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Test: PreSonus StudioLive 32.4.2AI

Master of Sound

Marco Sulek am 19.08.2014

Master of Sound

Einen digitalen Mischboliden mit ausgezeichnetem Preis-Leistungs-Verhältnis sahen wir uns mit dem PreSonus StudioLive 32.4.2AI an. Was das vielseitige, unter seinen Artgenossen exotische Pult alles bietet, erfährst du in unserem Test.

Digitale Mixer erobern unaufhaltsam die Arbeitsplätze von Studio- und Live-Technikern. Das ist nicht verwunderlich, denn die recht kompakten Schüsseln bieten unüberschaubar viele Features. Eines der schlagkräftigsten Argumente für die computergesteuerte Audiozentrale ist jedoch die Funktion „Recall“, mit der sich komplette Mischungen mit nur wenigen Handgriffen speichern und wieder aufrufen lassen. Schaut man sich aktuelle Digitalpulte an, bleibt jedoch eines oft auf der Strecke: Eine intuitive Bedienung, ohne ständig auf den Bildschirm blicken zu müssen.

PreSonus erkannte dieses Defizit und brachte 2009 mit dem StudioLive 16.4.2 ein Modell mit völlig neuem Bedienkonzept heraus: Hiermit war es erstmals möglich, eine Mischung zu erstellen, ohne auch nur ein Mal auf das Display zu blicken. Der große Vorteil lag aber vor allem darin, sich nicht durch zig Ebenen und Unterebenen blättern zu müssen, um den gewünschten Parameter ändern zu können. Außerdem waren alle nützlichen Informationen dank recht hochauflösender LED-Ketten immer sofort ablesbar.

Mittlerweile beherbergt die StudioLive-Familie sechs Mitglieder, worunter sich sowohl für kleine Gigs als auch für relativ große Konzerte das passende Pult findet. Das umfangreichste aus der Serie ist das StudioLive 32.4.2AI. Allerdings brachte PreSonus hiermit nicht einfach nur einen Mixer mit vollen 32 Eingangskanälen heraus, sondern stattete sein Flaggschiff zusätzlich mit neuen und überaus nützlichen Zusatzfunktionen aus – doch dazu gleich mehr.

Auf den ersten Blick wirkt das StudioLive 32.4.2AI durch seine vielen Encoder und Taster etwas unübersichtlich. Bei genauerer Betrachtung stellen wir jedoch fest, dass auf der Oberfläche für jeden Kanal, Aux-Weg und Bus Select-, Solo- sowie Mute-Taster bereitstehen. Die 33 mittig sitzenden Encoder hingegen kümmern sich um diverse Parameter und Send-Pegel. Löblich ist hier vor allem, dass alle Bedienelemente gut sichtbar und sinnvoll beschriftet sind, sodass man eigentlich recht schnell zurechtkommt.

In der Mitte des StudioLive 32.4.2AI ist der sogenannte Fat-Channel zu finden, der die klassischen Ersetzungseffekte für jeden Kanal und jede Sammelschiene bereithält.

Signaljagd

PreSonus hält am StudioLive 32.4.2AI je Eingangskanal sowohl eine XLR- als auch eine Klinken-Buchse bereit. Für Kondensatormikrofone lässt sich an jedem XLR-In separat eine Phantomspeisung von 48 Volt hinzuschalten. Außerdem steht pro Kanalzug ein Insert-Send-Return bereit, um auch externe Ersetzungseffekte insertieren zu können – obwohl das angesichts der Featurelist nicht unbedingt nötig erscheint. Der Eingangspegel ist hier ganz klassisch über einen Gain-Poti und die Signallautstärke über einen 100 mm Fader regelbar.

Etwas ungewöhnlich für Digitalmixer ist die Mittelsektion: Für jeden Parameter steht sowohl eine LED-Kette mit dem jeweiligen Wert als auch ein Encoder zum Justieren bereit. Außerdem gibt es zu jedem einzelnen Tool passende Taster, worüber man beispielsweise den EQ ein- und ausschalten oder das Gate in einen Expander umfunktionieren kann. Diese Sektion nennt sich übrigens „Fat Channel“, die folgendes bereithält: Highpass-Filter, Phasendreher, Gate/Expander, Kompressor, Limiter und 4-Band-EQ.

Für jeden Ersetzungseffekt hat PreSonus dem StudioLive 32.4.2AI haufenweise Presets spendiert: Ganze 50 Fat-Channel-Voreinstellungen und 49 User-Bänke erleichtern die Arbeit. Zwar sollten die Presets nicht eins zu eins verwendet werden, dennoch stellen sie eine gute Ausgangsbasis für Laien oder wenn es mal schneller gehen soll dar. Das Schöne ist, dass der Fat-Channel nicht nur für jeden Eingangskanal, sondern auch für die 14 Aux-Sends, 4 Subgruppen, 2 Aux-Returns und die Stereo-Summe bereitsteht. Obendrauf gibt es für die Aux-Sends und die Stereo-Summe je einen grafischen 31-Band-EQ.

Wie lässt sich aber der Fat-Channel bedienen? Ganz einfach: sehr intuitiv. Alle Parameter sind immer griffbereit, sinnvoll beschriftet und die LEDs geben einem sofort zu verstehen, welchen Wert man ändert. Gut ist auch, dass die Encoder einen gewissen Widerstand beim Drehen aufweisen, was einem ein hochwertiges Gefühl vermittelt. Eine neue Option hat PreSonus übrigens unter dem Limiter geparkt: Der A/B-Taster (Alt) ermöglicht das Umschalten zwischen zwei Klangregelungen – perfekt für direkte Vergleiche von beispielsweise unterschiedlichen Kompressor-Einstellungen.

Rückseitig am StudioLive 32.4.2AI ist eine FireWire-800-Karte angebracht, die als Schnittstelle zwischen Digitalmixer und Rechner dient.

Absolut

Das StudioLive 32.4.2AI arbeitet sowohl als Standalone-Audiozentrale als auch als Audio-Interface mit einem Rechner. Standardmäßig liefert PreSonus es mit einer FireWire-800-Karte aus. An dieser finden sich neben zwei FW-Anschlüssen noch eine S/PDIF-Schnittstelle und eine Ethernet-Buchse für die Fernsteuerung via Rechner oder Tablet. Das Pult überträgt dabei maximal 48 Kanäle in Richtung Rechner und 34 zurück – das ist für die meisten Recording-Situationen völlig ausreichend. Aufgelöst wird das Signal dabei mit 24 Bit zu 44,1 kHz oder 48 kHz. Dank Burr-Brown-Digitalwandler ist außerdem ein Dynamikumfang von 118 dB gegeben.

Um mit einem Musiker im Aufnahmeraum oder auf der Bühne kommunizieren zu können, integrieren die meisten Mixer eine Talkback-Funktion. So auch das StudioLive 32.4.2AI: An dessen Rückseite findet sich eine XLR-Buchse mit 48 Volt Phantomspeisung für den Anschluss eines Mikrofons. Direkt neben dem Eingang lässt sich der Mikrofonpegel über ein kleines Poti einstellen. Zusätzlich findet sich in der Mastersektion das Feld „Talkback“, worüber man den Sprechpegel und das Ausgabeziel wählen kann. Dabei stehen „Aux 1/2“, „Aux 3-8“, „Aux 9-14“ sowie „Main“ bereit.

Für die Live-Situation liefert PreSonus einen USB-WLAN-Stick mit, der sich an die USB-Buchse über dem Main-Meter anschließen lässt. So kann man das StudioLive 32.4.2AI drahtlos über ein iPad bedienen. Praktisch ist das, wenn man sich mal ins Publikum stellen möchte, um herauszufinden, wie dort der Klang ist. Auch für das Mischen des Monitorsounds während des Soundchecks ist dieses Feature überaus nützlich, da man damit direkt auf die Bühne gehen und dem Musiker das geben kann, was er verlangt.

Wie jedes gut ausgestattete Digitalmischpult bietet auch das StudioLive 32.4.2AI allerhand Behelfseingänge und -ausgänge. So gibt es für alle 14 Aux-Wege und 4 Subgruppen Klinken-Outputs. Weiterhin steht ein Mono-Output, der Main-Out sowohl in XLR- als auch im Klinken-Format, ein Controlroom-Ausgang sowie Tape-In und -Out bereit. Wer noch auf Direct-Outputs Wert legt, wird auch diesbezüglich nicht enttäuscht: 4 D-Sub-25-Schnittstellen geben das Signal Pre-Insert aus – allerdings benötigt man hierfür zusätzlich spezielle Kabelpeitschen.

Ob der jeweilige Aux-Weg Pre- oder Post-Fader geschaltet ist, lässt sich am Display in der Mastersektion des StudioLive 32.4.2AI einstellen.

Sichtweite

Wie eingangs bereits erwähnt: Das Display am PreSonus StudioLive 32.4.2AI ist eher nebensächlich. Dennoch dient es der Konfiguration diverser allgemeiner Einstellungen – unter anderem gibt es 79 Szenenspeicher, um Mischungen abzuspeichern und wieder aufzurufen. Vor allem aber ist der Bildschirm für die vier internen Effekt-DSPs essenziell: Die ersten beiden Engines halten 50 verschiedene Hall-Algorithmen bereit, die letzten beiden bieten diverse Delays. Alle vier Maschinen werden über separate FX-Wege angesteuert.

Etwas schade ist allerdings, dass eben nur Reverbs und Delays bereitstehen. Ein paar weitere Effekte, wie Phaser, Chorus oder Distortion, die man in jedem Multieffektgeräte findet, wären wünschenswert gewesen. Dafür hält das StudioLive 32.4.2Ai auch für die Effektwege je einen Fat-Channel bereit. Um in der Live-Situation schnell handeln und das Delay auf das Songtempo einstellen zu können, bietet der Digitalmixer einen Tap-Taster.

Nicht über die Bedienoberfläche, sondern über das Display lässt sich einstellen, ob die Aux- und FX-Wege pre oder post geschaltet sein sollen. Obendrauf kann man für jede Subgruppe eine Ausgangsverzögerung für Delay-Lines einstellen. Neben den chronologisch nummerierten Kanälen ist es über das Display auch möglich, individuelle Kanalnamen zu vergeben. Das funktioniert ebenso über die mitgelieferte Software – sogar in Vorbereitung auf den nächsten Gig, ohne das Pult anschließen zu müssen. Welcher Kanal gerade selektiert ist, verrät übrigens nicht nur das Display und der blau leuchtende Select-Taster, sondern auch die zweistellige Anzeige „Channel Select“.

Meter besitzt das StudioLive 32.4.2AI noch und nöcher: Neben dem Stereo-Main-Meter werden permanent die Pegel in den vier Subgruppen angezeigt. Links daneben zeigen außerdem zwei LED-Ketten den Lautstärkepegel des angewählten Kanals und dessen Gain-Reduction an. Wer lieber eine klassische Meter-Bridge möchte, der kann die LED-Ketten in den 32 Kanälen nutzen und sich entweder den Eingangs- beziehungsweise Ausgangspegel oder den Gain-Reduction-Wert darüber anzeigen lassen. Außerdem zeigen die LEDs den Aux-Pegel und die Fader-Positionen an.

Über dem Display befindet sich das Main-Meter, das immer alle relevanten Pegel anzeigt.

Vielfalt

Im Gegensatz zu den kleineren Modellen aus der StudioLive-Serie besitzt das 32-Kanal-Kaliber Mute-Gruppen. Diese sind vor allem dann praktisch, wenn man beispielsweise alle Schlagzeug- oder Gitarren-Spuren gleichzeitig stumm schalten möchte. Dabei stehen insgesamt sechs Speicherplätze bereit. Eine Gruppe lässt sich belegen, indem man die gewünschten Kanäle mutet und dann auf einen Mute-Group-Taster drückt, bis er leuchtet. Links daneben lassen sich außerdem alle Kanäle auf einmal stumm schalten oder alle Mutes löschen.

Nicht nur alle Mutes kann man auf einmal löschen, sondern auch alle Solo-Schaltungen. Dazu braucht man nur die Tab-Taste unter dem Display gedrückt halten und zugleich auf eine beliebige Solo-Taste drücken. Neu am StudioLive 32.4.2AI sind auch die sogenannten Mix-Scenes. Mit dieser Funktion lassen sich bis zu sechs verschiedene Mischeinstellungen speichern, ohne den Szenenspeicher nutzen zu müssen. Von Vorteil ist das, wenn man etwa mehrere Mischungen einer Session erstellen und diese im Schnellvergleich hören möchte.

Digitalmischpulte punkten im Gegensatz zu ihren analogen Pendants mit ihrer Fernsteuerbarkeit via Smartphone und Tablet. Für diesen Zweck hat PreSonus die Apps QMix für iPhone und iPod Touch sowie SL Remote-AI für das iPad entwickelt. Diese lassen sich über den Apple App Store kostenlos herunterladen. Damit das StudioLive 32.4.2AI auch drahtlos mit einem Netzwerk kommunizieren kann, muss das Pult entweder über die Ethernet-Buchse an ein Modem angeschlossen oder der beiliegende USB-Wireless-Stick angesteckt werden.

Ausprobiert haben wir die drahtlose Steuerung mit einem iPad Mini. Die Installation von SL Remote-AI ging schnell von der Hand und auch die Einbindung ins WLAN erfolgte problemlos. Am StudioLive 32.4.2AI mussten wir lediglich einstellen, auf welche Parameter das iPad Mini zugreifen darf. Über das Tablet war das Digitalpult dann intuitiv und ohne merkliche Latenzen bedienbar. Sehr gut in der App ist vor allem gelungen, dass man von Tool zu Tool durchwischen kann – um Gate, Kompressor und EQ gleichzeitig darzustellen, ist der Bildschirm einfach zu klein.

Dank der Mute-Gruppen lassen sich schnell die vordefinierten Spuren mit einem Tastendruck stumm schalten.

Digitaler Überflug

Zu den attraktiven Features des StudioLive 32.4.2AI zählt das integrierte Audio-Interface. Zugegeben, das Format der standardmäßig mitgelieferten FireWire-800-Karte ist schon etwas überholt. Deswegen ist es möglich, diese Schnittstelle auszutauschen. Audinate beispielsweise bietet eine Schnittstelle an, um das Digitalpult mit einem Dante-Netzwerk verbinden zu können. Außerdem soll es bald eine AVB- und eine Thunderbolt-Karte geben. Auf dem neuesten Stand sind hingegen die Mikrofonvorverstärker: Die sogenannten XMAX-Class-A-Preamps wandeln das Signal sehr neutral, rauschen kein bisschen und man hat das Gefühl, als würde sich die Schallquelle im Mix besser durchsetzen als über manch andere Interfaces. So gehört es sich.

Laut PreSonus ist das StudioLive 32.4.2AI zu Windows 7 und 8 sowie zu Mac ab Version OS X 10.7.5 kompatibel. Da wir allerdings nur einen relativ betagten Rechner mit einer FireWire-800-Buchse hatten, wollten wir es genau wissen und steckten das Pult an unser MacBook Pro mit dem Betriebssystem OS X 10.6.8. Nachdem die Software Universal Control AI installiert war, konnten wir direkt in unserer Pro-Tools-Session auf den Mixer zugreifen und es als Interface und Monitorzentrale nutzen. Kompatibilitätsprobleme trotz des älteren Betriebssystems? Fehlanzeige! Alles funktionierte wie gewünscht.

PreSonus liefert übrigens die sogenannte Active Integration Suite mit. Darin sind folgende Programme enthalten: Virtual StudioLive für die digitale Pultverwaltung, der Smaart Analyzer für das Einrauschen von Anlagen mithilfe des PreSonus-Messmikrofons, die StudioLive Remote 2 für die Fernbedienung für Musiker via iPad sowie Capture 2 zum simplen Aufnehmen von beispielsweise Live-Konzerten. Bei der ganzen Software wäre es natürlich wünschenswert, dass, wenn man das Pult fernsteuert, sich die Fader mitbewegen. Allerdings verzichtet der Hersteller auf motorisierte Fader – dennoch ändert sich der Pegel und man muss den Wert erst „abholen“, bevor man ihn ändern kann.
 
Unter digitalen Mischpulten nimmt das PreSonus StudioLive 32.4.2AI eine besondere Rolle ein: Alle nötigen Parameter befinden sich direkt an seiner Oberfläche. Außerdem sucht es, was Metering angeht, seinesgleichen. Fürs Recording-Studio und auch für die Bühne ist vor allem das integrierte Audio-Interface Gold wert. Ebenso die Fernsteuerbarkeit via iPad, iPhone und iPod sollte man nicht unterschätzen. Unbezahlbar? Quatsch! Das Preis-Leistungs-Verhältnis des StudioLive 32.4.2AI ist einfach nur hervorragend.

Die mittig am StudioLive 32.4.2AI angebrachten LED-Ketten dienen auch als klassische Meterbridge für unterschiedliche Quellen.

Technische Daten

Eingänge

32x XLR, 32x Line, 4x Aux-In, Tape-In & Talkback

Ausgänge

14x Aux-Out, 4x Subgroup-Out, 32x Direct-Out (D-Sub), Tape-Out, 2x Main-Out, Mono-Out, Phones & Control-Room-Out

Weitere Anschlüsse

32x ISR, 2x FireWire 800, USB, S/PDIF, RJ45 & BNC (für Lampe)

Parameter pro Kanal 

Phasendreher, Highpass, Gate/Expander, Kompressor, Limiter & 4-Band-EQ

Dynamikbereich

118 dB (bei 48 kHz, A-bewertet)

Frequenzgang

10 Hz - 140 kHz (-1 dB)

Auflösung

44,1/48 kHz zu 24 Bit (intern 32 Bit Fließkomma)

Kompatibilität

Windows (7 & 8, Intel Core 2 oder mehr) & Mac (ab OS X 10.7.5)

Maße (HxBxT)

178,2 x 802,1 x 541,3 mm

Gewicht

22,7 kg

Lieferumfang

StudioLive 32.4.2AI, FireWire-Kabel, USB-WiFi-Adapter, Active Integration Suite & Bedienungsanleitung


Wertung:
+ intuitiv bedienbar
+ guter Sound
+ übersichtlicher Aufbau
+ viele, teils exotische Features
+ gleiche Tools in allen Kanälen
- Kühler recht laut

Preis (UVP): 4.495 Euro

Weitere Infos unter: www.presonus.com

Vertrieb: Hyperactive







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