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Test: Mackie DL32R

Jetzt aber wirklich All-In-One!

Jan Hoffmann am 03.03.2015

Jetzt aber wirklich ...

Was Mackie mit seiner DL-Serie von kompakten Mischpulten, in die man ein iPad einlegen konnte, über das dann der Großteil der Bedienung lief, begann, führt man mit dem neuen DL32R jetzt auf ein professionelles Level – und zieht das Prinzip des Mischens per iPad & Co. noch konsequenter durch. Denn außer dem Power-Schalter und dem Regler für die Kopfhörerlautstärke finden sich keine Bedienelemente an diesem innovativen Mischerkonzept.

Neue Produkte kommen ja ständig auf den Markt, doch bei den wenigsten bleibt man länger fasziniert stehen und fragt sich, warum vorher niemand auf die Idee gekommen ist. Eines dieser Ausnahmegeräte war das Mackie DL1608, als es vor rund drei Jahren vorgestellt wurde. Denn auf dem kompakten Digitalmischpult befanden sich nur ganz wenige Regler. Stattdessen war der meiste Platz für Apples iPad vorgesehen, über das dann der Großteil der Steuerung lief.

Man kann sich vorstellen, dass viele Tontechniker skeptisch waren. Auf einem Tablet wischen, statt handfeste Potis und Fader in Händen zu halten? Und was ist, wenn das iPad abstürzt oder keinen Strom mehr hat? Klar, das sind gute Argumente, doch wie sich in der Praxis zeigte, überwogen vor allem bei kleineren Bands und Events die Vorteile, die das neue Konzept bot. So konnte man mit dem iPad unabhängig vom Mischplatz in der Location herumlaufen und von überall aus mischen. Zudem konnten sich die Musiker mit ihren eigenen iOS-Geräten jeweils ihren eigenen Monitormix machen. Sehr praktisch.

Nun, nach all den Erfahrungen, die man bei Mackie in den letzten Jahren gesammelt hat, bringt man das Konzept mit dem DL32R auf ein neues Niveau. Denn an diesem 3-HE-Rackgerät befinden sich noch genau zwei(!) Bedienelemente: der Power-Schalter und der Lautstärkeregler für den Kopfhörerausgang. Offenbar hat sich die Bedienung über iOS-Geräte wie iPad und iPhone also bewährt. Doch das DL32R geht noch deutlich weiter, möchte Mackie damit doch den Tontechniker komplett unabhängig von seinem Mischplatz machen – und bei der Gelegenheit auch noch Stageboxen und ähnliches einsparen.

Denn die Idee hinter dem Rackmischer ist ja, dass man ihn, wenn erst mal alles verkabelt ist, den kompletten Gig über nicht mehr anfassen muss. Man packt ihn also sinnvollerweise in ein Rack – und dieses dann irgendwo seitlich oder hinter die Bühne. Das hat den Vorteil, dass man weder die ganzen Signale der Band erst durchs Publikum zum Mischpult bringen muss noch muss man die Monitorsignale wieder zurück zur Bühne befördern. Man spart sich also jede Menge Verkabelungsaufwand, Kabel und Geräte wie Stageboxen und Splitter. Doch funktioniert das wirklich?

Quasi alle In- und Outputs befinden sich an der Front des Mackie DL32R. Auf der Rückseite sind nur die Anschlüsse fürs Netzwerk sowie Festplatte und Rechner.

Kompakte Kiste …


Dann holen wir das Mackie DL32R mal aus dem Karton. Alle Achtung, viel kompakter dürfte man ein 32-kanaliges Mischpult kaum noch bekommen. Zudem ist der Rackmixer mit lediglich gut 8 kg auch noch sehr leicht. Selbst in einem soliden Rack kommt man da locker mit 15 kg hin – und braucht beim Transport echt wenig Platz. Vor allem wenn man bedenkt, dass man die große Kiste mit Multicores und Stageboxen daheim lassen kann. Echt praktisch.

Auf der Front des Mackies befinden sich dann auch quasi ausschließlich die Ein- und Ausgänge, die man live benötigt. Satte 32 XLR-Eingänge (acht davon als Kombi-Buchsen, damit man auch mit Klinkenkabel Anschluss findet) warten auf Input von der Band. Damit sollten nahezu alle Formationen gut hinkommen, selbst mit Backgroundgesang und Bläsern hat man hier reichlich Spielraum. Alle Inputs verfügen über Mackies Onyx+Mikrofon-Preamp, was für tolle Soundqualität bürgt. Denn würde man hier schon schlechte Qualität ins System schicken, würde das den gesamten Sound beeinträchtigen.

Ausgangsseitig wird hier mit 14 XLR-Ausgängen auch geklotzt statt gekleckert. Die Kanäle 13 und 14 empfiehlt Mackie für das Stereosignal, das man zur PA schickt, aber die restlichen 12 Outputs stehen dann für verschiedenste Monitorwege und vieles mehr zur Verfügung. Möchte man „nur“ die Stereosumme abgreifen, kann man auch die beiden 6,3-mm-Monitor-Klinkenausgänge nutzen. Dazu kommt noch ein Stereokopfhörerausgang (der einzige Output, der direkt am Gerät regelbar ist) und ein AES-Out. Über letzteren kann man ein digitales Stereosignal ausspielen, etwa wenn die Endstufe der PA über einen entsprechenden Eingang verfügt, oder auch für Aufnahmen.

Dank praktischer Klettverschlüsse kann man Geräte wie Router oder Festplatte platzsparend und sicher auf dem Rücken des DL32R befestigen.

… und komplette Recording-Device

Will man allerdings aufwendigere Recordings realisieren, sollte man sich der deutlich flacheren Rückseite des Mackie DL32R zuwenden. Denn hier befinden sich neben dem Power-Schalter und zwei temperaturgesteuerten Lüftern noch die Netzwerkbuchse, mit der man die Mixerzentrale per CAT5-Kabel ans Netzwerk der Location anbindet sowie zwei USB-Buchsen. Die obere im USB-A-Format dient dazu eine USB-Festplatte anzuschließen, über die man dann bis zu 24 Kanäle parallel mit 48 kHz und 24 bit aufnehmen oder auch entsprechende Sounds von der Festplatte abspielen kann. Perfekt also auch für aufwendige Backing Tracks.

Wer noch mehr braucht, kann über die untere USB-B-Buchse auch einen Rechner anschließen und dann bis zu 32 Spuren aufnehmen und parallel dazu bis zu 32 Spuren an den Mischer schicken. Übrigens: Man kann nicht beide Anschlüsse parallel nutzen. Wenn man oben eine Festplatte anschließt, wird der untere Anschluss deaktiviert. Aber auch so kann man schon sehr aufwendige Recordings mit dem Mackie DL32R realisieren – und das ganz ohne teures Outboardequipment oder aufwendige Verkabelungen. Praktisches Detail: Da der Rackmixer hinten deutlich flacher ist als vorne, hat man auf ihm reichlich Platz, um dort seine externe Festplatte unterzubringen – deshalb hat Mackie dort auch Klettbänder installiert, mit denen man sie fixieren kann. Tolle Idee.

Moment mal. Die Netzwerkbuchse ist ja auf einer abnehmbaren Platte installiert! Hier kann man den Mackie DL32R später noch per Karte erweitern. Standardmäßig kommt er mit einer einfachen Netzwerkkarte, aber wer noch mehr Anschlüsse benötigt, kann hier schnell und ohne viel Arbeit zusätzliche Anschlüsse unterbringen. Damit dürfte der Mixer auch für die Zukunft bestens gerüstet sein.

Mit einem iOS-Gerät und Mackies „Master Fader“-App kann man von überall im Raum Mischen.

Ab an iPad & Co.

Klar, das Konzept des Mackie DL32R ist echt pfiffig, und es ist auch echt praktisch sein Mixerrack an die Seite oder hinter die Bühne zu stellen und dort alles zu verkabeln. Doch wie steuere ich das System jetzt? Dreh und Angelpunkt hierbei sind iOS-Geräte von Apple, allen voran das iPad. Denn gerade als Tontechniker und wenn man tiefer in die Details eingreifen möchte, will man eher nicht auf dem doch recht kompakten Screen eines iPhone herumtippen. Das bietet sich dann eher für die Musiker auf der Bühne an – doch dazu später mehr.

Zunächst muss man eine Verbindung zwischen iPad und DL32R herstellen. Den Mischer schließt man dazu wie oben beschrieben per Netzwerkkabel an einen WLan-Router an. Jetzt muss man nur noch mit dem iOS-Gerät in das gleiche Netzwerk und schon kann man loslegen. Nun ja, noch nicht ganz, denn vorher muss man sich noch die kostenlose Mackie „Master Fader“-App auf sein Gerät laden. Das geht aber schnell und gewohnt problemlos. Dann kann es auch schon losgehen.

Hier jetzt im Detail auf die App und alle ihre Funktionen einzugehen ist nicht wirklich sinnvoll, dazu kann sie einfach zu viel. Eines muss einem aber schon klar sein: Hat man noch nie mit der Mackie Master Fader oder einer ähnlichen App gearbeitet oder bisher gar nur mit analogen Pulten, bedarf es schon einiger Eingewöhnungszeit. Man muss sich beispielsweise daran gewöhnen, dass man eben nicht jeden verfügbaren Regler auf einen Blick sieht, sondern erst die entsprechende Ebene aufrufen muss. Von Digitalpulten ist man das ja ähnlich gewohnt. Auch dass man über den Bildschirm wischt, statt einen Regler in der Hand zu haben, ist sicher etwas gewöhnungsbedürftig. Aber wenn man sich erst mal ausgiebig mit dem Pult, der App und den Möglichkeiten befasst hat, ist das schon in Fleisch und Blut übergegangen.

Bis zu 10 Personen gleichzeitig können sich über ein iOS-Gerät mit dem Mackie DL32R verbinden – und so ihren eigenen Sound machen.

Und los geht’s

Was ebenfalls zunächst einmal länger dauert als man es eventuell von einem einfachen analogen Pult gewohnt ist, ist die Einrichtung seines Setups. Doch wenn man diese Vorarbeit erstmal gemacht hat, ist die Arbeit mit dem Mackie DL32R so leicht, vielseitig und entspannt, dass es sich mehr als nur gelohnt hat. Mit ein, zwei Nachmittagen im Proberaum erspart man sich nämlich jeglichen Stress bei späteren Veranstaltungen. So kann man sich natürlich verschiedene Snapshots für verschiedene Bands, Besetzungen oder auch einzelne Songs abspeichern, diese dann vor Ort flugs laden und nur noch in Details anpassen. Auch Kanäle schnell zu tauschen ist mit wenigen Handgriffen am iPad machbar.

Übrigens: Für Einsteiger beziehungsweise nicht so erfahrene Mischer verfügt die App über diverse Presets (zum Beispiel für EQ oder Kompressor), die man als Basis für eigene Soundeinstellungen nehmen kann. So gibt es etwa drei verschiedene EQ-Presets für Akustikgitarre. Muss man also eine Akustikgitarre in den Mix einbetten, kann man sich die für die eigenen Ohren bestklingende Voreinstellung laden und dann noch anpassen. Klar, das ersetzt weder Erfahrung noch Übung, ist aber dennoch eine willkommene Hilfe, wenn es mal schnell gehen muss oder man eben noch in der Übungsphase ist.

Apropos hilfreich und unerfahren. Eins der praktischen Features an Mackies DL-Pulten ist ja die Fernsteuerbarkeit per iOS-Gerät. Und die gilt nicht nur für den Tontechniker, sondern natürlich auch für die Musiker auf der Bühne. Praktisches Beispiel: Hat jeder der Musiker auf der Bühne ein iPhone am Start, kann sich jeder seinen Monitorsound selbst einstellen – insgesamt kann man beim DL32R bis zu zehn iOS-Geräte parallel verbinden. Selbstverständlich kann man die Zugriffsmöglichkeiten für den einzelnen Musiker in der App beschränken, so dass dieser maximal seinen eigenen Monitorsound versauen kann – aber nicht den der anderen oder gar den Sound fürs Publikum.

Wer schon mal eine Show mischen musste und sich gleichzeitig auch noch um fünf oder sechs Monitormixe zu kümmern hatte, der kann sich vorstellen, welche Erleichterung die Mackie-Variante mit sich bringen kann. Und da der Rackmixer über reichlich Aux-Wege verfügt, kann man auch wirklich jedem Beteiligten seinen eigenen Sound zur Verfügung stellen. Übrigens: Intros oder Pausenmusik kann man auch direkt vom iOS-Gerät über das Mackie DL32R abspielen. Dafür muss man keinen Kanal am Pult selbst verbrauchen. Sehr praktisch.

Mit der „Master Fader“-App kann man sehr detailliert und tief in den Sound eingreifen.

Und? Wie wars?

So, und wie war nun die Arbeit mit dem neuesten Mischpult von Mackie? Wirklich klasse! Klar, man benötigt etwas Zeit, um sich an das Bedienprinzip zu gewöhnen und sollte sein Setup vorher in Ruhe konfigurieren, damit man vor Ort nicht noch herumdoktern muss. Dann ist dieses Setup unglaublich kompakt, leicht zu bedienen und unaufwendig. Und es klingt auch richtig gut. Mackie hat ja auch genug Erfahrung im Beschallungsbereich, aus der man schöpfen kann. Abgesehen vom geringeren Transport- und Materialaufwand, spart man auch beim Aufbau richtig Zeit und Platz.

Ansonsten ist der Hauptvorteil natürlich die Masse an Eingriffsmöglichkeiten und Tools, um immer einen optimalen Sound aus der jeweiligen Situation (also Band & Location) herauszuholen. Wenn man bedenkt, dass das Mackie DL32R im Laden für gut 2.000 € zu bekommen ist – selbst mit iPad und schickem Rack bleibt man da unter 3.000 € –, ist es schon unfassbar, welche Features bei sehr guter Klangqualität hier geboten werden. Und wer Angst hat, dass das iOS-Gerät sich eher aufhängt oder den Kontakt zum Pult verliert als das bei einem klassischen Analogmischer der Fall wäre, da würde ich mir wenig Sorgen machen. Bei unseren Testläufen klappte alles reibungslos, und mit der Erfahrung der bisherigen DL-Mixer kann man davon ausgehen, dass die Ausfallquote hier extrem gering sein dürfte.

Ist das nun die Zukunft des Live-Mixings? Nun ja, zumindest wohl eine, die sich für ambitionierte Bands aber auch professionelle Beschaller geradezu aufdrängt. Bei allen positiven Gefühlen, die man den schönen alten Analogpulten gegenüber hat: Wenn es schnell gehen muss, man alles in einem kleinen kompakten Setup haben möchte und direkten Zugriff auf eine Unmenge an Verschaltungsmöglichkeiten, Effekten und vielem mehr haben möchte, wird man hier einfach erstklassig bedient. Und die Möglichkeit, ganz einfach Mehrspuraufnahmen zu machen, ist das Sahnehäubchen auf der Mischpulttorte Mackie DL32R.

Und es gibt nichts zu meckern? Naja, wenn man das Haar in der Suppe sucht bzw. eine Wunschliste an Mackie schreiben dürfte, stände bei einigen Usern sicher auch die Kompatibilität zu Android-Geräten drauf. Denn gerade wenn jeder in der Band sich sein Monitoring selbst machen soll, könnte es schwierig werden. Schließlich hat nicht jeder ein iPhone in der Tasche. Ansonsten wäre es noch ein Fortschritt, wenn das Mackie DL32R quasi ein eigenes WLan aufbauen könnte und man nicht auf ein externes System zugreifen müsste. Aber wie schon gesagt, das sind Kleinigkeiten, die eventuell schon mit dem nächsten Update behoben werden. Insgesamt ist das innovative Mackie-Mischpult – wenn man es denn überhaupt noch Mischpult nennen möchte – ein absolut überzeugendes Gesamtpaket zu einem unfassbar günstigen Preis. Nimm dir also Zeit und probier es selbst mal in Ruhe aus.

Im Overview-Fenster der App hat man alle In- und Outputs auf einen Blick.

Technische Daten & Wertung

Bauweise 32-kanaliges Digitalmischpult
Gehäuse

Metall, 19“, 3 HE

Inputs

24 x XLR, 8 x XLR-Klinke-Kombibuchse

Outputs

14 x XLR, 2 x Klinke, Headphone, AES3 Professional, 48 kHz, 24-bit stereo (XLR)

Weitere Anschlüsse

Wifi Control, Drive (USB), Computer (USB)

Regler, Schalter

Power, Headphone Volume

Mixerebenen

28 (Master Outputs, Matrix + Groups, Inputs 1, Inputs 2)

Parameter pro Kanal

4-Band-EQ (Modern oder Vintage, voll parametrisch), High Pass, Phasendreher, Gate, Kompressor (Modern oder Vintage), 2 x Reverb, Delay

Dynamikbereich

111 dB (-60 dBFS, A-bewertet)

Frequenzgang 20 Hz - 20 kHz (-1 dB)
Kompatibilität Windows (7 & 8, Intel Core 2 oder mehr) & Mac (OS X 10.8.4 & OS X 10.9); iOS ab 7.1
Kompatible iOS-Geräte

iPad 2, iPad (3rd generation), iPad (4th generation), iPad mini, iPad mini Retina, iPad Air (2), iPod Touch

Maximal parallel nutzbare iOS-Geräte 10
Maße (H x B x T) 138 x 483 x 443 mm
Gewicht 8,2 kg
Besonderheiten

kompakte All-In-One-Lösung, nur per iOS-Gerät bedienbar, diverse Mehrspurmitschnitte möglich

Hergestellt in

Mexiko


Wertung:
+ klares Konzept, sauber durchgezogen
+ unfassbar viele Möglichkeiten
+ hohe Klangqualität
+ ultrakompaktes Mixing-Setup, räumlich flexibel
+ bis zu 10 Leute können gleichzeitig zugreifen
- ohne iOS-Gerät(e) geht nichts

Preis (UVP): 2.616,81 €

Vertrieb: Mega Audio
Weitere Infos: Mackie DL32R







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