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Test: Mackie DL16S

Schnörkellose All-in-one-Box

Marco Sulek am 30.04.2019

Schnörkellose ...

Seit nunmehr über dreißig Jahren versorgt Mackie die Musiker- und Tontechnikerwelt mit hochwertigem, innovativem sowie teils unverwüstlichem Equipment. Auch mit der neuesten Schöpfung – dem DL16S – macht der US-amerikanische Hersteller hierbei keine Ausnahme. Wir hatten den optisch unscheinbaren Digitalmixer auf dem Prüfstand.

Nach dem DL1608 und dem ProDX leistet Mackie mit dem DL16S einen weiteren wichtigen Beitrag zur nächsten Evolutionsstufe digitaler Mischpulte. Wo allerdings die iOS-Mixer zumindest noch entfernt an eine herkömmliche Klangzentrale erinnern, hat der uns vorliegende Jüngling mit einer solchen gar nichts mehr am Hut. Im Grunde sieht der DL16S eher einer klassischen Stagebox zum Verwechseln ähnlich. Zugegeben, damit ist er zwar nicht der erste seiner Art, kommt dafür aber mit den für Mackie-typischen Merkmalen. Doch fangen wir ganz von vorne an.

Am besten ist der DL16S auf der Bühne aufgehoben – eben dort, wo normalerweise die Stagebox steht. Eine Halterung für Tablet, Smartphone beziehungsweise Laptop oder fürs Mischen nötige Bedienelemente besitzt er nicht. Das Aufstellen am FoH macht also keinen Sinn. Selbst Sichtkontakt zum Endgerät, auf dem die Controller-Software „Master Fader“ läuft, braucht es dank eingebautem Wi-Fi-Router nicht unbedingt. Dass sich etwa zwischen iPad und Mixer aber keine meterdicke Stahlbetonwand befinden sollte, ist hoffentlich klar.

Der DL16S lässt sich überaus flexibel aufstellen – egal, ob mit den Anschlüssen auf die Seite oder nach oben gerichtet. Dazu ist er an allen acht Gehäusekanten mit rutschfesten Gummi-Elementen ausgestattet. Sogar hochkantes Parken ist dadurch möglich – hierzu gleich mehr. Obendrauf garantiert das Kensington-Schloss on-stage einen praktischen Diebstahlschutz. Mit den im Lieferumfang enthaltenen Rackohren kann der Mixer zudem etwa für mobile Einsätze oder für die Festinstallation in ein Rack geschraubt werden. Eingebaut beansprucht er drei Höheneinheiten für sich.

Je nach Positionierung auf der Bühne oder im Rack kann die Antenne ausgerichtet werden. Sie zeigt dabei idealerweise nach oben, sodass sie frei in alle Richtungen funken kann. Für den Transport oder zum Verstauen kann die Antenne in die dafür vorgesehene Haltevorrichtung eingeführt werden. Etwas schade hieran ist, dass sich der Stab nicht einclipsen oder anderweitig festmachen lässt. Zumindest bei dem uns vorliegenden Gerät sprang die Antenne immer wieder ungewollt aus seiner Halterung.


Der seitlich angebrachte Tragegriff erlaubt einen bequemen Transport des DL16S.

Robust konstruiert

Mackie ist bekannt für seine widerstandsfähigen Produkte. Da ist es fast selbstverständlich, dass der DL16S den Eindruck erweckt, als sei er für den rauen Bühnenalltag prädestiniert. Für das Gehäuse kommt eine gebogene Metallplatte zum Einsatz, die mit einem mattschwarzen Finish überzogen ist. Alle Buchsen sitzen dabei bombenfest im Gehäuse. Die bereits erwähnte Haltevorrichtung für die Antenne besteht aus hartem Kunststoff und bietet überdies Schutz für das einzige Bedienelement am Mixer: das Lautstärkepoti für den Kopfhörerausgang.

An der linken Gehäuseseite findet sich ein Griff aus Metall, über den sich der DL16S bequem mit einer Hand tragen lässt. Rechts am Gehäuse sind der Netzschalter sowie die Kaltgerätenetzbuchse angebracht. Hier stellt sich jedoch leider heraus, dass die Gummifüßchen ein wenig zu kurz geraten sind, denn: Stellt man den Mixer hochkant ab, berührt der Netzschalter mit der nach oben gerichteten Kante den Boden. Gerade wenn das Gerät öfter auf raueren Untergründen geparkt wird, muss man wohl oder übel mit dem Verschleiß des Schalters rechnen.

Öffnungen für die Kühlung des DL16S wurden seitlich sowie unterhalb der Antenne vorgesehen. Ein Lüfter ist aber nicht verbaut. Dadurch arbeitet der Mischer absolut still und kann darum problemlos selbst im Aufnahmeraum eines Studios verwendet werden. „Dann wird das Teil ganz schön heiß, oder?“ Nein, denn selbst nach stundenlangem Betrieb unter „Volllast“ hatte sich das Gehäuse maximal auf etwas mehr als Körpertemperatur erwärmt. Und das ist fraglos im grünen Bereich.

Wie die Namensgebung erahnen lässt, besitzt der DL16S insgesamt 16 Mikrofoneingänge – die ersten acht davon in Form von XLR und letzten 8 als Kombibuchse. Die Eingänge „15“ und „16“ sind zudem als Hi-Z-Eingänge ausgelegt, wodurch Instrumente direkt angeschlossen werden können. Ausgangsseitig finden sich acht XLR-Male-Buchsen. Die rechten zwei davon liefern das Main-Stereo-Signal, die sechs linken Buchsen können für Monitorwege genutzt werden. Ein Kopfhörerverstärker mit eigener Lautstärkereglung rundet die Audio-Anschlussvielfalt ab.


Dank dem 16-mal-16-Kanal-Audio-Interface eignet sich der DL16S bestens für Multitrack-Aufnahmen.

Die digitale Ebene

Neben seiner Stand-alone-Funktionalität kann der Mackie DL16S ebenso als Audio-Interface genutzt werden. Dazu steht eine USB-2.0-Buchse für den Anschluss an einen Computer bereit. So lassen sich Multitrack-Live-Aufnahmen direkt über den Mixer realisieren. Einzig und allein ein Computer mit geeignetem Aufnahmeprogramm muss via USB unweit vom DL16S (auf der Bühne) positioniert werden. Die 16 mal 16 Signale zum beziehungsweise vom Rechner lassen sich dabei komfortabel über die App Master Fader verwalten.

Das Audio-Interface dient allerdings nicht nur Recording-Zwecken. Ebenfalls als Zuspieler für Backing-Tracks, Click oder dergleichen kann die USB-Schnittstelle genutzt werden. Anders als über diesen Weg respektive über eine der Eingangsbuchsen ist das Zuspielen ohnehin nicht möglich. Wer beispielsweise Pausenmusik drahtlos über sein Tablet wiedergeben möchte, dem soll gesagt sein: das ist (derzeit) nicht vorgesehen. Abgesehen davon empfängt und versendet Master Fader ausschließlich Steuerbefehle, kein Audio.

Apropos empfangen und versenden von Steuerbefehlen: Der DL16S verfügt über einen Router mit eingebautem Wi-Fi-Modul. Sprich, der Mixer ist nicht unbedingt von einem vorhandenen Drahtlosnetzwerk abhängig, er kann einfach sein eigenes generieren. Gefunkt wird hierbei im Bereich von 2,4 GHz – und das völlig sicher, da hier mit dem Sicherheitsstandard WPA2 gearbeitet wird. Spätestens beim Eingeben der Standardzugangsdaten fürs DL16S-Netzwerk muss man die Bedienungsanleitung zu Rate ziehen – oder man schaut einfach auf die Unterseite des Mixers, wo der Vorgang auch erklärt wird.

Insgesamt bietet der DL16S drei via Master Fader konfigurierbare Netzwerkoptionen an. Mit der Funktion „Access Point“ stellt der Mixer ein eigenes Wi-Fi-Netzwerk bereit, mit dem sich Endgeräte – wie bei herkömmlichen Routern – verbinden können. Wurde „External Router“ gewählt, kann der DL16S über seine Ethernet-Buchse, also kabelgebunden, direkt mit einem Router verbunden werden. Auch mit der Option „Wi-Fi Client“ lässt sich das Gerät mit einem anderen Router verbinden, jedoch kabellos. Ob nun wired oder wireless: der Mixer kann dabei bis zu 20 Endgeräte verwalten.


Mackies DL16S integriert einen vollausgestatteten Wi-Fi-Router.

Volle Kontrolle

Kurz nach dem Produktlaunch des DL16S hat Mackie die fünfte Version der kostenlosen App „Master Fader“ auf den Markt gebracht. Rein optisch hat sich hier zur Vorgängerversion kaum etwas geändert. Eine der wichtigsten Neuerungen ist aber die Möglichkeit, nun auch endlich Tablets mit Android-Betriebssystem nutzen zu können. Mit der leider noch nicht erhältlichen Minor-Version 5.1 soll zudem die Kompatibilität zu macOS und Windows hergestellt werden. Diese soll laut Hersteller wohl im Juli verfügbar sein.

Auf einem iPad oder Android-Tablet erhält man Zugriff auf die gesamte (Software-)Steuerung des DL16S. Das Verbinden mit dem Mixer geht schnell von der Hand und ist selbst für Laien leicht verständlich. Ähnlich verhält es sich mit der Oberfläche des „Mixers“. Diese ist intuitiv gestaltet, bietet zugleich aber einen tiefen Eingriff in diverse EQ-, Kompressor- oder Effekt-Parameter. Dank der Echtzeit-Pegelanzeige und dem -Analyzer weiß man immer, was gerade passiert und wo man gegebenenfalls nachregeln muss. Die Funktionen und Möglichkeiten von Master Fader sind so umfangreich, hierzu könnte man einen eigenen Testbericht verfassen.

Eine abgespeckte Version von Mackies Master Fader 5 steht auch fürs iPhone zur Verfügung. Diese ist auf Pegel- und Panorama-Einstellungen begrenzt. Damit eignet sie sich ideal für Musiker, die ihren Monitormix selbst erstellen wollen. Hierfür ist es möglich, den Zugriff des Künstlers zu Beschränken, sodass er nur seinen eigenen Mix verändern kann. Genau wie die Version für Tablets kann ebenso am iPhone ein Snapshot von den aktuellen Einstellungen erstellt und bei Bedarf wieder aufgerufen werden. Praktisch.

Die LED „Wi-Fi“ am Gerät zeigt an, ob ein Endgerät mit Master Fader verbunden ist. Ist dies nicht der Fall, blinkt sie im Sekundenrhythmus; werden Daten übertragen, leuchtet sie permanent. Wechselt nun das Tablet oder das iPhone in den Ruhezustand (schwarzer Bildschirm), wird die Verbindung unterbrochen. Der DL16S arbeitet in diesem Fall freilich so weiter, wie die letzten Einstellungen waren. Wird der Tablet-Computer aufgeweckt, verbindet sich dieser wieder sofort mit dem Mischer, ohne zusätzlich etwas wieder einstellen zu müssen. Diesen Anwendungsfall hat Mackie sehr schön gelöst.


Über die App „Master Fader“ wird der Digitalmixer DL16S mittels Tablet-Computer fernbedient.

Fazit, Technische Daten & Wertung

Mit dem DL16S hat Mackie einen auf den ersten Blick unscheinbaren Digitalmixer im Programm, der sich beim zweiten Hinsehen als vielseitiges und flexibles All-in-one-Gerät entpuppt. Besonders in Kombination mit der Software „Master Fader“, die es bald für alle relevanten Betriebssysteme geben wird, zeigt der Jüngling seine Stärken. Und das alles freilich wireless. Seine geringe Systemlatenz von 1,5 ms von Eingang zu Ausgang ist dabei für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar – und so muss es sein.

Aber nicht nur die Features wissen zu überzeugen, sondern genauso der Sound – dank der geschätzten Onyx-Preamps. Zumal ist im Gegensatz zu gewissen Konkurrenzprodukten hier kein Wasserfallrauschen zu vernehmen. Mit seinen 16 Eingangskanälen hält der DL16S außerdem genügend Signalwege für die gängigsten Live-Anwendungen bereit. Wem das nicht reicht, der erhält mit dem großen Bruder DL32S doppelt so viele I/Os – und das sollte dann wirklich reichen. Eine beinahe unerschütterliche Metallhülle rundet das roadtaugliche Konzept gekonnt ab. Da wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn der DL16S bald auf verschiedenen Bühnen anzutreffen ist.

Technische Daten
 
Wandlung            48 kHz zu 24 Bit
Signal-Rausch-Abstand    < 92 dB (Mic-In über Main-Bus zu XLR-Out)
Dynamik            > 110 dB (A-gewichtet, Mic-In über Main-Bus zu XLR-Out)
Anschlüsse            16 Eingänge (8 XLR, 8 Combo), 8 Ausgänge (XLR),
Kopfhörerausgang, USB, Ethernet & Netzanschluss
USB-Interface            USB-B 2.0, 16x16 Kanäle
USB-Kompatibilität        Windows 10 & macOS 10.13, 10.14
Wi-Fi-Router            2,4 GHz, WPA2
Lieferumfang    DL16S, Antenne, Kaltgerätenetzkabel, Rackohren & Bedienungsanleitung
Abmessungen    (H x B x T)    142 x 358 x 147 mm (3 HE)
Gewicht            2,8 kg

Wertung

+ robustes, roadtaugliches Gehäuse
+ flexibel einsetzbar
+ guter Sound
– Hardware-Konzept nicht komplett ausgereift

Preis (UVP): 739 Euro

Vertrieb: ComLine im Netz
Weitere Infos: Mackie DL16S im Netz







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