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Test: Native Instruments Komplete 11 – Teil 1

Unerreicht komplett

Marco Sulek am 30.09.2016

Unerreicht komplett

Die Berliner Software-Schmiede gibt mal wieder ordentlich Gas: Komplete 11 enthält im Gegensatz zum Vorgänger sieben zusätzliche Produkte und liefert nun ganze 45 Softwares – Komplete 11 Ultimate verzeichnet sogar einen Zuwachs von zwölf Programmen und ist mit 87 Instrumenten ungeschlagen das größte Sound-Paket, das es für Musiker und Produzenten jemals gab. Wir wagen einen Rundumblick.

Ziemlich genau 20 Jahre liegt die Gründung von Native Instruments zurück. Und schon seit Beginn an arbeiten die Spezialisten beinahe unermüdlich an neuen Instrumenten, Erweiterungen und Emulationen. So präsentiert die Software-Schmiede Jahr um Jahr neue, teils völlig innovative Produkte, die für Aufsehen sorgen und den Markt schnell für sich erobern können. Mittlerweile ist das umfangreiche Angebot kaum mehr zu überschauen – geschweige denn als Komplettpaket auf eine herkömmliche Festplatte zu packen.

Als sich die Berliner im Jahre 2003 erstmals dazu entschlossen, ein Bundle mit neun Softwares namens Komplete zu schnüren, war die Begeisterung groß: eine umfassende Instrumenten- und Sound-Auswahl zu einem günstigen Preis. Diese Strategie verfolgt NI nach wie vor sehr erfolgreich. Dabei kann sich der Musiker seit Komplete 8 aussuchen, ob er sich die leicht abgespeckte oder die ultimative Komplete-Version mit beinahe allen NI-Produkten zulegen möchte. Heute misst Komplete 11 ganze 45 Softwares, Komplete 11 Ultimate sogar 87 Programme.

Zur Veröffentlichung von Komplete 11 schnürte NI nun noch ein weiteres, kleineres Paket: Komplete 11 Select. Dieses enthält – passend zur Versionsnummer – elf Produkte, über 2.500 Sounds und eine Sample-Library von 25 GB. Die Softwares im Gepäck heißen Discovery Series: West Africa, Drumlab, Massive, Monark, Reaktor Prism, Replika, Retro Machines MK2, Scarbee Mark I, Solid Bus Comp, The Gentleman sowie Vintage Organs – und sind alle gewissermaßen alte Hasen.

Aber halt! Gab es nicht schon einmal eine abgespeckte Version? Ja, und die heißt Komplete Elements. Allerdings handelt es sich dabei um ein noch leichteres Komplete mit „lediglich“ 1.000 Sounds und 3 GB Samples. Außerdem lag und liegt der Fokus bei Elements eher auf Erweiterungen, die für die Player-Ausführungen von Reaktor 5, Guitar Rig 5 und Kontakt 5 vorgesehen sind. Doch genug des Vorworts. Schauen wir uns zumindest in Kürze an, was die zehn wichtigsten Neulinge (die meisten davon in Komplete 11 Ultimate enthalten) auf dem Kasten haben.

Reaktor 6 hält einige Neuerungen bereit – etwa die Reaktor Blocks, die sich wie die Module eines klassischen Synthesizers verhalten.

Soundmonster

Inzwischen geht das Urgestein von NI in die sechste Runde: Reaktor. Der umfangreiche, frei programmierbare Hybrid aus Synthesizer, Sampler und Effektgerät hat seit seiner letzten Version eine grundlegende Überarbeitung erfahren. So wirkt das GUI nun viel aufgeräumter, übersichtlicher und moderner. Zudem wurden die Libraries „Primary“ und „Core“ umstrukturiert. Weiterhin haben Native Instruments ihrem Steckenpferdchen sogenannte Blocks spendiert: über 70 Tools laden – ähnlich wie bei einem modularen Synthesizer – zum Basteln, Herumexperimentieren und Spaßhaben ein. Zu finden sind diese ebenso in der Library und können selbstverständlich auch in Verbindung mit allen übrigen Modulen genutzt werden.

Neu hinzugekommen sind übrigens noch Antialiasing-Oszillatoren, ZDF-Filter, Hüllkurven-Optionen, LFOs, Effekte und Sampler-Makros. Bei so viel Auswahl, wobei man natürlich alles am besten gleichzeitig nutzen möchte, kommt die CPU schnell ins Schwitzen. Um das zu verhindern, hat NI die Core-Library-Macros für eine effizientere Prozessor-Nutzung neu programmiert. Und tatsächlich, die CPU wird zumindest ein wenig moderater beansprucht. Die bessere Klangqualität, wie versprochen, ist jedoch nur wenig nachvollziehbar – zumal Reaktor 5 bereits ordentlich tönt.

Ein nettes, neues Feature ist die Möglichkeit, Kommentare direkt zu den einzelnen Modulen in Reaktor 6 zu schreiben. So lassen sich Anmerkungen ideal mit anderen Tüftlern teilen, die am gleichen Instrument arbeiten, ohne Word oder Konsorten hinzuziehen zu müssen. Für einen schnelleren Überblick ändern nun die Kabel in Abhängigkeit des Signaltyps ihre Farbe. Außerdem lassen sich über „Bundles“ mehrere Leitungen zu einer verbinden – ähnlich wie bei einem Multicore-Kabel. Ebenso ist mittels der sogenannten „Scoped Busses“ eine kabellose Verbindung zwischen verschiedenen Ebenen möglich. Hier wurde eindeutig vieles rundum erneuert und hinzugefügt, was Reaktor 6 zu einem noch leistungsfähigeren Instrument macht.

Passend zum Release von Komplete 11 hat der wohl beliebteste Software-Sampler ein kleines Update erfahren: Kontakt besitzt nun die Versions-Nummer 5.6. Genau wie Reaktor 6 präsentiert sich die Oberfläche neuerdings in einem überarbeiteten Design. Anzeigetechnisch ist das jedoch nicht alles: die maximale Breite von Instrumenten wurde auf 750 Pixel in der Höhe und 1.000 Pixel in der Breite erweitert, was besonders auf größeren Bildschirmen gut zur Geltung kommt. Obendrauf lässt sich mit dem Update die Farbe von Instrumenten inklusive der jeweiligen Titelzeile festlegen. Was die anderen Neuerungen angeht: Diese sind eher für Entwickler interessant – und eher weniger für den Klangtüftler an sich. Immerhin gibt’s hier reichlich frischen optischen Wind.

Auch Kontakt 5 kommt nun mit einer frisch überarbeiteten Bedienoberfläche.

Klassiker-Eck

Mit Symphony Essentials (nur in Komplete 11 Ultimate enthalten) bestückte NI die elfte Generation von Komplete quasi mit einer abgespeckten Version der bereits etablierten Symphony Series. Genau wie beim großen Bruder gibt es hier fünf Instrumentenkategorien: Brass Solo, Brass Ensemble, String Ensemble, Woodwind Solo und Woodwind Ensemble. Auch optisch ähneln sich beide Produkte sehr: Wo die Symphony Series auf ein eher dunkles Erscheinungsbild Wert legt, präsentiert sich Symphony Essentials mit deutlich helleren Farben. Die Anordnung der Parameter ist jedoch beinahe identisch. Insbesondere das große Dynamics-Rad in der Mitte und die vier Klangfarbenregler darunter sind charakteristische Merkmale dieser Instrumente.

Der Unterschied zwischen Symphony Series und Symphony Essentials ist klar definiert: Mit ungefähr einem Zehntel der Samples verzichtet Symphony Essentials unter anderem auf Legato-Sounds, Time-Streching-Optionen und einen integrierten Mixer. Des Weiteren steht hier nur ein Bruchteil der Artikulationsmöglichkeiten bereit und anstatt vier Mikrofonpositionen gibt es nur eine fixe. Da Komplete allerdings Ultimum Symphony Series nicht enthält, ist Symphony Essentials ein guter Kompromiss und durchaus sinnvoll – zumal die standardmäßig in Kontakt 5 enthaltenen Streicher und Bläser nur bedingt zu überzeugen wissen. Übrigens: Hier kommen ohnehin die gleichen Samples wie bei der Symphony Series zum Einsatz, wenn auch die Optionen deutlich magerer ausfallen.

Mehr aus der klassischen Ecke gibt’s mit Emotive Strings (nur in Komplete 11 Ultimate enthalten). Anders als die Symphony-Pakete bestehen diese Samples aus insgesamt 175 vordefinierten Phrasen, die auf knapp drei Oktaven spielbar sind und in der Regel eine Länge von zwei Takten aufweisen. Spielen lässt sich das Ganze über ein sehr simples Interface: Im unteren Teil stehen vier Reiter zur Verfügung. Im ersten – „Sound“ – lässt sich zwischen zwei EQ-Presets, dem Stereo-Image und der Mikrofonposition wählen. In „Slot 1–5“ und „Slot 6–10“ können hingegen die gewünschten Phrasen je nach Bedarf geladen werden, wobei pro Reiter bis zu fünf Plätze bereitstehen. Angezeigt werden die Phrasen in Notenform. Doch keine Angst, das Notenlesen wird hierfür nicht unbedingt vorausgesetzt. Mit der linken Hand ist es möglich, die Phrase zu verändern, und mit der rechten wird die gewünschte Tonhöhe gewählt. Über die Anschlagsstärke kann zudem die Tonart gesteuert werden: leichtes Anschlagen führt zu Dur- und höhere Velocity-Werte zu Moll-Akkordfolgen.

Im letzten Reiter „Playpack“ lassen sich schließlich noch die Release-Time der Phrasen, die Legato-Übergänge in Dezibel und das Abspieltempo bestimmen. Um dem Ganzen noch mehr Lebendigkeit einzuhauchen, kann die Intensität des Samples mit dem Modulationsrad geregelt werden. Dank einer Sample-Library von 28 GB ist es mit Emotive Strings problemlos möglich, sich schnell mal einen Soundtrack, ein Intro oder eine Untermalung für eine zu dünne Passage in einem Song aus dem Ärmel zu schütteln. Native Instruments hat die Emotive Strings dabei als Ergänzung zu den schon vorhandenen Kontakt-Erweiterungen Action Strikes und Action Strings vorgesehen. Und als kleine und leicht spielbare, aber durchaus feine Sammlung kann Emotive Strings als schönes Gimmick betrachtet werden. Vor allem klingen die Samples sehr brauchbar und realistisch.

Als kleiner Bruder der Symphony Series präsentiert sich dessen abgespeckte Version Symphony Essentials.

Saiteninstrumente

Klaviere hat Native Instruments freilich schon viele gesampelt. Und mit Una Corda kommt nun ein weiteres hinzu. Wer dahinter jedoch lediglich ein zusätzliches Piano erwartet, wird überrascht sein: dieses Saiteninstrument hat es nämlich in sich. Das Original, von dem die Samples hierfür stammen, ist – genau wie die Software – ein absolutes Unikat. Es wurde so konzipiert, dass pro Ton nur eine Klaviersaite angeschlagen wird. Daher rührt auch der Name. Seine klanglichen Eigenschaften machen bereits das Vorbild zu einem Klangindividuum. Damit dieses Feeling auch über Kontakt 5 optimal rüberkommt, hat sich NI ordentlich ins Zeug gelegt – denn die Qualität der Samples ist wirklich astrein.

Um dem Kontakt-5-Nutzer noch mehr Variationen mit auf den Weg zu geben, haben die Berliner Una Corda gewissermaßen modifiziert. Zwischen Hämmerchen und Schlägel wurde insgesamt sechs verschiedene Materialen – wie beispielsweise Filz- und Baumwollstoff – gespannt, wodurch das Instrument gleich eine ganz andere Klangfarbe bekommt. Dadurch klingt es etwa ein bisschen nach altem E-Piano, nur eben nicht mit dessen elektronischen Eigenheiten. Obendrauf hält das gesampelte Piano eine Effektseite bereit, über die sich etwa die Transienten modifizieren, eine Bandsättigung hinzufahren oder der Raumklang anpassen lassen. Sehr fein.

Strummed Acoustic – so heißt der neue Akustikklampfer für Kontakt 5, der mit seiner Westerngitarre tadellos und auf Befehl performt. Hierbei handelt es sich um eine detailgetreu und wirklich absolut realistisch klingende Sample-Library, die alles bisher in dieser Richtung Dagewesene in den Schatten stellt. Für die Aufnahmen der Samples kam freilich ein richtiger Gitarrist zum Einsatz. Und das hört man, denn die extrem aufwendige Suche nach dem idealen Sample-Sound hat sich bezahlt gemacht: Noch nie klang ein virtueller Akustikgitarrist musikalischer, authentischer und besser als Strummed Acoustic.

8,5 GB Samples sind naturgemäß nicht einfach zu verwalten. Deswegen haben sich die Entwickler allerhand Gedanken um die Handhabung gemacht: Für das einfache Finden des gewünschten Rhythmus steht der Pattern Browser bereit. Darüber lässt sich auswählen, welcher Akkord in welcher Tonart benötigt wird. Neben Filtern wie „Muted“, „Soft“ und „Triplets“ sowie dem passenden Genre gibt es hier noch ein völlig neues Feature: den Rhythm Search. Über diesen kann der gewünschte Rhythmus einfach in Viertelnoten (auch triolisch) angeklickt und anschließend gesucht werden. Dank seiner einfachen Bedienbarkeit, weiß Strummed Acoustic schnell gute Ergebnisse zu liefern – und klingt dabei nahezu perfekt.

Schnell eine Untermalung mit Streichern aus dem Ärmel schütteln? Kein Problem mit Emotive Strings.

Technische Daten & Wertung

„Dummerweise“ bietet Native Instruments Komplete so viel, dass wir der Software zwei Tests widmen müssen. Teil zwei findest du unter diesem Link.

 

Betriebssystem Mac OS X 10.10, 10.11 (Intel Core 2 Duo) & Windows 7, 8, 10 (Intel Core 2 Duo oder AMD Athlon 64 X2, 32/64 Bit)
Benötigter RAM

min. 4 GB (6 GB empfohlen)

Schnittstellen

Stand-Alone, VST, AU, ASIO, Core Audio, WASAPI & AAX

Anzahl Softwares 11 (Komplete 11 Select), 45 (Komplete 11) bzw. 87 (Komplete 11 Ultimate)

 

Wertung:
+ unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis
+ All-in-one-Software-Paket für Musiker und Produzenten
+ Tonnen von hervorragenden Samples
+ intuitiv bedienbare Programme mit teils tiefgreifenden Parametern
+ verschiedene Komplete-Versionen für jeden Bedarf
– Native Access noch überarbeitungsbedürftig

Preise (UVP):
Komplete 11 Select – 199 €
Komplete 11 – 599 €
Komplete 11 Ultimate – 1.199 €
Komplete 11 Select Upgrade – 399 €
Komplete 11 Upgrade – 599 €
Komplete 11 Ultimate Upgrade – 399 €

Vertrieb: Native Instruments
Weitere Infos: Native Instruments Komplete 11

 

 

 

 







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