: Gerade durch den mikrofoneigenen Klangcharakter wird das maskuline Stimmorgan wohltuend gefettet und rückt so subtil in den Vordergrund. Was beim Mann von Vorteil ist, geht bei weiblichen Vocals zu Lasten der Brillanz: Während die Aufnahme prinzipiell schön rund und in sich stimmig klingt, fehlt ein gewisses i-Tüpfelchen an Präsenz. Insgesamt klingt das Mikrofon jedoch sehr klar.

Sehr begeistert sind wir übrigens vom Shure-eigenen Erschütterungsabsorber. Am Anfang war es ein wenig seltsam, ohne Spinne aufzunehmen, aber zu unserem eigenen Erstaunen vermissen wir sie inzwischen nicht mehr. Obwohl unser Sänger exzentrisch gestikulierte und dadurch das Stativ öfter zum Wackeln brachte, klang die Aufnahme sehr sauber. Ein Hinweis noch für die Jan Delays unter den Lesern: Die Stimme unseres Sängers ist sehr nasal – doch das SM27 kompensierte diesen eher störenden Charakter ausgezeichnet. Hier arbeitet das Mikrofon quasi wie ein natürlicher EQ.

Auch Gitarren klingen mit diesem Kondensatormikrofon warm und äußerst dynamisch. Diese Tatsache empfiehlt das SM27 vor allem für Balladen und klassische Stücke. Gerade mit Nylon besaitete Instrumente kommen durch diesen Schallwandler gut zur Geltung. Da bei Gitarrenaufnahmen oft ein ungewolltes Wummern zu hören ist, sind die Rolloff- und Lowcut-Funktion besonders praktisch: Die dröhnenden Störgeräusche werden minimiert und die Klampfe setzt sich auch im Mix besser durch.

Den Klang von Akustigitarren überträgt das Shure SM27 sehr warm und dynamisch.

Bühneneinsatz

Live zeigte sich, wie flexibel das Shure SM27 wirklich ist: Hier war der Erschütterungsabsorber noch mehr gefragt und bewies seine Kompetenz in vollem Maße. Generell verlangt die Bühne dem Mikrofon mehr ab als das Studio. Deshalb machten sich auch -15-dB-Pad sowie Lowcut umso mehr bezahlt. Bei Konzerten kommt es oft zu wummernden Bassresonanzen im Raum, die das Mikrofon ansonsten übertragen würde – und einen Lowcut bietet nicht unbedingt jedes Mischpult.

Die -15-dB-Dämpfung hingegen erlaubt es dem Multitalent, Bassdrums abzunehmen und den Sound kreischender Röhrenamps gekonnt zu übertragen. Du musst deinen Amp also nicht mehr auf dem niedrigsten Level einstellen, um dir dann vom Mischer sagen zu lassen, dass immer noch zu viel Pegel käme. Mit dem SM27 kannst du die Röhre ordentlich heiß laufen lassen und deine gewünschten Gitarreneinstellungen vornehmen.

Bassdrum und Bläser drohen oft mit impulsartigen Windstößen, die unter Umständen deutlich hörbar sind. Genau dagegen ist das SM27 mit ganzen drei Lagen Gaze gewappnet. So fängt das Mikrofon den Schall störungsfrei ein und gibt das Signal möglichst klar wieder. Und da es auf der Bühne öfter mal dazu kommt, dass in der Hektik ein Mikrofon aus Versehen herunterfällt, wurde das aus Aluminium gefertigte SM27 extra robust gebaut, um die Elektronik optimal zu schützen.

Der Allrounder von Shure zeigt sich also äußerst effektiv im Musikeralltag und liefert eine Komplettlösung für diverse Anwendungsgebiete – sowohl im Studio als auch Live. So sparst du viel Geld und noch mehr Nerven. Gerade Einsteigern und Fortgeschrittenen ist das SM27 zu empfehlen. Praktisch ist vor allem, dass es sich trotz seiner Kondensatorbauweise für diverse Einsatzgebiete an unterschiedlichen Schallquellen eignet.

Hohe Schalldruckpegel von Amps zwingen das SM27 nicht in die Knie.

Technische Daten

Typ   Kondensator (extern polarisiert)
Übertragungsbereich 20 Hz - 20 kHz
Richtcharakteristik

Niere

Ausgangsimpedanz 150 Ω
Empfindlichkeit -37 dBV/Pa bzw. 14,1 mV/Pa (@ 1 kHz)
Signal-Rausch-Abstand

84,5 dB

Eigenrauschen

10 dB (A-bewertet)

Gewicht

642 g

Schalter

-15 dB Pad & Lowcut (linear, -18 dB/Okt. @ 80 Hz & -6 dB/Okt. @ 115 Hz)


Wertung:
+ warmer Klang
+ universell einsetzbar
+ robuste Bauweise
+ praktische Schalter
- ein Hauch zu wenig Präsenz

Preis (UVP): 332,22 Euro

Weitere Infos unter: www.shure.de

Vertrieb: Shure







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