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Test: Shure SM58 Funksystem – analog vs. digital

Stufenlos trifft binär

Octavian Rasinariu am 27.02.2014

Stufenlos trifft ...

Eine brennende Frage, die zunehmend an Relevanz gewinnt, ist jene nach dem Unterschied zwischen analogen und digitalen Funksystemen. Während die hartnäckige digitale Konkurrenz immer mehr den Markt besiedelt, setzen sich viele erfahrene Techniker umso vehementer für die analoge Übertragung ein. Folgend ein Vergleichstest zwischen dem analogen und dem digitalen Shure-SM58-Funksystemen.

Unter dem Wort „digital“ verstehen die meisten hauptsächlich zwei Dinge: besser und teurer. Das private Fernsehen überträgt schon lange binäre Zahlencodes. Nun ist es das Radio, das vollständig digitalisiert werden soll. Mit höherer Qualität und Sendervielfalt wirbt man hier. Trendbewusste Kunden zahlen auch fleißig für die neuen Apparate, ganz gleich, ob sie den Sinn verstehen oder nicht. Warum also sollte sich Otto Normalmusiker überhaupt noch für ein analoges Funksystem interessieren, wenn das Bit-orientierte scheinbar besser ist?

Heißt es, dass analoge Systeme billiger und schlechter sind? Gibt es überhaupt einen Unterschied? Und wenn ja: Du als kreativer Künstler hast sicher weder Zeit noch Lust, Geld für beides auszugeben und in deiner Freizeit einen Vergleich durchzuführen, um dann anschließend eines der beiden Systeme zurückzuschicken. Tja, Glück gehabt, dafür gibt es ja uns. Wir haben uns die Arbeit gemacht und für dich die beiden Komplettpakete, bestehend aus jeweils einem SM58 und dem analogen beziehungsweise digitalen Funksystem, auf Herz und Nieren überprüft.

Der Name unseres Testkandidaten auf der digitalen Ebene lautet GLXD4E/SM58. Ihm tritt aus dem analogen Team das BLX24E/SM58 entgegen. Beide Systeme sind ähnlich groß und fast gleich schwer. Obwohl beide Gehäuse jeweils aus schwarz lackiertem Kunststoff gefertigt sind, macht der digitale Empfänger einen robusteren Eindruck und wirkt dank des großzügigeren LC-Displays auch einladender sowie hochwertiger. Etwa 170 Euro Preisunterschied (UVP) machen sich bereits hier bemerkbar.

Auf der Senderseite haben wir bei beiden Probanden eine Wireless-Ausführung des Shure SM58. In der analogen Variante sind zwei AA-Batterien inbegriffen. Auf der anderen Seite versorgt der hauseigene Lithium-Ionen-Akku SB902 den Sender. Diesen kannst du entweder in die dafür vorgesehene Ladestation am Empfänger stecken oder über Mini-USB-Anschluss direkt im Handsender aufladen. Das entsprechende USB-Kabel ist gleich im Lieferumfang enthalten. Nur ein Adapter für die Steckdose war nicht aufzufinden; den musst du extra erwerben. Solange kannst du den Sender aber am Rechner laden.

Die beiden Softcases, in denen die Systeme kommen, sehen identisch aus. Mit einem Rundumreißverschluss legst du den von Styropor und Schaumstoff gepolsterten Inhalt frei. Im Case ist Platz für das Mikrofon, den Empfänger, das Netzteil sowie Kleinigkeiten – wie Reduziergewinde, Anleitung und einen speziellen Stativkopf. Da beide SM58-Mikros den Handsender integrieren, ist der Schaft ein wenig dicker als bei kabelgebundenen Modellen. Die mitgelieferten Mikrofonklemmen berücksichtigen dies und bieten dank geripptem Kunststoff optimalen Halt auf der Bühne.

Der Lithium-Ionen-Akku SB902 lässt sich zum Laden in den digitalen Empfänger stecken. Die rote LED links neben der Ladestation bedeutet, dass er noch lädt.

Das analoge System

ehr schlicht und intuitiv ist das analoge Funksystem gehalten. Ein Power-Button sowie ein „Group“- und ein „Channel“-Taster sind die einzigen drei Bedienelemente am Empfänger (BLX4). Der Netzschalter ist selbsterklärend. Mit einem simplen Klick auf den „Group“-Taster sucht dir der Empfänger automatisch die ungestörteste Gruppe samt einem der freien Kanäle im verfügbaren Frequenzbereich „S8“ von 823 bis 832 MHz aus. Diese praktische Scanfunktion nimmt dir viel Arbeit ab und erlaubt es dir, sofort loszulegen.

Damit die Wireless-Verbindung zwischen Sender und Empfänger klappt, musst du im Handsender die gleiche Gruppe und den gleichen Kanal einstellen. Dazu schraubst du den unteren Mikrofonschaft ab. Über dem Batteriefach findest du das kleine Display sowie einen „Group“- und einen „Channel“-Taster. Die Senderjustierung ist aber nur möglich, wenn der darüber liegende Power-Button des SM58 eingeschaltet ist. Mit vollgeladenen Batterien schafft das Mikrofon übrigens bis zu 14 Stunden Dauerbetrieb.

Der kleine LC-Bildschirm auf dem Empfänger (BLX4) zeigt neben dem verwendeten Kanal auch durchgehend die Gruppe an. Die daneben platzierten LEDs zeigen, ob ein Signal anliegt. Du musst dabei nicht die Auto-Scan-Funktion des Gerätes verwenden, sondern kannst mit den beiden Buttons, genau wie beim Sender, auch manuell auf die Suche gehen. Sobald eine Verbindung zwischen Sender und Empfänger besteht, leuchtet das Lämpchen mit der Aufschrift „Ready“. Wenn du nun reinsingst, leuchtet auch die „Audio“-LED.

Bei grünem Leuchten ist alles in Ordnung, bei rotem Leuchten übersteuert der BLX4. Um dem entgegenzuwirken, lässt sich der Pegel am Handsender um 10 dB absenken. Halte dazu den „Channel“-Button fünf Sekunden lang gedrückt. Da es sich um einen Universalempfänger handelt, hast du hinten sowohl einen Mikrofon- als auch einen Klinkenausgang für Instrumente. Eine 12-Volt-Spannung versorgt den Empfänger mit Strom und die mitverbaute Vorrichtung zum Adapterkabel-Abbinden schützt ihn vor ungewolltem Kabelziehen.

Über dem Batteriefach des analogen Senders ist ein „Group“- und ein „Channel“-Taster sowie ein kleines Display angebracht.

Das digitale System

Widmen wir uns nun dem digitalen Kontrahenten. Das digitale SM58 wirkt dank der zwei Antennen und dem hochauflösenden LC-Display hochwertiger als der analoge Testkandidat. Auch hier treffen wir eine intuitive Bedienbarkeit an, mit feinen Unterschieden: Die anfängliche Werkseinstellung richtet dir nach Inbetriebnahme des Empfängers die erste der drei Gruppen ein. Ein Drücken auf den „Channel“-Button lässt das GLXD4E anschließend automatisch den signaltechnisch optimalsten Kanal in deiner Umgebung finden.

Der Handsender verbindet sich nach Anschalten selbstständig mit dem zugehörigen Empfänger. Das ist nochmal ein Stück bequemer als beim analogen System, wenn auch keine Notwendigkeit. Unser digitales System arbeitet im 2,4-GHz-Frequenzband. Auch hier kannst du deine gewünschte Gruppe plus Kanal manuell auswählen und so insgesamt bis zu acht Systeme gleichzeitig einsetzen – vier weniger als beim analogen Probanden.

Bei vielen Funkstrecken gleichzeitig kommt es jedoch schnell zu Verwirrungen. Deshalb hat Shure den „Link“-Button integriert, der gleich zwei sinnvolle Funktionen erfüllt: Zum einen kannst du durch Gedrückthalten dem Empfänger einen anderen Sender zuweisen. Eine blaue „RF“-LED im Empfänger und das mikrofonintegrierte Lämpchen visualisieren entsprechendes. Wenn das Chaos zu unübersichtlich wird, weil du acht Mikrofone vor dir hast und nicht weißt, welches welchem Empfänger zuzuordnen ist, dann kannst du zum anderen das Ehepaar durch Knopfdruck suchen und Mikrofon sowie Empfänger blinken auf.

Die Gain-Einstellung für das Signal regelst du an den im Empfänger dafür vorgesehenen Tastern von -20 bis +40 dB. Das Display zeigt dir neben Gruppe und Kanal die Pegelhöhe, Clipping und den Batteriestatus an. Der Lithium-Ionen-Akku sorgt beim SM58 für eine Performance von stolzen 16 Stunden ohne Memory-Effekt. Das heißt, dass er vor dem Aufladen nicht entladen werden muss. Neben dem Akkuladeport zeigt ein kleines Lämpchen den Ladestatus der Lithium-Ionen an.

Auf der Empfängerrückseite findet sich der Netzschalter, ein XLR- und Klinkenausgang sowie die Netzbuchse. Die benötigten 15 Volt werden durch einen eleganten Schraubverschluss, der auf dem mitgelieferten Stecker sitzt, an die Buchse montiert. Damit an den Einstellungen nichts versehentlich geändert wird, besitzt das GLXD4E eine Tastensperrfunktion.

Wo der analoge Empfänger (oben) nur ein zweistellig-numerisches LED-Display hat, bietet der digitale einen kompakten LCD-Bildschirm.

Das Duell

Betrachten wir zuerst die Klangeigenschaften. Sowohl das analoge SM58 als auch das digitale SM58 geben die Qualität der legendären Kapsel quasi unverfälscht wieder, sodass man ohne Betitelung der jeweiligen Audiospur kaum heraushören kann, um welches System es sich handelt. Die digitale Funkstrecke überträgt jedoch die tiefen Frequenzen der Stimme etwas schwächer. In Konzertsituationen wirkt die Stimme durch diese Bassabsenkung durchsetzungsfähiger, aber gleichzeitig auch aggressiver.

An einem sonnigen Tag stellen wir uns mit beiden Mikrofonen in Startposition neben die Empfängersysteme und entfernen uns schrittweise. Zuerst aus dem Haus raus und dann auf freier Fläche mit stetigem Sichtkontakt zu den Receivern. Überraschend auffällig ist, dass beide Systeme sehr weit übertragen und erst bei Abbruch des Sichtkontakts – der Hof war dann doch etwas zu klein für das Experiment – sich erste Störungen und Dropouts bemerkbar machen.

Den Sichtkontakt verlieren wir bei gut 40 Metern. Nach gut 45 Metern machen sich erst schwache und dann, ein paar Schritte weiter, starke Störgeräusche am digitalen SM58 bemerkbar, bis das Signal bei gut 55 Metern völlig abreißt. Bei gut 70 Metern (30 Meter ohne Sichtkontakt) zeigt das analoge System erste Aussetzer. Doch erst nach knapp 100 Metern brechen wir das Experiment ab, als wir auch aus dem analogen System kein brauchbares Signal mehr erhalten.

Wir können aus gegebenen Umständen leider nicht genau sagen, wie weit beide Systeme unter Optimal-Bedingungen gehalten hätten. Fakt ist jedoch, dass die stufenlose Übertragung der digitalen beim Thema Reichweite deutlich überlegen ist. Shure jedenfalls verspricht Distanzen von 100 Metern (analog) und 60 Metern (digital), die bei Sichtkontakt unserer Einschätzung nach wahrscheinlich eingehalten werden können.

Bei beiden Handsendern (digital links, analog rechts) lässt sich der Schaft aufschrauben, um Akku bzw. Batterien einzulegen.

Reichweite ist nicht alles

Da die wenigsten Bühnen eine Größe von über 45 Metern besitzen, ist die Frage nach der Reichweite nicht der alleinig ausschlaggebende Parameter im Funkreich. Einer der größten Vorteile der digitalen Übertragung ist die Bewertung des verwendeten Spektrums. Das GLXD4 empfängt auf den besten drei Frequenzen pro Kanal, automatisch ausgewählt aus den priorisierten sechs. Dabei wiederholt es die wichtigsten Informationen, sodass eine Frequenz ganz ausgelassen werden kann, ohne dass es zu Audiounterbrechungen kommt. Ein Signalverlust wird somit minimiert.

Ein weiterer Vorteil ist die Verwendung des 2,4-GHz-ISM-Bandes. Da das digitale SM58 auf einem Frequenzbereich überträgt, der auch WiFi und Bluetooth zugesprochen wird, mag zuerst nicht wirklich positiv erscheinen. Es hat aber den Vorteil, dass dieses Spektrum weltweit nutzbar und lizenzfrei ist. Der verfügbare Frequenzbereich des BLX24E dagegen ist abhängig von den jeweiligen Frequenzregelungen der einzelnen Länder, was beim Auslandsbetrieb zu Problemen führen könnte.

Wenn wir weiter schauen, sehen wir noch einen deutlichen Unterschied bei den wählbaren Sendefrequenzen. Während dir das Analogsystem 150 an der Zahl bietet, sind es beim digitalen nur 51 – plus eventuell 27 Backup-Frequenzen. Wobei diese Kritik auch nur in der Theorie einen Unterschied macht. Wichtiger ist, dass das digitale System den größeren Übertragungsbereich von 20 Hz bis 20 kHz vorweist. Das analoge System schneidet hingegen Subbässe unterhalb von 50 Hz ab und eliminiert alles über 15 kHz. Da beide Empfänger auch mit Instrumenten betrieben werden können, ist diese Tatsache nicht von minderer Bedeutung.

Ein wirklicher Sieger geht aus diesem Kampf der Funken nicht hervor. Wir konnten dennoch einige Vor- und Nachteile beider Empfängersysteme herausarbeiten: Das digitale SM58 hat dank der drei Frequenzen, auf denen jedes Signal gesendet wird, den höheren Sicherheitsfaktor für Auftritte, bei denen alles glattgehen muss. Zusätzlich ist es in jedem Land lizenzfrei. Das analoge SM58 weist dafür eine höhere Reichweite von mindestens 70 Metern auf und glänzt im Preis mit 170 Euro Kostenersparnis. Für Einsteiger empfehlen wir ganz klar die günstigere Variante. Sobald es in die Amateurliga geht, rentiert sich allerdings ein Ausflug in die Welt der Nullen und Einsen.

Die Mikrofonklemmen sind innen gerippt, wodurch sie einen optimalen Halt bieten.

Technische Daten

  analoges SM58 Funksystem digitales SM58 Funksystem
Gehäuse Kunststoff Kunststoff
Kompatible Systeme pro Frequenzband 12 8

Wählbare Frequenzen

150 78
Display Empfänger LED

LCD

Display Sender LED

Batterie, Laufzeit

2AA Alkali, 14 Std.

Lithium-Ionen-Akku, 16 Std.

Reichweite (laut Hersteller)

100 m 60 m
Verfügbare Frequenzen 518 – 865 MHz

2.400 – 2.483,5 MHz

Übertragungsbereich 50 Hz – 15 kHz 20 Hz – 20 kHz
Audioausgang XLR & 6,3 mm Klinke

XLR & 6,3 mm Klinke

Dynamikbereich 100 dB (A-gewichtet)

120 dB (A-gewichtet)

Abmessungen Empfänger (HxBxT) 40 x 188 x 103 mm 40 x 183 x 117 mm
Gewicht Sender 241 g (ohne Batterien) 286 g (ohne Akku)


Wertung:
analoges SM58 Funksystem
+ hohe Reichweite
+ intuitive Handhabung
+ automatische Frequenzsuche auf Knopfdruck
+ lange Batterielaufzeit
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis   
- sendet nur auf einer Frequenz   

digitales SM58 Funksystem
+ intuitive Handhabung
+ automatische Frequenzsuche
+ lange Batterielaufzeit
+ Signalverlustminimierung durch das Senden auf drei Frequenzen
+ automatischer Frequenzwechsel bei Artefakten, ohne Signalausfall

Preise (UVP):

BLX24E/SM58 (analog): 332,22 € (UVP)
GLXD4E/SM58 (digital): 498,89 € (UVP)

Weitere Infos unter: www.shure.de

Vertrieb: Shure







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