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Test: Sennheiser MK 8

Meisterwerk

Marco Sulek am 02.07.2015

Meisterwerk

Jüngst erweiterte Sennheiser seine MK-Serie um ein vielversprechendes Modell: Das Großmembrankondensatormikrofon hört auf den Namen MK 8 und hält einige Besonderheiten bereit. Welche das sind, das sahen wir uns in einem ausführlichen Test an.

Bereits mit dem MK 4 bewies der deutsche Mikrofonspezialist, dass er in den letzten 70 Jahren einiges an Know-how im Bau von Schallwandlern sammeln konnte. Jetzt geht Sennheiser mit dem MK 8 noch einen Schritt weiter. Doch halt! Der Neuling sieht ja genau so aus, wie das Mikro, das bereits seit gut vier Jahren erhältlich ist. Aber nicht nur optisch ähnelt das MK 8 dem MK 4 wie ein Ei dem anderen; auch Gewicht und Abmessungen sind identisch. Bei einem genaueren Blick zeigen sich allerdings einschneidende Unterschiede – dazu später mehr.

Eingebettet in Schaumstoff, kommt das MK 8. In die Hand genommen, präsentieren sich einige spannende Details: Es besitzt einen stylischen, metallisch-grauen Mikrofonschaft, worauf das Sennheiser-Emblem, die Modellbezeichnung sowie zwei schön geschwungene Linien aufgedruckt sind. Seitlich umspannt ein ebenfalls metallisch-grauer Bügel den Korb des Großmembraners. Genau wie vorne ist auf dessen Oberseite das Firmenlogo zu sehen. Doch Vorsicht: Die Einsprechrichtung befindet sich nicht etwa oben, sondern an der Seite, an der auch der Aufdruck „MK 8“ zu lesen ist.

In Mattschwarz präsentiert sich hingegen der Mikrofonkorb. Um hohe Stabilität zu gewährleisten, besteht die Außenseite aus gröberem und die Innenseite aus feinerem Metallgaze. Das hat noch einen weiteren positiven Effekt: Staub und anderen Störenfrieden ist es so gut wie unmöglich, zur Mikrofonmembran durchzudringen. Das einzige Kunststoffelement hier ist übrigens die untere Verjüngung am Schaftende. Beim MK 8 hat sich der Hersteller eben nicht lumpen lassen und nur robuste Werkstoffe verwendet.

Wie von Sennheiser gewohnt, weiß die Verarbeitung vollauf zu überzeugen: Alles sitzt passgenau an seinem Platz, außerdem lassen sich keine Mängel in Sachen Fertigung ausmachen. Das MK 8 liegt sehr gut in der Hand und macht einen sehr stabilen, hochwertigen Eindruck. Im Lieferumfang finden sich neben dem Mikrofon noch ein Aufbewahrungssäckchen, eine Halterung sowie ein kleines Benutzerhandbuch.

Um den Mikrofonkorb des MK 8 ist ein stylischer Metallbügel gespannt.

Im Detail

An seiner Rückseite besitzt das Sennheiser MK 8 drei Schalter. Am auffälligsten ist wohl der in der Mitte: Hiermit lässt sich der Großmembraner zwischen den fünf Richtcharakteristiken Kugel, breite Niere, Niere, Superniere und Acht umschalten. Das ist überaus praktisch, denn das rüstet den Neuling für allerlei Situationen. Nicht nur das, selbst Klangquellen verschiedenster Couleur lassen sich dadurch mithilfe unterschiedlichster Mikrofonierungstechniken auf Festplatte bannen.

Nicht minder interessant sind die beiden anderen Schalter: Links befindet sich ein dreistufiger Lowcut, wobei ein linearer Frequenzgang, ein relativ harter Roll-Off von 18 dB pro Oktave bei 60 Hz oder eine leichte Filterung von 6 dB pro Oktave bei 100 Hz einstellbar sind. Der rechte Schalter schließlich ist ein Pad, das das Signal nicht beziehungsweise um 10 dB oder um 20 dB absenkt. Betrachten wir den maximalen Schalldruckpegel von 142 dB, kommen wir zum Schluss: Mit dem MK 8 lassen sich mächtig laute Dinge aufnehmen.

Zusätzlich zur Fähigkeit, extrem lauten Schallquellen verzerrungsfrei zu trotzen, ist der Dynamikumfang sehr hoch angesetzt: ganze 132 dB – das ist, nebenbei bemerkt, mehr als unser Ohr imstande ist wahrzunehmen. Ein weiteres Highlight ist die Mikrofonkapsel. Hierbei handelt es sich um eine Doppelmembran in Echtkondensatorbauweise. Diese lagert elastisch auf einer Gummihalterung, sodass selbst Stöße kaum merklich übertragen werden – was gewissermaßen Mikrofonspinnen obsolet zu machen scheint.

Mithilfe der mitgelieferten Halterung ist es möglich, das MK 8 an einem Stativ zu befestigen. Der Großmembraner selbst lässt sich an dieser Halterung durch die am unteren Schaftende aufgeschraubten Mutter festmachen. Anhand der bisher erläuterten Fakten sind wir bereits sehr neugierig geworden. Es ist jedoch bekannt, dass technische Angaben alleine nur wenig über den Klang eines Mikrofons aussagen. Genau deswegen wagten wir uns nun in den Proberaum, um den Schallwandler im Einsatz zu testen.

An der Rückseite des MK 8 finden sich seine drei Schalter – für Richtcharakteristik, Lowcut und Pad.

Mittendrinnen

Wir wollten es gleich wissen und stellten das MK 8 blindlings irgendwo mitten im Proberaum auf, um ein paar Gesangsaufnahmen zu machen. Als Richtcharakteristik wählten wir eine Niere, der Filter stand auf der 100-Hz-Position und das Pad kam nicht zum Einsatz. Dabei bemerkten wir bereits beim Einpegeln, wie sauber und klar der Schallwandler die Stimme übertrug. Nachdem wir damit fertig waren, der Kopfhörermix passte und unser Sänger bereit war, ging es auch schon los mit dem Recording.

Bereits das unbearbeitete Signal vom MK 8 harmonierte sehr gut mit dem Mix. Weiterhin fiel uns eine sehr hohe Detailtreue auf, die wir sonst eher von weit teureren Mikrofonen gewohnt sind – so gehört es sich. Wir wollten uns jedoch nicht nur auf normalen Gesang beschränken und luden unseren Vokalisten zu gutturalen Lauten ein. Auch hier erhielten wir passende Resultate, ohne jedoch dass die von Großmembranern gewohnte Feinfühligkeit und Sauberkeit für diese Gesangsart störend wirkten.

Warum sind wir eigentlich mit dem Schallwandler in den Proberaum gegangen? Nun, Proberäume, obwohl akustisch mehr oder minder optimiert, sind in der Regel nicht gerade dazu geeignet, audiophile Aufnahmen zu ermöglichen. Dennoch: Bereits beim MK 4 waren wir von den Ergebnissen in akustisch schwierigen Räumen begeistert. Noch begeisterter waren wir allerdings vom MK 8, denn dieses, so schien es, unterdrückte so gut wie alle störenden Schallanteile, die von den Wänden und Gegenständen im Raum reflektiert wurden. Wir halten fest: Das MK 8 ist ein Meister schwieriger Situationen.

Um das maximal Mögliche aus der Situation herauszuholen, spannten wir noch einen Reflection-Filter hinter das Mikrofon. Hiermit wollten wir das ohnehin schon sehr saubere Signal noch trockener und studiotauglicher bekommen – und es klappte. Der Gesang wirkte durch diese Hilfe noch reiner, detaillierter und direkter. Worauf man beim MK 8 jedoch nicht verzichten sollte: einen Poppschutz, denn ohne werden Explosionslaute und Windgeräusche gnadenlos übertragen.

Das MK 8 wird mittels Mutter an der mitgelieferten Mikrofonhalterung befestigt.

Meisterhaft

Nur mit Gesangsaufnahmen gaben wir uns nicht zufrieden und stellten kurzerhand zwei MK 8 in MS-Technik vor ein Schlagzeug. Ziel war es nicht, die Overheads zu ersetzen, sondern eine zusätzliche Stütze in Form von Raummikrofonie zu erhalten. Das untere MK 8 schaute dabei direkt auf Höhe der Snare in Richtung Schlagzeug und bekam die Richtcharakteristik Niere. Das obere Gegenstück hingegen wurde um 90° zum unteren Mikrofon gedreht und auf eine Acht-Charakteristik eingestellt. Pad und Lowcut kamen hierbei nicht zum Einsatz.

Nach dem Dekodieren der Mitte- und Seiteninformation in ein Stereo-Signal waren wir von der Wucht überrascht – genau das wollten wir erreichen. Lediglich die Höhen mussten wir etwas entschärfen, um die Rauminformation dem Mix passend hinzuzufügen, sodass sich ein druckvoller Drumsound bemerkbar machte. Wir hatten zwar leider nicht die Möglichkeit, aber interessant wäre es noch gewesen, das MK 8 als Kick-Mikro zu verwenden – wuchtige Signale weiß es ja zu liefern.

Das MK 8 hat, äußerlich gesehen, nur drei Schalter mehr als das MK 4 – ist dafür ein mehr als doppelt so hoher Preis gerechtfertigt? Wir können nach unserem ausführlichen Test sagen: Ja, auf jeden Fall. Nicht nur die Einsatzmöglichkeiten durch zusätzliche Features sind weit vielfältiger, sondern auch der Klang präsentierte sich detailreicher. Besonders in schwierigen Räumen oder bei mobilem Recording macht sich das MK 8 bezahlt; hier liefert es saubere und nuancenreiche Ergebnisse.

Wer zusätzlich eine Spinne braucht, erhält von Sennheiser mit der MKS 4 eine passende Vorrichtung. Nur leider schlägt diese mit ganzen 116 Euro (UVP) zu Buche – gewiss, sie mag sich in einigen Situationen bewährt machen. Doch keine Sorge, denn auch wenn diese nicht mehr ins Budget passt: Dank der guten Entkopplung der Kapsel werden Trittschall und andere grobe Schwingungen sehr stark gedämpft übertragen, sodass eine Spinne nicht mehr zwingend nötig scheint.

Stoßsicher in einem Pappkarton verpackt, schickt Sennheiser das MK 8 plus Zubehör zu seinem neuen Besitzer.

Technische Daten

Wandlerprinzip extern polarisiertes Kondensatormikrofon
Membrandurchmesser

1 Zoll

Richtcharakteristiken Kugel, breite Niere, Niere, Superniere & Acht
Frequenzgang 20 Hz bis 20 kHz
Empfindlichkeit         14,1 mV/Pa
Grenzschalldruckpegel 142 dB (ohne Pad)
Ersatzgeräuschpegel 10 dB (A)
Dynamikbereich 132 dB
Schalter Richtcharakteristik, Pad & Lowcut
Schaftdurchmesser 57 mm
Länge 160 mm
Gewicht 485 g
Lieferumfang Mikrofonhalterung, Beutel & Bedienungsanleitung


Wertung:
+ perfekt für schwierige Räume
+ hochwertige Verarbeitung
+ schlichtes, modernes Design
+ vielseitig einsetzbar
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis (UVP): 831,81 Euro

Weitere Infos unter: www.sennheiser.de

Vertrieb: Sennheiser







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