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Test: Rupert Neve Designs R6 & 511

Edle Garage

Marco Sulek am 06.12.2015

Edle Garage

Bereits der Name lässt die Herzen so gut wie aller Tontüftler höher schlagen: Senior-Engineer Rupert Neve zaubert seit den 1960ern die unterschiedlichsten Tools fürs professionelle Tonstudio. Zum neuesten Output seiner Firma Rupert Neve Designs zählen das Rack R6 und der EQ 551. Wir hatten beide mit weiteren vier hochinteressanten 500er-Modulen im Test.

Mittlerweile geht er auf die 90 zu, scheint aber noch längst nicht müde geworden zu sein: Rupert Neve. Er darf sich stolz einen der innovativsten und wichtigsten Pioniere der Audiotechnik nennen. Vor allem mit seinen Transistor-Schaltungen revolutionierte er so ziemlich alle Geräte, die der Signalverarbeitung dienen – darunter Mischpulte, Mikrofonvorverstärker und Equalizer. Wer jedoch denkt, die lebende Legende ruhe sich bereits auf seinen Lorbeeren aus, der irrt.

Die zwei neuesten Kreationen aus dem Hause Rupert Neve Designs sind das R6 und der 551 – hierzu gleich mehr. Beim R6 handelt es sich um ein ausgeklügeltes Rack für die 500er-Module. Allerdings ist das drei Höheneinheiten messende Rack nicht nur ein bloßes Gehäuse. Diverse Schutzschaltungen, mehr als ausreichend Headroom für die Speisung von bis zu sechs Modulen sowie ein LED-Meter, das den aktuellen Stromfluss in Milliampere anzeigt, machen das R6 zu einer interessanten Garage für diverse Tools. Aber das ist noch längst nicht alles.

Für mehr als ausreichend Stabilität sorgt eine Hülle aus Stahl. An der Unterseite sowie links am Gehäuse sind vier Gummifüßchen befestigt, die für einen rutschsicheren Stand sorgen. Rechts am Gehäuse? Richtig gelesen: Das R6 kann sowohl horizontal als auch vertikal platziert werden. Neves 500er-Modul-Garage ist dabei nicht nur für den stationären Studio-Einsatz gedacht, sondern lädt auch dazu ein, die kleinen Tools mobil zu nutzen. Für eine entsprechend komfortable Transportierbarkeit findet sich an der rechten Gehäuseseite ein stabiler Griff. Wer sein R6 inklusive seiner 500er-Module lieber fest verschraubt im Rack wissen will, der erhält von Rupert Neve Designs optional die passenden Rackohren.

Alle Anschlüsse des R6 an der Rückseite machen einen hochwertigen Eindruck und sind fest mit dem Gehäuse verschraubt. Apropos: Signale gelangen über Buchsen in den Formaten symmetrische Klinke, XLR und DB-25 sowohl in das R6 hinein als auch aus diesem heraus. Dabei bietet das Rack insgesamt acht Kanäle. Die ersten sechs sind jeweils für ein Modul-Slot gedacht, die Kanäle „7“ und „8“ hingegen können beispielweise dafür genutzt werden, um ein Signal von DB-25 auf Klinke oder XLR – oder eine beliebig andere Richtung – zu konvertieren.

Dank je eines 8-LED-Level-Meters hat man beim 542 und 511 immer alles im Blick.

Gib mir fünfhundert

Rubert Neve Designs hat die unterschiedlichsten 500er-Module im Programm, die im R6 Platz finden – von Kompressoren über Preamps bis hin zu Tape-Simulatoren. Das einheitliche 500er-Steckformat erlaubt es aber auch, jedes andere 500er-Modul in das R6 zu integrieren. Vor allem für ältere Modulmodelle gibt es an der Rückseite passende Gewinde, um diese zu befestigen. Schlitzförmige Öffnungen an der Ober- und Unterseite des Gehäuses sorgen außerdem für eine ausreichende Belüftung, damit die Tools nicht überhitzen.

Seinen Strom erhält das R6 über ein Kaltgerätenetzteil. An Bedienelementen findet sich – passend dazu – lediglich ein Netzschalter an der Vorderseite. Direkt darüber zeigt eine LED Betriebsbereitschaft an. Das R6 stellt jedoch nicht nur für jedes Modul ausreichend Strom für einen stabilen Betrieb zur Verfügung, denn: Was braucht es, um Preamps ordentlich betreiben zu können? Richtig, die Möglichkeit, 48 Volt Phantomspeisung hinzuzuschalten, um den Einsatz von Kondensatormikrofonen zu ermöglichen.

Eine Besonderheit des R6 ist die sogenannte Link-Jumper-Funktion. Dank dieser können Tools mit einem Link-Schalter gemeinsam über das linke Modul gesteuert werden – natürlich nur, sofern es sich um die gleiche Bauweise handelt. Das macht es einfacher, Stereo-Signale zu bearbeiten – etwa mithilfe von Kompressoren. Allerdings ist es nicht möglich, gleiche Module beliebig miteinander zu verlinken. Die Funktion ist lediglich paarweise für die Kanäle „1“ und „2“, „3“ und „4“ sowie „5“ und „6“ verfügbar.

Nicht genügend 500er-Module, um das R6 vollzukriegen? Kein Problem: Mit dem 510 hat Rupert Neve Designs die passende Blende im Programm, die sich nicht nur optisch gut einfügt, sondern auch das Eindringen von Staub und anderen Fremdkörpern verhindert. Etwas schade ist im Übrigen, dass es vom Briten selbst keine schützende Tragetasche für das R6 gibt. Kommt es bei mobilen Anwendungen zum Einsatz, könnte sich bei extremen Minustemperaturen und starkem Niederschlag ein durchaus mulmiges Gefühl bemerkbar machen.

Die Kanäle „7“ und „8“ lassen sich optimal dafür verwenden, um Signale von DB-25 auf XLR bzw. Klinke oder andersherum zu konvertieren.

Verstärkung auf hohem Niveau

Die zweite neue Errungenschaft aus dem Hause Rupert Neve Designs ist der 511. Hierbei handelt es sich um einen Mikrofonvorverstärker im 500er-Modul-Format. Das Finish passt mit seinem hellgrauen Ton optimal zum R6 – und somit auch zu den anderen Modellen aus der 500er-Serie. Zur optischen Kontrolle des Signalpegels gibt es rechts neben der Gain-Kontrolle einen Level-Meter mit acht Segmenten. Der 511 bietet die Optionen, 48 Volt Phantomspeisung für das Betreiben von Kondensatormikrofonen zu aktivieren und das Signal in der Polarität umzukehren.

Wie bei vielen von Neve entworfenen Tools bietet auch der 511 zwei Pegelanpassungsmöglichkeiten: Zum einen den wichtigen Gain-Regler in Rot, der das Signal in 6-dB-Schritten um insgesamt bis zu 66 dB anheben kann. Zum anderen findet sich der Trim-Regler in Weiß, worüber sich das Signal stufenlos um ±6 dB feinjustieren lässt. In Dunkelgrau darunter präsentiert sich der High-Pass-Filter. Sobald der Schalter „HPF“ gedrückt wurde und grün leuchtet, ist es möglich, störende tieffrequente Signalanteile von 20 bis 250 Hz bei einer Flankensteilheit von 12 dB pro Oktave abzuschneiden.

Die wohl auffälligste Besonderheit des 511 ist der sogenannte Silk-Modus. Dieser lässt sich über den Schalter „SILK“ aktivieren und über den Texture-Regler anpassen. Aber was macht dieser Modus genau? Der Effekt reduziert das negative Feedback an den Ausgangstransformatoren. Einfach ausgedrückt bedeutet das: Er schafft dadurch einen Sättigungseffekt im mittleren und hohen Frequenzbereich. Zugegeben, ohne Kontext fällt das nur schwer auf. Wird das Signal jedoch in den Mix integriert, macht sich der Effekt sofort bemerkbar: Es lässt sich gleich viel mehr Durchsetzungskraft und Präsenz ausmachen.

Auf unnötigen Schnickschnack hat der Brite beim 511 verzichtet: Das Signal wird absolut sauber und detailreich vorverstärkt, wobei sich eine gewisse Musikalität attestieren lässt, denn es bringt im Vergleich zu über andere Vorverstärker auf Arbeitspegel gebrachte Signale mehr Pepp und Vitalität, aber keinesfalls Sterilität. Selbst der Hochpassfilter greift sanft, aber zugleich sehr effizient ein. Will sagen: Er macht genau das, was er machen soll, sehr gut.

An der Rückseite des R6 finden sich seine sämtlichen Anschlüsse.

R6 immer dabei

Wir hatten von Rupert Neve Designs ein R6 im Test, das mit je einem 511 Mikrofonvorverstärker mit Silk-Funktion, 517 Mikrofonvorverstärker mit Kompressor- und DI-Funktion, 542 Tape-Emulator, 543 Kompressor sowie 551 Equalizer bestückt war. Das Setup hatten wir auf einer mobilen Produktion im Einsatz, wobei wir genügend Zeit hatten, um mit allen Tools etwas herumzuexperimentieren. Um die einzelnen Funktionen und Module testen zu können, hatten wir zudem genügend Patch-Kabel dabei – schließlich sollte ja durch alles mindestens einmal ein Signal gejagt werden.

Nachdem wir die Signale von E-Bass, Akustikgitarre und Gesang über die Tools geschickt hatten, entschieden wir uns dafür, das R6 für den Gesang zu nutzen. Am Anfang der Signalkette nutzten wir ein Sennheiser MK 8, dessen Output im 511 vorverstärkt und anschließend erst durch den Kompressor 543, dann durch den EQ 551 sowie schließlich durch den Tape-Emulator 542 geschickt wurde. Was wir durch dieses Routing erhielten, war ein extrem durchsetzungsstarkes Gesangssignal, das sich selbst bei niedrigerer Lautstärke sehr gut im Mix behaupten konnte – und das bei einem nuancenreichen, seidigen Charakter.

Das R6 plus die Module von Rupert Neve Designs machen Spaß. Ja, sogar so viel Spaß, dass – sehr zum Leidwesen des Sängers – die eigentliche Aufgabe des Mischens eher zur Nebensache wurde. In dieser Kombination wäre es natürlich nicht nur möglich gewesen, den Gesang optimal zu veredeln, sondern jegliches vorstellbare Signal. Aber, wie heißt es so schön: Setze deine besten Tools für die menschliche Stimme ein – und genau das haben wir getan.

Zugegeben: Ein UVP von über 700 Euro „nur“ für ein Netzteil sorgt bei den meisten schnell für Stirnrunzeln. Doch das gute Stück zahlt sich schon alleine aus dem Grund aus, um seinen geliebten 500er-Modulen ein zuverlässiges sowie absolut sauber arbeitendes Rack inklusive Transportierbarkeit zu gönnen – und wer möchte seine geliebten Tools nicht immer griffbereit haben? Wir sagen: Diese Garage hat es in sich und es ist jedem zu empfehlen, ihre Möglichkeiten selbst zu entdecken.

Auf sechs LEDs zeigt das R6 in Echtzeit an, wie viel Strom in Milliampere gerade benötigt wird.

Technische Daten & Wertung

Anschlüsse

8x XLR-In, 8x XLR-Out, 8x TRS-In, 8x TRS-Out, 1x DB-25-In, 1x DB-25-Out, 6x 500er-Slot & Kaltgerätenetzbuchse

Bedienelemente Netzschalter
Metering 6 LEDs für die Stromstärke in mA
Maße

330 x 190 x 139 mm (L x B x H) 3 HE

Gewicht 4,31 kg
Herkunftsland USA

 

Wertung:

+ sehr gute Verarbeitung
+ Transportierbarkeit
+ ermöglicht stabilen und zuverlässigen Betrieb von 500er-Modulen
– keine passende Hülle zum Schutz der Module erhältlich

Preise (UVP):
R6    712,81 €
511    772,31 €
517    1.129,31 €
542    1.069,81 €
543    1.307,81 €
551    939 €

Vertrieb: Mega Audio
Weitere Infos: Rupert Neve Designs 500 Series

 

 

 







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