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Test: Sennheiser „evolution wireless D1“-Serie

Nie wieder Funkstille

Jan Hoffmann am 15.03.2015

Nie wieder ...

In den letzten Jahren hat sich in Sachen Funksysteme für Musiker viel getan – auch dank neuer Frequenzregularien und dem zunehmenden Angebot an digitalen Geräten. Mit der neuen D1-Serie hat Sennheiser jetzt auch Modelle im 2,4-GHz-Bereich im Programm, die sich an all diejenigen richten, die beste Klangqualität bei einfachster Bedienung suchen.

Es gibt Dinge, von denen man gar nicht so recht weiß, dass man sie haben möchte – oder gar braucht –, bis man sie in Ruhe ausprobieren kann. Und dann weiß man oft nicht mehr, wie man vorher ohne sie leben konnte. Wireless-Systeme für Musiker sind so eine Sache. „Ach, ich hab doch mein Kabel, das passt schon.“ Naja, da ist was dran. Doch wenn man einmal die komplette Bewegungsfreiheit mit Funk kennengelernt hat, möchten die meisten diese nicht mehr missen – schon im Proberaum nicht und erst recht nicht auf der Bühne.

Nun waren Funksysteme vor gar nicht allzu langer Zeit – zumindest im Amateur- und Semiprobereich – nicht nur klanglich hörbar schlechter als Kabel, sondern auch kompliziert zu bedienen. Dazu kam, dass man mit vielen Systemen eigentlich sein Funksystem quasi für jedes Konzert hätte anmelden müssen – und auch dafür hätte bezahlen müssen. Das hat allerdings, ob aus Unwissenheit, Bequemlichkeit oder um Geld zu sparen, kaum jemand getan. Das führte nicht selten zu richtig empfindlichen Strafen.

Doch zum Glück hat sich hier in den letzten Jahren in allen Bereichen eine Menge getan, so dass man die heutige Wireless-Technologie nicht mehr mit den Geräten von früher vergleichen kann. Am offensichtlichsten zeigt sich das bei der Klangqualität. Insbesondere Digitalsysteme liefern hier so gute Ergebnisse, dass es durchaus nicht verwegen ist zu behaupten, dass der Klang locker mit dem eines guten Kabels mithalten kann. Übrigens: Auch in Sachen Latenz sind die Hersteller mittlerweile so weit, dass man sich schon sehr bemühen muss, um hier einen hörbaren Nachteil für Funksysteme auszumachen.

Die ewD1-Komponenten kommen in einem stabilen und praktischen Koffer.

Alles neu bei ewD1

Vorhang auf für die brandneue Funkserie evolution wireless D1 (kurz: ewD1 Digital) von Sennheiser, mit der der deutsche Traditionshersteller erstmals ein System im weltweit anmeldefrei nutzbaren 2,4 GHz-Bereich anbietet – womit ein früheres Problem hier schon mal restlos beseitigt wäre. Neben der erstklassigen Klangqualität lag der Fokus bei der Entwicklung vor allem auf einfacher Bedienbarkeit – und das auch bei der Benutzung vieler Funkstrecken parallel in ungünstigen Umgebungen mit viel WLAN & Co.

Um das zu gewährleisten, prüft der D1-Empfänger kontinuierlich die Belegung des Frequenzbandes und wechselt bei einer Störung unhörbar und nahtlos auf eine andere Frequenz. Dazu stehen nicht nur zwei parallel integrierte Antennen zur Verfügung, sondern auch ein parallel aktivierter Kanal, auf den bei Problemen blitzschnell automatisch umgeschaltet wird. Das wird all diejenigen freuen, die mit ihrer Musik oder Beschallung Geld verdienen und sich technische Probleme einfach nicht leisten können.

Zum Start bietet Sennheiser ein Instrumentenset, ein Headmic-Set sowie Vocal-Sets mit verschiedenen Mikrofonkapseln (e835S, e845S, e935 & e945) an. Dabei unterscheiden sich die Sets jeweils nur beim Sender, als Empfänger dient immer der kompakte und nahezu komplett aus solidem Metall gefertigte EM-D1 im 9,5“-Format. Wer einen oder zwei dieser Empfänger auf 1 HE ins Rack packen möchte findet bei Sennheiser das passende Zubehör. Übrigens: Jedes Set kommt im soliden Kunststoffkoffer, in dem nicht nur Sender und Empfänger, sondern auch noch diverse Kleinigkeiten Platz finden.

Der Gitarrensender ist schön leicht und kompakt, dabei aber ausgesprochen robust.

Einfach loslegen

Genug der Theorie, als Musiker will man ja einfach nur loslegen. Der Aufbau – wir nehmen uns zunächst das Instrumentenset vor – ist blitzschnell erledigt. Antennen und Netzteil an den Empfänger, Batterien und Kabel an/in den Sender – und schon kann man beide Geräte einschalten. Moment! Vorher noch per Instrumentenkabel den Empfänger mit Effektboard oder Amp verbinden. Das war es dann aber wirklich. Wo man sich früher noch durch den Frequenzdschungel arbeiten musste und mit Squelch & Co. herumdoktorte, kann man nun einfach nur einschalten. Den Rest macht das System selbst – klasse!

Der erste Soundtest begeistert mich auf jeden Fall schon mal mit völligem Fehlen irgendwelcher Auffälligkeiten. Will sagen: Das könnte auch ein hochwertiges Kabel sein. Der Sound ist absolut klar, kraftvoll und ohne spürbare Latenz. Gerade letzteres wir ja gerne vorgebracht, wenn jemand erklären möchte, was ihn an Wireless-Systemen stört. Sennheiser selbst gibt die Latenz mit 3,9 Millisekunden an. Für mich nicht spürbar. Zum Vergleich: Das ist in etwa der resultierende Unterschied wenn du 1,40 Meter näher oder eben weiter weg von deinem Amp lauschst. Und hast du schon mal einen Gitarristen erlebt, der sich über Latenz beschwert, wenn er nicht mehr zwei sondern dreieinhalb Meter vor seinem Amp steht? Also, ich nicht.

Ein anderes Problem können Einstreuungen beziehungsweise bei digitalen Systemen Störungen durch andere Geräte auf ähnlichen Frequenzen sein. Auch hier kann ich absolut Entwarnung geben. In unserem Testraum liefen parallel 10 WLAN-Netze, dazu eine nicht gerade als zimperlich bekannte GoPro-Kamera, die mit ihrem eigenen WLAN gerne alles andere platt macht. Dazu kamen die beiden Sennheiser-Testsysteme, ein Konkurrenzsystem, das ebenfalls im 2,4 GHz-Band arbeitet und was sonst so an Handys, Drahtlosanlagen und Elektronik im Raum war. Und die Sennheiser Systeme zuckten nicht mal mit der Wimper. Immer beste Performance, keinerlei Soundbeeinflussung. So soll es sein.

Beim Handsender kann man jederzeit nach Bedarf die Kapsel wechseln.

Einfachste Bedienung

Was kann man dann überhaupt noch am Sennheiser ewD1 bedienen bzw. beeinflussen? Am Hand- wie auch am Instrumentensender befindet sich außer Power- und Mute-Schalter – letzterer erfreulicherweise zum Schieben, denn so ist bei Bedarf in Sekundenbruchteilen Ruhe – nur noch ein Pair-Taster zu finden. Diesen braucht man, wenn man seinen Sender mit einem neuen Empfänger verbinden möchte oder zwischen verschiedenen Sendern an einem Empfänger wechseln möchte. Einfach am Sender so lange drücken, bis die Status-LED leuchtet, dann Pair am Empfänger drei Sekunden drücken und schon verbinden sich die neuen Devices miteinander. Einfacher geht es nicht.

So kann man sich beispielsweise zu seinem Instrument Set für rund 300 € einen Handsender kaufen, auf den man dann diverse Kapseln von Sennheiser packen kann (kompatibel sind die Modelle MMD 835-1, MMD 845-1, MME 865-1, MMD 935-1, MMD 945-1 & MMK 965-1), die ab rund 150 € zu bekommen sind. Das ist gerade für Beschaller interessant, die ihre Anlagen möglichst flexibel nutzen wollen. Übrigens: Eine ebenfalls sinnvolle Anschaffung sind auch die Akkupacks für rund 50 €, die es sowohl für Handsender wie auch Instrumentensender gibt. Diese verdoppeln nicht nur die Laufzeit des Senders nahezu von rund 6 auf etwa 11 Stunden, sondern sparen auf Dauer auch Geld.

Der Empfänger selbst bietet dann doch noch einige zusätzliche Möglichkeiten zur Feinabstimmung. So kann man beispielsweise einen Low Cut setzen, verschiedene EQ-Presets abrufen (oder ein eigenes mit dem integrierten 7-Band-EQ erstellen), den Output um bis zu 30 dB pushen oder von Line- auf Mic-Level umschalten. Das alles lässt sich ganz intuitiv über ein Endlospoti mit Push-Funktion und das Display erledigen. So kann man dem Tontechniker jederzeit ein optimales  Signal liefern. Auch die Benennung der einzelnen Funkstrecken und die Einbindung in ein Netzwerk kann man so ganz leicht erledigen.

Apropos Netzwerk: Hat man den Empfänger an einen Router angeschlossen wird man all diese Funktionen demnächst auch per App fernsteuern können, was durchaus praktisch ist, wenn etwa die Empfänger am Mischpult stehen und man selbst gerade auf der Bühne von E- auf Akustikgitarre wechselt und das ewD1 anpassen möchte. Wann genau die App kommen wird ist noch nicht ganz klar, aber man kann sich schon darauf freuen. Man merkt dem ganzen System auf jeden Fall an, dass die Entwickler sich hier richtig viele Gedanken gemacht haben.

Nahezu die komplette Bedienung läuft über das Display und den Endlosdrehregler.

Das bleibt hängen

Die neuen Sennheiser ewD1-Funksysteme sind genau das, was sich ambitionierte Musiker und Beschaller wünschen. Ein einfach zu bedienendes und toll klingendes System. Dazu kommen ein paar Zusatzfeatures, die über die reine Drahtlos-Nutzung hinausgehen, wie etwa der 7-Band-EQ. Gerade wenn man alles selbst machen muss, ist das eine große Hilfe. Und dank der Nutzung des 2,4-GHz-Bands kann man die Systeme auch in Zukunft bedenkenlos und weltweit einsetzen.

Dazu kommt eine erstklassige Fertigungsqualität mit reichlich Metall und solidem Kunststoff – alles macht den Eindruck, als könnte es auch hunderte Konzerte problemlos überstehen. Das Einzige, was mich als Gitarristen etwas stört, ist das Kabel zwischen Gitarre und Sender. Nicht, dass es schlecht wäre. Doch geht es kaputt, kann man es nicht einfach durch ein Standard-Klinkenkabel ersetzen. Aber das ist wirklich Jammern auf höchstem Niveau.

Ansonsten wissen die in Deutschland gefertigten Systeme absolut zu begeistern – eben weil man sich keine Gedanken um die Bedienung oder Einschränkungen in Sachen Soundqualität machen muss. Gerade für Vielnutzer empfiehlt sich noch die Anschaffung des Akkupacks, da dieser nicht nur doppelt so lange hält wie Batterien und die Umwelt schont, sondern dann auch genau angezeigt wird, wie lange der Strom noch hält. Ganz billig sind die ewD1-Systeme zugegebenermaßen nicht, aber der Gegenwert ist mehr als fair. An diesen Systemen wird man unzählige Stunden und Shows seine Freude haben.

Technische Daten & Wertung

Bauweise digitales Funksystem, 2,4 GHz
Gehäuse

Kunststoff/Metall, 9,5"-Rackformat (Empfänger), Kunststoff/Metall (Handsender) & Kunststoff/Metall (Instrumentensender)

Kompatibilität

bis zu 15 Systeme parallel

Display Empfänger

hochauflösendes OLED

Display Sender

LCD

Batterie, Laufzeit

2x AA Batterie, ca. 6 h; (BA10 Akkupack optional, ca. 11 h)

Stromversorgung Empfänger

Externes Netzteil

Frequenzbereich

2.400 - 2.483,5 MHz

Übertragungsbereich

20 Hz - 20 kHz

Anschlüsse 2x Antenne, Netzteil, Unbalanced Out (6,3 mm Klinke), Balanced Out (XLR), LAN (Empfänger) & 3,5-mm-Klinke, verschraubbar (Instrumentensender)
Dynamikbereich > 128 dB (A-gewichtet)
Maße (H x B x T) 40 x 212 x 193 mm (Empfänger), 278 x 45 x 45 mm (Handsender) & 99 x 62 x 20 mm (Instrumentensender)
Gewicht 825 g (Empfänger), 332 g (Handsender, inkl. Batterien) & 175 g (Instrumentensender, inkl. Batterien & Kabel)
Hergestellt in

Deutschland


Wertung:

+ hochwertige Fertigung Made in Germany
+ vorzügliche Audioqualität
+ fehlersichere Bedienung
+ bis zu 15 Systeme parallel einsetzbar
+ sehr unanfällig für Einstreuungen & Störungen
+ zukunftssicher und weltweit anmeldefrei einsetzbar (2,4-GHz-Frequenzband)
- Instrumentensender benötigt spezielles Kabel

Preisbeispiele (UVP):
ew D1 Instrument Set: 772,31 €
ew D1 845S Vocal Set: 891,31 €

Vertrieb: Sennheiser Deutschland (www.sennheiser.de
Weitere Infos: Sennheiser ew D1-Serie







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