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Test: Native Instruments Komplete 11 – Teil 2

Exotische Sounds bis zum Abwinken

Marco Sulek am 30.09.2016

Exotische Sounds ...

Komplete 11 von Native Instruments enthält nicht nur klassische Sounds, sondern auch reichlich Exotisches. Dazu wurde die Steuerung überarbeitet. Das alles und mehr erfährst du hier in Teil zwei unseres Tests.

Nachdem wir in Teil 1 dieses Tests die Standardfunktionen und -Sounds von Native Instrumets Komplete 11 genauer beleuchtet haben, wenden wir uns jetzt den exotischen Klängen zu.

Das letzte neue in Komplete 11 enthaltene Produkt für Kontakt 5 ist India. Dieses gehört zur Discovery Series und reiht sich gekonnt als viertes traditionelles Instrumentensammelsurium in die bereits etablierten Libraries West Africa, Cuba und Baslinese Gamelan ein. Einmal installiert, stehen die neun Percussions Dhol, Dholak, Ghatam, Kanjira, Kho, Mridagam, Pakhawaj und Tabla sowie die sechs melodischen Saiten- und Blasinstrumente Basuri, Harmonium, Santur, Sitar, Tanpura und Tumbi bereit. Diese dienen jedoch nicht nur als Bereicherung traditioneller Musik, sondern verpassen genauso Pop, Dubstep oder Meditationsmusik einen orientalischen Touch.

Neben den einzeln und individuell spielbaren Instrumenten hält India noch 159 richtig interessante Rhythmus-Patterns und 96 Skalen bereit. Diese sind etwa nach Region, tradionellen Festen und ähnlichem geordnet und dienen unter anderem dafür, schnell einen Soundtrack zu komponieren oder sich beim Songwriting inspirieren zu lassen. Um die Klangfarbe auch richtig zur Geltung zu bringen, gib es hier die Parameter „Groove“ für die klangliche Dichte, „Feel“ für die spielerische Präzision und „Intensity“ für die Dynamik des Ganzen. Obendrauf findet sich für absolute Authentizität neben „Room“, „Studio“, „Concert Hall“ und „Church“ selbstverständlich auch ein Faltungshall des Taj Mahal.

Replika XT (nur in Komplete 11 Ultimate enthalten) ist zwar kein Exot im eigentlichen Sinne, kann aber genau für solche Klänge sorgen. Das Delay-Plug-In sollte dabei als solches nicht unterschätzt werden: Mit den fünf verschiedenen Delay-Modi „Modern“, „Vintage Digital“, „Analogue“, „Tape“ und „Diffusion“ hält Replika XT zwei Modi mehr bereit als Replika ohne „XT“. Zudem besitzt die erweiterte Version eine Anzeige. Hierauf wird genau optisch dargestellt, wie sich das Delay verhält – und das bei Parameteränderungen natürlich auch in Echtzeit. Außerdem ist hierüber bei Stereo-Effekten das Verhältnis von rechtem und linkem Kanal ablesbar.

Jeder der fünf Modi bringt eine eigene Fülle an Einstellmöglichkeiten mit sich. Dazu zählen neben Phaser, Flanger, Chorus, Frequency-Shifter, Filter und Pitch-Shifter auch ein Micro-Pitcher. Diese erlauben neben den Standardparametern der entsprechenden Modi einen wirklich sehr tiefgreifenden Eingriff in das Echoverhalten von Replika XT. Somit lassen sich neben straighten und organischen Echos auch ziemlich abgefahrene Effekte kreieren. Vor allem mit „Diffusion“ ist es möglich, sehr abgespacte Delays zu erzeugen, die jedem Song ein gewisses Extra verpassen können. Neben der Möglichkeit, sich seine Verzögerungen selbst zusammenzubasteln, gibt es hier freilich auch massenweise Presets von bekannten (und unbekannten) Künstlern.


Ein besonderes Klavier hat Komplete 11 mit Una Corda im Gepäck – und das bietet sehr unterschiedliche Klangfarben.

Samplerische Reaktoren

Zeitgleich zum Release von Komplete 11 erblickte auch das neue Form das Licht der Welt. Bei diesem Instrument handelt es sich um eine Kombination aus Sampler und Synthesizer: Auf der Basis von Samples erzeugt Form völlig neue Klänge, indem es diese bis zur Unkenntlichkeit modifiziert, effektiert und moduliert. Klar, das kann ein normaler Sampler genauso, doch im Gegensatz zu herkömmlichen Tools stehen hier Parameter bereit, die eher an einen Synthie erinnern – etwa Oszillatoren, Filter und Modulatoren.

Das Interessante hieran ist natürlich, eigene Audioschnipsel in Form zu laden und nach Belieben verändern zu können. Und das gestaltet sich denkbar unkompliziert: Das File kann einfach per Drag-and-Drop in das Fenster gezogen werden. Form richtet sich zwar primär an elektronische Musikproduzenten, doch prinzipiell lässt sich das Tool in jeder Richtung einsetzen. Allerdings: So richtig sinnvolle Resultate lassen sich nicht mit jedem Ausgangsmaterial zaubern. Immerhin scheint Form gut geeignet zu sein, um Sprache und Gesang zu verfremden – selbst wenn sich ein gutes Ergebnis nicht einfach so aus dem Ärmel schütteln lässt und recht zeitintensiv scheint.

Neben seinen drei Synth-Engines arbeitet Flesh (nur in Komplete 11 Ultimate enthalten) auch mit Samples. Doch hierbei handelt es sich vor allem um ein Performance-Tool: Flash wurde sowohl für die Bühne als auch für das Studio entwickelt und erlaubt es, schnell den passenden Sound zur Hand zu haben. Ins Auge stechen dabei sofort die fünf Kreise, die für „Subsynth“, „Monosynth“, „Sampler“, „Polysynth“ und „Effekte“ stehen. Die recht übersichtliche Bedienoberfläche bietet eine Ebene darunter weitere Einstellmöglichkeiten. So richtig tiefgehend lässt sich jedoch nicht eingreifen – und es scheint so, als wäre das auch gar nicht das Ziel gewesen.

Bis zu zwölf Samples, zwölf Harmonien sowie zwölf Sounds lassen sich in und mit Flesh nutzen. Das reicht nicht aus? Kein Problem, denn hier kann alles in Echtzeit getauscht und angepasst werden, sodass einem mit Flesh nicht so schnell langweilig wird. Der Langeweile wirken zudem vier weitere Regler entgegen, über die sich das Spektrum, der Charakter, die Länge und der Modulationsgrad im Handumdrehen anpassen lassen. Übrigens: Wie Form kommt auch Flesh als Erweiterung für Reaktor 6.

Orientalische Würze ist mit der traditionellen Instrumentensammlung Discovery Series: India in Komplete 11 enthalten.

Verwaltungszentrale

Eine Neuerung gibt es noch, denn das Software Center ist Geschichte. NI hat sich der Überarbeitung des Software-Verwaltungstools angenommen und präsentiert anstelle dessen nun ein völlig neues Programm: Native Access. Hierüber lassen sich Produkte lizensieren, herunterladen und aktualisieren – eben wie über das Software Center. Und das Update hat sich zumindest aus optischen Gründen gelohnt, denn hier wirkt nicht nur alles viel übersichtlicher und moderner, sondern auf den ersten Blick auch benutzerfreundlicher.

Schön gelöst zeigt sich dabei vor allem, dass zu jeder Software nicht mehr nur ein relativ nichts-sagendes Icon angezeigt wird, sondern ein schickes Produktbild. An der grundlegenden Funktionalität hat sich zwar nichts geändert, doch gibt es zu jedem Produkt nun eine kleine Beschreibung. Das ist recht praktisch, denn insbesondere bei Komplete 11 Ultimate verliert man schnell den Überblick, was welche der 87 Softwares eigentlich kann. Auch die Informationen der jeweiligen Instrumente sind nun viel leichter abzulesen, die innerhalb der Liste mit nicht-installierten Produkten, verfügbaren Updates und installierter Software angezeigt wird.

Bereits beim Herunterladen der ersten Tools fällt auf: Es gibt keine Möglichkeit, den Download zu unterbrechen. Selbst beim Versuch, Native Access zu schließen, um den Prozess zu stoppen, weist einen das Programm darauf hin, dass es nicht geschlossen werden kann und man darauf warten soll, bis die Installation abgeschlossen ist. Blöd nur, wenn man eine 20-GB-Sample-Library herunterlädt und einem mittendrin auffällt, dass man ganz dringend etwas zu erledigen hat – oder das Internet nicht so mitspielen will. In einem solchen Fall hilft nur der Sofort-Beenden-Button. Immerhin macht die Software dort weiter, wo sie – gezwungenermaßen – aufgehört hat.

Ebenso fehlt ein Button zur Deinstallation von bereits installierten Tools. Gut, dann fegt man die Programme und Libraries anderweitig von der Festplatte. Kein Problem. Allerdings zeigt Native Access nicht an, dass die entsprechenden Softwares eben nicht mehr vorhanden sind – was ein erneutes Installieren über dieses Tool bisher quasi unmöglich macht. Hier darf man also bereits auf Version 1.1 hoffen. Wir halten fest: Native Access ersetzt zwar das veraltete Software Center und bringt gewissermaßen frischen Wind in die Sache, bedarf aber noch einiger Bugfixes und Updates.

Native Access ersetzt nun das Software Center – und ist schön anzusehen, bedarf aber noch einiger Anpassungen.

Fazit, Technische Daten & Wertung

Es gibt keinen Test auf dieser Welt, der der Fülle von Komplete 11 nur ansatzweise gerecht werden kann. Kein Wunder, denn bei der Vielzahl an Instrumenten, Effekten und Tools ist es unmöglich, jedem Produkt den Platz zu widmen, den es eigentlich verdient. Mit den sieben neuen beziehungsweise überarbeiteten Softwares in Komplete 11 – und ganzen zwölf Jünglingen in Komplete 11 Ultimate – lohnt sich allemal die Anschaffung der vielseitigsten Sammlung für Musiker und Produzenten, die es auf dem Markt gibt.

Ein Upgrade ist insbesondere dann lukrativ, wenn man hauptsächlich mit Reaktor arbeitet und dessen in Komplete 11 enthaltene Erweiterungen für eine ausladende Performance nutzen möchte. Aber auch die neuen Klanggeber für Kontakt 5 wissen mit dem hervorragenden Sound und den unzähligen sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu überzeugen. Vor allem mit India hält die Berliner Software-Schmiede nun ein authentisches und absolut realistisch klingendes Instrument bereit, das mit seinen Klängen aus dem tiefsten Orient begeistert – unser klares Highlight.

Schlussendlich lässt sich zusammenfassend sagen: Tonnenschwere Samples und mannigfaltige synthetische Klangerzeuger in Native Instruments Komplete 11 sorgen dafür, dass der Tontüftler selbst nach hundert Jahren nicht unter Langeweile leidet. Repräsentative Soundsamples zu den einzelnen Instrumenten und Tools gibt es übrigens auf den jeweiligen Produktseiten auf der Native-Instruments-Homepage.


Betriebssystem Mac OS X 10.10, 10.11 (Intel Core 2 Duo) & Windows 7, 8, 10 (Intel Core 2 Duo oder AMD Athlon 64 X2, 32/64 Bit)
Benötigter RAM

min. 4 GB (6 GB empfohlen)

Schnittstellen

Stand-Alone, VST, AU, ASIO, Core Audio, WASAPI & AAX

Anzahl Softwares 11 (Komplete 11 Select), 45 (Komplete 11) bzw. 87 (Komplete 11 Ultimate)

 

Wertung:
+ unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis
+ All-in-one-Software-Paket für Musiker und Produzenten
+ Tonnen von hervorragenden Samples
+ intuitiv bedienbare Programme mit teils tiefgreifenden Parametern
+ verschiedene Komplete-Versionen für jeden Bedarf
– Native Access noch überarbeitungsbedürftig

Preise (UVP):
Komplete 11 Select – 199 €
Komplete 11 – 599 €
Komplete 11 Ultimate – 1.199 €
Komplete 11 Select Upgrade – 399 €
Komplete 11 Upgrade – 599 €
Komplete 11 Ultimate Upgrade – 399 €

Vertrieb: Native Instruments
Weitere Infos: Native Instruments Komplete 11

 

 







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