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Test: Shure KSM8 Dualdyne

Dynamisch hoch zwei

Marco Sulek am 05.04.2016

Dynamisch hoch zwei

Shure gehört unbestreitbar zu den renommiertesten Unternehmen, und zu denjenigen, die viel zu dem beigetragen haben, was für uns mittlerweile in der Audiotechnik selbstverständlich ist. Auf seinen Lorbeeren ruht sich der Audiospezialist jedoch nicht aus. Zu der neuesten Innovation der US-Amerikaner gehört das KSM8 Dualdyne. Wir nahmen das dynamische Mikrofon genau unter die Lupe.

Zugegeben, das Prinzip der Doppelmembran ist keine Weltneuheit. Seit mehreren Dekaden schon sind vor allem Doppelmembran-Kondensatormikrofone nicht mehr aus dem Studio und von der Bühne wegzudenken. Allerdings handelt es sich bei dem uns vorliegenden Schallwandler um keinen Kondenser. Auch der angedachte Einsatzbereich ist ein anderer als für den klassischen Doppelmembraner. Shure hat seinen Jüngling KSM8 Dualdyne für die Bühne entworfen, genaugenommen für den Live-Gesang – doch dazu gleich mehr.

Typisch für Bühnen-Gesangsmikrofone aus dem Hause Shure ist die äußerst robuste Bauweise. Der Schaft des KSM8 besteht aus Aluminium und macht den Anschein, als könnte er extrem viel wegstecken. Auch der Korb wirkt äußerst stabil. Dieser Eindruck wird vor allem durch die Verstärkung in der unteren Hälfte des Mikrofonkorbs bekräftigt. Hierauf ist übrigens nicht nur der Shure-Schriftzug, sondern auch das Retrologo des Herstellers zu finden. An der On-Axis ist der Korb so abgeflacht, dass das KSM8 quasi auf dem Kopf stehen kann.

Wie in jedem hochwertigen Korb sorgt auch in dem des KSM8 ein Schaumstoffelement dafür, dass Feuchtigkeit draußen bleibt und Popplaute sowie Windgeräusche unterdrückt werden. Schade ist jedoch, dass dieses Schaumstoffelement nicht herausgenommen werden kann. Das heißt: Möchte man den Korb von Partikeln und Gestank befreien, empfiehlt der Hersteller, lediglich ein feuchtes Tuch zu verwenden. Erfahrungsgemäß hilft das jedoch nur bedingt. Wenn dann doch irgendwann ein neuer Korb fällig wird, schlägt dieser gleich mit rund 75 Euro (UVP) zu Buche – das ist schon sehr heftig.

Interessant am Shure KSM8 ist die Form des Mikrofonschafts: Sie erinnert leicht an eine Eistüte. Sprich, der Schaft wird von der XLR-Buchse aus gesehen erst relativ gemächlich breiter und kurz über der Hälfte recht stark, sodass man nicht versehentlich ins Eis fasst – oder, wie hier, den Korb verdeckt und somit Feedback provoziert. Das Mikrofon „Made in Mexico“ liegt dabei außerordentlich gut – um nicht zu sagen „perfekt“ – in der Hand und ist nicht zu sehr kopflastig.

Das Shure KSM8 liegt sehr gut in der Hand und vermeidet durch die Form des Schafts, dass die Hand versehentlich auf den Korb rutscht.

Innere Werte

Schraubt man den Korb ab, kommt das Herzstück des Shure KSM8 zum Vorschein: die sogenannte Dualdyne-Mikrofonkapsel. Hierbei handelt es sich um einen Doppelmembranwandler, bei dem der Schall zuerst auf die rückseitige Membran und dann erst auf die vordere trifft. Bei genauerer Betrachtung der Kapsel fällt auf, dass die obere Membran gar nicht sichtbar ist – sondern nur die unteren. Stattdessen findet sich oben eine Art Platte, auf der noch einmal das bereits erwähnte Retro-Shure-Logo glänzt.

Laut Hersteller liefert das KSM8 einen natürlichen Frequenzgang in den Tiefen und einen ausgeglichenen Sound in einem Abstand von bis zu 15 cm vom Mikrofonkorb auf der On-Axis. Des Weiteren sitzt der Wandler auf dem sogenannten pneumatischen Schockabsorber, der Griffgeräusche, Trittschall und anderweitige Erschütterungen unterdrücken soll. Einer der größten Mehrwerte ist laut Shure der reduzierte Nahbesprechungseffekt. Das heißt, dass auch bei einem sehr nahen Besprechungsabstand kaum eine Bassanhebung den Klang verfälschen soll. Das scheint das KSM8 vor allem für sehr laute Bühnen mit sehr zarten Stimmen zu empfehlen.

Doch wie verhält es sich nun in der Praxis? Beim ersten Hinhören fällt das Ergebnis etwas  ernüchternd aus, denn so sehr scheint sich das KSM8 nicht von herkömmlichen Mikrofonen zu differenzieren. Im direkten Vergleich sind dann jedoch erhebliche Unterschiede auszumachen: Der Nahbesprechungseffekt ist deutlich geringer, wenn auch trotzdem noch wahrnehmbar. Auch in verschiedenen Besprechungsabständen wirkt der Doppelmembraner nur marginal ausgeglichener als andere Tauchspulen – anders als versprochen.

Was am KSM8 jedoch wirklich positiv heraussticht, ist seine astreine Richtwirkung: die Niere präsentiert sich nicht nur auf dem Datenblatt formstabil, sondern ebenso bei rückwärtig einfallendem Schall. Das macht das Mikrofon sehr feedbackresistent und lädt auch zum Experimentieren mit anderen Schallquellen ein, etwa an der Snare, in der Kick oder vor dem Gitarrenamp – und das nicht nur auf der Bühne, sondern ebenso im Studio.

Die sogenannte Dualdyne-Kapsel ist die erste dynamische Mikrofonkapsel mit Doppelmembran.

Stimme vor

Hauptaufgabe des Shure KSM8 ist jedoch die Übertragung des Gesangs. Und das macht es wirklich extrem gut. Ungeachtet der technischen Besonderheiten und der vom Hersteller versprochenen Eigenschaften kann man festhalten: Das KSM8 Dualdyne überträgt die Stimme sehr natürlich. Vor allem dort, wo andere Mikrofone mit einer Überbetonung in den Mitten klangliche Unzulänglichkeiten zu kaschieren versuchen, schmeichelt der Jüngling aus dem Hause Shure der Stimme, egal welcher Couleur – von zarten Damenstimmen über ausdrucksstarken Sprechgesang bis hin zu Growls und Screams.

Hand in Hand mit dem ausgewogenen Sound geht die Sprachverständlichkeit und Durchsetzungskraft des KSM8 einher. Diese macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn andere Instrumente lautstark im Spiel sind. Im Gegensatz zu anderen Mikrofonen etwa muss der Kompressor nicht so hart mit dem Signal umspringen, um es durchsetzungsfähig zu bekommen – was wiederum ein Pluspunkt in Sachen Feedbackresistenz ist.

Positiv am KSM8 fällt zudem die Unempfindlichkeit gegenüber Popp- und Windgeräuschen auf. Selbst bei direktem Reinpusten in Einsprechrichtung ist kaum etwas wahrzunehmen – bei anderen Mikrofonen macht sich hier ein mehr als nur präsentes Rauschen bemerkbar. Auch Griffgeräusche und solche, die beim extremen Gestikulieren entstehen, fallen hier kaum ins Gewicht. Was jedoch ins Gewicht fällt, ist der stolze Preis: gut 500 Euro (UVP) für eine Tauchspule ist alles andere als günstig – genau wie der Ersatzkorb. Will man jedoch ein zuverlässiges Mikrofon, bleibt einem oft ein tiefer Griff in die Tasche nicht erspart. Und wer die robuste Bauweise von Shure kennt, der weiß, dass er mit dem KSM8 Dualdyne viele Jahre lang einen zuverlässigen Partner an seiner Seite hat.

Gut geparkt wird das KSM8 von dem mitgelieferten Softcase vor Stößen, Kratzern und Feuchtigkeit geschützt.

Fazit, technische Daten & Wertung

Mit dem Shure KSM8 Dualdyne erhält man nicht nur ein extrem robustes und handliches, sondern auch ein sehr natürlich klingendes und feedbackresistentes dynamisches Mikrofon mit astreiner Nieren-Richtcharakteristik. Den Schallwandler gibt es übrigens nicht nur in Mattschwarz, sondern auch in Vintage-Optik mit gebürstetem Nickel. Außerdem bietet Shure den KSM8-Wandler mit dem QLXD2-Handsender an, das Ganze gibt es dann im Paket für 927 Euro (UVP). Gerade wer seine Stimme möglichst unverfälscht und natürlich übertragen möchte – aber gerne auch eine weitere Option für Drums, Gitarrenamps und vieles mehr in seinem Schrank hätte –, der liegt mit dem Shure KSM8 Dualdyne goldrichtig.

Wandlertyp

dynamisch, Doppelmembran

Übertragungsbereich
40 Hz bis 16 kHz
Richtcharakteristik
Niere
Ausgangsimpedanz
300 Ω
Empfindlichkeit

-51,5 dBV/Pa bzw. 1,85 mV/Pa (@ 1 kHz)

Gewicht

330 g

Gehäuse Aluminium-Druckguss
Lieferumfang Softcase, Mikrofonklemme & Bedienungsanleitung
Farben

gebürstetes Nickel & Mattschwarz

Hergestellt in
Mexiko

 

Wertung:
+ robuster Allrounder
+ astreine Niere
+ natürlicher, durchsetzungsfähiger Klang
+ geringer Nahbesprechungseffekt
+ einfaches Handling
– hoher Preis (auch für Ersatzkorb)

Preis (UVP): 499 €

Vertrieb: Shure Deutschland
Weitere Infos: Shure KSM8 Dualdyne

 

 







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