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Test: sE Electronics Magneto & SPACE Reflection Filter

Anziehender Klang

Marco Sulek am 19.12.2014

Anziehender Klang

Es gibt unzählige Großmembraner für Einsteiger. Gerade sE Electronics sticht dabei mit seinen Mikrofonen heraus, die meist ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Mit dem Magneto brachte die chinesische Manufaktur jüngst ein hochinteressantes Modell für alle Zielgruppen auf den Markt. Wir sahen es uns näher an.

Seit über zehn Jahren beliefert sE Electronics die Musikerwelt mit günstigen und zugleich hochwertigen Mikrofonen – sowohl für den Studio- als auch für den Live-Einsatz. Neben seinem vielfältigen Angebot an Groß- und Kleinmembranern ist der chinesische Audiospezialist vor allem beim Fachpublikum für seinen Studiolautsprecher Munro Egg 150 und seine enge Zusammenarbeit mit Rupert Neve bekannt. Doch nicht nur Profis finden am Portfolio von sE Electronics Gefallen. Zu den neuesten Errungenschaften aus dem Shanghaier Hause gehört das Magneto.

sE Electronics bewirbt das Magneto als Großmembrankondensatormikrofon, das die hochwertige Audioqualität von Studiomikrofonen für Musiker erschwinglich machen soll. Zugegeben, ähnliche Marketingtexte liest man bei so gut wie jedem Schallwandler für eine budgetorientierte Zielgruppe, mit nur einem Unterschied: sE Electronics hält hier im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern sein Versprechen – doch dazu gleich mehr. Um selbst in schwierigen Umgebungen optimale Ergebnisse erzielen zu können, schickte uns der Vertrieb gleich den Reflexionsfilter SPACE mit.

Die Bezeichnung SPACE lehnt nicht am futuristisch anmutenden Design des Reflexionsfilters an, sondern steht für „Specialised Portable Acoustic Control Environment“ und basiert auf der von sE Electronics patentierten Multi-Layer-Air-Gap-Technologie. Dabei handelt es sich um ein spezielles Akustikelement mit zehn Lagen Stoff. Allerdings unterscheidet sich das Tool von anderen Schallschirmen: Er absorbiert den Schall an der Innenseite nicht, sondern fungiert als Diffusor, der für ein möglichst diffuses und somit homogenes Schallfeld in unmittelbarer Nähe des Mikrofons sorgt.

Rückseitig einfallenden Schall hingegen lässt der SPACE nicht passieren, sodass das davor positionierte Mikrofon möglichst wenige unerwünschte Rauminformationen überträgt. Somit empfiehlt es sich, den Reflexionsfilter überall dort einzusetzen, wo eine schlechte Raumakustik vorherrscht. Der ein oder andere mag jedoch beim Preis stutzen: „Das kostet ja dreimal so viel wie das Mikrofon.“ Ja, und ordentliche Akustikelemente, mit denen eine annähernd gleiche Wirkung erzielt wird, kosten schnell mal so viel wie ein guter gebrauchter Kleinwagen. Doch kommen wir zum eigentlichen Objekt der Begierde in unserem Test: dem Magneto.

Die besten Ergebnisse mit Magneto und SPACE lassen sich erzielen, wenn das Mikrofon leicht aus dem Akustikelement herausschaut.

Magnetisierende Wirkung

Auf den ersten Blick wirkt das sE Electronics Magneto absolut unspektakulär: Es besitzt ein mattschwarzes Design und es sind weder Schalter noch andere Besonderheiten daran zu entdecken. Lediglich das sE-Electronics-Logo an der Vorderseite gibt dem dunklen Gesellen etwas Farbe. Direkt darüber ist das Zeichen für eine nierenförmige Richtcharakteristik abgedruckt – der Hinweis dafür, dass sich hier die Haupteinsprechrichtung des Mikrofons befindet. Allerdings ist genau das als Vorteil und somit mit einem dicken Sympathiepunkt zu werten – schließlich soll sich der Musiker auf seine Performance und nicht das umwerfend aufregende Äußere des Mikrofons konzentrieren.

In Sachen Robustheit und Langlebigkeit macht das Magneto einen vorbildlichen Eindruck: Das Gehäuse besteht aus Aluminium und ist so gut verschraubt, dass kein Laie versehentlich etwas falsch machen kann. Der Korb ist außerdem mehr als stabil genug, um die empfindliche Membran zu schützen. Sollte der Schallwandler einmal unabsichtlich zu Boden fallen, sorgt der Bügel um den Korb dafür, dass sich nicht so schnell hässliche Dellen oder Beulen bemerkbar machen.

Wie für moderne Studiomikrofone üblich, besitzt das Magneto einen Frequenzgang von 20 Hz bis 20 kHz und lockt somit, Instrumente unterschiedlichster Couleur zu recorden. Selbst der weit oben angesetzte Maximalschalldruckpegel von 140 dB unterstützt die Möglichkeit, eine komplette Produktion nur hiermit zu fahren. Aber auch dies ist heutzutage nichts Besonderes mehr – selbst das Marketing der Hersteller, die die preiswertesten Schallwandler anbieten, verspricht dies.

Bevor wir jedoch endlich zum Sound des Magneto kommen, wollen wir uns noch kurz den Lieferumfang ansehen. Der Großmembraner in Schwarz kommt in einer mit Schaumstoff ausgepolsterten Pappschachtel. Bis auf ein paar Broschüren und der obligatorischen Mikrofonhalterung, die einfach an das untere Ende des Schafts zu klemmen ist, findet sich nichts Besonderes – was bei dem Preis auch nicht erwartet werden darf. Wer jedoch auf eine Mikrofonspinne Wert legt, wird bei sE Electronics fündig. Beispielsweise bietet sich das Isolation Pack an, das neben einer Entkopplung dank des daran anbringbaren Poppschutzes zusätzlich für ein sauberes Signal beim Einsingen sorgt.

Im Lieferumfang des Magneto findet sich eine Klemme, die sich einfach an das untere Ende des Schafts anklippen lässt.

Starke Performance

Apropos Einsingen: Wir nahmen das Magnet dorthin mit, wofür es primär gedacht ist – in den Proberaum. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Musiker direkt im Übungsdomizil aufnehmen und zugleich einen studiogleichen Sound umsetzen können. Doch das klappt nur mit viel Know-how und dem passenden Equipment. Mit dem Glauben, beides zu haben, legten wir auch gleich los. Um unsere Gesangsaufnahmen umzusetzen, nutzen wir auch den uns mitgelieferten Reflexionsfilter SPACE.

Das SPACE richteten wir so aus, dass die am stärksten reflektierende Seite des Raumes – nämlich die des Fensters – an die Rückseite des Akustikelements schaute. Dank der praktischen Schiene am Filter war es zugleich möglich, den Abstand von Mikrofon zu Diffusor frei zu bestimmen. Die besten Ergebnisse erzielten wir übrigens nicht in der ganz hinteren Mikrofonposition, sondern dann, wenn das Magneto leicht aus dem Filter herausschaute. Jedenfalls schraubten wir das SPACE kopfüber an ein Mikrofonstativ, sodass eben erwähnte Schiene nicht störte und die Unterkante des Mikrofons auf Höhe der Oberlippe des Sängers war.

Trotz anfänglicher Skepsis, waren wir bereits bei unserem ersten Höreindruck begeistert: Die Sprachverständlichkeit des Magneto war ausgezeichnet, außerdem nahm es die Nuancen des menschlichen Stimmumfangs in der Detailtreue auf, die man von weitaus teureren Mikrofonen kennt. Und das soll sicherlich nicht die Reaktion auf irgendeinen Hype sein, wie es oft durch die Medien geht, sondern ist absoluter Fakt. Schon alleine deswegen ist das Magneto als Gesangsmikrofon nicht nur Einsteigern zu empfehlen.

Als wir noch etwas herumexperimentierten, merkten wir erst, wie sehr das Magneto mit der eigentlich suboptimalen Akustik des Raums harmonierte. Auf den Aufnahmen war freilich der Raum zu hören, doch keineswegs störend. Selbst im Mix war das Signal durchsetzungsstark und leicht integrierbar. Wen der im Signal enthaltene Raum dennoch stört, dem hilft immer noch der Griff zu Gate, Equalizer und Konsorten. Einzig und alleine den Poppfilter sollte man nicht weglassen – aber der ist sowieso bei jeglichen Gesangsaufnahmen Pflicht.

Der Bügel um den Mikrofonkorb verleiht dem Magneto Robustheit.

Akustische Leichtigkeit

Großmembraner setzen viele primär für Gesang oder andere, charakterisierbare Schallquellen ein. Das liegt daran, dass bedingt durch die große Membranfläche eine gewisse Trägheit gegeben ist, die das Signal leicht verfälscht – was ja durchaus wünschenswert ist. Aus diesem Grund kommen vor allem für akustische Saiteninstrumente hauptsächlich Kleinmembraner vor das Aufnahmeobjekt. In ganz seltenen Fällen sind es dann doch Großmembraner, denen ein ganz bestimmter Sound innewohnt oder die annähernd so neutral klingen wie ihre schmalen Vertreter.

Selbstverständlich wollten wir es genau wissen und stellten das Magneto vor eine Akustikgitarre. Hier waren wir gleich ebenfalls völlig geflasht davon, wie natürlich das Instrument klang. Genau wie beim Gesang wandelte das schwarze Mikrofon den Schall mit einer lobenswerten Detailtreue und überzeugte zudem mit einer räumlichen Tiefe, die wir als sehr angenehm empfanden. Hierfür ließen wir sogar den Reflexionsfilter komplett weg, da er keineswegs nötig erschien.

Verglichen mit Großmembranern in der gleichen Preisklasse verdient das sE Electronics Magneto die Aufmerksamkeit jedes Recording-Enthusiasten mit wenig Budget. Und mal ehrlich, bei den akustischen Eigenschaften kann man vom dargebotenen Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nur schwärmen. Wo hier an aufwendigen Verschnörkelungen und anderem unnötigen Krimskrams gespart wurde, hat der Hersteller sinnvoll investiert – nämlich in die Elektronik.

Begeistert sind wir auch vom Reflexionsfilter SPACE. Wie bereits eingangs erwähnt, ist der Preis auf den ersten Blick recht hoch dafür, dass er „nur“ für eine bessere Raumakustik unmittelbar um das Mikrofon herum sorgt. Allerdings ist die Wirkung sehr deutlich wahrzunehmen und unserer Meinung nach auch besser als bei dem von sE Electronics angebotenen Reflection Filter mit absorbierenden Materialien. Ausprobieren ist hier auf jeden Fall angesagt – egal, ob mit Magneto oder einem anderen Schallwandler.

Rückseitig einfallenden Schall lässt der Reflexionsfilter SPACE nicht an das Magneto heran.

Technische Daten

Typ Großmembrankondensatormikrofon
Richtcharakteristik

Niere

Frequenzgang

20 Hz bis 20 kHz

Empfindlichkeit -36 dB
Eigenrauschen        

16 dB

Grenzschalldruckpegel

140 dB (bei 0,5 % THD)

Ausgangsimpedanz

200 Ω

Phantomspeisung

48 V

Lieferumfang

Mikrofon & Klemme


Wertung:
+ sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ hervorragender Klang in schwierigen Umgebungen
+ optimale Sprachverständlichkeit
+ schlichtes Design

Preise (UVP):
Magneto     118 Euro (UVP)
SPACE         320 Euro (UVP)

Weitere Infos unter: www.seelectronics.com

Vertrieb: Mega Audio







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