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Special: Reamping

Die Welt der Gitarrensounds

Felix Haala am 10.10.2013

Die Welt der ...

Reamping bietet Musikern und Technikern die Möglichkeit, den Sound unabhängig von der Performance aufzunehmen. Wie das funktioniert, wie es erfahrene Engineers umsetzen und welche Vorteile es für dich bietet, erfährst du im Folgenden.

Gerade Nachwuchsbands möchten immer Kosten bei der Produktion ihrer Songs einsparen. Dabei muss man entweder bei der Qualität oder dem Zeitaufwand im Studio Abstriche machen. Bei Gitarrenaufnahmen lässt sich viel Zeit sparen – und das ganz ohne Qualitätsverlust. Reamping ist das Stichwort und alles, was du dazu brauchst, ist ein Computer mit Audio-Interface, eine DAW und eine DI- beziehungsweise Reamping-Box. Sogar im professionellen Alltag eines Engineers findet diese Technik Gebrauch.

Aber was ist denn nun dieses Reamping? Fangen wir ganz einfach bei dem Wort selbst an: „Re“ ist ein Präfix aus dem Lateinischen und heißt „wieder“. „Amp“ ist die Abkürzung des englischen Wortes „Amplifier“ oder dem zugehörigen Verb „amplify“ (zu Deutsch: verstärken). Somit handelt es sich beim Reamping quasi um das Wiederverstärken eines Signals – wobei das nur auf einen Bruchteil der Anwendungsmöglichkeiten zutrifft. Am häufigsten findet es sich heute sicherlich bei Gitarren- oder Bassaufnahmen, ist theoretisch aber mit jedem Signal umsetzbar.

Denkbar ist zum Beispiel auch das Verhallen eines Signals mit einem echten Raum. Das hat schon Les Paul vor etlichen Jahrzehnten gemacht. Ein langer Tunnel unter seinem Haus diente ihm dabei als „Effekt“. Am einen Ende dieses Tunnels stand der Lautsprecher, der das Signal wiedergab, am anderen das Mikrofon, das dieses plus Rauminformationen aufnahm. Das Reamping aus heutiger Sicht wurde in den 1970er und 1980er Jahren von den Motown-Ikonen erstmals eingesetzt: Sie haben einzelne Takes durch verschiedene Verstärker laufen lassen, um neue Sounds zu kreieren.

Zuletzt sei gesagt, dass sich das Reamping bei Gitarren mit sämtlichen Modellern durchführen lässt und damit das Beste aus der digitalen und analogen Welt kombinierbar wird. So kann ein gewünschter Gitarrensound für den Mix beispielsweise aus zwei verschiedenen Amp-Aufnahmen und einer Spur aus einem Pod bestehen. Der Kreativität ist hierbei keine Grenze gesetzt. Eine Alternative ist das Rundum-sorglos-Paket von Avid: das Eleven Rack. Es beinhaltet alles, was man zum Reamping braucht: Audio-Interface, DI-Box, Reamper und Gitarrenmodeller.

Avids Rundum-sorglos-Paket: Das Eleven Rack ist Modeller, DI-Box sowie Audio-Interface in einem und somit für das Reamping prädestiniert.

Die Technik

Beim Reamping gilt es, sich verschiedene Probleme vor Augen zu halten und passende Lösungen zu finden. Zunächst sei das Gitarrensignal genannt: Die Pickups einer Gitarre liefern ein schwaches, hochohmiges und unsymmetrisches Signal, das nicht zum Line- oder Mikrofoneingang am Interface passt. Auf der anderen Seite möchte man das Signal aus dem Audio-Interface in einen Verstärker schicken. Das ist allerdings stark, niederohmig und symmetrisch. Um diese Signale anzupassen, gibt es verschiedene Ansätze.

Die einfachste Variante, ein Gitarrensignal möglichst unverfälscht aufzuzeichnen, ist der Einsatz einer passenden DI-Box. Diese wandelt das unsymmetrische Signal in ein symmetrisches um, sodass man es einfach über ein Mischpult oder Interface aufzeichnen kann. Manche DI-Boxen bieten auch eine „Thru“-Schaltung. Hierbei wird das Signal gesplittet und kann gleichzeitig an einen richtigen Gitarrenverstärker weitergegeben werden. Warum das praktisch ist, klären wir später. Einige Recording-Interfaces haben heute zudem Hi-Z-Eingänge, die eine ähnliche Funktion wie die DI-Box übernehmen.

Das Signal kann über verschiedene Wege vom Interface oder Mischpult in den Gitarrenverstärker gelangen. Die einfachste und sicherlich kostengünstigste Methode ist es, eine passive DI-Box zu verwenden und das Signal quasi rückwärts durchzuschicken. Hierbei wird das Signal so umgewandelt und angepasst, dass es dem eines Pickups entspricht. Dieses kann dann problemlos in den Gitarrenverstärker geführt werden. Ein schaltbares Pad in der DI-Box ist in diesem Fall fast Pflicht, um das Signal vor dem Verstärker noch abzuschwächen – oftmals kommt hier einfach zu viel Pegel an.

Die zweite Möglichkeit ist, sich ein Gerät zu besorgen, das fürs Reamping konzipiert wurde: eine Reamping-Box. Eine Auswahl von Anbietern und Modellen findest du im unteren Schaukasten. Prinzipiell machen diese Tools nichts anderes als DI-Boxen, bieten aber trotzdem große Vorteile. Dabei ist das Pad oft nicht nur schaltbar, sondern das Signal kann stufenlos über ein Poti so angepasst werden, dass es zum Verstärker passt. Einige bieten spezielle Zusatzfeatures, wie das gegenphasige Betreiben von mehreren Verstärkern oder eine DI- und Reamping-Box.

Vor- und Nachteile

Beginnen wir zunächst mit den Nachteilen des Reampings. Diese sind weniger technisch, als vielmehr im Umgang mit dieser Methode begründet. Eine Band nimmt im Studio oder zu Hause über einen Pod die Gitarrenspuren clean auf, bis alle Takes richtig tight im Kasten sind. Jetzt hat der Techniker die Möglichkeit, geeignete Sounds für die Produktion zu finden. Dadurch stellt sich allerdings wieder die typische „Fix it in the mix“-Situation ein und man läuft Gefahr, mit der Produktion nicht mehr fertig zu werden. Die klanglichen Nachteile sind also eher marginal und allenfalls für Puristen ein wirkliches Problem.

Natürlich wird eine Gitarre, die mehrere Wandlungen und DI- beziehungsweise Reamping-Boxen durchlaufen hat, bis sie im Verstärker ist, nicht wie das Original klingen – manche Tools färben das Signal hörbar. Die Frage ist aber weniger, ob die Gitarre so klingt, als wäre sie direkt eingespielt. Viel wichtiger ist: Kannst du mit dem vorliegenden Setup und deinem Know-how einen guten Sound für den Mix realisieren? Ein letztes Problem, dem man sich stellen muss, sind Brummschleifen. Da wir in einem solchen Aufbau meist mehrere Geräte mit Erdung verbinden, ist die Gefahr von Brummschleifen, die sich bemerkbar machen, recht hoch. Hierbei helfen allerdings die Ground-Lift-Schaltungen der Boxen.

Die Vorteile ergeben sich erst einmal für den Musiker: Ein Gitarrist kann seine Spuren aufnehmen und Effekte wie Wah-Wah oder ein Volumepedal nachträglich steuern. Außerdem lassen sich Delays unabhängig vom Originalsignal aufnehmen und verwenden. Bei Problemen mit dem Grundsound einer Gitarre, zum Beispiel weil der Pickup schlecht klingt, können vor der Aufnahme mittels EQ gemindert werden. Die Backup-Funktion des Reampings spielt heute in allen Produktionen eine wichtige Rolle: Sollte der aufgezeichnete Sound im Mix doch nicht passen, kannst du der Gitarre einfach einen neuen Klang geben.

Die Vorteile, Chancen und Möglichkeiten der Reamping-Box sind allerdings unüberschaubar. So können Gitarren beim Konzert auf der Bühne aufgezeichnet und später im Studio durch Amps „vertont“ werden. Das hilft enorm, um saubere Liveaufnahmen zu erzeugen. Zudem lassen sich einzelne Takes über verschiedene Amps oder Modeller aufzeichnen und die Sounds kombinieren – das sogenannte Layering. Man kann verschiedenste Gitarrenriffs oder Bassläufe sammeln und in späteren Produktionen verwenden, indem man sie mit dem passenden Sound reampt. Neben Gitarren- und Basssignalen kannst du zum Beispiel auch Gesang über den Amp verzerren – die Möglichkeiten sind unbegrenzt.

Viele DI-Boxen bieten einen Thru-Ausgang, sodass ein Signal clean und eines über den Amp aufgenommen werden kann.

Aufbau und Durchführung

Der Signalfluss für die Aufnahme kann zum Beispiel so aussehen:



Lege dir zuerst einmal alle Komponenten und die nötigen Kabel zurecht, um die Aufnahme für das spätere Reamping vorzubereiten. Die Gitarre ist dabei mit einem normalen Instrumentenkabel an die DI-Box anzuschließen. Am Thru- oder Link-Ausgang wird dieses Signal unverändert durchgereicht. Hier kannst du also die gesamte Kette vom Effektgerät bis zur Gitarrenbox wie gewohnt durchverkabeln. Das symmetrierte Gitarrensignal bekommst du über den XLR-Ausgang der DI-Box in dein Audio-Interface. So kannst du deine Takes mit dem gewünschten Sound und einer zusätzlichen Backup-Spur für ein späteres Reamping aufnehmen.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich durch diesen Aufbau: Höre einfach die Amp-Spur ab und nehme diese zusammen mit der gemuteten DI-Spur auf. Du musst also kein Plug-In einsetzen, um einen verzerrten Gitarrensound zu simulieren. Das Spielgefühl für den Gitarristen bleibt dabei realistisch und Latenzen durch die Software entstehen erst gar nicht. Mache dir zum Einpegeln vorab ein paar Gedanken: Das trockene DI-Signal einer Gitarre hat sehr viel Dynamik. Daher solltest du mindestens mit 24 bit aufnehmen. Auf diese Weise musst du nicht so hoch auspegeln und dir bleibt ein großzügiger Headroom, ohne dass du Probleme mit dem Grundrauschen bekommst. Wenn du die Takes später vom Reamper zum Gitarren-Amp schickst, schließt du am besten erst einmal eine Gitarre am Amp an und spielst sie. Stecke danach den Reamper an den Amp an und schwäche das Signal so lange mit dem Pad beziehungsweise Poti ab, bis es so wie das eigentliche Instrument klingt. Mit einem A/B-Schalter lässt sich dieser Vergleich noch einfacher durchführen.

Verbinde für das Reamping die Geräte folgendermaßen miteinander:



Das Interface ist an einem Ausgang direkt mit dem Reamper oder der passiven DI-Box zu verbinden. Verwende hierfür ein symmetrisches Klinke-auf-XLR-Kabel oder nimm gleich ein normales XLR-Kabel – abhängig von den Ausgängen deines Interface. Das angepasste Signal aus der Box schickst du nun direkt über ein Instrumentenkabel an deinen Verstärker. Tipp: Lasse den Gitarrenverstärker in der Regie stehen und stelle nur die Box mit Mikrofon in den Aufnahmeraum. Dabei muss natürlich ein passendes Speaker-Kabel verlegt werden. Der Vorteil ist: Du kannst das Reamping zum Song laufen lassen und gleichzeitig den optimalen Gitarrensound einstellen, ohne deine gewohnte Abhörposition zu verlassen.

Bei der Durchführung des Reampings bekommt man üblicherweise eine Verzögerung von der ursprünglichen, cleanen Gitarrenaufnahme zum neuaufgenommenen Sound aus dem Amp. Bei mehreren Layern kann das zu unschönen Auslöschungen führen, außerdem stimmt ja das Timing nicht mehr genau. Ein einfacher Weg ist hier, mit einem Signalgenerator einen kurzen Impuls zu erzeugen oder einfach ein Snare-Sample an den Anfang der Aufnahme zu setzen, natürlich bevor die Gitarre das erste Mal angeschlagen wird. Das Sample ist in der DAW sehr gut sichtbar und die gereampten Takes können perfekt aufeinander gerückt werden – einfach packen und hinziehen. Wie du das am besten machst, ist in unserer Fotostrecke am Ende des Artikels zu sehen.

In einigen Tonstudios befindet sich der Gitarrist samt Amp im Aufnahmeraum. Für die Verbindung zur Gitarrenbox dient hier die Wallbox, die entsprechend zu verkabeln ist.

Abschließende Tipps

Das nötige Equipment fürs Reamping ist in den meisten Home-Recording-Studios mit Audio-Interface und passiver DI-Box bereits vorhanden. Auch wenn der Klang eines Reampers meist besser und unverfälschter ist, kannst du mit einer passiven DI-Box schon die ersten Schritte machen. Als nächsten Tipp möchte ich dem Tontüftler nahelegen, im Internet nach fertigen Aufnahmen zu suchen. In einigen Foren gibt es komplette Sessions für die DAW zum Herunterladen – mit DI-Gitarrenspuren. Diese kannst du schon einmal durch alle vorhandenen Amps jagen und spielen.

Bei all diesen Möglichkeiten birgt die Technik auch einige Gefahren. Die Gefahr für den Techniker ist, sich bei der Aufnahme nicht für den passenden Sound entscheiden zu können und alles auf die Mixdown-Phase zu verschieben. Aber es gibt auch die Gefahr für die Band, den Tontechniker mit der Sound-Findung alleine zu lassen und dies als selbstverständlichen Schritt des Mix-Downs anzusehen. Hier ist also jedem angeraten, vorher genau zu überlegen: Was erwarte ich mir vom Einsatz dieses Tools und wie lassen sich meine Ziele damit erreichen?

Wenn man sich als Band etwas in der Aufnahme sauberer DI-Signale übt, lässt sich im Studio während der Produktion sehr effizient arbeiten. Es gilt nicht mehr, den tight gespielten Takes hinterherzujagen – das ist dann deine Aufgabe in Heimarbeit. Im Studio kannst du dich wirklich auf das Kreieren der Sounds konzentrieren. Wenn die Amp-Auswahl bei einer Produktion nicht zufriedenstellend ist, kann man auf Online-Reamping-Dienste zurückgreifen. Diese haben meist eine riesige Verstärkerauswahl und liefern dir den passenden Sound für deinen Song. Dabei brauchst du einfach nur die DI-Spuren hochladen und ein paar Tage später in perfekter Qualität vom Server des beauftragten Studios ziehen.

Auf der anderen Seite tun sich für Tontechniker und Studios neue Möglichkeiten der Vermarktung auf. Wie oben erwähnt, können Reampings online angeboten und sogar „nebenher“ gemacht werden. Einfach alle Takes, die den gleichen Klang bekommen sollen auf eine Spur legen und nacheinander durchlaufen lassen. Das kann bei Rhythmusgitarren für ein Album schon mehrere Stunden in Anspruch nehmen, in denen du als Techniker zusätzlich an weiteren Produktionen arbeiten kannst. Wer einfach einmal neue Effekte ausprobieren möchte, um seine Produktion außergewöhnlich zu gestalten, sollte sich über kreative  Einsatzmöglichkeiten des Reampings Gedanken machen: Verwende zum Beispiel mal einen echten Raum für den Schlagzeughall.







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