Kontakt -  Heft -  Impressum -  Termine -  Newsletter 

Besuche unsere Facebook-Seite Folge uns auf Twitter Videos von MusicnStuff auf Youtube Folge uns auf G+ MusicnStuff auf myspace Besuche unsere Instagram-Seite

Test: DPA d:facto II

Purer Luxus für die Stimme

Marco Sulek am 17.01.2014

Purer Luxus für ...

Zu den heißesten Geheimtipps für Bühne und Studio gehören die Mikrofone von DPA. Die High-End-Wandler aus Dänemark sind in jeder Hinsicht etwas für Genießer: Neben der eleganten Optik sticht vor allem der hochwertige Sound hervor. Uns wurde die Ehre zu Teil, eines der hochwertigsten handgehaltenen Bühnenkondensatormikrofone für Gesang genauer unter die Lupe zu nehmen – nämlich das DPA d:facto II.

Auf dem Markt tummeln sich eine Handvoll Mikrofonhersteller, die ganz besondere Schallwandler anbieten. In der Regel konzentrieren sich diese Firmen auf ein bestimmtes Einsatzgebiet, in dem sie außergewöhnliche Produkte hervorbringen. Zu diesen nennenswerten Spezialisten zählt definitiv die dänische Mikrofonschmiede DPA. Der Unterschied zu Mitbewerbern ist jedoch, dass der Fokus bei DPA nicht nur auf einem Bereich liegt, sondern gleich auf mehreren.

Vielen Musikern dürfte DPA vor allem wegen seine durchdachten Lösungen an akustisch schwierigen Schallquellen bekannt sein: Die d:vote-4099-Serie beinhaltet Schallwandler für alle möglichen Arten von Saiten-, Blas- und Schlaginstrumenten. Dabei eignen sich die kleinen Schwanenhalsmikros nicht nur für den Bühneneinsatz, sondern auch hervorragend für den Studioalltag. Besonders dann, wenn eine möglichst flexible und unauffällige Lösung benötigt wird, gleichzeitig aber ein Sound in höchster Qualität gefordert ist, wissen viele Techniker die Modelle von DPA zu schätzen.

Neben Instrumentenmikrofonen bietet DPA die interessanten Komponenten aus der modularen Systemserie d:dicate, die vor allem im Broadcast-, Theater- und Recording-Bereich zu finden sind. Nicht zuletzt schätzen Beschallungstechniker die Vielfalt an Lavalier- und Headsetmikros. Und das zu Recht, denn hier kombiniert DPA einen hochauflösenden, nuancenreichen Sound mit einer angenehm unauffälligen Optik.

Seit kurzem konzentrieren sich die Dänen auf ein weiteres, heiß umworbenes Gebiet: das der handgehaltenen Bühnenmikros. Erst Ende 2012 stellte DPA das Kondensatorgesangsmikrofon d:facto vor – und nun ist schon Version 2 des Neulings auf dem Markt. Doch ist die Euphorie unter den Profis, die das d:facto II bereits in der Hand hatten, berechtigt? Wir haben den edlen Schallwandler für anspruchsvolle Stimme etwas genauer betrachtet.

Eingebettet in Schaumstoff ist das d:facto II gut vor Stößen und Schlägen optimal geschützt.

Glanz und Glamour?

Die Verpackung des DPA d:facto II wirkt auf den ersten Blick eher ernüchternd: Bis auf die Modellbezeichnung, ein Produktbild, das Firmenlogo sowie ein obligatorisches „Made in Denmark“ sind weder technische Daten noch eine Beschreibung mit den Vorzügen des Mikrofons abgedruckt. Öffnet man nun die Pappschachtel, kommt ein Softcase zum Vorschein, in dem sich das Objekt der Begierde befindet. Auch das Softcase ist schlicht gehalten: Neben einer Einprägung in Form einer von oben betrachteten Mikrofonkapsel (dem DPA-Logo) ist nur der Firmenschriftzug angebracht.

Mittels Reißverschluss lässt sich das Softcase öffnen, sodass man es aufklappen kann. Sehr schön: Sofort ist zu erkennen, dass das d:facto II gut vor Schlägen und Stößen geschützt in einer Schaumstoffeinlage parkt. In dieser befindet sich rechts oben eine Vertiefung, in der die mitgelieferte Mikrofonklemme steckt. Unten links gibt es eine weitere Aussparung, die für einen Handsenderadapter gedacht ist – dazu später noch mehr.

DPA hat seinem Neuling eine weitere Aufbewahrungsmöglichkeit spendiert: Im Softcase ist eine gut gepolsterte Mikrofontasche enthalten – praktisch, wenn man mit schlankem Gepäck unterwegs sein möchte. Des Weiteren finden sich ein Datenblatt, zweierlei Aufkleber sowie ein Flyer mit Infos zum richtigen Umgang mit Adaptern für Funksender. Etwas schade ist allerdings, dass kein Benutzerhandbuch beiliegt. Zwar sind alle technischen Fakten auf dem Datenblatt aufgelistet, möchte man jedoch mehr über den Umgang mit dem d:facto II erfahren, bleibt einem nichts anderes übrig, als die DPA-Website zu besuchen.

Ein nettes Detail sind die Reißverschlussschieber: Am Griff ist ein Gummistück angebracht, das die Oberseite einer Mikrofonkapsel darstellt – wie die Einprägung auf dem Softcase. Bereits das Drumherum vermittelt einen sehr edlen, wenn auch ziemlich schlichten Eindruck. Doch wir wollen es selbstverständlich genauer wissen und nehmen das High-End-Gesangsmikrofon für die Bühne aus seinem Schaumstoffbett und setzen es fachgerecht ein.

Das DPA d:facto II kommt nicht nur mit einem Softcase, sondern auch mit einer Mikrofontasche.

Haptisch überzeugend

Augenblicklich liegt das DPA d:facto II angenehm in der Hand. Mit seinen 309 Gramm gehört es zwar nicht zu den leichtesten Handheld-Mikrofonen, befindet sich aber irgendwo im Mittelfeld. Der Mikrofonschaft besitzt eine schmeichelnde Form und ist weder zu dick noch zu dünn geraten. Besonders Damen dürften sich darüber freuen, dass es auch bei einem eher lockeren Griff angenehm und rutschfest in der Hand liegt. Weiterhin fällt auf: Im Gegensatz zu relativ vergleichbaren Produkten ist das d:facto II nicht ganz so kopflastig.

Auf der mattschwarzen Oberfläche ist die Modellbezeichnung aufgedruckt. Am unteren Ende des Schafts finden sich zudem das DPA-Logo und der Hinweis für 48 Volt Phantomspeisung – schließlich handelt es sich um ein Kondensatormikrofon. Ein nettes Detail präsentiert sich auch am Mikrofonkorb: Auf dem Ring, der diesen umspannt, ist an drei Seiten „d:facto II“ in kleiner Schrift aufgedruckt. Anders als bei der ersten Version des Mikrofons findet sich nun kein Hinweis mehr, welche Richtcharakteristik gegeben ist. Allerdings ist das auch gut so, denn die Kapsel lässt sich schließlich auswechseln.

Der schwarze Mikrofonkorb des d:facto II stellt eine Besonderheit dar, denn er ist dreilagig. Die Außenseite besteht, wie üblich, aus einem Metallgewebe. Darin befindet sich eine relativ dicke Schicht Schaumstoff – die sich zum Reinigen leider nicht ganz so einfach entfernen lässt. Abschließend ist innen noch eine feine Metallgaze in einem ausreichenden Abstand zur Mikrofonkapsel befestigt. Ein einfaches Experiment beweist die Effizienz der Konstruktion: Hält man einen Finger in den Korb und pustet oder spricht von der anderen Seite drauf, machen sich kaum Luftbewegungen bemerkbar – ob das Auswirkungen auf den Klang hat, erfährst du weiter unten.  

Bei abgenommenem Korb kommt die Mikrofonkapsel des d:facto II zum Vorschein. Hier orientiert sich DPA an seinem Modularsystem: Der Wandler lässt sich abschrauben und durch einen beliebigen aus der d:dicate-Serie ersetzen. Allerdings machen hier „nur“ die Kapseln MMC2006 (Kugel), MMC4011 (Niere), MMC4015 (Breite Niere) sowie MMC3018 (Superniere) Sinn, da die Keule MMC4017 und die Doppelniere MMC2011 zu lang sind, um den Korb wieder aufschrauben zu können. Standardmäßig ist hier jedoch die speziell für Gesangssignale angepasste Supernierenkapsel MMC4018V eingesetzt.

Standardmäßig liefert DPA das d:facto II mit der speziell für Gesang entwickelte Supernieren-Mikrofonkapsel MMC3018V aus.

Beste Voraussetzungen

Denkt man an handgehaltene Kondensatormikrofone für Live-Gesang, kommen einem erst einmal gewisse Bedenken. Vor allem: erhöhte Rückkopplungsgefahr, anfällige Elektronik sowie schnelles Clipping bei hohen Schalldruckpegeln. Um gleich letzterem entgegenzuwirken: Das DPA d:facto II kommt mit unglaublichen 160 dB (SPL) klar. So laut ist es ungefähr vor dem Triebwerk eines Düsenflugzeugs. Allerdings scheint es sich hierbei um den absoluten Grenzwert zu handelt, denn der Hersteller gibt 1 % Total-Harmonic-Distortion bei 139 dB an – was trotzdem ordentlich ist.

Sogar in Sachen Robustheit bietet das d:facto II einiges: Das Gehäuse und der Mikrofonkorb machen einen sehr stabilen Eindruck. Auch der Lack hält verhältnismäßig gut und macht nicht den Anschein, als würde er schnell unter Kratzern leiden. Ein weiterer Pluspunkt ist die Lagerung der Mikrofonkapsel: Unterhalb des Gewindes, die die Kapsel an ihrem Platz hält, befindet sich ein Gummiring. Dieser entkoppelt den Wandler nicht nur hervorragend von Griffgeräuschen, sondern sorgt auch bei Stößen oder unabsichtlichem Herunterfallen für eine nötige Dämpfung.

Im d:facto II ist eine Elektret-Kleinmembrankondensatorkapsel eingebaut – es handelt sich also nicht, wie eher üblich, um einen Großmembraner. Wie bereits erwähnt: Die Supernierenkapsel MMC4018V ist speziell an Gesangssignale angepasst. Der Frequenzgang ist hier nicht so linear wie bei konventionellen Kondensatormikrofonen, sondern fällt unterhalb von 100 Hz und oberhalb von 20 kHz steil ab. Außerdem ist im Frequenzdiagramm für eine bessere Sprachverständlichkeit bei 12 kHz ein breitbandiger chirurgischer Eingriff von gut drei Dezibel zu sehen.

Dank des modularen Aufbaus ist es möglich, die Supernierenkapsel sogar bei Handsendern einzusetzen. Dafür bietet DPA diverse Schraubadapter für Funkstrecken von Lectrosonics, Sennheiser, Shure, Sony und Wisycom. Pro Adapter ruft der Hersteller eine unverbindliche Preisempfehlung von 249,90 Euro auf – zugegeben, nicht gerade ein Schnäppchen, wenn man zusätzlich den Preis des d:facto II betrachtet. Allerdings stellt sich sowieso die Frage, warum bei der Publikumsbeschallung großer Events oft Line-Array-Systeme im Wert von mehreren Einfamilienhäusern für das Signal aus einem 100-Euro-Mikrofon zum Einsatz kommen.

Um den Schaumstoff im Mikrofonkorb zu reinigen, lässt sich der Korb abschrauben – allerdings zeigt sich das Entfernen des Stoffs als eine fummelige Angelegenheit.

Edle Performance

Genug der Theorie – wir wollen wissen, was das DPA d:facto II bietet. Schon nach dem ersten Antesten waren wir hin und weg: Der Kondenser bot uns einen für Bühnenmikrofone ungewohnt hochauflösenden Sound. Jede Nuance der Stimme war klar und deutlich auszumachen – und das sowohl bei lieblichem als auch bei gutturalem Gesang. Die Höhen zeichneten sich fein ab, die Mitten schwangen angenehm mit und die Bässe tönten knackig und definiert. Im Unterschied zu den meisten Druckgradientenempfägern ist hier der Nahbesprechungseffekt kaum wahrzunehmen – ob man das jetzt möchte oder nicht, hängt von der jeweiligen Klangvorstellung und dem Geschmack ab.

Neben diesen herausragenden Eigenschaften fiel uns etwas besonders positiv auf: Die Richtcharakteristik schien mehr als bei vergleichbaren Mikrofonen über den ganzen Frequenzgang stabil zu sein. Bei seitlichem oder rückwärtigem Einsprechen machte sich also kaum Pegel bemerkbar. Das zeigt sich vor allem auf der Bühne von Vorteil, um eine möglichst hohe Kanaltrennung zu anderen Schallquellen zu garantieren. Außerdem: Die Rückkopplungsresistenz ist ein Traum. Das d:facto II ist de facto das feedbackresistenteste Mikrofon, das wir bisher in der Hand halten durften.

Vorbildlich zeigte sich zudem die Unempfindlichkeit gegenüber Griffgeräuschen: Sogar bei übertriebenem Handling war kaum Gepolter wahrnehmbar. Wie weiter oben schon angesprochen, erfüllte zudem der dreilagige Mikrofonkorb seine Aufgabe hervorragend: Weder störende Popp- noch Windgeräusche übertrug die Kapsel. Auch die Befürchtung, durch den vielschichtigen Korb könnten Höhen verloren gehen, war völlig unbegründet. Nicht einmal beim A/B-Vergleich mit und ohne Korb waren Unterschiede auszumachen.

Auch im Live-Einsatz bestätigten sich unsere ersten Eindrücke: DPA hat mit dem d:facto II ein herausragendes Gesangsmikrofon kreiert, das hält, was es verspricht. Mehr noch, denn der edle Wandler eignet sich nicht nur hervorragend für die Bühne, sondern führt auch im Studio zu besten Ergebnissen. Wer bereits im Besitz von DPA-Kapseln ist, der kann einfach den MMC4018V-Wandler herausschrauben und das Handheld als Vorverstärker benutzen – das mag zwar unkonventionell aussehen, doch erlaubt ist bekanntlich, was gut klingt. Allerdings: Trotz der speichelflussanregenden Merkmale muss man bei einem Straßenpreis von knapp 900 Euro erst einmal schwer schlucken – doch Freunde von High-End-Equipment werden mit dem d:facto II ein sehr treues Tool für die Bühne finden.

Trotz Druckgradientenbauweise ist der Nahbesprechungseffekt am d:facto II kaum wahrzunehmen.

Technische Daten

Wandlertyp Elektret-Kondensatormikrofon
Membrandurchmesser 19 mm (0,75“, Kleinmembraner)
Richtcharakteristik Superniere (modulares Kapselsystem)
Frequenzgang 20 Hz – 20 kHz
Dynamik

120 dB

Signal-Rausch-Abstand

75 dB (A-gewichtet)

Maximalschalldruckpegel

160 dB/139 dB (bei 1 % THD)

Farbe Mattschwarz
Korbdurchmesser

52 mm

Länge 205 mm
Gewicht

309 g

Zubehör Softcase, Mikrofontasche, Mikrofonklemme & Infomaterial


Wertung:

+ gute Abschirmung gegenüber Griffgeräuschen
+ sehr rückkopplungsresistent
+ hochwertige Verarbeitung
+ hervorragende Klangeigenschaften
+ angenehme Haptik
+ Softcase plus Mikrofontasche
- hoher Preis

Preis (UVP): 946,05 Euro

Nähere Infos unter: www.dpamicrophones.com

Vertrieb: Mega Audio







layout-domain.tmpl