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Test: Focusrite 8PreX

Roter Wunderknabe

Marco Sulek am 28.09.2016

Roter Wunderknabe

Focusrite ist für seine hochwertigen Home-Recording-, Studio- sowie Live-Lösungen weltbekannt. Mit seiner Clarett-Reihe spannt der britische Hersteller dabei die Brücke zwischen den schon länger etablierten Serien Scarlett und RedNet. Wir hatten das größte Thunderbolt-Audio-Interface daraus unter der Lupe: das Clarett 8PreX, ein Thunderbolt-Interface mit acht Mikrofonvorverstärkern.

Schon mit dem Red 1 Mikrofonvorverstärker, Red 2 Equalizer und Red 3 Kompressor begann Focusrite damit, rote Aluminium-Blenden für seine Geräte zu nutzen. Diesen Trend setzen die Briten mit den Interfaces der Scarlett-, RedNet- und Clarett-Systeme konsequent fort. Mittlerweile scheint das sogar zu einem unverwechselbaren Markenzeichen geworden zu sein, denn ein rotes Audiogerät wird sofort mit Focusrite in Verbindung gebracht – und das schicke Equipment hat einiges zu bieten.

Die Clarett-Serie zeichnet sich gleich durch mehrere Merkmale aus. Ganz weit vorne steht wohl der Datentransfer an den Computer via Thunderbolt. Auf diesen Zug sind schon mehrere namhafte Audio-Spezialisten erfolgreich aufgesprungen. Focusrite gehört da sicherlich nicht zu den letzten Herstellern, die damit eine quasi ausschließliche Nutzung an Apple-Computern erlaubt. Nichtsdestotrotz bringt die Apfel-Schnittstelle einige Vorteile mit sich. Besonders hervorzuheben ist darunter eine niedrige Latenz dank einer extrem schnellen Datenübertragung.

Neu an den Clarett-Interfaces sind auch die Mikrofonvorverstärker. Diese wurden sogar extra für diese Serie entwickelt und bringen einige Neuerungen mit sich. Zum einen ist da der Gain-Bereich von 57 dB für jeden analogen Eingang. Zum Vergleich: die Scarlett-Serie weist hier lediglich 50 dB auf. Zum anderen wurde den Pre-Amps der sogenannte Air-Effekt spendiert. Hierbei handelt es sich um eine aktivierbare analoge Schaltung, die die Vorverstärker aus der ISA-Serie nachbildet – dazu später mehr.

Mit einer Samplerate von bis zu 192 kHz liefern die Clarett-Geräte außerdem eine Auflösung, die die Scarlett-Interfaces erst mit der zweiten Generation erreichen – in der ersten lag diese bei maximal 96 kHz. Rein auf die Daten bezogen prädestiniert das die rote Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt schon einmal für audiophile Recordings; es lässt sich erahnen, dass es sich beim Clarett 8PreX um ein hochwertiges Audio-Interface handelt. Doch wie steht’s um die Verarbeitung und den Sound? Und: Ist das nicht exorbitant teuer?

Das verspricht Langlebigkeit: Die Drehknöpfe und Achsen der Potis bestehen aus Metall.

Rundumblick

Focusrite steht für Equipment mit einer hervorragenden Verarbeitungsqualität. Dies bestätigt sich zweifellos auch beim Clarett 8PreX: Alle Buchsen, Regler sowie Schalter sitzen bombenfest im beziehungsweise am Gehäuse und machen einen hochwertigen Eindruck. Die Poti-Kappen für die Gain-Regler und Kopfhörerverstärker bestehen – genau wie die rote Front – aus Aluminium. Das beschert dem Interface eine wertige Haptik und reichlich Stabilität. Sehr schön ist auch, dass die Potiachsen selbst aus Metall gefertigt sind und somit nicht irgendwann abzubrechen drohen.

An der Front präsentiert das Clarett-Interface insgesamt 60 LEDs sowie 6-LED-Segment-Anzeigen für alle acht Eingänge und die Monitor-Ausgänge. Diese Palette an Anzeigemöglichkeiten sorgt dafür, dass man sofort weiß, was am Gerät passiert und welche Funktion aktiviert wurde. Praktischerweise ist es hier also nicht nötig, erst den entsprechenden Kanal anzuwählen oder sich umständlich durch irgendwelche Menüs zu navigieren – wie es bei vergleichbaren Audio-Interfaces gerne der Fall ist.

Bereits der erste Blick verdeutlicht, dass es sich beim Clarett 8PreX um ein klassisches Audio-Interface für den Studio-Einsatz handelt. Eingangsseitig verzichtet Focusrite komplett auf Kombi-Buchsen: Hier sind XLR- und symmetrische Klinken-Anschlüsse separat ausgeführt. Dadurch können Kabel sowohl für Mikrofon- als auch für Line-Quellen dauerhaft am Gerät angeschlossen bleiben. Das ist durchaus sinnvoll, denn in einem Rack verbaut gestaltet es sich meist eher schwierig, an der Rückseite etwas umzustecken – genau hierfür gibt es ja auch Patchbays.

Doch das Clarett 8PreX macht sich nicht nur im Studio-Rack gut: Mit seinen gut 5 kg ist es leicht und mit seiner Einbautiefe von 288 mm schlank genug, um in einem handlichen Flight-Case Platz zu finden und für mobiles Recording eingesetzt zu werden. Allgemein wirkt das Audio-Interface sehr schlicht und übersichtlich, verzichtet dabei aber keineswegs auf die wichtigsten Features. Trotz seiner Einfachheit verfügt es über genügend Anschlussmöglichkeiten, um auch umfangreichen Live-Sessions gerecht zu werden. Apropos ...

An der Front des Clarett 8PreX gibt es für jeden Kanal einen Gain-Regler sowie je einen Schalter für Phantomspeisung, Lowcut und Phasendreher.

Rote Stärken

Acht Mikrofonverstärker besitzt das Clarett 8PreX. Frontseitig stehen für jeden Eingangskanal neben dem obligatorischen Gain-Regler ein Phasendreher, ein Lowcut und ein Schalter zum Aktivieren der Phantomspeisung bereit. Die ersten beiden Kanäle besitzen zusätzlich Instrumenten-Eingänge. Diese sind links an der Front angebracht und erlauben es, etwa Gitarren- oder Basssignalen auf digitaler Ebene den gewünschten Ampsound zu verpassen. Lediglich ein Pad lässt sich nicht aktivieren. Das ist zwar schade, aber in der Regel dürfte das hier auch nicht nötig sein. Umschalten zwischen XLR-, Line- und Instrumenten-Signal lässt sich übrigens über die Software Focusrite Control – und nicht über die Hardware selbst.

Ausgangsseitig kommt das Clarett 8PreX mit zehn Line-Outs, die an der Rückseite vorzufinden sind. Dabei dienen die beiden ersten Outputs standardmäßig für den Anschluss der Monitor-Lautsprecher. Rein theoretisch können aber sogar bis zu fünf Abhören mit dem Interface genutzt werden. Deren Lautstärke lässt sich dabei über den großzügigen Monitor-Regler an der Front einstellen. Dieser besitzt übrigens als einziger eine Kunststoffhaube. Zusätzlich stehen für den Monitor-Weg ein Mute- und ein Dim-Taster bereit, wobei letzterer bei Aktivierung das Monitorsignal um 18 dB absenkt. Fehlen darf natürlich auch nicht der Kopfhöreranschluss. Dieser kommt hier im Doppelpack mit separaten Lautstärkereglern.

Anders als die Namensgebung suggeriert, kann Clarett 8PreX mehr als nur acht Signale verwalten: insgesamt sind es 26 eingangs- und 28 ausgangsseitig. Naturgemäß ist das nicht ohne Peripherie zu bewerkstelligen. Weitere Mikrofonvorverstärker lassen sich über ADAT anschließen. Hierfür hat Focusrite gleich zwei optische Schnittstellen integriert. Sprich: Bei bis zu 48 kHz erlaubt es das Interface, 16 zusätzliche Eingangs- und Ausgangssignale zu verwalten. Gut, dass die Clarett-Serie jüngst Zuwachs in Form des Clarett Octopre bekommen hat und sich gleich zwei davon am Clarett 8PreX nutzen lassen. Zusätzlich sorgt noch eine S/PDIF-Buchse für das Einspeisen von bis zu zwei Signalen.

Ganz klassisch finden sich am Clarett 8PreX auch MIDI-Schnittstellen. Aber werden diese überhaupt noch benötigt? Das ist keineswegs eine philosophische Frage, deswegen lässt sich dazu nur sagen: Lieber haben als brauchen – schließlich sind noch genügend Klangerzeuger im Umlauf, die ausschließlich über MIDI angesteuert werden können. Neben den zwei Wordclock-Anschlüssen für Synchronisationszwecke ist zu guter Letzt noch die Thunderbolt-Buchse angebracht. Das war’s. Reicht auch.

Ein 6-LED-Segment-Meter sorgt dafür, dass man die Pegel immer im Auge hat.

Totale Kontrolle

Gänzlich ohne Software kommt das Clarett 8PreX nicht aus. Das benötigte Programm hört auf den Namen Focusrite Control, kann über die Hersteller-Website heruntergeladen werden und ergibt – natürlich – nur für den Mac Sinn. Und schon beim ersten Öffnen passt es gut zum Hardware-Gegenstück: Es wirkt sehr aufgeräumt und übersichtlich. Außerdem hält es nur die nötigsten Parameter bereit, die auf zwei Reiter aufgeteilt sind: „Device Settings“ und „Mixing & Routing“.

Unter „Device Settings“ ist es möglich, die Samplerate und die Clock-Source zu wählen. Außerdem lässt sich einstellen, welche Eingangsbuchse genutzt wird, ob der Air-Effekt aktiviert werden soll und auf welchen Ausgängen die Monitorboxen hängen. Ein interessantes Feature ist auch die Auswahlmöglichkeit, welche Signalquellen das 6-LED-Segment-Meter an der Front anzeigen soll – hier stehen „Analogue“, „S/PDIF“, „ADAT 1“ sowie „ADAT 2“ bereit. Praktisch.

Im Fenster „Mixing & Routing“ kann ein einfacher Monitor-Mix erstellt und die Quelle der Line- und Kopfhörer-Ausgänge bestimmt werden. Wo einige andere Hersteller zig Routing- und Mixing-Möglichkeiten bieten, ist hier jedoch alles sehr basic gehalten und stellt eher eine Ergänzung zu den Funktionen einer DAW dar. Ja, es ist von Focusrite sogar so vorgesehen, dass alle Signale über die DAW geregelt werden – und nicht über Focusrite Control. Da ich selbst Pro Tools zum Erstellen eines Monitor-Mixes nutze, sind zumindest für mich jegliche weiteren Optionen überflüssig. Alles andere als sinnlos ist dagegen die Möglichkeit, Presets speichern und jederzeit wieder aufrufen zu können.

Spätestens nach dem ersten Durchklicken von Focusrite Control fällt auf, dass das Clarett 8PreX keine eigene Talkback-Funktion besitzt – ein eingebautes Talkback-Mikrofon findet sich am Interface ohnehin nicht. Schade eigentlich, denn das Interface ist ja vorrangig für den Einsatz in (Projekt-)Studios konzipiert. So bleibt einem nichts anderes übrig, als sich selbst ein Talkback zu basteln und Eingänge zu verbraten oder eine externe Gegensprecheinrichtung zu nutzen.

Einfache Monitor-Mixes lassen sich über die Software Focusrite Control erstellen – mehr ist hier auch nicht nötig.

Sound

Eines muss man Focusrite lassen: Wenn die Briten extra einen Mikrofonvorverstärker für eine neue Serie entwickeln, legen sie sich richtig ins Zeug. Das hört man den Clarett-Preamps auch an, denn sie arbeiten absolut sauber. Zugegeben, sauber arbeitende Preamps gibt es zuhauf, doch nur wenige darunter bringen das gewisse Extra mit, das Sauberkeit, Nuancenreichtum und Musikalität so gekonnt verbindet wie jene aus dem Hause Focusrite. Rauschen? Fehlanzeige – war ja auch nicht anders zu erwarten. Selbst bei höchsten Gain-Werten liefert das Clarett 8PreX hervorragende Signale. Hier gibt es wirklich nichts zu beanstanden.

Kommen wir zum Air-Effekt, der neuen Funktion von Focusrite. Diese ist die einzige, die nicht direkt am Interface selbst, sondern über die Software aktiviert werden muss. Immerhin hält das Gerät für eine bessere Übersicht eine LED in jedem Eingangskanal bereit, die anzeigt, ob die Air-Schaltung aktiviert wurde oder nicht. Aber was macht dieses Feature nun genau? Durch die Simulation der Impedanz- und Resonanzeigenschaften der übertragerbasierten ISA-Preamps soll es eine deutlich bessere Transparenz und Definition im Mittenbereich erzielen. Klingt das? Und braucht man das überhaupt?

Wir aktivieren die Air-Schaltung. Das resultiert in einer leichten Anhebung der Höhen – sowie einer ebenso leichten Absenkung der Bässe. Uns fällt auf, dass der Pegel dabei gleich bleibt. Gut, ein Signal so alleine zu betrachten ist immer relativ. Deswegen vergleichen wir im Mix. Und vor allem Gesang und Akustikgitarre profitieren hier vom Air-Effekt: Sie besitzen deutlich mehr Präsenz und Durchsetzungskraft, ohne dass die Veränderung des Frequenzgangs ansatzweise nach EQ klingt. Bei anderen, basslastigeren Schallquellen gilt es hingegen aufzupassen – und zu vergleichen. Hier merkt man Focusrite seine 30-jährige Erfahrung im Bau von analogem Studio-Equipment deutlich an.

Bei all den Features hat das Clarett 8PreX noch zwei weitere Focusrite-Geräte im Gepäck – und zwar in digitaler Form: Red 2 und Red 3, die Emulationen der eingangs erwähnten Klassiker. Aber das ist noch nicht alles. Die Briten haben derzeit eine Aktion laufen, die nach der Registrierung des Produkts ein weiteres Plug-In obendrauf verspricht. Welches das ist, hängt davon ab, wann man sein neues Audio-Interface registriert, denn das kostenlose Aktions-Plug-In wechselt monatlich. Das einzige, was das Interface selbst nicht enthält, ist ein Thunderbolt-Kabel – aber das ist zu verschmerzen, denn das liegt ja quasi nirgends bei.

Eingangsseitig hält das Clarett 8PreX keine Kombi-Buchsen, sondern getrennte XLR- und Line-Inputs bereit.

Fazit, technische Daten & Wertung

Focusrite hat mit dem Clarett 8PreX ein verdammt schnelles Interface im Programm. Obendrauf klingt es nicht nur absolut musikalisch, sondern sieht auch schick aus. Dabei verzichtet der britische Audio-Spezialist auf unnötigen Ballast, spendiert seinem Wunderknaben aber zugleich alles Nötige für eine professionelle Studioproduktion. Vor allem hält das Clarett 8PreX alles für diejenigen bereit, die etwas zum Anfassen brauchen – und nicht umständlich über den Computer einpegeln, die Phantomspeisung aktivieren oder einen Lowcut setzen möchte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgesprochen gut. Dabei sucht das rote Gerät besonders im mittleren Preissegment noch vergebens nach einem klassischen Audio-Interface, das es mit ihm in Sachen Sound und Geschwindigkeit aufnehmen kann.


Auflösung max. 24 Bit zu 192 kHz
Dynamik (A-gewichtet)

118 dB (Mikrofon), 116 dB (Line) & 111 dB (Instrument)

THD+N

0,001 % (Mikrofon/Instrument) & 0,005 % (Line)

Frequenzgang 20 Hz bis 20 kHz
Analoge Eingänge 8x XLR, 8x Line & 2x Instrument
Analoge Ausgänge

10x Line & 2x Kopfhörer

Weitere Anschlüsse

S/PDIF (In/Out), 2x ADAT (In/Out), Wordclock (In/Out), Thunderbolt & Kaltgerätenetzbuchse

Bedienelemente

8x Gain, 8x Phantompower, 8x Lowcut, 8x Phasendreher, 2x Kopfhörerlautstärke, Monitor, Dim, Mute & Power

Lieferumfang

Audio-Interface, Netzkabel, Download-Code & Schnellstartanleitung

Maße (HxBxT)

2 HE zu 19 Zoll (482,5 x 88 x 288 mm)

Gewicht 5,25 kg

 

Wertung:
+ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ hervorragender Sound
+ vorbildliche Verarbeitung
+ übersichtliches und optisch ansprechendes Design
+ viele Anschlussmöglichkeiten
– keine Talkback-Funktion

Preis (UVP): 1.459 Euro

Vertrieb: Focusrite Deutschland
Weitere Infos: Focusrite Clarett 8PreX

 

 







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