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Special: Casting Shows

Musikerfrust oder Karriereboost?

Jan Hoffmann am 21.11.2013

Musikerfrust oder ...

Viele Musiker meiden Casting Shows wie der Teufel das Weihwasser. Doch meist hat die Medallie ja zwei Seiten und so gibt es vielleicht auch positive Ausnahmen von der negativen Regel. Wir nahmen dazu die Sendung „The Voice Of Germany“ intensiv unter die Lupe.

So wirklich erklären kann man eigentlich kaum, warum viele Musiker so absolut gegen Casting Shows sind. Ist es weil da Musiker den scheinbar leichten Weg zum Erfolg gehen? Ist es, weil dort ja nur seelenlose Plastikmusik fabriziert wird? Oder sollen da nicht eh nur Leute vorgeführt werden, damit sich der Fernsehzuschauer amüsieren kann? Woran auch immer es liegt, eines ist sicher: Will man mit Musikern eine hitzige Diskussion vom Zaun brechen, liegt man mit diesem Thema eigentlich ausnahmslos richtig.

Wenn man sich aber mal davon löst, dass das Konzept der Casting Show an sich schlecht ist, stellt sich direkt die Frage: gibt es gute und schlechte Umsetzungen dieses Konzeptes? Und die Frage kann wohl jeder eindeutig mit ja beantworten. Denn es gibt Shows, wo tatsächlich mäßig begabte Kandidaten zu schlimmen Songs – gerne aus der Konserve – performen, und danach gerne von der „fachkundigen“ Jury in den Himmel gelobt werden als der nächste „Superstar“, der die Massen im Sturm erobern wird.

Hier geht es dann eher darum, eine Geschichte um die Kandidaten zu stricken, damit die Zuschauer sich mit ihnen identifizieren beziehungsweise mitfiebern, und dann auch die Sendung einschalten, für ihren Kandidaten anrufen und im Optimalfall auch noch dessen CD kaufen. Der Vorwurf des reinen Kommerzes ist hier also nur schwer zu entkräften. Und wenn man sich mal die Geschichte diverser Shows anschaut, ganz ehrlich, wer erinnert sich heute noch an Kandidaten von vor fünf oder gar zehn Jahren?

Zudem muss jedem Bewerber klar sein, dass er den Stempel „Casting-Show-Teilnehmer“, zumindest, wenn er es bis ins Fernsehen und damit zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hat, kaum mehr loswerden wird. Und wenn man wirklich eine ernstzunehmende Musikerkarriere plant, kann einen das wirklich massiv behindern. Zudem muss man sich bewusst machen, dass das Musikbusiness ein verdammt hartes sein kann. Da geht es am Ende des Tages dann doch nur um Geld und Erfolg – und nicht um Kunst. Und wenn man per Casting Show direkt von 0 auf Vollprofi gepusht wird, bleibt es kaum aus, dass man gravierende Fehler macht, wenn man nicht verdammt aufpasst, und dann den ein oder anderen Vertrag unterschreibt, der sich vielleicht gut anhört, aber dann doch einige Haken hat.

Überraschende Begegnung: Coach Nena trifft auf ihr Bandmitglied Nader.

Gute Show, schlechte Show?

Dass es auch anders geht, beweisen Formate wie etwa The Voice Of Germany. Nicht, dass es hier nicht auch um professionelle Belange wie Erfolg und Geld – auch für die Macher und den Fernsehsender – gehen würde, aber das ganze ist schon derart anders aufgezogen, dass man hier tatsächlich von einer vernünftigen Starthilfe in ein Leben als Profimusiker sprechen kann.

Da ist zuerst mal die Tatsache, dass die Bewerber vorab sorgfältig und wirklich nach gesanglichen Fähigkeiten ausgewählt werden – und nicht wie bei anderen Formaten, wo anfangs erstmal ein ganzer Haufen völlig überforderter beziehungsweise unprofessioneller Bewerber vorgeführt werden, um das Publikum zu belustigen. Dem entsprechend ist es auch wenig überraschend, dass hier die Kandidaten oftmals schon einen professionellen Background haben, in der aktuellen Staffel sind beispielsweise Musicalsänger, tourende Musiker oder ein Mitglied aus Nenas Band (ohne dass sie davon wusste) dabei. Das Ganze hat also von Anfang an Hand und Fuß.

Bei den Performances zu Beginn sehen die Coaches die Sänger nicht – um sich voll und ganz auf die Stimmen konzentrieren zu können.

Vorbereitung aufs Profilager

Auch der Umgang in der Sendung mit den Kandidaten ist ein komplett anderer. So performen die Sänger von Anfang mit einer absoluten Profiband unter ganz normalen Live-Bedingungen. Auch wird hier niemand unqualifiziert einfach nur heruntergemacht, sondern es wird versucht, wirklich das Beste aus den Musikern zu holen, und jedem ein eigenes Profil zu verpassen – statt alle zu dem gleichen wachsweichen und austauschbaren Wegwerfprodukt zu verwerten. Auch bei der Auswahl der Songs, ihren Outfits und ihrer Performance haben die Kandidaten laut eigener Aussage volle Kontrolle.

Und das Beste: Auch wer es nicht bis ins Finale oder gar zum Sieger schafft, wird weiter unterstützt und schafft es oft auch auf anderem Wege zur Profikarriere. Die Geschichte von Dominic Sanz, der in der ersten Staffel 2011 genau das erlebte, nämlich in der ersten Hauptrunde auszuscheiden, dann aber über Umwege mittlerweile Mitglied bei den Söhnen Mannheims zu werden, könnt ihr demnächst auf unserer Website nachlesen.

Umso mehr werden wenig überraschend die Kandidaten die als Gewinner aus der jeweiligen Staffel hervorgehen, gefördert. So landete die Gewinnerin der ersten Staffel, Ivy Quainoo, mit ihrer ersten Single und dem ersten Album in den deutschen Top 5, hat jetzt ihren zweiten Longplayer „Wildfires“ am Start und geht 2014 auf eine ausgedehnte Tournee. Der Gewinner der zweiten Staffel, der Brite Nick Howards hat in diesem Jahr ebenfalls schon zwei erfolgreiche Alben herausgebracht und ist aktuell mit seiner neuen Single „Untouchable“ am Start.







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