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Test: Apogee Ensemble Thunderbolt

Athletischer Recording-Held

Marco Sulek am 17.02.2016

Athletischer ...

Apogees Ensemble? Das Interface ist doch ein alter Hase. Mitnichten! Apogee hat sein Portfolio überarbeitet und ein neues Thunderbolt-Audio-Interface auf die Recording-Welt losgelassen, das die erstmals 2007 veröffentlichte FireWire-Version gekonnt ablöst. Wir hatten das kompakte Interface im Test.

Schneller, höher, stärker – diesem Motto der Olympischen Spiele scheint Apogee treu zu bleiben, schaut man sich den letzten Output der Kalifornier an. Nach der Überarbeitung des Duet und der erfolgreichen Markteinführung des Quartet könnte man es quasi als logische Konsequenz betrachten, dass sich der Audio-Spezialist auf die Auffrischung des Ensemble konzentriert hat. Und eines können wir gleich an dieser Stelle erwähnen: Das neue Ensemble kann einiges. Doch fangen wir ganz von vorne an.

Apogee schlägt mit dem Ensemble den Weg vom konservativ-metallenen hin zum modernen Design ein: Sowohl die Frontblende als auch das restliche Gehäuse präsentiert sich in einem matten, schlichten Schwarz. Nicht nur das präsentiert das Interface in einer zeitlosen und edlen Optik, denn bis auf Bedienelemente und Display findet sich hieran kein Kunststoffteil. Vor allem die absolut hochwertige, einwandfreie Verarbeitung weiß sofort zu überzeugen.

Spätestens eine genaue Inspektion bestätigt noch einmal die Hochwertigkeit des Ensemble: Sämtliche Anschlüsse sowie Bedienelemente sind bombenfest mit dem Gehäuse verschraubt und machen nicht den Eindruck, als würden sie sich irgendwann lockern oder gar abnutzen. All das zusammengenommen rüstet Apogees Jüngling nicht nur für die tägliche Studioarbeit, sondern ebenso für mobiles Recording und den Live-Einsatz, bei dem es etwas rauer zugeht.

Bereits beim Einstecken des Netzsteckers schlägt das Herz höher: Der Netzschalter an der Frontblende leuchtet schwach und deutet so auf die Betriebsbereitschaft des Interfaces hin. Wird es nun in Betrieb genommen, begrüßen einen die beiden OLED-Bildschirme mit dem Apogee-Logo und der aktuellen Firmware-Version – so, wie man es vom Duet und Quartet schon kennt. Zudem sind alle 14 Taster leicht hintergrundbeleuchtet; nur der selektierte Eingang und ein eventuell aktivierter Button rechts leuchten. Übrigens: Nicht nur der Eingangswahlschalter zeigt an, welcher Input gerade angewählt ist, sondern auch das Display.

An der Rückseite des Ensemble offenbart sich die Anschlussvielfalt des Audio-Interfaces.

Massive Anschlussvielfalt

Auf nur einer Höheneinheit bietet das Ensemble massig Anschlüsse. Frontseitig finden sich zwei Kopfhörerausgänge mit jeweils eigenem Lautstärken-Encoder, die einzeln über die Tasterfunktion gemutet werden können. Weiterhin sind vorne zwei Instrumenten-Anschlüsse zu finden – davon zwei Eingänge und zwei Ausgänge, die quasi als „Thru“ fungieren. Besonders interessant hieran ist, dass sich diese beiden Anschlüsse separat nutzen lassen. Sprich: Es ist nicht nötig, einen Mikrofonkanal zu opfern.

Über die Instrumenten-Outs gibt es noch mehr zu berichten: Über das Ensemble lässt sich auswählen, ob die beiden Ausgänge das Eingangssignal der jeweilig darüber befindlichen Buchse einfach nur eins zu eins oder aber die Signale über die Software ausgeben sollen. Der Weg über die DAW eröffnet dabei vielfältige Möglichkeiten. Beispielsweise könnte das Instrumentensignal mithilfe eines EQs angepasst werden, bevor es in den Amp gelangt, oder durch einen Software-Modeler gejagt und live ins Pult eingespeist werden, ohne einen wertvollen analogen Ausgang zu belegen – und das eben in doppelter Ausführung. Übrigens: Netterweise legt Apogee dem Ensemble Thunderbolt aktuell das „Waves Gold Plug In Bundle“ im Wert von einige hundert Euro bei – in der Vollversion! Damit kann man die mit dem Interface aufgenommenen Sounds direkt in bester Qualität bearbeiten.

Ein Blick auf die Rückseite lässt einen das Potenzial von Apogees Ensemble erahnen: Amtliche Multitrack-Recordings ermöglichen bereits die acht Mikrofoneingänge (natürlich mit entsprechend acht hochwertigen Preamps) – wovon vier als XLR- sowie vier als Kombi-Buchsen ausgeführt sind. Letztere kann man auch als Hi-Z-Inputs nutzen, wodurch mal auf maximal sechs Hi-Z-EIngänge kommt, sehr praktisch. Die nahtlose Integration des Ensemble in ein bestehendes Recording-System garantieren dabei unter anderem die zwei Insert-Sends-Returns für die ersten beiden Channels. Wem acht Signale nicht reichen, der kann mit Peripherie aufstocken und die zwei ADAT- sowie den S/PDIF-Eingang nutzen.

Summa summarum lassen sich 30 Signale eingangsseitig und 34 Signale ausgangsseitig gleichzeitig durch das Ensemble jagen. Als wäre das nicht genug, können bis zu vier Ensembles kaskadiert werden, wodurch die Anzahl der verfügbaren Ein- und Ausgänge explodiert – Thunderbolt macht’s möglich. Aber halt! 30 Signale eingangsseitig? Zählt man alle Inputs zusammen, kommt man auf 28. Richtig! Denn die beiden vermissten Kanäle sind fix für das integrierte Talkback-Mikrofon reserviert – das sich übrigens auch hervorragend für das Mitschneiden des Raumklangs eignet.

Über die App Apogee Maestro 2 lassen sich die vier frei belegbaren Taster des Ensemble konfigurieren.

Gut bedient

Neben den bereits erwähnten zwei Lautstärkereglern für die Kopfhörerausgänge und den zehn Eingangswahlschaltern hält das Ensemble noch zwei Encoder sowie vier frei belegbare Taster bereit. Der linke Drehgeber dient als Gain-Regler. Durch Drücken desselben kann man einfach den nächsten Kanal anwählen, ohne die Eingangswahlschalter betätigen zu müssen. Über den rechten Drehgeber lässt sich der Pegel des Monitor-Ausgangs regeln und, durch Drücken, muten.

Schließlich finden sich am Ensemble noch vier frei konfigurierbare Taster. Über die App „Apogee Maestro 2“ sind die Funktionen derselben einstellbar. Zur Auswahl stehen neben diversen Mute- und Dim-Optionen das Aktivieren der Talkback-Schaltung, das Löschen der aktuell angezeigten Clippings im Level-Meter, das Umschalten der Instrumenten-Outs, das Auswählen der Abhöre sowie das Summieren von Stereo- zu Mono-Signalen für gewisse Ausgänge.

Maestro 2 bietet aber noch viel mehr: Hier lassen sich nicht nur die Pegel für Ein- und Ausgänge regeln sowie Phasendreher, Lowcut und Phantomspeisung für jeden Kanal einzeln aktivieren, sondern auch das komplette Input- und Output-Routing nach Bedarf verändern. Wie viele andere Audio-Interfaces hält auch das Ensemble dabei einen Software-Mixer bereit. Nebst der ganzen Signalhandhabung lassen sich über das Programm selbstverständlich noch grundlegende Einstellungen vornehmen.

Etwas schade ist hier jedoch eines: Schaltet man das Ensemble nach dem Recording aus und wieder ein, sind die Gain-Werte der Inputs nicht mehr gleich – aus welchem Grund auch immer. Leider gibt es nicht die Möglichkeit, über Maestro 2 das aktuelle Set-up zu speichern und beispielsweise am nächsten Tag wieder zu recallen. Nichtsdestotrotz ist es ein nettes Feature, die Ausgangslautstärke auch direkt über die Apple-Tastatur regeln zu können. Über Maestro 2 lässt sich dabei einstellen, welcher Pegel verändert wird – entweder für die Abhöre oder für einen der beiden Kopfhöreranschlüsse.

Dank vielfältiger digitaler Anschlüsse stehen mehr Ein- und Ausgangskanäle bereit als in 99,9 % der Fälle notwendig.

In Aktion

Wir nutzten das Apogee-Interface für Schlagzeugaufnahmen, wobei alle acht Mikrofoneingänge am Ensemble belegt wurden und zusätzlich über zwei externe A/D-Wandler vier Signale mittels ADAT und eines mittels S/PDIF an den Rechner geschickt wurden. Durch die komplette Fernsteuerbarkeit des Ensemble war es in unserem Set-up möglich, dass nur eine Person alles (bis auf die Signale von der Peripherie) über ein MacBook Pro neben sich einpegeln und somit sein eigener Engineer sein konnte.

Da – wie in diesem Fall – die Level-Meter von DAW und Interface nicht dasselbe anzeigten, ist empfohlen, diese zu kalibrieren. Allerdings beeinflusst das selbstredend weder Sound noch Performance des Ensemble, denn beide waren einfach nur vorbildlich. Klanglich, wie von Apogee zu erwarten, erhielten wir absolut saubere und nuancenreiche Signale, ohne dass diese jedoch klinisch oder gar beschönigt wirkten. Und das mit extrem niedriger Latenz. Wir konnten diese leider nicht zuverlässig messen, doch der Hersteller gibt eine Latenz von Ein- zu Ausgang von 1,1 ms an (ermittelt mit Logic Pro X bei 96 kHz Sample-Rate und 32 Bit Puffer). Und das ist wirklich unverschämt schnell!

Mehr gibt es zum Ensemble eigentlich nicht zu berichten – die vielen Einstellungsmöglichkeiten über Maestro 2 und mögliche Set-ups mit dem Interface ausgenommen. Trotz des Umfangs wird dem ein oder anderen alteingesessenen Recordler etwas fehlen: MIDI-Schnittstellen sucht man hier vergebens. Seit der Einführung 1982 zwar schon längst in die Jahre gekommen, gibt es trotzdem noch genügend Interfaces, die sie bereithalten. Apogee scheint jedoch modernere Ziele zu verfolgen – und das zu Recht, verfügen die meisten MIDI-Geräte ohnehin über einen USB-Anschluss.

Apogee bietet mit dem Ensemble ein wirklich erstklassiges Audio-Interface der neuesten Generation an. Es hält nicht nur viele Ein- und Ausgänge auf einer schlanken Höheneinheit bereit, sondern weiß auch mit zusätzlichen Features zu überzeugen, die es einzigartig und besonders machen. Zugleich punktet das Ensemble mit einem zeitlosen Design und einer einfachen Bedienbarkeit sowie seiner individuellen Konfigurierbarkeit. Schade ist nur, dass Windows-Nutzer nicht die Vorteile dieses Athleten unter den Audio-Interfaces nutzen können.

Die praktische Talkback-Funktion des Ensemble erlaubt nicht nur die Kommunikation mit Musikern – sondern auch Mitschnitte des Raumsounds..

Technische Daten & Wertung

Mit dem Ensemble Thunderbolt zeigt Apogee wieder einmal eindrucksvoll, warum man eine der beliebtesten Marken unter anspruchsvollen Recording Engineers ist. Hervorragend verarbeitet bietet das 19"-1HE-Interface massive Anschlussvielfalt und hervorragende Sounds. Dazu gestaltet sich die Bedienung angenehm intuitiv und übersichtlich. Dass man dazu aktuell noch das „Waves Gold Plug In Bundle“ im Wert von mehreren hundert € gratis dazubekommt, macht die Entscheidung für das Apogee Ensemble Thunderbolt – zumindest für Mac-User – noch leichter.

Bauweise Thunderbolt-Interface im 19"-Format
Gehäuse

Metall

Anschlüsse

4x Kombi-In, 4x XLR-In, 2x Instrument-In, 2x Instrument-Out, 2x ISR, Analog-DSUB-Out, 2x Optical-In, 2x Optical-Out, S/PDIF-In, S/PDIF-Out, Wordclock-In, Wordclock-Out, 2x Thunderbolt, 2x Phones-Out, 2x Monitor-Out & Kaltgerätenetzbuchse

Bedienelemente 10x Input-Select, 2x Encoder, 4x zuweisbare Buttons, 2x Phones-Level & Netzschalter
Display 2x farbiges OLED (Anzeige für In- & Output-Kanäle)
Vorverstärkung

bis zu 75 dB

AD/DA-Wandlung

maximal 24 Bit zu 192 kHz

Systemvoraussetzungen

Mac OS X (mindestens 4 GB RAM, 10.9.3)

Besonderheiten Geräteverwaltung über Apogee-Maestro-2-Software, integriertes Netzteil, Waves Gold Plug In Bundle inklusive
Maße (B x H x T)

158 x 483 (B) x 44 mm (19", 1 HE)

Gewicht ca. 5 kg
Herkunftsland USA


Wertung:

+ makellose Verarbeitung
+ geringe Latenz und hochwertiger Sound
+ viele praktische Features
+ komplett über Software fernsteuerbar
+ Waves Gold Plug In Bundle gratis dabei
– kein richtiges Total-Recall möglich

Preis (UVP): 3.211,81 €

Vertrieb: Sound Service
Weitere Infos: Apogee Ensemble Thunderbolt







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