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Test: Avid Pro Tools 12.3

Volle Fahrt voraus

Felix Haala am 20.12.2015

Volle Fahrt voraus

Erst Anfang des Jahres hat der amerikanische Hersteller Avid die Version 12 seiner Digital Audio Workstation Pro Tools veröffentlicht. Wie man das von Major-Releases aus dem Hause Avid mittlerweile gewöhnt ist, wurden die Neuerungen in Fachkreisen sehr kontrovers diskutiert. Mit Veröffentlichung der aktuellen Version 12.3 gilt es aber ein Résumé für das Jahr 2015 zu ziehen. Was sich in den letzten Monaten getan hat und welche Features das neue Update für euch bereithält, erfahrt ihr im Test.

Januar 2015. Avid stellte auf der weltweit größten Musikmesse in Anaheim, der NAMM, die neue Version ihrer DAW Pro Tools vor. Neue Features standen dabei nicht so sehr im Vordergrund wie die Vision, die Avid in den kommenden Jahren mit der Weiterentwicklung ihrer DAW verfolgen möchte: Cloud Collaboration, die Möglichkeit, mit jedem Pro Tools Nutzer weltweit zusammenarbeiten zu können. Zusätzlich kündigte man die Einführung eines kostenpflichtigen Upgrade- und Support-Plans an und hatte an dieser Stelle bereits viele Nutzer verschreckt.

Nicht einmal ein Jahr später hat Avid die Preisstruktur für die Support-Pläne angepasst und für viele Nutzer erträglicher gestaltet. Auch ein Mieten der Software ist mittlerweile möglich. Bleibt die Frage nach der angekündigten Cloud Collaboration, was hat sich hier getan? Zugegebenermaßen: nicht so viel, die Vision ist weiterhin nur eine Vision. Dennoch brachten die Updates in den letzten Monaten einige Features, auf die Kunden seit Jahren warteten und die Neuerungen lassen auch erkennen, dass gerade der Weg zur Cloud Collaboration geebnet wird.

Beginnen wir kurz mit Version 11. Das Programm wurde komplett neu geschrieben und mit 64 Bit für eine performante Zukunft fit gemacht. Das neue Plugin-Format AAX, welches bereits in Version 10 eingeführt wurde, unterstütze nun auch voll die 64 Bit. Außerdem wurde der langersehnte Offline-Bounce eingeführt, bei dem das Rendern eines Mixes nicht mehr in Echtzeit erfolgen muss. Neue Shortcuts und Meteringoptionen waren ein weiteres Highlight. Im Vergleich dazu hat sich bei Version 12.0 nicht sehr viel getan. Es waren eher subtile Veränderungen und Stabilitätsverbesserungen.

Einige Monate später haben wir V12.1 bis 12.2 durchlaufen und können nun einige gewünschte Features abhaken. Das I/O Setup wurde verbessert, Busse sind nicht mehr limitiert, es kann eine höhere Zahl an Spuren erstellt werden, Track Input Monitoring sowie AFL und PFL Solo Modi wurden hinzugefügt, das Metering erneut verbessert, VCA Master Fader eingebaut und neue Plug-Ins wurden der Software hinzugefügt. Der große Sprung hat den Kunden bis dahin aber noch gefehlt. Auf der HD-Seite hat sich gefühlt weniger getan. Einige Features durften HD-Nutzer ja schon seit längerer Zeit genießen.

So viele Möglichkeiten: Dies ist nur ein Auszug aus den vielfältigen Lizenzierungsmodellen und Upgrademöglichkeiten von Pro Tools.

… da geht noch mehr!

Nun sind wir in der Jetztzeit angelangt, und in Pro Tools 12.3 wird das neben dem Offline-Bounce meistgefragteste Feature nachgereicht, Track Freeze – oder zumindest so etwas ähnliches. Commit Tracks heißt die neue Funktion und ermöglicht schnell und einfach Spuren samt ihrer Plug-Ins und Automationsdaten zu rendern und auf neue Spuren zu übertragen. Da diese Funktion extrem flexibel gestaltet ist, ist sie dem geforderten Feature in manchen Dingen überlegen. Wichtig: Das eigentliche Track Freeze wird in jedem Fall noch von Avid in den kommenden Versionen nachgereicht.

Der Commit-Vorgang lässt sich simpel per Drag & Drop ausführen oder im Kontextmenü des jeweiligen Kanals, je nachdem ob man den kompletten Track rendern oder noch einige Optionen zur Verfügung haben möchte. Zuerst wählt der Nutzer aus, ob der neue Kanal wieder die einzelnen Clips der Quelle enthält oder ein konsolidiertes File. Dann lassen sich Volume-, Mute- und Pan-Automation optional in das Rendering einfügen. Alternativ können die Automationsdaten aber auch einfach auf die neue Spur kopiert werden. Zuletzt lässt sich noch auswählen, wo die Spur in die Session integriert und ob der Vorgang in Echtzeit oder offline ausgeführt werden soll.

Commit: So sieht die neue Funktion in ihrer ganzen Pracht aus. Es können auch nur bestimmte Plug-Ins gerendert werden.

Commit

Das klingt schon einmal sehr lecker, funktioniert in unserem Test hervorragend und lässt sich für allerlei Dinge einsetzen – allen voran: das Einsparen von Rechenleistung. Je nachdem in welchem Plug-In Slot das Kontextmenü für den Commit-Befehl aufgerufen wird, lassen sich auch Plug-Ins vom Rendering ausschließen. Die Funktion heißt dann „Commit Up to This Insert …“, was wohl nicht näher erklärt werden muss.

Noch interessanter wird es, wenn man einen Instrumentchannel mit MIDI-Spur und Softwareinstrument vorliegen hat. Hier reicht es, den entsprechenden MIDI-Clip auf eine Audiospur mit gleicher Kanalzahl zu ziehen und schon wird das zugehörige Audiofile generiert. Auch hier funktionierte alles hervorragend. Commit lässt sich sogar für Multichannel-Instrumente nutzen. Wer also alle Kessel und Becken seines virtuellen Drumsamplers als einzelne Audiospuren benötigt, kommt hier schnell zum Ziel.

Commit „für alle“: Der neue Commit-Befehl funktioniert nicht nur bei Audiospuren. Auch Instrumenten- und Aux-Kanäle können schnell gerendert werden.

Darf’s noch ein bisschen mehr sein?

Wir haben Instrument-Tracks und Audiospuren. Wo wäre es denn noch interessant, eine Commit-Funktion zur Verfügung zu haben? Richtig, in den Aux-Kanälen. Auch das funktioniert prima. Einfach den Befehl im gewünschten Aux-Kanal anwählen und das anliegende Signal wird mit oder ohne Effekte und Automation auf eine neue Spur geschrieben. Wer in Subgruppen mischt, wird seine wahre Freude haben, denn Stems zur Archivierung oder Übermittlung an das Masteringstudio konnten nie schneller erstellt werden.

Zusätzlich hat man den Fades Dialog endlich verbessert und um einige Punkte erweitert. So ist es bei einem Batch-Fade, also dem Ein-, Aus- und Überblenden von mehreren Clips gleichzeitig, nun möglich, getrennte Kurven und Zeiten für die 3 Überblendarten zu wählen. Wer sehr viel editiert, wird das optimal in seinen Workflow einbringen können. In Kombination mit Strip Silence ist dies beim Schneiden von langen Sprachaufnahmen oder beim Freistellen von Schlagzeugspuren wie Toms ein wahrer Segen.

Batch Fades: Jetzt können Crossfades, Fade-Ins und Fade-Outs gleichzeitig – aber mit unabhängiger Konfigurationen – für eine Vielzahl an Clips gleichzeitig umgesetzt werden.

Grabber-Tool

Was hat sich noch getan? Clips und Fades sind seit Pro Tools 12.3 durchsichtig, sobald man sie mit dem Grabber-Tool „anfasst“. Das fühlt sich zu Anfang etwas ungewohnt an. Es macht aber durchaus Sinn dieses visuelle Feedback beim Schnitt zu erhalten. Vorbei die Zeiten, in denen man den Clip mehrmals hin- und herschob und schlimmstenfalls die Start und Endpunkte jedesmal nachjustieren musste. Gerade wurden mit Pro Tools 12.3.1 übrigens einige kleine Probleme behoben, die sich mit 12.3 eingeschlichen hatten.

Bleibt die Frage, wie die erfahrene und hübsche Lady Pro Tools Ende 2015 dasteht. Natürlich, es fehlen noch einige Wunsch-Features und im Januar angekündigte Neuerungen, auch das bekannte Video-Engine-Problem, ist noch nicht zu 100% behoben. Aber die ersten größeren Schritte in die richtige Richtung sind zu erkennen. Die bereits umgesetzten Funktionen und implementierten Verbesserungen gefallen, funktionieren und bringen einige Erleichterung bei der Arbeit mit Pro Tools. Man kann gespannt bleiben, wie sich Pro Tools 2016 weiterentwickelt. Vielleicht bekommen wir ja bei der nächsten NAMM im Januar schon einen Einblick.

Röntgenblick: Jetzt sieht man schon vor dem Loslassen eines Clips, wo die Wellenform landet.

Bewertung / Preise / Technische Daten

Bewertung:
+ sehr stabil
+ einfacher und schneller Workflow für aufwendige Post-Pro und Musikproduktionen
+ Upgrade-Plan für ein Jahr inbegriffen
+ Beim Upgrade sind Lizenzen für Pro Tools 10/11/12 immer kombiniert, somit ist man zu einem gewissen Grad immer kompatibel zu älteren Systemen und Peripherien
+ mit HD-Systemen quasi latenzfreies Monitoring bei der Aufnahme
+ Wunschfeatures der Kunden wurden bis dato schleppend implementiert. Hier hat sich aber einiges getan im vergangenen Jahr. Pro Tools 12.4 ist sogar noch für dieses Jahr angekündigt und enhält das lang erwartete Track Freeze.
- Wird der Support-Plan nicht verlängert, kann dieser zu einem späteren Zeitpunkt reaktiviert werden, was allerdings mit höheren Kosten verbunden ist.
- Momentan berichten einige Nutzer von Problemen beim Abspielen von Videos. Avid hat dafür eine eigene Umfrage unter den Nutzern gestartet, um das Problem schnell in den Griff zu bekommen. Betroffene können hier teilnehmen: https://docs.google.com/forms/d/16dYljZlQnn3VIpRQvGAtV42boA-uJ0TK_E2ZjgCQ0VM/viewform?c=0&w=1
- Einige Features fehlen Pro Tools gegenüber der HD Variante, welches nur zusammen mit der Hardware von Avid gekauft werden kann. Hier wäre es schön, wenn der Hersteller die Option anbieten würde, die Features der HD Variante auch ohne Hardware zu erstehen. 

 

Vertrieb/Hersteller
weitere Informationen
Preise (UVP)
Pro Tools Dauerlizenz
665,21 EUR Dauerlizenz, inkl. 1 Jahr Upgrades, Bonus-Plug-In Kollektion, iLok 2
Pro Tools Abo
23,25 EUR/Monat
332,01 EUR/Jahr
Pro Tools Upgrade
214,20 EUR inkl. Upgrade & Support Plan für ein Jahr
Pro Tools
23,25 EUR/Monat, inkl. Upgrades, Support, Bonus-Plug-In-Kollektion
Pro Tools | First
kostenlos (kein iLok nötig, aber eingeschränkte Features)
Pro Tools | HD 12
642,60 EUR als Upgrade von HD 9, 10 oder 11 bzw. Pro Tools mit CPTK

alle Kombinationsmöglichkeiten und Upgradeverlängerungen unter: www.avid.com/DE/products/pro-tools-software#licensing

 

 

Technische Daten
Art
64 Bit Digital Audio Workstation + Sequenzer
Unterstützte Spuren
128 Voices gleichzeitig, 128 Instrumentenspuren,
512 MIDI- Spuren, 256 interne Busse,
128 AUX-Spuren, 1 Videospur
Audioinputs
maximal 32 Eingänge gleichzeitig
Unterstützte Plug-Ins
AAX Native 64 Bit
Mitgelieferte Plug-Ins
über 75 virtuelle Instrumente und Effekte + Bonus-Plug-Ins
Kopierschutz
iLok USB Smart Key
Betriebssystem
Mac OS X und Microsoft Windows
Lieferumfang
variiert je nach Händler, meistens Activation Card + iLok
USB Smart Key, online auch als Download erhältlich
Besonderheit
Die HD-Variante ist nur in Verbindung mit der zugehörigen Hardware bzw. als Upgrade von einer früheren Pro Tools-Version mit Complete Production Toolkit erhältlich. Dadurch werden einige Features hinzugefügt, die maximalen Spuren und Eingänge erweitert und mehr Stock-Plug-Ins inkludiert.

 

 

 







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