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Test: Propellerhead Reason 9

Neue Spieler für Reason

Malte Stamm-Gadow am 25.10.2016

Neue Spieler für ...

Unter den DAWs nimmt Reason ein Sonderstellung ein. Da ist beispielsweise die Optik, die sich sehr an Hardware-Racks orientiert. Dennoch ist Reason seit Einführung von Audiospuren in Version 6 eine leistungsstarke Produktionssoftware, die für komplette Produktionen gut ausreicht. Nach Einführung einer eigenen Plug-In-Schnittstelle in Reason 7 und Midi-Out in Version 8 bringt Reason 9 einen neuen Typ von Rack-Geräten: die Players. Was diese sowie die neuen Audiofunktionen leisten, zeigt unser Test.

Neue Versionen der schwedischen DAW werden üblicherweise mit einem Video vorgestellt, so auch Reason 9. Auf diese Weise wurde mit den Playern gleich eine ganze neue Gerätegattung für das Reason-Rack angekündigt. Zu den weiteren Neuheiten gehören unter anderem Verbesserun-gen des Audioeditors wie Audio-to-MIDI beispielsweise und ein Pitch Editor, zwei Funktionen, die Dir andere DAWs allerdings schon seit Jahren bieten. Durch das Zwischenupdate auf 9.1 ist Reason zudem die erste DAW nach Ableton Live, die Abletons Link-Technologie verwendet.

Die Installation ist wie immer einfach und die Anforderungen an den Rechner gering. Egal ob Mac oder Windows, es reichen 4 GB Arbeitsspeicher, ein halbwegs aktuelles Betriebssystem (Mac OS 10.7 oder Windows 7) sowie 4 GB freier Speicher auf der Festplatte. Allerdings ist selbst Reason mittlerweile ausschließlich unter 64-Bit lauffähig, 32-Bit-Systeme sind also außen vor. Damit folgt Reason dem allgemeinen Trend, 32-Bit-Systeme sind inzwischen ein Auslaufmodell. Eine spezielle Anforderung an die CPU ist im übrigen nicht gegeben.

Das Ganze wird wie immer zu einem günstigen Update-Preis angeboten. Reason, ursprünglich ein reines elektronisches Musikstudio, ist seit der Version 6 eine vollständige DAW mit Audiospuren. Die Einbindung externer Synthesizer via MIDI wurde in einem der letzten Updates ebenfalls ver-wirklicht. Geblieben ist allerdings die eigenwillige Darstellung aller Geräte als Rack. Mal sehen, wie sich die neuen Player in das Rack einfügen.

Für Reason stehen jetzt drei Farbvarianten zur Auswahl

Neu im Rack

Die Player weichen ein wenige von den bisherigen Gerätetypen im Reason-Rack ab. Scales & Chords, Dual Arpeggiator und Note Echo bieten reine MIDI-Funktionen, dass heißt sie reagieren ausschließlich auf MIDI-Signale. Bisher empfing jedes Reason-Gerät CV-/Gate-Signale. Entspre-chend kreativ lassen sich Instrumente und Effekte im Rack als eigenständige Geräte verkabeln. Die Player dagegen arbeiten als eine Art Zusatzgerät zu dem jeweiligen Klangerzeuger, dessen MIDI-Signale sie bearbeiten sollen. Jedes MIDI-Signal, dass zu dem zugehörigen Klangerzeuger geht, wird durch dessen Player entsprechend den Einstellungen manipuliert.

Um einen Player ins Rack einzufügen, klickst du einfach auf das Instrument, das ein verändertes MIDI-Signal erhalten soll. Anschließend wählst du im Browser einen der drei Player aus. Dieser wird quasi auf das ausgewählte Instrument aufgesetzt. Optisch unterscheiden sich die Player durch ihre etwas geringere Breite von den Instrumenten. Im Gegensatz zu diesen lassen sie die Rackkante frei. Drehst du das Rack um, erkennst du sie sofort von hinten, denn die Player bieten keine CV-/Gate-Ein- oder Ausgänge. Sie sind stets klar als Zusatz zum Instrument zugeordnet.

Durch die Möglichkeit beliebige viele der Player zu einem Instrument aufzurufen, entstehen vielfäl-tige Möglichkeiten mit nur einem Ton, komplexe Tonfolgen zu erzeugen. Zum Beispiel indem du zuerst Scales & Notes ins Rack ziehst und dann den Dual Arpeggiator. Über Direct Record und Send to Track nimmst du die erzeugten Tonfolgen bei Bedarf sogar direkt im Sequenzer von Reason auf. Um weitere Variationen zu erzeugen, lassen sich die aufgezeichneten Tonfolgen im Sequenzer noch verändert.

Mit einem Klick erzeugst du aus einer Audiodatei ein MIDI-File

Die Player in der Praxis

Chords erzeugt, der Name verrät es, aus einer MIDI-Note eine Akkord. Vergleichbare Funktionen gab es schon bei polyfonen Analog-Synthesizern wie dem Korg Mono/Poly. Es handelt sich dabei also um keine ganz neue Idee, einige andere DAWs bieten ähnliche Funktionen. Dafür ist sie aller-dings in Reason 9 sehr flexibel umgesetzt. Du stellst die Grundtonart deines Tracks ein, wobei neben Moll und Dur weitere Tonleitern (etwa Lydisch) zur Auswahl stehen. Wenn nötig, legst du sogar deine eigene Tonleiter fest. Zusätzlich hast du die Möglichkeit, die Anzahl der Töne des Ak-kords zu bestimmen und ob eine Akkord-Umkehrung erklingen soll.

Kombinierst du Chords mit Dual Arpeggio, entstehen mit nur einem Tastendruck ausgefallene harmonische Muster. Für die zwei Arpeggios dieses Players hast du ebenfalls sehr viele Einstell-möglichkeiten. Natürlich stehen die auch alle zur Verfügung, wenn du Dual Arpeggio alleine ein-setzt und auf deinem Keyboard Akkorde spielst. Dual Arpeggio zerlegt im Gegensatz zu einfachen Arpeggiatoren die Akkorde nur bedingt in einzelne Töne. Vielmehr wird der Akkord in Abhängigkeit von den Einstellungen zerlegt. Dazu bestimmst du, welche Töne des Akkords zu welchem Zeitpunkt von einem oder beiden Arpeggiatoren gespielt wird.

Dritter Player im Bunde das MIDI-Delay Note Echo. Im Gegensatz zu den anderen beiden Playern sind seine Einstelloptionen schon fast bescheiden. Wie der Name andeutet, verzögert bezie-hungsweise wiederholt er MIDI-Noten. Der entscheidende Unterschied zu einem Audio-Delay ist dabei, dass Note Echo das Signal in der Tonhöhe und Anschlagsdynamik variieren kann. Da du die Verzögerungszeit des Signals in Noten- oder Zeitwerten einstellst, erzielst du bei kleineren Zeiten eine Effekt, der an das Anschlagen von Gitarrenakkorden erinnert (Strumming). Zusammen mit den beiden anderen Playern sorgt Note Echo für eine sehr vielseitige harmonische Begleitungen deiner Melodien.

In Pitch Edit veränderst du unter anderem die Tonhöhe.

Neue Audio- und MIDI-Funktionen

Für Musiker, die keine Noten schreiben und lesen können, wird es immer einfacher, Ideen festzu-halten und weiterzuentwickeln. Einfach ins Mobiltelefon einsingen, zu Hause auf den Computer importieren und in der DAW in MIDI-Daten umwandeln. Reason 9 zumindest soll das mit Hilfe von Audio-to-MIDI können. Diese Funktion erreichst du durch einen Klick auf ein (importiertes) Audiofi-le. Im Auswahlmenü gehst Du auf „Bouncing“ und dort auf „Audio-Clip-Bouncing zu MIDI“. Aller-dings hängt das Ergebnis sehr vom Audiofile ab. Wenn die Aufnahme verzerrt ist oder du etwas ungenau gesungen hast, solltest du sie eventuell vorher noch mit der neuen Pitch Edit-Funktion bearbeiten.

Pitch Edit ist eine der besten Neuerungen in Reason 9. Ähnliche Funktionen bieten spezialisierte Programme wie Melodyne sowie viele DAWs schon an. In Reason war eine Tonhöhenkorrektur bisher nur mit Hilfe der REX-Player oder dem Neptun Pitch Adjuster möglich. Jetzt erledigst du dies direkt im Audioeditor. Dabei steht zur Auswahl nur einzelne Töne oder das gesamte Audiofile zu bearbeiten. Um Pitch Edit  zu erreichen, markierst du das Audiofile. In der Werkzeugleiste zwi-schen Slice Edit und Comp Edit erscheint dann der neue Button Pitch Edit.
Für die Bearbeitung von MIDI-Daten gibt es neben den drei Playern noch eine neue Möglichkeit. Es ist jetzt möglich, MIDI-Clips umzukehren. Damit erstellst du schnell mal eine Variation deiner Melodie oder Basses. Besonders, wenn du mit Hilfe der Send-to-Track-Funktion der Player schon MIDI-Clips aufgenommen hast, erzeugt die Umkehrung mit wenigen Klicks weitere Variationen deines Tracks. Ein MIDI-Clip, der mit Audio-to-MIDI aus einer Audio-Datei erzeugt wurde, bietet sich ebenfalls als Ausgangsdatei zum Umkehren an.

Reason 9.1 läuft durch Link synchron zu Apps

Darf es noch etwas mehr sein?

Neben den großen Neuerungen gibt es noch ein paar weitere, die unauffällig, aber sehr nützlich sind. Ganz neu ist etwa, dass Reason 9.1 kompatible zu Ableton Link ist. Link synchronisiert das Tempo unterschiedlicher Programme auf verschiedenen Geräten über WLAN. Im Test funktionierte es auf Anhieb, Apps auf dem iPad mit Reason im gleichen Tempo laufen zu lassen. Damit ist Reason 9.1 die erste DAW nach Ableton Live, die diese neue Technologie von Ableton einsetzt.
 
Ebenfalls versteckt ist die neue Möglichkeit, die Farbgebung von Reason 9 zu verändern. Neben dem gewohnten Look, stehen dir in den Einstellungen zwei weitere Themen (blau und dunkel) zur Auswahl. Durch die dunklere Farbgebung sind beide etwas freundlicher für die Augen, ein biss-chen mehr Themen wäre aber nett gewesen. Aber wer weiß, ob da bald noch weitere Möglichkei-ten kommen. Propellerhead hat schon oft genug bewiesen, dass sie solche Funktionen ganz ne-benbei weiter ausbauen.

Reason 9 bietet dir zudem eine Menge neuer Klänge. Diese sind im Reason-Browser in einer Ext-ra-Datei zusammengefasst und nach Art gruppiert. Darunter sind einige, deren Namen bewusst an bekannte Musiker und ihre Projekte erinnern. Gerade im Ordner „Sequencen“ musste ich doch einige Male über Patches wie „PSB_Essentials“ oder „Underground_Persistance“ schmunzeln. Damit sind schnell mal ein einige 80er-Jahre Hits eines bekannten englischen Duos nachgespielt oder harte Technobretter aus Detroit imitiert. Wer zu „Kling Klang“ oder „Loveparade“ inspiriert hat, dürfte ebenso klar sein, oder?

Umkehren dreht die Reihenfolge der MIDI-Noten im Clip um.

Fazit, technische Daten und Wertung

Für Nutzer von Reason ist das Update eine klare Empfehlung. Mit den Playern und der Tonhöhen-korrektur für Audioaufnahmen erweitert Propellerheads seine Recordingsoftware um sinnvolle Möglichkeiten. Der Updatepreis ist mit 129 € gewohnt niedrig, gerade angesichts der vielen Neue-rungen. Mit der Integration von Abletons Link kommt zudem mit Reason 9.1 ein weiteres Argument für das Update hinzu. Die Neuerungen integrieren sich gewohnt flüssig in den Reason-Workflow.

Wenn du eine unkomplizierte Software zum Aufnehmen deiner Ideen suchst, solltest du ebenfalls einen Blick auf Reason 9 werfen. Alle wichtigen Geräte und Funktionen, die bei einer Musikproduk-tion benötigt werden, sind vorhanden. Die Anforderungen an deinen Computer sind wie immer bei Reason gering. Ein einfacher Rechner reicht, um schnell gute Ergebnisse zu erzielen, vorausge-setzt er arbeitet in 64-Bit. Reason überzeugt dabei wie meistens durch seine Stabilität. Der Test verlief absturzfrei.

Wer allerdings überlegt von seiner gewohnten DAW auf Reason umzusteigen, erhält kaum neue Argumente. Weder die Player noch die Audio-Korrektur sind Funktionen, die Reason aus dem An-gebot an Audiorecording-Lösungen herausragen lassen. Für Reason spricht das Rackformat und die einfache Bedienung, dagegen die eingeschränkte Erweiterbarkeit durch Plug-ins. Reason 9 bleibt eine Insellösung, die gut funktioniert und Musikern hochwertige Werkzeuge zur Umsetzung ihrer Ideen bietet.

Technische Daten:

Produkt: Propellerheads Reason 9.1
Bauweise: Digitale Audio Workstation
Audio-/Midi-Spuren: unbegrenzt
Systemvoraussetzungen: 4 GB freier Platz auf der Festplatte, 4 GB RAM (8 GB empfohlen)

Wertung:
+ neue MIDI-Funktionen durch Player
+ Pitch Editor
+ Farb-Themes
+ Ableton Link-Integration
- Audio-to-MIDI nicht immer fehlerfrei

Preis (UVP): 399 €

Vertrieb: Propellerhead Software AB
Weitere Infos: Propellerheads Reason








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