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Test: Sennheiser MK 4

Homerecording-Held

Marco Sulek am 09.12.2013

Homerecording-Held

Mikrofonschmiede Sennheiser hat einen preiswerten Großmembraner fürs Studio im Programm: das MK 4. Als es vor gut zweieinhalb Jahren auf den Markt kam, erhielt es viel Aufmerksamkeit – und die verdient es heute noch, wie unser Test zeigt.

Unterhalb einer gewissen Preisklasse sind Großmembrankondensatormikrofone für den professionellen Gebrauch einfach nicht denkbar. Sie rauschen, verfälschen das Signal und die Verarbeitung lässt zu wünschen übrig. Als vor nicht allzu langer Zeit die ersten hochwertigen Modelle im niedrigeren Budgetsegment vorgestellt wurden, war der Aufschrei einiger Konservativer laut: „Wie können Traditionshersteller ihren Namen mit solchen Produkten beschmutzen?“ Doch ist die Anklage begründet?

Sennheiser beweist mit dem MK 4, dass jegliche Bedenken unbegründet sind. Mit seinem Großmembraner für den schmalen Geldbeutel offeriert uns der deutsche Mikrofonspezialist einen Kandidaten, der sich vor allem im Homerecording-Bereich wohlfühlt. Dabei verzichtet er auf diversen „Ballast“ wie beispielsweise Lowcut, Pad und umschaltbare Richtcharakteristik. Auch eine Doppelmembrankapsel ist am MK 4 nicht zu finden – doch hierzu weiter unten mehr.

Der Schaft des MK 4 besteht aus silberfarbenem, robustem Metall. Zwischen dem Sennheiser-Logo und der Modellbezeichnung „MK 4“ findet sich ein Nierensymbol. Das deutet nicht nur auf die Richtcharakteristik hin, sondern auch auf die Haupteinsprechrichtung. Am unteren Gehäuseende befindet sich eine schwarze Blende, die sich abschrauben lässt und einem damit den Zugang zum Innenleben verschafft. Zudem ist auf dem Mikrofonkorb ein silberfarbener Bügel angebracht, auf dessen Oberseite sich ebenfalls ein Sennheiser-Logo befindet.

Um das Sennheiser MK 4 an einem Stativ zu befestigen, liegt eine Mikrofonhalterung bei. Durch einfaches Aufschrauben lässt sich diese an der unteren Erweiterung des Schafts befestigen. Genau wie Sennheisers Mikroclips für Drums, ist die Halterung aus relativ flexiblem Kunststoff gefertigt. Wem das an Entkoppelung nicht reicht, der kann sich für einen UVP von 116,62 Euro die Mikrofonspinne MKS 4 zulegen. Diese ist so konstruiert, dass sie sehr nah an eine Schallquelle herangestellt werden kann, ohne zu stören – beispielsweise an einen Gitarrenamp.

Sennheisers MK 4 präsentiert sich handlich und im modernen Look.

Fokus: Schallwandler

Der aus doppelschichtiger Gaze bestehende Mikrofonkorb schützt die ein Zoll große Membran vor äußeren Einwirkungen. Bei näherer Betrachtung ist gut zu erkennen, dass die äußere Lage aus einem gröberen und die innere aus einem feineren Netzmuster besteht. Positiv zu verzeichnen ist außerdem die im Verhältnis zu anderen Mikrofonen geringe Empfindlichkeit gegenüber Plosivlauten – ein Popschutz ist dennoch nicht fehl am Platze. Die goldbeschichtete Membran selbst ist intern elastisch gelagert. Dadurch minimiert sich die Körperschallübertragung von zum Beispiel Trittgeräuschen.

Interessant am Wandler des MK 4 ist, dass das Sennheiser e 965 als Vorbild diente – ein hochwertiges Bühnengesangsmikrofon. Diese Echtkondensatorkapsel wurde auf Studioanwendungen optimiert, um nuancenreiche Aufnahmen zu ermöglichen. Allerdings sollte erwähnt sein, dass es sich beim e 965 um eine Doppelmembrankapsel handelt, die von Niere auf Superniere umgeschaltet werden kann – was beim MK 4 ja nicht der Fall ist.

Wie bei Großmembrankondensern üblich, erstreckt sich der Übertragungsbereich von 20 Hz bis 20 kHz. Betrachtet man den Frequenzgang, ist zu sehen, dass dieser unterhalb von 100 Hz relativ steil abfällt. Bei 1,5 kHz sowie zwischen 4 und 15 kHz hingegen macht sich eine leichte Anhebung bemerkbar. Dadurch kommen vor allem Stimmen durch eine gute Sprachverständlichkeit optimal zur Geltung. Ab 15 kHz zeigt sich wiederum eine stark zu den hohen Frequenzen hin abfallende Kurve.

Der Grenzschalldruckpegel ist mit ganzen 140 dB angegeben. Das prädestiniert das Sennheiser MK 4 auch für laute Schwallquellen wie die Drums. Genauso großzügig zeigt sich der Dynamikbereich: Mit 130 dB ist sogar unser Wahrnehmungsbereich mehr als genug abgedeckt – bei 120 dB liegt die menschliche Schmerzgrenze. Selbst das Eigenrauschen weiß zu überzeugen, denn der Ersatzgeräuschpegel beträgt laut Datenblatt 10 dB (A).

Dem MK 4 liegt eine Mikrofonhalterung bei, die sich einfach am unteren Ende des Schafts aufschrauben lässt.

Ran an die Quelle

Ausprobiert haben wir das Sennheiser MK 4 an diversen Schallquellen – überall mit hervorragenden Ergebnissen. Als erstes kam es als Raummikrofon bei Flügelaufnahmen zum Einsatz – in stereophoner Aufstellung. Aufgrund der Nierencharakteristik stellten wir sie so auf, dass beide ungefähr eineinhalb Meter voneinander entfernt in A-B-Anordnung in Richtung Flügel schauten. Der Abstand zum Instrument selbst lag bei gut zwei Metern, um genügend Rauminformationen zu erhalten. Offenbart hat sich uns ein sehr detailreicher, fülliger Klang, der – unterstützt von zwei Kleinmembranern direkt über den Saiten – authentisch und angenehm war.

Weiterhin baten wir einen Vocalisten in das MK 4 zu singen. Als Vorverstärker kam ein SPL Channel One zum Einsatz. Außerdem stellten wir wegen des relativ schlechten Raumklanges einen Reflection-Filter auf. Doch auch ohne diesen zeigte sich das MK 4 als Meister der Situation, indem es mit astreiner Nierencharakteristik rückwärtig eintreffende Schallreflexionen unterdrückte. Das Gesangssignal präsentierte sich uns sehr nuancenreich – und auch die Sprachverständlichkeit ließ keine Wünsche offen.

Als dritte und letzte Signalquelle, an die wir das MK 4 stellten, diente uns ein Gitarrenverstärker. Dank der guten Wandlung war der Sweetspot vor dem Speaker schnell gefunden und wir konnten loslegen. Erhalten haben wir sowohl bei cleanen als auch bei angecrunchten Sounds ein ausgewogenes Ergebnis, in dem weder zu aggressive Mitten noch allzu viel rauschende Störresonanzen vorhanden waren – freilich mussten wir mit dem EQ etwas nachhelfen und entzerren, doch das ist auch bei den besten High-End-Mikrofonen notwendig.

Sennheiser ist mit dem MK 4 ein Großmembrankondensatormikrofon gelungen, das man eigentlich nicht in diesem Preissegment erwartet. Neben der guten Verarbeitungsqualität kann sich das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis sehen lassen. Vor allem ist es für den Bereich des Homerecordings und in Projektstudios bestens geeignet. Auch wenn das MK 4 besonders gut die menschliche Stimme überträgt, lässt es sich ebenso vor diversen anderen Schallquellen einsetzen. Sehr gut würde es sich beispielsweise auch als Raummikrofon für Schlagzeugaufnahmen machen.

Neben dem MK 4 und der dazugehörigen Mikrofonhalterung enthält die Verpackung noch einen gepolsterter Beutel für die Aufbewahrung des Mikrofons.

Technische Daten

Wandlerprinzip

extern polarisiertes Kondensatormikrofon

Membrandurchmesser

1 Zoll

Richtcharakteristik Niere
Frequenzgang 20 Hz – 20 kHz
Empfindlichkeit 25 mV/Pa
Grenzschalldruckpegel  140 dB
Ersatzgeräuschpegel

10 dB (A)

Dynamikbereich

130 dB

Schaftdurchmesser 57 mm
Länge

160 mm

Gewicht 485 g
Lieferumfang

Mikrofonhalterung, Beutel & Bedienungsanleitung


 Wertung:

+ guter Klang
+ hochwertige Verarbeitung
+ schlichtes, modernes Design
+ vielseitig einsetzbar
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Preis (UVP): 355,81 Euro

www.sennheiser.de

Vertrieb: Sennheiser







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