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Test: Roland JD-XA

Zurück in der Zukunft

Malte Stamm-Gadow am 04.09.2015

Zurück in der ...

Lange hat es gedauert, doch jetzt ist Roland zurück im Feld der analogen Synthesizer. Mit dem JD-XA zeigen die Japaner auch gleich, dass sie wissen, wie analoge Synthese mit digitalem Fortschritt in einem Instrument vereint wird. Ein gut klingender Ausflug in die eigene Vergangenheit für den Musiker von heute. Wir haben das Roland JD-XA gleich mal direkt im Studio getestet.

Schon der erste Eindruck des JD-XA gefällt mir als erfahrenem Synthesizer-Spieler. Die 49 Full-Size-Tasten und 8 gleichzeitig spielbaren Klänge sind ein ordentliches Pfund, mit dem Rolands neuester Synthesizer strotzt. Doch die eigentliche Sensation ist, dass vier der Stimmen von einem analogen Synthesizer stammen. Roland, einst einer der führenden Hersteller polyfoner Analoger, besinnt sich endlich wieder auf frühere Stärken. Gerade weil Instrumente wie das System 100, Jupiter 8 oder Juno 60 bis heute sehr hohes Ansehen genießen, sorgte diese Nachricht unter Synthesizer-Freaks für Begeisterung.

Es gibt einen klaren Aufbau: Jede Menge Regler, die zudem beleuchtet sind, erleichtern sofort nach Einschalten das Erstellen eigener Klänge. Oszillatoren, Filter, Modulationsquellen – wie die zwei ADSR-Hüllkurven – sind ohne Umweg über irgendwelche Menüs erreichbar.

Für weiteren Spielspaß sorgen diverse Hilfen. Der typische Roland-Hebel zum Pitchbending und für Modulation ist ebenso dabei wie ein Pitchbend- und ein Modulations-Rad. Hervorragend! Hier wurde an die unterschiedlichen Vorlieben von Keyboardern gedacht. Außerdem gibt es eine Hold-Funktion sowie einen Arpeggiator, der Akkorde in schnell gespielte Einzeltöne zerlegt. Eine weitere kreative Spielhilfe ist der Roland-typische Step-Sequencer. Er ist sogar für jede Stimme programmierbar. Damit kannst du schnelle vielschichtige Phrasen erstellen. Leider bietet er keinen Song-Modus.

Diese Vielfalt benötigt natürlich trotzdem eine etwas komplexere Bedienung als ein einfacher analoger Synthesizer. Für die ersten Schritte kann es daher hilfreich sein, einen Blick in die Anleitung zu werfen. Danach gehen ganze Produktionen schnell von der Hand.

Als unterstützend erwies sich bei der Produktion der Demo-Tracks im Video die Beleuchtung der Taster und Fader. Was auf den ersten Blick nur wie eine bunte Design-Idee anmutet, entpuppte sich als clevere Hilfe. Beleuchtet sind nämlich immer nur die Fader und Taster, die für den gewählten Klang genutzt werden können. Einige der Fader sind den analogen Stimmen vorbehalten, andere wiederum den digitalen.

Jeweils vier analoge und digitale Parts kann der JD-XA gleichzeitig erzeugen.

Die analoge Seite des JD-XA

Eindrucksvoll zeigt der JD-XA, dass Roland bestens weiß, wie man analoge Synthesizer baut. Zwei Oszillatoren, die jeweils die Wellenformen Sägezahn, Rechteck/Pulswelle, Dreieck oder Sinus erzeugen können, sorgen für das klangliche Fundament. Unterstützt werden sie von einem Rauschgenerator, der rosa und weißes Rauschen bietet. Alternativ kann statt des Rauschens eine externe Klangquelle, etwa eine Gitarre oder Gesang, oder ein Klang der digitalen SuperNatural-Synthese in den analogen Signalweg eingespeist werden.

Den Wellenformen-Mix kannst du durch verschiedene Filter weiter formen. Zur Auswahl stehen ein Multifilter mit 12 dB-Flankensteilheit pro Oktave, ein Moog-typischer 24 dB-Tiefpass-Filter sowie ein Roland-typischer Tiefpass-Filter, der ebenfalls eine Flankensteilheit von 24 dB pro Oktave besitzt. Alle drei Filtertypen klingen sehr gut. Eine echte Besonderheit ist allerdings nur der Roland-eigene Filter. Viele typische 1980er-Jahre-Klänge wurden von Rolands Filtern geprägt. Wollte man bisher so einen Filter haben, musste man sich einen gebrauchten Jupiter, SHS oder Juno kaufen. Jetzt gibt es endlich einen modernen Synthesizer mit original Roland-Filter.

Hinter den analogen Filtern sitzt übrigens noch ein Hochpass-Filter, der aber nicht moduliert werden kann. Alle anderen analogen Bauteile lassen sich dagegen auf verschiedenste Weise modulieren. Beide Oszillatoren bringst du unabhängig voneinander durch eine Pitch-Hüllkurve und zwei LFOs in Bewegung. Außerdem lassen sie sich miteinander im Ring- oder Cross-Modulator verschmelzen. Dadurch erweitert sich die analoge Klangvielfalt um metallisch anmutende Sounds. Selbstverständlich ist es auch möglich, die Pulsweite der Rechteck-Wellenformen der Oszillatoren durch eine LFO zu verändern.

Bei Rolands JD-XA stehen drei verschiedene analoge Filtertypen zur Auswahl.

Die digitale Seite des JD-XA

Die digitalen Stimmen der SuperNatural-Synthese sind ein wenig anders aufgebaut. Sie bestehen aus bis zu drei Partialen. Ein Partial ist die Kombination aus einem digitalen Oszillator, Filter und Verstärker. Die klangliche Summe der drei geht in einen Effekt. Bei Bedarf kann sie zusätzlich anstelle des Rauschens in die analoge Klangerzeugung eingeschliffen werden und dort die analogen Oszillatoren klanglich bereichern. Auf diesem Wege kannst du die digitalen Oszillatoren mit einem der analogen Filter bearbeiten.

Zu den digitalen Bereichen des JD-XA gehören sämtliche Hüllkurven und LFOs. Selbst die analogen Stimmen werden auf digitalem Weg moduliert. Trotzdem sind sie schnell, so dass kurze Attacks und schnelle Modulationen kein Problem sind. Zudem hatten bereits viele polyfone analoge Synthesizer in den 1980er-Jahren ebenfalls digitale Hüllkurven.

Für jeden der analogen wie digitalen Filter stehen eigene Hüllkurven sowie die zwei LFOs als Modulationsquellen bereit. Die Stärke, mit der die LFOs den Filter und andere Parameter beeinflussen, lässt sich über einen Fader einstellen. Dabei sind sowohl positive wie negative Beeinflussungen möglich, zusätzlich gibt es noch eine Fadetime, die dafür sorgt, dass der LFO langsam eingeblendet wird. Eine sehr gute Idee, mit der man zum Beispiel sogenannte Wobble-Bässe, wie sie im Dubstep und ähnlichen Stilen gerne eingesetzt werden, schnell erstellt.

Die Effekte sind ebenfalls digital. Sie werden am Ende der Signalkette hinter dem Mixer hinzugefügt. Klanglich sind sie über jeden Zweifel erhaben. Roland baut schon lange verschiedenste hochwertige Effektgeräte, davon profitiert der JD-XA. Allerdings gilt bei den Presets: Weniger wäre mehr gewesen. Manches Preset – so empfinde ich es – ist mit Effekten überladen. Also einfach mal abschalten, um den reinen Klang zu hören.

Hinter der Effekt-Sektion befindet sich ein weiteres Highlight: Der Vocoder. Gespeist wird er über einen vielseitigen Mikrofon-Eingang, an dem du sogar hochwertige Mikrofone anschließen kannst. Die notwendige Phantomspeisung kannst du zuschalten.

Die vielen Anschlüsse sorgen für eine perfekte Einbindung in die meisten Studio- und Live-Situationen.

Ausstattung

Die weitere Ausstattung ist ebenfalls einem Top-Synthesizer angemessen. Klar, MIDI-In/-Out ist dabei, drei Pedal-Anschlüsse, Stereo-Out sowie ein Kopfhörer-Ausgang. Aber der JD-XA bietet noch mehr. Wie erwähnt, kannst du ein Mikrofon anschließen. Die entsprechende Buchse ist eine Kombi-Buchse für XLR- oder Klinkenstecker. Neben den Stereo-Ausgängen finden sich zudem zwei weitere Ausgänge, von denen einer für die analogen Klänge vorgesehen ist, der andere für das integrierte Metronom. Zum Anschluss an die analoge Synthesizer-Welt gibt es jeweils zwei CV-Out- und Gate-Out-Anschlüsse im Mini-Klinken-Format.

Direkt neben den Anschlüssen an die Retro-Welt liegen die Anschlüsse zur modernen Gegenwart. Ein USB-Slot dient zur Aufnahme eines entsprechenden Sticks, auf dem du die Daten des JD-XA sicherst. Ebenso durchdacht ist der zweite USB-Anschluss. Im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Synthesizern überträgt er nicht nur MIDI zwischen Synth und Computer, sondern ebenfalls Audio. Damit reichen im Studio für den JD-XA zwei Kabel: eines für den Strom und ein USB-Kabel zum Anschluss an die DAW. Allerdings ist dafür noch die Installation eines Treibers am Computer erforderlich. Hast du diese erledigt, funktioniert die Verbindung problemlos.

Des Weiteren liegt dem Karton noch ein knappes Handbuch bei. Alle wichtigen Funktionen sind dort gut verständlich erklärt. Allerdings manchmal etwas zu knapp. So erfährst du dort weder, welche Wellenformen-Varianten die digitale SuperNatural-Synthese bietet, noch etwas über die möglichen Effekte. Stattdessen nur ein Hinweis auf ein englischsprachiges PDF, das zum Download bereit steht. Das ist angesichts des Preises ärgerlich, die paar Seiten mehr hätten in dem Handbuch mit Sicherheit noch Platz gehabt.
 
Gewohnt gut ist dagegen die Stromversorgung gelöst. Es handelt sich um ein externes Netzteil, dessen Stecker am JD-XA über eine Zugentlastung eingesteckt wird. Ein schnelles Rausrutschen des Kabels wird damit verhindert. Auf der anderen Seite blockiert kein dickes Netzteil die Steckdose, da das Gerät mit einem handelsüblichen Kabel an die Stromversorgung angeschlossen wird.

Neben dem Roland-typischen Joystick gibt es jeweils ein Pitch-Bend- und ein Modulations-Rad.

Fazit / Wertung / Preis /Technische Daten

Roland kann es immer noch: Der JD-XA begeistert als vierstimmiger Analog-Synthesizer mit gutem, durchsetzungsfähigem Klang. Gleichzeitig ist er alles andere als ein Retro-Gerät, die SuperNatural-Synthese ist ebenso zu hervorragenden Klängen fähig. Somit vereint der JD-XA das Beste aus Rolands analoger Vergangenheit mit der digitalen Gegenwart. Dazu zeigt sich der JD-XA zu vielen Seiten offen. Egal, ob als Hauptinstrument im Studio, das direkt per USB mit der DAW kommuniziert, im Retro-Studio oder auf der Bühne – du kannst ihn in jeder Situation problemlos einsetzen. Dazu sorgt der Vocoder für zusätzlichen Spaß.

Schade ist nur, dass im Handbuch einige Informationen fehlen. Das mindert natürlich keineswegs den Spielspaß. Wie es sich für einen analogen beziehungsweise virtuell-analogen Synthesizer (denn das ist die SuperNatural-Synthese) gehört, sind hervorragende Klänge schnell erstellt. Die vielen Spielhilfen wie etwa der Step-Sequencer sorgen zudem für eine Menge zusätzlicher Inspiration.

Wertung:
    + druckvoller Sound
    + vielseitige Anschlussmöglichkeiten
    + solide Verarbeitung
    + vielseitig einsetzbar
    - Handbuch zu knapp
    - Oberfläche sehr staubempfindlich


Preis (UVP): 2.289 €

Vertrieb: Roland Musik,
Weitere Infos zum JD-XA: Roland JD-XA

Technische Daten:
Produkt:          Roland JD-XA
Gattung:         analog-digitaler Hybridsynthesizer
Tasten:           49 normal große mit Anschlagsdynamik
Lieferumfang:  Synthesizer, Handbuch, Netzteil   
Hergestellt in:  Japan


Video zum Roland JD-XA-Test







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