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Test: Behringer X32 Rack

Die Welt auf 3 HE

Marco Sulek am 11.08.2014

Die Welt auf 3 HE

Vor gut zwei Jahren legte Behringer mit dem X32 die Messlatte für digitale Mischpulte höher. Jüngst ging der Audiospezialist noch einen Schritt weiter und konzipierte einen Rackmixer der besonderen Art: das X32 Rack. Was die kompakte Audiozentrale alles bereithält, erfährst du im folgenden Test.

Behringer setzt gerade das in die Tat um, was man sich von vielen anderen Herstellern schon längst gewünscht hätte: die totale Kompatibilität verschiedener Geräte, die weit über eine Serie hinausreicht. So ist die komplette X32-Familie optimal aufeinander abgestimmt, außerdem lassen sich die digitale Stagebox S16 und das Personal-Monitoring-System P16 kinderleicht in ein X32-Setup integrieren. Doch schauen wir uns erst einmal an, was die Rack-Version des Digitalmixers bereithält.

Auf nur drei Höheneinheiten finden sich am Behringer X32 Rack genügend physikalische Anschlüsse, um kleine bis mittelgroße Shows zu bedienen: An Eingängen sind 16 XLR-Buchsen vorhanden, wovon jede mit einem sehr sauber arbeitenden Midas-Micpre ausgestattet ist. Jeder davon lässt sich einzeln über das Menü mit einer Phantomspeisung von 48 Volt belegen – eine rote LED links neben der entsprechenden Buchse leuchtet dann bestätigend auf. Zudem ermöglichen sechs symmetrische Aux-Inputs beispielsweise den Anschluss von Zuspielern wie MP3-Player oder Line-Quellen.

Ausgangsseitig sind ebenfalls 6 Aux-Outs vorhanden, die unter anderem für externe Einschleif- sowie Zumischeffekte gedacht sind. Weiterhin bietet das X32 Rack 8 XLR-Ausgänge, die sich frei belegen lassen, um etwa Wedges auf der Bühne oder die PA zu speisen. Sehr praktisch an den XLR-Ausgängen ist, dass sich je ein individuelles Delay einstellen lässt – auch übers iPad. Möchte man hiermit Delay-Lines realisieren, kann man komplett auf Lautsprecher-Controller verzichten. Natürlich hält jeder Ausgang auch EQ, Limiter und weitere praktische Effekte bereit.

Obendrauf bietet das X32 Rack Buchsen für ein Talkback-Mikrofon, einen Kopfhörer sowie Abhörmonitore. Hält man sich das alles vor Augen, kann man nur den Hut ziehen: für seine Größe bietet der Mixer extrem viele physikalische Anschlussmöglichkeiten. Zwar fehlen prinzipiell Insert-Send-Returns, die gibt es aber auch am großen Mixer nicht. Außerdem bietet die Software ausreichend Tools, um gänzlich auf Ersetzungseffekte verzichten zu können. Und möchte man doch ein besonderes Gerät insertieren, lässt sich über die X32-Software mittels Aux-Kanäle ein ISR konfigurieren.

Dank des LED-Kranzes um die beiden Level-Regler weiß man auch aus einer gewissen Distanz, wie viel Pegel ausgegeben wird.

Digitale Signalführung

Maximal 40 Eingangs- und 25 Ausgangskanäle kann das X32 Rack gleichzeitig bewirten. Da eingangs- wie ausgangsseitig aber nicht so viele physikalische Anschlüsse vorhanden sind, macht das auf den ersten Blick nur wenig Sinn. Um dennoch alle verfügbaren Kanäle nutzbar zu machen, bietet sich die S16 an. Über lediglich eine Ethernet-Buchse überträgt diese bis zu 16 Kanäle in Richtung X32 Rack und von dort 48 Signale wieder zurück an die digitale Stagebox, wovon 8 an den XLR-Outputs, 16 an der ADAT-Schnittstelle und 16 am P16-Port anliegen.

Das X32 Rack besitzt gleich zwei RJ45-Buchsen, sodass zwei S16 maximal 32 Kanäle hin und 48 zurück senden können. Addiert man das mit den physikalisch vorhandenen Inputs, kommt man sogar weit über 40 simultane Eingangskanäle. Übertragen werden die Signale von Stagebox zu Pult und umgekehrt übrigens im AES50-SuperMac-Protokoll – auch „Audio over Ethernet“ genannt. Dabei empfiehlt Behringer hochwertige Kabel und höchstens eine Leitungslänge von 100 Metern zu verwenden – und das ist in den meisten Fällen mehr als ausreichend.

Behringer hat übrigens angekündigt, dass ab September eine Hauseigene 50-Meter-Ethernet-Kabeltrommel kommen soll, die in Zusammenarbeit mit Neutrik entwickelt wurde. Zwei der Leitungen sollen sich dann einfach zusammenstecken lassen, sodass man auf 100 Meter Leitung kommt. Reicht dies trotzdem nicht aus, empfiehlt der Hersteller, den Signalauffrischen DN9610 von Klark Teknik zu verwenden, um weitere 100 Meter übertragen zu können – man darf auf jeden Fall gespannt sein.

Standardmäßig sind die vorhandenen XLR-Inputs auf die Kanäle „1“ bis „16“ geroutet. Schließt man nun eine S16 an, ist das X32 Rack so konfiguriert, dass die 16 Inputs der Stagebox den Channels „17“ bis „32“ zugeordnet sind. Dadurch entfällt eine zeitraubende Konfiguration der Eingänge. Eine nützliche Funktion ist zudem die, dass man an der Rack-Version Presets für den großen X32-Bruder erstellen kann. Behringer geht jedoch noch einen Schritt weiter: Das X32 Rack lässt sich auch als eigenständiger Monitormixer verwenden, der beispielsweise über eine S16 Signale vorverstärkt und via AES50 an ein X32-FoH-Pult sendet. Das ist Kompatibilität pur.

Wie bereits erwähnt: Auch Behringers Personal-Monitoring-System P16 findet am X32 Rack Anschluss. Dafür gibt es an der Rückseite des kompakten Digitalmixers ebenfalls eine RJ45-Buchse. Daran angeschlossen erhält jeder Musiker mit einem P16 bis zu 16 Kanäle, die er individuell in Lautstärke und Panorama anpassen kann. Zusätzlich hat er die Möglichkeit, pro Kanal einen Drei-Band-EQ sowie einen Limiter zu nutzen. Als Protokoll kommt hier das Behringer-eigene Ultranet zum Einsatz.

Mittels hochauflösendem 100-Band-Realtime-Analyzer sind störende Frequenzen schnell gefunden.

Totale Übersicht

Nur 11 Regler und 19 Taster besitzt das X32 Rack. Wer denkt, das würde niemals ausreichen, der täuscht sich. Zugegeben, es dauert etwas, bis man sich mit der Bedienung anfreundet. Wenn man jedoch weiß, wie man zum gewünschten Ergebnis kommt, funktioniert das Konzept intuitiv und schnell. Dabei machen alle Bedienelemente prinzipiell einen stabilen und guten Eindruck. Etwas schade ist nur, dass die Achsen der Encoder aus Kunststoff bestehen – auch wenn sie robust wirken.

Auf dem großzügigen 5“-Display lassen sich alle wichtigen Informationen gut ablesen – eben wie beim großen X32. Im oberen Teil werden neben der Uhrzeit, der Sample-Rate und der Anschlüsse auch der aktuelle Kanal und das Szene angezeigt. Der Rest des Bildschirms konzentriert sich auf die Parameter des angewählten Channels beziehungsweise auf generelle Einstellungen des X32 Rack. Trotz der relativ vielen Angaben ist das TFT-Display sehr übersichtlich und verhältnismäßig hochauflösend.

Neben dem Display besitzt das X32 Rack noch weitere optische Kontrollmöglichkeiten: Links vom Bildschirm ist eine Segment-LED-Anzeige zu finden, die die jeweilige Kanalnummer anzeigt. Um zu unterscheiden, ob es sich dabei um einen Eingang, einen Aux-Weg oder einen Bus handelt, leuchtet eine LED neben der entsprechenden Kanalbezeichnung auf. Außerdem gibt es eine 8-LED-Anzeige, die den Pegel des angewählten Channels anzeigt. Weiterhin ist direkt rechts neben dem Display eine großzügige Pegelanzeige für das Summensignal angebracht.

Orangene LED-Kränze um die Level-Regler für den aktuell angewählten Kanal und die Stereo-Summe erlauben es, auch in dunklen Umgebungen und aus einer gewissen Distanz den gewünschten Wert abzulesen. Übrigens: Damit kein Laie etwas am X32 Rack verstellt, gibt es eine Tastensperrfunktion. Diese heißt „Lock Console“. Drückt nun jemand herum, zeigt das Display nur ein großes „X“ an. Entsperren lässt sich das Pult wieder, indem man fünf Sekunden auf den „Home“-Button drückt oder alternativ eine personalisierte Tastenkombination wählt.

Über eine praktische App lässt sich das X32 Rack via iPad fernsteuern.

Fernsteuerung pur

Ein Rack steht meistens eher schlecht erreichbar oder in einem Schrank versteckt. Möchte man sich nicht ständig bücken oder hin- und herrennen, um einen Parameter zu ändern, bietet Behringer die Lösung für PC, Mac und Linux, iPhone und iPad: Eine App, über die sich Einstellungen schnell und intuitiv vornehmen lassen. Darüber können auch Szenen für die nächste Show schnell und einfach generiert werden – egal ob für die Rack-, Producer-, Core- oder normale Version. Bevor man die App nutzen kann, muss man sie erst mit dem X32 Rack verbinden. Das ist – zumindest mit dem iPad – sehr einfach und dauert nur wenige Sekunden.

Getestet haben wir das Behringer X32 Rack in einem Jugendzentrum. Es wurde dabei in das Rack hinter der Theke verbaut und war sowohl mit den Deckenlautsprechern für Hintergrundmusik als auch mit einer PA für musikalische Zwecke verbunden. Allerdings kam hier keine S16 zum Einsatz, sondern eine normale, per Hand verlötete Wallbox in der Mitte des Raumes. Das X32 Rack war also neben der rein musikalischen Untermalung auch für kleine Gigs mit maximal 16 Eingangssignalen zuständig.

Da es umständlich gewesen wäre, das X32 Rack direkt zu bedienen, griffen wir auf ein iPad mit der entsprechenden Software zurück. Das Schöne war, dass alle relevanten Parameter aufrufbereit am Tablet zur Verfügung standen. Sogar ein Signalgenerator stand bereit, dessen Output sich auf alle Ausgänge und Subgruppen mischen ließ. Wirklich praktisch war jedoch, dass direkt auf dem Display immer in Achterblöcken abzulesen war, an welchem Kanal wie viel Pegel anliegt – so konnte man schnell bei Clipping reagieren.

Seit Version 2.0 bietet die X32-Familie die nützliche Funktion, sich im EQ einen 100-Band-Realtime-Frequency-Analyzer anzeigen zu lassen. Alternativ kann auch ein Spektrogramm angewählt werden. Da es, wie man sich denken kann, ziemlich viele Daten sind, die dabei anfallen, steht das Analyzer-Feature nur direkt am X32 Rack zur Verfügung und nicht am iPad – laut Behringer soll diese Funktion aber bereits ab September verfügbar sein.

In unserem Test erhielt das X32 Rack seine Signale über eine normale Wallbox.

Klangheld

Das Behringer X32 Rack bietet eine Palette an Einstellungsmöglichkeiten: In allen Kanälen sind standardmäßig Gate, Kompressor und EQ zu finden. Und diese klingen allesamt sehr gut, sodass man gänzlich auf Outboard-Equipment verzichten kann. Wenn man hier meckern möchte, dann nur, dass die Equalizer recht schwach greifen: Beim Cutten oder Boosten von Frequenzen braucht man hier fast den doppelten Gain-Wert als bei anderem Equipment – aber man sollte sich ja sowieso auf das Gehör verlassen.

Acht Stereo-FX-Engines und haufenweise nützlicher Effekte runden die Featurelist des X32 Rack ab. Übrigens: Wer mehrere Kanäle auf einmal bearbeiten möchte, der kann insgesamt acht DCA-Gruppen nutzen. Damit lassen sich mit nur einem Fader etwa alle Schlagzeugsignale gleichzeitig in der Lautstärke anpassen. Weiterhin kann man beispielsweise die EQ-Einstellungen eines Kanals kopieren und in einen anderen einfügen – genauso ist das Laden und Speichern von EQ-Preset möglich.

Der Sound des X32 Rack ist absolut hochwertig – hier gibt es wirklich nichts zu beanstanden. Die Signalverarbeitung ist absolut zufriedenstellend, sodass das Pult einen sauberen und, soweit wir das beurteilen konnten, neutralen Klang ausspuckt. Wie bei jedem anderen Digitalsystem kommen auch beim X32 Rack Latenzen auf. Allerdings bewegen sich diese in einem mehr als nur vorbildlichen Rahmen: Von analogem Ein- zu analogem Ausgang inklusive Signalverarbeitung und Effektierung sind es 0,8 ms – da können sich viele Hersteller etwas abschauen.

Gibt es zukünftig überhaupt noch konventionelle Live-Schüsseln oder fährt man Shows bald nur noch mit einem 6-HE-Rack und einem iPad? Keine Sorge: Das kompakte Digitalpult ist zwar überaus platzsparend und stellt mit seinen Funktionen so manche große Konsole in den Schatten; dennoch sind physikalische Bedienelemente nach wie vor gefragt – das geht schneller und ist intuitiver. Demnach eignet sich das Behringer X32 Rack vor allem für Festinstallationen und Situation, die wenig Platz bieten, gleichzeitig aber viele Funktionen abverlangen. Außerdem kann man sie als „intelligente“ Stagebox auf der Bühne oder als eigenständigen Monitormixer verwenden. Doch unabhängig davon: Das dargebotene Preis-Leistungs-Verhältnis des X32 Rack ist einfach nur unschlagbar.

Den Output des Signalgenerators kann man auf diverse Ausgänge und Busse schicken.

Technische Daten

Kanäle

32 Input, 8 Aux, 8 FX-Return, 16 Busse, 6 Matrizen & LRC-Main

Interne Effektgeräte

8 (stereo) bzw. 16 (mono)

Total-Recall

100 Szenen, 100 Snippets & 500 Cue-Punkte

Signalbearbeitung 40 Bit Fließkomma
Auflösung

24 Bit zu 44,1 kHz oder 48 kHz

Dynamikbereich

114 dB

Latenz

0,8 ms (In – Mix – Out) & 1,1 ms (S16-In – Mix – S16-Out)

Anschlüsse

16x XLR-In, 8x XLR-Out, Talkback, 2x Monitor-Out, 2x Cinch-In, 2x Cinch-Out, 6x Aux-In, 6x Aux-Out, Phones, 2x AES50, P-16-Ultranet, MIDI-In, MIDI-Out & RJ45-Remote-Control

Frequenzgang

10 Hz - 22 kHz (bei 48 kHz Sample-Rate)

Display

5“, 800 x 480, 262.000 Farb-TFT

Apps

iPhone, iPad, Windows, Mac & Linux

Maße (HxBxT)

132 x 483 x 287 mm (3 HE zu 19“)

Gewicht

6,5 kg


Wertung:
+ unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis
+ unglaublich viele Features auf engstem Raum
+ fast komplett via iPad fernsteuerbar
+ guter Sound
+ viele Anschluss- und Routingmöglichkeiten
- EQs greifen nicht so gut

Preis (UVP): 1.820 Euro

Weitere Infos unter: www.behringer.com

Vertrieb: FACE Germany







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