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Test: Native Instruments Komplete 9

Digitale Armada

Octavian Rasinariu am 11.04.2014

Digitale Armada

33 Plug-Ins, mehr als 12.000 Sounds und über 120 GB Speicherplatz – Native Instruments hat bereits zigmal bewiesen, dass sich eine hohe Anzahl von Software-Instrumenten und -Tools in einem großen Gesamtpaket mit einer durchgehend exzellenten Klangqualität vereinen lässt. Wir stellen dir im Folgenden Komplete 9 vor.

Sage und schreibe über 120 GB – mehr geht nur noch mit Festplatte. Das virtuelle Universum der Berliner Softwareschmiede Native Instruments endet aktuell bei Komplete 9 Ultimate. In unserem Test konzentrieren wir uns jedoch auf die leicht abgespeckte Variante Komplete 9. Trotz des reduzierten Inhalts müssten wir für jedes enthaltene Software-Instrument einen eigenen Test durchführen, um nur ansatzweise erschließen zu können, was das jeweilige Plug-In zu leisten im Stande ist. Deswegen beschränken wir uns auf einen kleinen, aber ausführlichen Überblick.

Komplete 9 ist das Rundum-sorglos-Paket für jeden, der Musik komponiert, produziert oder einfach nur individuelle Klangwelten erschaffen möchte. Die enthaltene Software lässt sich dabei sowohl als Plug-In als auch Stand-alone betreiben. Letztere Variante liefert dir für deine Soundkreationen gerade an etwas schwächeren Computern mehr Stabilität sowie CPU-Leistung. Veränderte oder eigene Presets kannst du so abspeichern und im Anschluss in deiner DAW aufrufen.

Als besonders praktisch erweist sich dabei die einfache Verknüpfungsmöglichkeit mit MIDI-Hardware zu einer umfangreichen Workstation: Ein Masterkeyboard, dein Rechner und Komplete 9 ergeben zusammen ein starkes Team, mit dem du Live wie im Studio annähernd jede Herausforderung meistern kannst. Nebenbei entwirft Native Instruments laufend neue Klänge für dich – und auch die inzwischen enorm große User-Community arbeitet fleißig beim Sounddesign mit.

Die Flaggschiffe des Paketes heißen Reaktor 5.8 (ein modularer Synthesizer-Editor), Kontakt 5 (ein mächtiger Sampler) und Guitar Rig 5 Pro (eine Gitarren- und Bassamp-Simulation) – drei von Grund auf verschiedene Instrumente. Es handelt sich dabei um riesige, erweiterbare Bibliotheken, in denen der Hersteller die Unmengen seiner Sounds verstaut. Zusätzlich zu den großen dreien finden sich eigenständige Synthesizer, Ersetzungseffekte und andere interessante Tools in Komplete 9. Insgesamt sind es 33 Plug-Ins, die einen dazu bringen, sich sehr lange mit Komplete 9 zu beschäftigen.

Reaktor 5 gehört zu den Flaggschiffen in Komplete 9.

Die Flaggschiffe

Reaktor 5.8 ist die Chemiefabrik der Synthesizer. Dank Core-Technology ist es hiermit möglich, dein eigenes Instrument aus dem Boden zu stampfen. Der modulierbare Klangerzeuger liefert mehr als 70 integrierte Instrumente. Kreative Reaktor-Benutzer haben bis zum heutigen Tage bereits über 3.000 selbsterstellte, teils sehr individuelle Synthesizer ins Netz geladen, die dir NI kostenlos zur Verfügung stellt. Da ist sicher für jeden Geschmack etwas dabei.

Wir wechseln in die Welt der Klangschnipsel und betrachten Kontakt 5. Obgleich der 43 GB schwere Sampler auch synthetische Klänge liefert, sind seine wahren Stärken akustischer Natur. Die verschiedenen Drums klingen äußerst realistisch und sind seit kurzem dank der integrierten Effektkette direkt in Kontakt 5 editierbar. So musst du dich nicht mehr um externe Programme bemühen, sondern hast alles in einem Fenster zur Hand. Besonders vorteilhaft ist das fürs Live-Triggering.

Auch Spartenmusiker, Komponisten traditioneller sowie Freunde experimenteller Musik werden in der NI-Samplelibrary fündig. Zusätzlich zu den bewährten Plug-Ins haben die Berliner die aktuelle Version von Kontakt mit dem avantgardistischen Klavier „The Giant“ und einem Elf-Mann-Ensemble namens „Session Strings“ aufgewertet. Jedes der integrierten Add-Ons ist in sich wiederum einstellbar, was den überaus realistischen Sampler für allerlei Einsatzgebiete prädestiniert. Du ahnst es schon: Hier gibt es viel zu entdecken.

Aber auch Gitarristen kommen nicht zu kurz: Die 17 Verstärker in Guitar Rig 5 Pro sind mit 27 Speakern und 54 Effekten kombinierbar – zusätzlich kann man mit diversen virtuellen Mikrofonen und deren Position vor der Box spielen. Die Emulation physikalischer Amps ist bemerkenswert. So erhältst du authentische Rammstein-Riffs und Leadgitarreneffekte mit nur wenigen Klicks. Ein Geheimtipp ist Guitar Rig aber ebenso unter Sängern: Mische die interessanten Reverbs und Delays auf deine Stimme – und du erhältst individuelle Ergebnisse.

In Guitar Rig 6 Pro sorgen 17 Verstärker mit 27 Speakern und 54 Effekten für eine große Klangvielfalt.

Heckenschützen

Der folgende Synthesizer ist wohl den meisten Produzenten bekannt; bereits Einsteiger in die elektronische Musik werden relativ früh durch Videotutorials und dergleichen auf ihn aufmerksam: Massive ist unglaublich komplex, aber mindesten so klangstark. Erzeuge problemlos fette Leads oder brummige Bässe und tobe dich musikalisch quasi unbegrenzt aus. Dank diverser Samplepacks – wie jenem von Vengeance – hast du die Möglichkeit, erweiternde Presets für die unterschiedlichsten Genres herunterzuladen.

Ein ähnliches Plug-In ist der FM8, der im Gegensatz zum Massive auf dem Syntheseverfahren der Frequenzmodulation (FM) basiert. Mit Absynth 5 erzeugst du vor allem authentische Sphären, und der Monark liefert dir organische Analogsounds – ganz nach dem Moog. Für 80s-Liebhaber gibt es die Retro Machines: Reaktor Spark sowie Reaktor Prism bieten dir sowohl verträumte als auch unkontrollierbar kreative Klänge.

Das perkussive Gegenstück zu all diesen Instrumenten ist Battery 4. Der intuitive Drumsampler hat Schlagzeugpatterns, die einiges hergeben. Klanglich bereits auf hohem Niveau kannst du die Samples noch im Editor bearbeiten, um sie deinen Wünschen anzupassen. Von Kompressor, EQ, Hüllkurven bis hin zu Modulationen und Reverb sowie Delay ist hier alles dabei. Diese umfangreiche Library liefert zu so gut wie jedem Musikstil die passenden Drums.

Seit Komplete 9 integriert NI auch die Solid-Mix-Serie, die das bereits umfangreiche Repertoire noch erweitert. Der Softwarespezialist liefert damit zum ersten Mal Bearbeitungstools nicht nur für seine Plug-Ins, sondern für das gesamte Projekt. Darunter finden sich ein Transient Master, ein EQ, ein Kompressor und ein Stereokompressor inklusive Gate. Alle vier Tools bieten Presets, an denen du dich gerade als Anfänger orientieren kannst, denn die Designs liefern lediglich Zahlenwerte, und keine graphischen Darstellungen.

Battery 4 bietet eine intuitive Bedienbarkeit und mannigfache Bearbeitungsmöglichkeiten.

Der Rest vom Schützenfest

Einen Halleffekt bietet dir Komplete 9 ebenso wie ein Remix-Tool und und und ... Um alle Funktionen und Möglichkeiten der einzelnen Add-Ons aufzuzählen, bräuchten wir wohl eine zweite Website. Damit dir bei den vielen Plug-Ins nicht entgeht, welche Features dir NI überhaupt bietet, empfehlen wir einen Blick auf die Herstellerseite. Und keine Sorge: Auch beim Erforschen der einzelnen Instrumente und Tools kommt keine Langeweile auf.

Hervorzuheben ist zudem die Möglichkeit der Anbindung von Hardware. Native Instruments Controller Maschine wurde unter anderem speziell für die Anwendung mit der Software Komplete 9 konzipiert. Mit neun Encodern, 16 Drumpads, Transport-Tasten sowie weiteren Pads kombiniert mit einem übersichtlichen LC-Display sorgt Maschine dafür, dass der Workflow gerade beim Composing sowie im Live-Betrieb optimiert wird. Natürlich lassen sich auch MIDI-Controller von Fremdherstellern integrieren und mittels MIDI-Learn-Funktion zuweisen.

Die Lizensierung selbst erfolgt über das Service Center, das sich automatisch neben den anderen Programmen installiert. Darüber hast du Zugriff auf alle deine erworbenen Produkte von Native Instruments und kannst die jeweiligen Lizenzen verwalten. Über eine bestehende Internetverbindung verifiziert das Programm deine Instrumente auf der Herstellerseite. Bei Bedarf kannst du über das Service Center Komplete 9 auch wieder deaktivieren. Das ist besonders dann praktisch, wenn dein Computer veraltet ist und du mit deiner ganzen Software umziehen möchtest.

Ein externer Audiotreiber und eine Mindestgröße der CPU von 2 GB sind notwendig, damit das Programm ordentlich funktioniert. NI selbst empfiehlt 4 GB – damit sollte alles problemlos laufen. Von den Anforderungen an den Rechner her würden wir alle Plug-Ins als anspruchsvoll bezeichnen, weshalb du vor allem mit einem leistungsstarken Computer in den vollen Genuss kommst, störungsfrei so gut wie jeden vorstellbaren Klang zu erzeugen.

Wer auf Klangerzeugung auf Basis der Frequenzmodulation abfährt, kommt mit dem FM8 voll auf seine Kosten.

Virtuelle Unterstützung

Wir selbst haben bereits Konzerte mit einem veralteten MIDI-Keyboard gespielt, bei dem das Signal vom New York Grand Piano in Komplete 9 generiert und durch die PA gejagt wurde. Es handelte sich dabei um eine vierhändige Begleitung. Der Sound kam sowohl latenzfrei als auch glasklar heraus. Im nächsten Song steuerten wir über dasselbe Instrument einen Lead-Synthesizer in Massive an und erfreuten uns am einfachen Triggering. Ob viel Attack oder wenig, polyphon oder monophon, verhallt oder trocken: Komplete hielt für jeden Wunsch den passenden Parameter bereit.

Inzwischen verwenden wir für E-Gitarren-Aufnahmen Guitar Rig – die Qualität ist tadellos und der Aufwand minimalisiert. Besonders geeignet ist das Tool für mobile Studiosessions. Die verschiedenen Speaker, Verstärker und Effekte sind leicht zu verstehen, da sie Produkte bekannter Hersteller emulieren. Das erspart viel Zeit, da du dich nicht an den Benennungen im Browser orientieren musst, sondern einfach deinen Lieblingsverstärker suchen kannst. Gefällt er dir nicht, genügt ein Klick und du erhältst einen komplett neuen Sound.

Komplete 9 ist für so gut wie jede Aufgabe vorbereitet. Gerade darum ist es ein starker Partner bei Studiosessions. Aber auch im Live-Einsatz zeigen sich die Qualitäten des Komplettpaketes. Das optisch ansprechende Design und die intuitive Handhabung gehen einher mit der beinahe unbegrenzten Funktionalität der Software. Durch die Anbindung von Maschine kannst du außerdem den Workflow optimieren und hast einen stylischen Assistenten in deinem Studio oder auf der Bühne.

Mit Rechner, Interface und Komplete 9 ist es auch jedem Full-Stack-Gitarristen und Synthesizer-User der Hardware-Generation möglich, vollends im 21. Jahrhundert anzukommen. Neben Preis und Leistung sind es Punkte wie Platzersparnis, Transportlogistik, Upgrademöglichkeiten, Sounddesign und Mannigfaltigkeit, die für den Softwareriesen sprechen. Selbst wenn du dich nicht für alle Gadgets interessierst, empfehlen wir dir das Komplettpaket – bereits der Kauf von Massive zusammen mit Kontakt 5 übersteigt den Komplete-9-Preis um beinahe 200 Euro.

Über Kontakt 5 lassen sich diverse Add-Ons in die Studiosession integrieren – wie hier mit dem New York Grand Piano.

Klangbeispiele

Kontakt 5 „New York Grand“:



Reaktor 5 „Junatik Pulz Space“:



Battery 4 „Fat Step Kit“:



Kontakt 5 „Studio Drummer“:



Massive „Monolit“:



Massive sorgt für fette Leads und brummige Bässe.

Technische Daten & Bewertung

  Windows Mac
Systemanforderung Windows 7 oder 8 (32/64 Bit), Intel Core 2 Duo oder AMD Athlon 64 X2, 2 GB RAM (4 GB empfohlen) Mac OS X 10.7 oder 10.8, Intel Core 2 Duo, 2 GB RAM (4 GB empfohlen)
Benötigter Festplattenspeicher 8 GB Installations-CDs, 90 GB Soundlibrary (120 GB entpackt)
Schnittstellen Stand-alone, VST, AU, RTAS, ASIO, CoreAudio, WASAPI, AAX Native & 64 Bit AAX
Programme insgesamt 33
Sounds

>12.000

Plug-Ins

Abbey Road 60’s Drummer, Absynth 5, Battery 4, Berlin Concert Grand, FM8, Guitar Rig Pro 5, Kontakt 5, Massive, Monark, New York Concert Grand, Rammfire, Reaktor 5, Reaktor Prism, Reaktor Spark, Reflektor, Retro Machines, Scarbee A-200, Scarbee Clavinet/Pianet, Scarbee Mark 1, Scarbee MM-Bass, Session Strings, Solid Bus Comp, Solid Dynamics, Solid EQ, Studio Drummer, The Finger, The Giant, Traktor’s 12, Transient Master, Upright Piano, Vienna Concert Grand, Vintage Organs & West Africa


Wertung:
+ riesige Auswahl
+ hohe Klangqualität
+ Stand-alone-Möglichkeit für mehr Stabilität
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ verschiedene Add-Ons integrierbar
+ optisch ansprechend
+ Anbindung von Maschine für besseren Workflow

Preis (UVP): 499 Euro

Weitere Infos unter: www.native-instruments.com

Vertrieb: Native Instruments







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