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Test: Lewitt LCT 940

Hybridisierter Schallwandler

Marco Sulek am 09.04.2014

Hybridisierter ...

Lewitt erhielt seit der Gründung 2008 so viel Aufmerksamkeit, wie kaum eine andere aufstrebende Firma im Bereich professioneller Audiotechnik. Und das zu Recht, denn die österreichische Mikrofonschmiede brachte allerhand interessante und innovative Produkte auf den Markt. Aus der vielversprechenden Authentica-Serie hatten wir den Boliden LCT 940 etwas genauer unter der Lupe.

Als Audio-Engineer wünscht man sich nur das Beste vom Besten. Besonders wenn es um Studio-Equipment geht, träumen Tonkutscher gerne von einer möglichst großen Mikrofonauswahl. Im Fokus stehen dabei vorzugsweise Großmembrankondenser. Doch nur Modelle mit FET-Impedanzwandler reichen selbstverständlich nicht. In den letzten Jahren gewannen vor allem Röhrenmikrofone wieder zusehends an Beliebtheit. Am besten wäre allerdings ein ordentliches Hybridsystem, das sich je nach Wunsch konfigurieren lässt.

Zugegeben, die Idee eines FET-Tube-Dual-Mikrofons ist nicht die neueste. Einige Hersteller haben sich bereits daran versucht, derartige Schallwandler zu kreieren. Bisher ist es aber keinem wirklich gelungen, ein authentisches Konzept vorzulegen. Alternativ gibt es natürlich noch die Möglichkeit, einen Mikrofonvorverstärker zu wählen, dessen Vorstufe mit Röhren und Transistoren bestückt ist. Jedoch wird dabei nur das Signal von einem Tube- oder einem FET-Kondenser auf Arbeitspegel gebracht.

Eine interessante Lösung verspricht die junge Firma Lewitt aus Wien mit dem LCT 940: Es bietet sowohl eine Röhren- als auch eine FET-Schaltung. Mehr noch, über das mitgelieferte externe Netzteil lässt sich stufenlos zwischen den beiden Vorstufen hin- und herschalten. Und das ist längst nicht alles, denn die Doppelmembrankapsel erlaubt es, ganze neun Richtcharakteristiken zu nutzen. Außerdem integriert das Power-Supply noch diverse andere Gimmicks. Um das Set transportabel zu machen, kommen dabei alle Komponenten in einem gut ausgepolsterten Koffer.

Das LCT 940 selbst ist nicht nennenswert groß. Es zeigt sich in einem schwarzen Druckgussgehäuse, auf dessen Vorderseite das grüne Lewitt-Logo zu sehen ist. Der Mikrofonkorb ist von beiden Seiten identisch: Außen schützt ein wabenförmiges Metallgitter die Kapsel vor Schlägen und Stößen, feine Gaze dahinter sorgt dafür, dass Staubkörner und andere unerwünschte Partikel fernbleiben. Ein optisches Highlight ist das Plexiglasfenster an der Rückseite: Dahinter befindet sich die Röhre der Vorstufe, die in Betriebsbereitschaft in einem ästhetischen Orange-Rot leuchtet – allerdings leider nur mithilfe zusätzlicher LEDs.

Die Röhre im Mikrofon leuchtet – mithilfe von LEDs – in einem angenehmen Orange-Rot. Diese Seite ist im Übrigen auch die Haupteinsprechrichtung des LCT 940.

Tube versus Transistor

Im Inneren des LCT 940 arbeiten unabhängig voneinander eine Doppeltriodenröhre und ein Feldeffekttransistor (FET). Das heißt, dass beide Schaltkreise über getrennte Signalpfade verfügen, die erst im Netzteil PSU 940 – bei Bedarf – zusammenfinden. Übertragen werden die Signale plus eine ausreichende Stromversorgung von 170 Milliampere über ein spezielles, sauerstofffreies 11-Pin-Kabel. Dieses misst eine Länge von acht Metern und ist im Lieferumfang enthalten.

Das Power-Supply selbst besitzt ein Vollmetallgehäuse mit einer gefrästen, schwarz eloxierten Aluminiumfront – sehr ansprechend. Über eine Kaltgerätenetzbuchse bezieht es Strom. Sobald der Netzschalter daneben gedrückt wird, versorgt das PSU 940 auch das Mikrofon mit Energie. Damit das System überall einsatzbereit ist, lässt es sich von 230 Volt auf 115 Volt umschalten – in Deutschland sollte es natürlich auf „230“ stehen. Übrigens: Das Netzteil gibt das aufnahmebereite Signal über eine XLR-Buchse an der Rückseite aus.

Da es sich bei der Kapsel des LCT 940 um eine 1-Zoll-Doppelmembrankonstruktion handelt, sind entsprechend viele Adern notwendig. Jede der beiden Membranen liefert schließlich ein Signal, das auf getrenntem Wege sowohl durch die Röhre als auch durch den Transistor muss. Das Netzteil mischt dann entsprechend der gewählten Richtcharakteristik und dem Vorstufenverhältnis beide Signale zusammen. Wie sich die unterschiedlichen Einstellungen auf die Polarisation und den Frequenzgang auswirken, hat Lewitt übrigens sehr schön auf seiner Homepage dargestellt.

Um die gewünschten Einstellungen vornehmen zu können, bietet das Netzteil zwei Regler: Der linke Poti lässt bei Linksanschlag nur das Röhren- und bei Rechtsanschlag nur das FET-Signal durch. Dank einer 25-LED-Kette dazwischen lässt sich gut ablesen, in welchem Verhältnis die Signale der beiden Impedanzwandler summiert werden. Über den rechten Regler bestimmt man eine von insgesamt acht Richtcharakteristiken – Kugel, breite Niere, Niere, Superniere, Acht und die jeweiligen Zwischenstufen stehen dabei bereit. Übrigens: Das LCT 940 wird nicht von der Seite besprochen, an der sich das Lewitt-Logo befindet, sondern von der, an der die Röhre zu sehen ist.

Über eine XLR-Buchse auf der Rückseite des Netzteils lässt sich das aufnahmebereite Signal abgreifen.

Basisstation

Neben der Signalmischung von Röhre zu Transistor und der Auswahl der Richtcharakteristik kann das Netzteil aber noch mehr: Es bietet ein Pad mit vier Stufen – 0, -6, -12 und -18 dB. Anwählen lässt sich die Vordämpfung über den linken Taster. Auch einen vierstufigen Lowcut bietet das PSU 940: Neben einem linearen Frequenzverlauf gibt es die Option, die Tiefen bei 40, 150 oder 300 Hz zu beschneiden. Bei 40 Hz beträgt die Flankensteilheit 12 dB, bei 150 und 300 Hz sind es 6 dB.

Und es gibt ja so viele nervige Situationen im Studio. Zum Beispiel diese: Alles ist perfekt eingestellt, aber der Musiker meint, er müsse mal am schicken Netzteil rumdrücken, wenn der Techniker gerade nicht hinsieht. Hier hat Lewitt mitgedacht und dem PSU 940 sozusagen eine Tastensperre spendiert. Drückt man länger auf den rechten Jog-Dial, erlischt die kreisrunde Beleuchtung der beiden Regler. Nicht von dieser Sperre betroffen ist jedoch der „Amplification“-Poti, der das Verhältnis von Röhre zu Transistor regelt.

Mikrofonnetzteile sind in der Regel sowieso etwas schwierig zu handlen, da sie sich nur im Aufnahmeraum platzieren lassen. Aufgrund des speziellen 11-Pin-Kabels zwischen LCT 940 und PSU 940 ist es ja nicht möglich, über die Wallbox zu gehen. Genießt man nicht gerade die Dienste eines Assistenten, muss man also ständig zwischen Regie und Aufnahmeraum wechseln, um die Pegel im Blick zu behalten. Den Musiker möchte man auch nicht ans Netzteil lassen – der soll sich schließlich auf seine Performance konzentrieren.

Ein Meter bietet das PSU 940 zwar nicht, dafür eine andere praktische Funktion: Kommt es wegen zu hoher Pegel zum Clipping, blinken die beleuchteten Kränze um die Regler rot. So kann man entsprechend reagieren und ein Pad aktivieren. Das geht sogar automatisch: Drückt man die Vordämpfungstaste länger als zwei Sekunden, schaltet das Netzteil bei zu hohen Schalldruckpegeln auf das nächsthöhere Pad. Allerdings kann es so zu Pegelsprüngen während der Aufnahmen kommen. Zusätzlich integriert das PSU 940 noch eine Clip-Historie, die sich anzeigen lässt, wenn man länger als zwei Sekunden auf den Lowcut-Taster drückt.

Das LCT 940 wird über einen 11-Pin-Stecker mit dem PSU 940 verbunden.

Röhre hoch

Der ein oder andere Leser hat sich bestimmt schon mal gefragt, warum Kodensatormikrofone oftmals verkehrtherum aufgehängt werden – also mit der Kapsel nach unten. Das liegt ganz einfach daran, dass früher hauptsächlich Röhrenmikrofone zum Einsatz kamen. Bedingt dadurch, dass sich Röhren nach einer gewissen Zeit aufheizen, verändern sich temperaturbedingt auch die physikalischen Eigenschaften der Mikrofonmembran – ein sich während der Aufnahmen langsam verändernder Sound ist die Folge.

Da auch das LCT 940 mit einer Röhre ausgestattet ist, die für optimale Arbeitsbedingungen aufgeheizt wird, sollte es ebenso mit der Mikrofonkapsel nach unten zeigen. So verhindert man, dass die aufsteigende Hitze den Sound irgendwann verändert – wenn auch die Unterschiede nur marginal sind. Wie stark die Wärmeentwicklung ist, lässt sich schnell überprüfen: Einfach die Hand ans Sichtfenster des Mikrofons halten – hier spürt man eine leicht erhöhte Temperatur. Doch keine Sorge, diese hält sich in Grenzen und beträgt auch nach einer längeren Aufnahmesession gerade mal etwas mehr als Körpertemperatur.

Naturgemäß bieten Tube und FET nicht die gleichen Eigenschaften. So zieht die Röhre rein auf die Messwerte bezogen den Kürzeren. Zum Beispiel ist der Dynamikumfang mit 128 dB um sieben Dezibel niedriger als beim Transistor – zugegeben, das ist trotzdem ordentlich. Beim Grenzschalldruckpegel sieht es ähnlich aus: Wo der FET 143 dB schafft, sind es bei der Röhre 140 dB. Das prädestiniert das Mikro auch für Schlagzeugaufnahmen. Auch das Äquivalenzrauschen bewegt sich in einem beachtlichen Bereich: Mit 12 dB, vier Dezibel mehr als FET, hat die Röhre bei der Richtcharakteristik Niere sogar einen besseren Wert als einige „Studioklassiker“.

Um das Lewitt LCT 940 optimal vor einer Schallquelle platzieren zu können, liegt die Mikrofonspinne LCT 40 SHxx bei. Deren Gelenk lässt sich fest verschrauben, sodass das LCT 940 mit seinen 662 g nicht ständig nach vorne zu kippen droht. Das Mikrofon selbst findet Halt, indem es mit dem unteren Schaftende in die dafür vorgesehene Öffnung der Spinne gesteckt und arretiert wird – hält ebenfalls optimal. Sogar Close-Miking lässt sich umsetzen: Die Spinne wurde vorne möglichst flach und offen konstruiert, damit man das Mikro möglichst nahe an die Schallquelle heranrücken kann, ohne dass irgendwelche Elemente dazwischen stören.

Optimalen Halt bietet die mitgelieferte Mikrofonspinne LCT 40 SHxx.

Aufgenommen

Wenn so ein vielversprechendes Mikrofon in die Redaktion kommt, muss es natürlich unverzüglich ausgepackt und – egal unter welchen Umständen – ausprobiert werden. So wollten wir gleich direkt im Büro testen, wie das LCT 940 an einer Akustikgitarre klingt, indem wir den Schallwandler einfach mal davor stellten: Trotz der suboptimalen Bedingungen waren wir erstaunt, welch sauberen und differenzierten Klang wir bei Nierenrichtcharakteristik erhielten. Nicht einmal den Raum mit seiner großen Glasfront konnten wir präsent wahrnehmen.  

Doch einfach nur das Büro als Aufnahmeraum zweckentfremden war uns natürlich nicht genug. Deswegen begaben wir uns in ein Studio, dessen Live-Room eine relativ lange Nachhallzeit besitzt und lauschten gespannt: Hier bestätigten sich unsere ersten Eindrücke, denn das LCT 940 lieferte einen klaren Sound, der richtig viel Dynamik bot. Auch der breite Frequenzverlauf präsentierte sich uns sehr ausgewogen, wenn auch mit einem leichten „Badewannencharakter“. Enorme Unterschiede zwischen FET und Röhre sind jedoch nicht zu erwarten. Klar, die Röhre macht das Signal etwas „fetter“ – und bei höheren Schalldruckpegeln schreitet ein gewisser Limitierungseffekt ein –, wohingegen FET einen glasklaren und nuancenreicheren Output liefert. Doch wie beschrieben, der Kontrast ist relativ gering.   

Allerdings lassen sich die positiven Eindrücke nur schwer in Worte fassen. Aus diesem Grund haben wir uns die Mühe gemacht und eine kleine Session mit Akustikgitarre, Cajon und Gesang gefilmt. Das Video findest du unten bei den technischen Daten. Dabei soll gesagt sein, dass wir bis auf die Einstellungen am Netzteil und den Panorama- sowie Lautstärkeverhältnissen keine Veränderungen vorgenommen haben. Als Interface kam ein Digirack 003+ und als DAW Pro Tools 11 zum Einsatz.

Mit dem LCT 940 brachte Lewitt ein ordentliches Röhre-FET-Hybridsystem heraus, das interessante Features bietet. Betrachtet man die wirklich hervorragende Audioqualität und den riesigen Funktionsumfang, kann man das Preis-Leistungs-Verhältnis einfach nur als attraktiv bezeichnen. Schön ist vor allem, dass der Koffer alle benötigten Komponenten enthält, die für einen reibungslosen Betrieb mit dem Mikrofon-Flaggschiff der Authentica-Serie nötig sind. Wer sich für unterschiedliche Lewitt-Modelle interessiert, dem empfehlen wir auch einen Blick in die herstellereigene Soundbooth, wo man sich diese anhören kann.

Video: Produktvorstellung Lewitt LCT 940




Technische Daten

Wandlerprinzip extern polarisierte Druckgradientenempfänger
Membrandurchmesser 1“ (Doppelmembrankapsel)
Richtcharakteristiken Kugel, breite Niere, Niere, Superniere, Acht und vier Zwischenstufen
Vorabdämpfung 6, 12 & 18 dB
Hochpassfilter 40 (12 dB/Okt.), 150 (6 dB/Okt.) & 300 Hz (6 dB/Okt.)
Übertragungsbereich

20 Hz – 20 kHz

Phantomspeisung

PSU-Netzteil

Nennimpedanz <200 Ω
Dynamikumfang

135 dB (A-gewichtet) (FET) & 128 dB (A-gewichtet) (Röhre)

Grenzschalldruckpegel

143 dB (FET) & 140 dB (Röhre) bei 0,5 % THD

Äquivalenzrauschen

8 dB (A-gewichtet) (FET) & 12 dB (A-gewichtet) (Röhre)

Maße (HxBxT) 192 x 60 x 46 mm (Mikrofon) & 70 x 250 x 150 mm (Netzteil)
Gewicht 662 g (Mikrofon) & 1.930 g (Netzteil)
Lieferumfang

Koffer, Mikrofon, Netzteil, Spinne, Windschutz, Bedienungsanleitung, Netzkabel & 11-Pin-Audiokabel


Wertung:
+ vielseitiges Netzteil
+ ansprechende Optik
+ hochwertige Verarbeitung
+ herausragender Klang
+ stufenlos wählbar zwischen Röhre und FFT
+ durchdachte Mikrofonspinne
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
- spezielles 11-Pin-Kabel

Preis (UVP): 1.784 Euro

Weitere Infos unter: www.lewitt-audio.com

Vertrieb: M&T, Musik & Technik







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